Studie ermittelt, welches Getränk uns am meisten Flüssigkeit spendet: Wasser nicht einmal auf dem Siegertreppchen, Methodik bestätigt

Im Mittelpunkt steht der so genannte »Beverage Hydration Index« und die Frage, wie gut er sich eignet, um die Hydration von Flüssigkeiten festzustellen.

Wasser diente bei der Entwicklung des BHI vor ungefähr zehn Jahren als die Referenz. (Bild: stock.adobe.com - yanadjan) Wasser diente bei der Entwicklung des BHI vor ungefähr zehn Jahren als die Referenz. (Bild: stock.adobe.com - yanadjan)

Vor etwa neun Jahren sorgte eine Studie aus dem American Journal of Clinical Nutrition für Aufmerksamkeit, die wir auch auf GameStar.de bereits aufgegriffen haben. Sie beschäftigt sich mit der Frage, welche Getränke die Aufrechterhaltung unseres Flüssigkeitshaushalts am besten fördern.

Dazu haben Ronald J Maughan und sein Team den »Beverage Hydration Index« entwickelt (kurz BHI, zu Deutsch etwa Getränke-Flüssigkeitszufuhr-Index).

Eine Publikation von Sanjay Kalra und anderer Forscher im Journal of Renal Nutrition and Metabolism besagt nun auf Basis der Analyse weiterer Studien dazu, dass dieser Index ein valides Instrument darstellt.


Video starten 0:54 Im Dienste der Wissenschaft: Massenhaft schwarze Bälle werden in ein Wasserreservoir geschüttet


Was genau ist der BHI?

  • Der BHI stellt laut den Forschern das Volumen des nach dem Trinken produzierten Urins dar, ausgedrückt relativ zu einer Standardbehandlung (stilles Wasser) für jedes Getränk.
  • In der Studie von Maughan hatten die Probanden 30 Minuten Zeit, die jeweilige Flüssigkeit einzunehmen. Die Urinausscheidung wurde vier Stunden lang nach dem Trinken von 1.000 Millilitern des jeweiligen Getränks gemessen, wobei die Werte mit stillem Wasser als Referenz dienen.
  • Kalra und sein Team geben zwar an, dass ein Zeitraum von 15 Minuten in neueren Forschungen zu dem BHI bevorzugt wird. Insgesamt beschreiben sie den Index im Rahmen ihrer Analyse verschiedener Studien auf seiner Basis aber als robust und empfehlen seinen Einsatz und seine Weiterentwicklung.

Zu welchen Ergebnissen kam die Studie von Maughan?

Der BHI laut den Ergebnissen von Maughan und seinem Team aus dem Jahr 2016. Die schwarze Linie markiert den Basiswert des stillen Wassers. Bei den Angaben wurde der unterschiedliche Wassergehalt der Flüssigkeiten bereits mit berücksichtigt. (Bild: American Journal of Clinical Nutrition) Der BHI laut den Ergebnissen von Maughan und seinem Team aus dem Jahr 2016. Die schwarze Linie markiert den Basiswert des stillen Wassers. Bei den Angaben wurde der unterschiedliche Wassergehalt der Flüssigkeiten bereits mit berücksichtigt. (Bild: American Journal of Clinical Nutrition)

Wie die obige Grafik zeigt, landen auf den ersten vier Plätzen des BHIs die folgenden Getränke:

  1. Orale Rehydratationslösung
  2. Magermilch
  3. Vollmilch
  4. Orangensaft

Bei ersterer handelt es sich um eine spezielle Trinklösung, die Wasser, Salze (Elektrolyte) und Zucker (Glukose) in einem bestimmten Verhältnis enthält. Sie wird verwendet, um Flüssigkeits- und Elektrolytverluste auszugleichen, etwa bei Durchfallerkrankungen.

Bei den BHI-Werten, die Maughan und sein Team in ihrer Studie angeben, handelt es sich übrigens um die Ergebnisse zwei Stunden nach dem Ende der Trinkphase. Die Wahl dafür begründen sie folgendermaßen:

Erstens war dies der Zeitpunkt, zu dem die Getränke anfingen, Unterschiede aufzuweisen.

Zweitens war zu diesem Zeitpunkt der größte Teil (82 %) der Urinausscheidung des 4-Stunden-Zeitraums bereits verbraucht.

Drittens würden die meisten Menschen an einem normalen Tag erwarten, dass zwischen den Getränken nicht mehr als 2 Stunden liegen, und jede nachfolgende Nahrungs- oder Flüssigkeitsaufnahme würde die Wirkung des ersten Getränks aufheben.

Viertens machte es bei den in dieser Studie verwendeten Getränken kaum einen Unterschied für den berechneten BHI, ob dieser auf den ersten 2 Stunden oder auf dem gesamten 4-stündigen Sammelzeitraum beruhte.

Abschließende Worte

Die Ergebnisse von Maughan und seinem Team sind nicht so zu verstehen, dass wir jetzt nur noch Milch trinken sollten.

  • Bei der Wahl des Getränks spielen natürlich auch Faktoren wie ihr Kaloriengehalt und andere Inhaltsstoffe, der Geschmack und die optimale Form ihrer Aufbewahrung eine wichtige Rolle.
  • Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt indes als beste Durstlöscher Mineral- und Trinkwasser sowie (ungesüßte) Kräuter- und Früchtetees an.
  • Gleichzeitig heißt es dort aber auch, dass bei hohem Energieumsatz, Hitze, trockener kalter Luft, reichlichem Speisesalzverzehr und pathologischen Zuständen wie Fieber, Erbrechen und Durchfall ein erhöhter Wasserbedarf bestehe.

Es alternativ mal mit einem Glas Milch zu versuchen, wenn es besonders heißt ist, kann also vermutlich nicht schaden.

Lasst uns gerne in den Kommentaren wissen, was ihr bevorzugt trinkt, wenn ihr euren Durst löschen möchtet und wie ihr über die hier thematisierten wissenschaftlichen Artikel denkt!

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