Die Wahl der richtigen Tastatur für euch hängt vor allem von einer Sache ab, auf die ihr vielleicht zu spät achtet

Jusuf hält die Wahl des richtigen Schalter für ausschlaggebend, wenn es um die »beste« Tastatur geht. Aber welche Optionen gibt es und worin unterscheiden sie sich?

Jusuf hat für seine Schreibtastatur taktile Schalter gewählt – warum und welche Unterschiede es gibt, zeigt er euch hier. (Bildquelle: Jusuf HaticGameStar Tech) Jusuf hat für seine Schreibtastatur taktile Schalter gewählt – warum und welche Unterschiede es gibt, zeigt er euch hier. (Bildquelle: Jusuf Hatic/GameStar Tech)

Wenn ihr vor dem Kauf einer neuen Tastatur steht, gibt es zahlreiche Eigenschaften, an denen ihr euch orientieren solltet. Natürlich gehört da das Format dazu, und auch Komfortfunktionen sind nicht zu verachten – aber am Ende des Tages sollte in meinen Augen ein Punkt der ausschlaggebende sein:

Welcher Schalter steckt unter den Tastenkappen?

Denn diese Schalter sind der eigentliche Auslöser für eure Tasteneingaben und unterscheiden sich in zahlreichen Eigenschaften, die sich auf euer Tippgefühl, den Klang und teils auch die Reaktionszeit auswirken.

Jusuf Hatic
Jusuf Hatic

Jusuf wurde von einem Kumpel in die Welt der Custom-Tastaturen gezogen und flucht seitdem jedes Mal, wenn er auf ein anderes als seine individuell zusammengestellten Bretter zurückgreifen muss. Das Finden des richtigen Switches hat dabei mehr Zeit in Anspruch genommen, als er jemals zugeben wird – aber dafür sagt er euch jetzt, was zählt.

Bei genauer Betrachtung gibt es allerdings verdammt viele verschiedene Schalter, die zur Auswahl stehen.

Immerhin lassen sie sich in verschiedene Kategorien einsortieren. Welche das sind, was sie im Kern ausmachen und was das für euch bedeutet, gehen wir im Folgenden durch.


Video starten 0:06 Zwei Funktionen auf einer Taste: SteelSeries zeigt, was mit den OmniPoint 2.0 Schaltern möglich ist


Das Wichtigste vorweg: Die Unterscheidung in »Linear«, »Taktil« und »Clicky« beschreibt das Tippgefühl – unabhängig davon, ob ein Schalter mechanisch, optisch oder magnetisch funktioniert. Beide Ebenen überlagern sich, was die Auswahl zunächst komplex wirken lässt.

Damit ihr die Unterschiede zwischen diesen drei Begriffen aber nicht nur lest, sondern auch hört, habe ich für euch verschiedene Hörproben hochgeladen, die ihr in den jeweiligen Soundbits findet. (Grüße gehen raus an Fabian, der mir dafür seine Tastaturen-Töne zur Verfügung stellt).

In meinen Augen ist der Klang nämlich auch ein Punkt, der über das (Nicht-)Gefallen einer Tastatur entscheiden kann – und der Schalter ist eben maßgeblich dafür.

Mechanische Schalter sind der Standard

Bevor es ans Eingemachte geht, müssen wir aber kurz über das eigentliche Prinzip hinter mechanischen Schalter reden. Nele hat euch diese auch schon in ihrer großen Kaufberatung beschrieben. Darin seht ihr auch Fotos der Schaltertypen- und -techniken.

Die bilden die Grundlage für alles, was ihr über die Funktionsweise von Schaltern wissen müsst – wenn ihr aber einfach nur die verschiedenen Typen kennenlernen wollt, geht es unterhalb des ausklappbaren Kastens weiter.

Mechanische Schalter
Grobe Erklärung der Funktionsweise

Mechanische Schalter, die seit Jahrzehnten den Standard im Tastaturmarkt bilden, registrieren über zwei Metallkontakte einen Tastendruck, die beim Drücken zusammengeführt werden und einen Stromkreis schließen.

Ihr könnt euch die Funktion also wie einen Lichtschalter im Treppenhaus vorstellen. Im Inneren sitzt zudem eine Feder, die den Hub definiert und die Taste nach dem Loslassen zurückdrückt.

  • Aus dieser mechanischen Bauweise ergibt sich das Potenzial für vielfältige Kombinationen: Gehäuseform, Federgewicht, Hubtiefe und die Position des Auslösepunkts lassen sich in nahezu jeder Anordnung finden. Auch Materialien spielen eine Rolle.
  • Der Nachteil liegt im Kontaktprinzip selbst: Metallkontakte unterliegen mechanischem Verschleiß und können nach vielen Millionen Anschlägen prellen – das heißt, ein einziger Tastendruck wird mehrfach registriert. Hochwertige mechanische Schalter sind in der Regel für 50 bis 100 Millionen Betätigungen ausgelegt.

Linear: Glatt von oben bis unten

Lineare Switches bieten einen gleichmäßigen, widerstandsfreien Tastenhub ohne spürbares Feedback. Der Widerstand bleibt beim Drücken konstant, bis der Boden erreicht wird; das Geräusch ist also maximal gedämpft zu hören.

  • Lineare Schalter gelten als bevorzugte Wahl im Gaming-Bereich, weil schnelle, wiederholte Eingaben wenig Kraft erfordern.
  • Für lange Tipparbeiten scheiden sich aber die Geister: Wer kein taktiles Feedback braucht, tippt damit schnell und leise. Wer aber unbewusst auf Rückmeldung wartet, tippt mit linearen Schaltern häufiger durch.

Bekannte Linear-Vertreter sind etwa Cherry MX Red oder Gateron Yellow. Am Beispiel der »Keebhut Tropical Waters« klingen die so:

Taktil: Das spürbare Feedback

Taktile Switches haben einen fühlbaren Druckpunkt an der Betätigungsstelle. Beim Herunterdrücken gibt es einen kurzen Widerstandsanstieg, der signalisiert, dass die Taste registriert wurde – danach lässt der Widerstand nach. Den ganzen Weg bis zum Boden muss die Taste nicht durchgedrückt werden.

Dieses Feedback macht taktile Schalter besonders beim Schreiben langer Texte beliebt: Die Finger bekommen eine Art Rückmeldung, wann eine Eingabe erfolgt ist, ohne auf das Geräusch zu achten.

Der bekannteste taktile Schalter ist der Cherry MX Brown – wenngleich er in der Community wegen seines vergleichsweise schwachen Druckpunkts kontrovers diskutiert wird. Eine Alternative mit deutlicherem »Bump« ist etwa der Gateron Brown Pro, den ihr im folgenden Sample hört:

Clicky: (Laut) hören, was man tippt

Clicky Schalter kombinieren das taktile Feedback eines Druckpunkts mit einem hörbaren Klickgeräusch. Das Klicken entsteht durch ein bewegliches Kunststoffteil im Inneren, das beim Überwinden des Druckpunkts nach unten schnappt.

  • Das Ergebnis ist ein akustisches und haptisches Signal pro Tastendruck, woraus sich beinahe ein Gefühl wie an einer klassischen Schreibmaschine einstellt. Manche empfinden das als angenehmes Feedback, aber für eure Mithörer kann das störend klingen.

Wie laut das sein kann, könnt ihr an den (unter anderem) bekanntesten Vertretern in Form der Kailh Navy Blue und White feststellen, die in dieser Audiodatei zu finden sind:

Optische Schalter setzen auf Licht statt Metall

Optische Schalter lösen sich hingegen vom Metallkontakt-Prinzip. Ein kleiner Infrarotsender und -empfänger sitzen im Schalter-Gehäuse; der Tastenhub unterbricht den Lichtstrahl und löst damit das Signal aus. Da kein mechanischer Kontakt stattfindet, entfällt der Kontaktverschleiß.

  • Ein weiterer Vorteil ist die Signalgeschwindigkeit: Licht benötigt keine Entprellung wie Metallkontakte, was theoretisch eine schnellere Erkennung ermöglicht. Das Tippgefühl unterscheidet sich dabei kaum vom mechanischen Pendant.
  • Allerdings sind optische Schalter in der Regel teurer und bieten grundsätzlich weniger verschiedene Auswahlmöglichkeiten – wenngleich ihr auch hier die Wahl zwischen linear, taktil und clicky habt.

Das Einbauen von Schaltern und Tastenkappen ist mit »Hot-Swap« kinderleicht. Wenn ihr auf das Bild klickt, kommt ihr zu einem Artikel, der beschreibt, was das ist. (Bildquelle: Jusuf HaticGameStar Tech) Das Einbauen von Schaltern und Tastenkappen ist mit »Hot-Swap« kinderleicht. Wenn ihr auf das Bild klickt, kommt ihr zu einem Artikel, der beschreibt, was das ist. (Bildquelle: Jusuf Hatic/GameStar Tech)

Magnetische Switches: Hall-Effekt und TMR

Magnetische Schalter gehen noch einen Schritt weiter: Sie funktionieren vollständig kontaktlos und ohne Lichtstrahl. Im Schalter sitzt ein kleiner Magnet; ein Sensor im Boden der Tastatur misst kontinuierlich die Stärke oder Veränderung des Magnetfelds. Daraus errechnet die Firmware in Echtzeit die genaue Position der Taste.

  • Hall-Effekt-Schalter messen die Stärke des Magnetfelds, das ein Magnet im Schalter erzeugt. Je weiter die Taste gedrückt wird, desto näher rückt der Magnet an den Sensor: Die Feldstärke ändert sich also und der Sensor registriert entsprechend die Position.
  • TMR steht für »Tunnel Magnetoresistance« und bezieht sich auf eine Weiterentwicklung der magnetischen Abtastung. Statt wie beim Hall-Effekt eine durch ein Magnetfeld erzeugte Spannung zu messen, nutzt TMR den Widerstandsunterschied zwischen zwei magnetischen Schichten.

Daraus soll zumindest Herstellern wie Cherry zufolge, die TMR in ihrer neuesten XTRFY-Tastatur verwenden, eine geringere Empfindlichkeit und geringerer Stromverbrauch folgen.

Zudem gibt es noch einen weiteren Schalter, der auf Magnetismus setzt, der induktive Schalter. Aktuell gibt es dazu aber kaum Modelle auf dem Markt, wie Nele bei unserem Jahresrückblick bereits bemängelte. In dem Beitrag möchte sie übrigens von euch wissen, welche Schalter in euren Tastaturen stecken. Macht gerne bei der Umfrage mit.

Abschließend: In allen drei Fällen erlaubt die Bauweise Funktionen, auf die mechanische und optische Schalter verzichten müssen.

Dazu gehören etwa softwareseitig einstellbare Auslösepunkte, Rapid-Trigger (also ein sofortiges Zurücksetzen der Taste, sobald sie auch nur minimal angehoben wird) oder »Snap-Tap«.


In der kompetitiven Gaming-Szene haben aber solche Features bereits für Kontroversen gesorgt.


Und was ist jetzt der richtige Schalter für mich?

Diese Frage ist in etwa so leicht zu beantworten wie die Frage nach der geschmacklich besten Apfelsorte: Es kommt drauf an (für mich Pink Lady, übrigens).

Gerade im Hinblick auf Tippgefühl unterscheiden sich die Schalter selbst innerhalb der einzelnen Kategorien so sehr, dass ein eindeutig bester Schalter kaum zu benennen ist. In Neles Kaufberatung findet ihr dafür eine große Übersicht mit den besten Tastatur-Empfehlungen:

Außerdem beschreibt sie dort anhand von Fotos und Kurzübersichten die wichtigsten Tastaturformate, die wichtigsten Schaltertechniken und die gängigsten Schaltertypen auf einen Blick. Zudem findet ihr dort weitere Tipps, die ihr vor dem Kauf einer neuen Tastatur beachten solltet, und Begriffserklärungen.

Generell solltet ihr zumindest grob die Schalterkategorie in Erwägung ziehen, nach der ihr sucht: Für Vielspieler ohne viel Schreibarbeit sollten etwa lineare oder magnetische Schalter oben auf der Liste stehen; beim klassischen Tipp-Erlebnis geht es in Richtung taktil bis clicky – und kalkuliert die Reaktion eurer Umgebung ein.


Custom-Tastatur-Tests:


Und wer richtig tief in das Hobby der Custom-Tastaturen einsteigen will, wird früher oder später ohnehin mehrere »Keebs« sein Eigen nennen. Ich kann ein Lied davon singen – natürlich mit den passenden Schaltern für den jeweiligen Anwendungsfall.

Schaut gerne einmal in die über diesem Abschnitt verlinkten Tests von Nele hinein, wenn ihr nach einfachen Einstiegsmodellen sucht.

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