Kompakte Tastaturen wie TKL-, 75%- oder 60%-Layouts sind längst kein Nischenthema mehr. Viele Hersteller bieten kürzere Formate an. Bei einer Umfrage von 2024 benutzte die Mehrheit von euch aber trotzdem noch lieber Vollformattastaturen.
Abseits meiner Arbeit würde ich keine Full-Size-Modelle mehr verwenden. Dennoch kann ich eure Gründe für das volle Brett nachvollziehen. Den Kommentaren zur Umfrage nach zu urteilen, geht es dabei den meisten um Gewohnheit.
- Viele von euch haben schon immer mit großen Tastaturen gespielt und können es sich kaum anders vorstellen, was selbstverständlich vollkommen in Ordnung ist.
- Manche meinen außerdem, kürzere Tastaturen würden ihnen nicht genug Tasten für spezielle Spiele wie Simulationen bieten.
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MSI wird moderner und richtet sich mit neuer TKL-Tastatur im Trailer an eingefleischte Spieler
Unser Communitymitglied raven1386 schreibt beispielsweise unter meinem Test zur Wooting 80He:
Den Trend zu Tastaturen ohne Nummernblock kann ich nicht nachvollziehen. Für mobile LAN-Partys hätte ich das noch verstanden, aber Zuhause? Der Nummernblock ist mir viel zu wichtig, als dass ich darauf verzichten würde. Und da ich auch mit Pfeiltasten spiele statt mit WASD, brauche ich den Nummernblock umso mehr.
Ich glaube aber, dass es sich für einige von euch lohnen könnte, Tastaturen abseits des Vollformats zumindest einmal auszuprobieren. Warum das so ist und was generell die wichtigsten Faktoren in dem Zusammenhang sind, erfahrt ihr jetzt.
Die Auswahl ist groß
Hersteller werden immer besser darin, den verfügbaren Platz ihrer Modelle zu nutzen. Dadurch können oft sogar zusätzliche Regler wie eine Lautstärkewalze oder Ähnliches angebracht werden, ohne dass die Tastatur wieder größer wird.
Wer ein paar Beispiele für die geläufigsten Tastaturformate sehen möchte, dem empfehle ich unsere große Gaming-Tastatur-Kaufberatung. Dort findet ihr nicht nur einige tolle Tastaturen, sondern auch eine Formatübersicht und die wichtigsten Schaltertypen und Schaltertechniken.
Nun aber zurück zu Kompakttastaturen. Ich fasse für euch einmal die wichtigsten Vorteile zusammen, unterteilt in Gaming und Arbeiten:
Vorteile kompakter Keyboards beim Spielen
Beim Spielen sind Kompakttastaturen oft unschlagbar.
- Mehr Platz für Mausbewegungen: Durch das Wegfallen des Ziffernblocks gewinnt ihr wertvollen Raum auf dem Schreibtisch. Das ist besonders wichtig, wenn ihr Shooter mit niedriger DPI spielt und weite Armbewegungen machen müsst. Letztere machen insbesondere Low-Sense-Gamer.
- Ergonomische Armhaltung: Ihr könnt eure Arme in einer natürlicheren Position halten, weil die Maus näher an der Tastatur liegt. Das beugt Verspannungen bei langen Spielsitzungen vor.
- Mittiger Fokus: Da die WASD-Tasten mittig vor euch liegen, müsst ihr euren Oberkörper nicht leicht schräg drehen, wie es bei Full-Size-Tastaturen oft der Fall ist. Ihr könnt locker und gerade sitzen und habt WASD immer zentral im Blick.
- Mobilität: Wenn ihr oft auf LAN-Partys oder zu Turnieren fahrt, passen kompakte Modelle problemlos in jeden Rucksack. Ob Zug oder Bus: für eine TKL ist immer Platz. Außerdem könnt ihr kürzere Tastaturen bequem mit einer Hand halten und tragen, selbst bei massiver Bauweise.
Vorteile im Homeoffice
- Aufgeräumter Schreibtisch: Ein kompakter Formfaktor sorgt sofort für einen
Clean Desk Look
. Ihr habt mehr Platz für Notizbücher, das Smartphone oder die Kaffeetasse. - Schnelligkeit: Viele kompakte Tastaturen nutzen Layer-Funktionen. So erreicht ihr Zweitbelegungen oft, ohne eure Hände weit bewegen zu müssen – sobald ihr euch einmal an das Layout gewöhnt habt.
- Flexibilität: Falls ihr an einem kleinen Schreibtisch arbeitet oder zwischendurch den Platz für anderen Kram wie Unterlagen oder in meinem Fall oft Magic-Karten braucht, könnt ihr die Tastatur viel leichter zur Seite schieben, anstatt ein riesiges Brett weghieven zu müssen.
- Klang: In der Welt der Custom-Tastaturen sind verknappte Formate schon wesentlich länger etabliert. Sie bieten in ihren kompakten Gehäusen oft einen satteren, angenehmeren Klang beim Tippen. Durch das kleinere Gehäuse breitet sich der Schall weniger ungehemmt aus. Wir haben eine bessere Kontrolle darüber, wie die Tastatur klingt und wie laut sie ist. Das kommt nicht nur euch, sondern auch eurem Kollegium in Video-Calls zugute.
Viele Spieler brauchen das Vollformat nicht
Hier sind die Gründe, warum das klassische Vollformat (100 %) heutzutage oft überholt oder schlichtweg nicht nötig ist:
- Modulare Freiheit: Wenn ihr den Ziffernblock wirklich braucht, ist ein separates Numpad logischer. Ihr könnt es links platzieren (mehr Platz für die Maus rechts) oder ganz wegschieben, wenn ihr es gerade nicht nutzt. Ein abnehmbarer Nummernblock hat auch den Vorteil, dass ihr ihn als Links- und Rechtshänder dort platzieren könnt, wo ihr möchtet.
- Layer-Funktionen: Moderne Firmwares (wie QMK/VIA) erlauben es euch, alle Funktionen des Vollformats auf eine zweite Ebene zu legen. So erreicht ihr Pfeiltasten oder den Ziffernblock, ohne die Hände wegzubewegen.
- Verschwendeter Platz: Der Bereich zwischen Buchstaben und Ziffernblock wird von den wenigsten aktiv genutzt. Ihr bezahlt für Hardware und Schreibtischfläche, die im Alltag meist ungenutzt bleibt.
- Bessere Ergonomie: Da die Maus näher an den Körper rückt, reduziert ihr die Belastung in den Schultern und dazwischen. Bei Vollformattastaturen werden die Arme meistens unnatürlich weit auseinandergespreizt.
- Größere Auswahl an Tastenkappen: Der Markt für hochwertige Tastenkappen konzentriert sich stark auf kompakte Layouts. Wenn ihr euer Setup individualisieren möchtet, findet ihr für TKL oder 75 % deutlich leichter passende Sets als für das Vollformat.
Ich sage nicht, dass alle, die Vollformattastaturen mögen, dem jetzt abschwören sollen. Es ist nur allzu verständlich, dass Menschen Gewohnheitstiere sind und manche auch tatsächlich aus praktischen Gründen auf den Nummernblock angewiesen sind.
Ich sage nur, dass Vollformattastaturen nicht der heilige Gral unter den Schreibbrettern sind und möchte dazu ermutigen, auch mal etwas Neues auszuprobieren.
Nur so können wir neue Erfahrungen sammeln und uns vielleicht selbst überraschen, wenn wir ein Gerät gefunden haben, das uns entgegen eigener Erwartungen plötzlich doch besser gefällt und bereichert.
So ging es mir etwa, als ich meine ersten Kompakttastaturen zum Testen bekam. Es ist unheimlich schön, den Horizont zu erweitern.
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Jedes Tastaturformat hat seine Daseinsberechtigung. Das Tolle bei so viel Auswahl ist, dass wir Spielerinnen und Spieler unser Erlebnis immer mehr an unsere Bedürfnisse anpassen können.
Natürlich sind damit Umstellungen verbunden, aber es kann sich dennoch lohnen, zumindest mal den großen Zeh in das unbekannte Gewässer der Kompakttastaturen zu halten.





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