Ich war vor einigen Wochen auf der Leipziger Buchmesse unterwegs und zwischen Cosplays von bekannten Serien, Büchern und Spielen sah ich immer wieder Leute im Clownskostüm. Kennt ihr das?
, fragte ich meine beiden Freunde. Eine schüttelte genauso verwirrt den Kopf. Der andere seufzte: Das ist aus The Amazing Digital Circus. Wenn ihr das nicht kennt, seid ihr nicht GenZ genug dafür
, war seine Antwort.
Nach kurzer Empörung über den Alters-Querschläger, ließ mich die Geschichte aber nicht los. Nach der Messe zuhause angekommen, fing ich a) an zu googlen und b) meine Kinnlade wieder vom Boden zu kratzen, als ich die Abrufzahlen sah.
Vierhundertzwanzig Millionen
The Amazing Digital Circus ist eine Animationsserie auf YouTube die seit knapp einem Jahr in Monatsabständen neue Folgen bekommt. Allein die Pilotfolge wurde über 423 Millionen Mal angeschaut. Jede der daraufhin erschienenen Folgen befindet sich im Bereich von 70 bis 130 Millionen Aufrufen. Ich wünschte, nur ein Drittel dieser Menschen würden unsere GameStar News auf YouTube sehen.
Die Serie versteht sich als “psychologische Dark Comedy” und ihr Look erinnert erstmal an diese furchtbaren Kinderserien, die es zuhauf auf YouTube gibt. Inhaltlich richtet sich die Serie aber an alle ab Teenager-Alter. Wäre ich einfach so im Netz drüber gestolpert, hätte ich dem Ding aufgrund der grellen Farben und dieses sehr runden und glatten Looks vermutlich keinen zweiten Blick gewürdigt.
Aber da mir ja versichert wurde, dass die Serie gut sei und ich jetzt auch wissen wollte, warum so viele Menschen sie angeschaut haben, gab ich ihr eine Chance.
Ein Glück habe ich es getan. Hier seht ihr besagte Pilotfolge:
Link zum YouTube-Inhalt
Auf ins Abenteuer
Die Prämisse ist schnell erklärt: Protagonistin Pomni (Lizzie Freeman) wird in eine digitale Welt geworfen. Wie sie wirklich heißt und warum sie dort gelandet ist, weiß sie nicht mehr. Ihre letzte Erinnerung ist, dass sie ein Headset aufsetze. Dann landete sie als Clowns-Avatar in der virtuellen Zirkuswelt - genau wie viele andere vor ihr, die sich im Laufe der Pilotfolge vorstellen.
Durch die Folgen hinweg wird die zusammengewürfelte Gruppe aus Gefangenen immer wieder von einer AI namens Caine (Alex Rochon) auf Abenteuer geschickt, die ein wenig an diverse Videospiele erinnern. Und mit erinnern meine ich nicht nur, dass die Reise zum Beispiel in ein Action-Adventure im Süßigkeitenland geht, sondern dass etwa Ponmi und ein NPC aufgrund eines Glitches durch die Map fallen, woraufhin der NPC sich seiner eigenen Non-Existenz bewusst wird und deswegen beinahe dem Wahnsinn verfällt.
Mentales Wohlbefinden und psychologische Stabilität sind außerdem einige der Kernthemen, mit denen sich die Serie sehr im Detail beschäftigt. Denn die Frage: Wie lange kann ein Mensch in einem digitalen Avatar gefangen sein und sich dem Absurden hingeben, bis er selbst den Verstand verliert oder an seiner eigenen Hoffnungslosigkeit zerbricht, wird immer wieder in verschiedensten Facetten aufgegriffen. Und genau hier liegt die Genialität von The Amazing Digital Circus.
Warum ich euch die Serie ans Herz lege
Die Charaktere haben alle ihre Geschichten und Facetten, die sich im Laufe der gerade mal acht erschienen Folgen immer weiterentwickeln. Die immer freundliche Ragatha (Amanda Hufford) lernt etwa, ihre negativen Gefühle nicht ständig zu unterdrücken, um Konflikte zu vermeiden. Hase Jax (Michael Kovach) veruscht währenddessen mit dem Verlust seiner wahnsinnig gewordenen Freunde zurechtkommen, ohne dabei selbst den Verstand zu verlieren.
Immer wieder geht es um Themen wie Selbstakzeptanz, Umgang mit Verzweiflung oder einfach um das Überleben in einer Welt, in die niemand wollte. Umrahmt werden die einzelnen Episoden von dem Wunsch aller Charaktere aus dem Programm auszubrechen. Dabei finden sie immer wieder echte (und konstruierte) Hinweise auf das, was in der echten Welt gerade passiert.
Dieses Wechselspiel aus kleinen Geschichten und großer Handlung, gepaart mit dem absurden Humor und dem mannigfaltigen Cast an Charakteren, die einem schon nach zwei Folgen ans Herz wachsen, macht The Amazing Digital Circus zu einem echten Erlebnis, dass ihr nicht nur im englischen Original, sondern auch mit toller deutscher Vertonung erleben könnt.
Aktuell steht noch das große Finale, also die neunte Folge, aus. Die erscheint am 19. Juni 2026 und ich bin jetzt schon voller Vorfreude.
Wenn euch der Look nicht komplett abschreckt, dann schaut euch einfach mal ein oder zwei Folgen an - außer ein wenig Zeit habt ihr nichts zu verlieren und viel zu gewinnen.
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