The Blood of Dawnwalker: Ausgerechnet das umstrittene Zeitlimit ist für mich die größte Stärke des Rollenspiels

Eigentlich hasse ich Zeitlimits in RPGs. Doch The Blood of Dawnwalker hat mich eines Besseren belehrt.

Fluch oder Segen? Das heiß diskutierte Zeitsystem prägt The Blood of Dawnwalker maßgeblich – und überraschenderweise gefällt mir das richtig gut. Fluch oder Segen? Das heiß diskutierte Zeitsystem prägt The Blood of Dawnwalker maßgeblich – und überraschenderweise gefällt mir das richtig gut.

Och nöööö, es gibt ein Zeitlimit? Das war meine erste Reaktion, als ich davon erfuhr, dass The Blood of Dawnwalker mir nur 30 Tage lässt, um Coens Familie zu retten. Sofort schossen mir finstere Erinnerungen durch den Kopf.

Etwa das Zeitlimit in Fallout 1. Nur 150 Ingame-Tage, um diesen verfluchten Wasserchip zu finden, sonst ist Vault 13 verloren. Das war für mich purer Stress, der mir den Rollenspielklassiker bis heute madig macht. Ich wollte so gerne das wilde Ödland erkunden, aber im Hintergrund tickte für mich unüberhörbar der Timer – und zerstörte jeden Spielspaß.

Ein weiteres Opfer der Zeitlimits war dann Pathfinder: Kingmaker. Quests, globale Bedrohungen und Bauprojekte mit strikten Ablaufdaten. Zu viel gerastet oder erkundet? Pech gehabt, das Königreich ist verloren. Am Ende habe ich das RPG dann aufgegeben, die Zeitlimits hatten mir jede Lust an der Erkundung der eigentlich so spannenden Spielwelt gnadenlos entrissen.

Und jetzt sollte The Blood of Dawnwalker also ein ähnliches Schicksal erleiden. Knappe 30 Tage und Nächte, danach ist meine Familie verloren? Das kann ja nur den Spielspaß verderben. Dachte ich. Doch Dawnwalker hat mir bewiesen, dass Zeitlimits nicht nur funktionieren, sondern sogar richtig gut sein können. Bevor ihr mich jetzt direkt pfählt, lasst es mich erklären!

Johann-Martin Langner
Johann-Martin Langner

Johann hat als Nebentester über 60 Stunden im düsteren Sangora-Tal verbracht. Mittelalter, Vampire und eine reaktive Spielwelt trafen genau seinen Geschmack – allein das umstrittene Zeitsystem hatte ihm im Vorfeld ordentlich Bauchschmerzen bereitet.

Zeit als Salz in der Open-World-Suppe

Ich hätte es ja vorher niemals geglaubt, aber das harte Zeitlimit in The Blood of Dawnwalker verleiht Coens Mission die nötige Dringlichkeit – und gibt meinen Entscheidungen in der Open World so ein spürbares Gewicht.

Video starten 2:45 The Blood of Dawnwalker: Das Mittelalter-Rollenspiel ringt uns echte Entscheidungen ab

Das funktioniert aufgrund der fehlenden Hauptquest besonders gut. Klar, das große Ziel ist es natürlich, den Vampir-Bösewicht Brencis zu besiegen und Coens Familie zu retten. Aber der Weg dahin ist komplett mir überlassen!

In dem Rollenspiel treffen so Open World und Story-Sandbox aufeinander. Das Zeitlimit verleiht meinen Taten dabei einen Wert – in Form von verstrichener Zeit. Statt wie in einem Ubisoft-Spiel jedem Fragezeichen nachzujagen und die Aktivitäten der Spielwelt wie eine Liste abzuarbeiten, überlege ich mir jetzt genau, was mich wie voranbringt.

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