In Bloodborne habe ich einen ganzen Nachmittag mit Father Gascoigne verbracht, während Kollege Dimi mich im Voice Chat ausgelacht hat, statt mir im Koop zu helfen. Ja, ich bin immer noch sauer. Aber ich muss zugeben, dass mir dieser Boss durch all die Qualen an diesem Tag auch sehr genau in Erinnerung geblieben ist.
Mittlerweile habe ich unzählige Soulslikes hinter mich gebracht und fleißig solche Geschichten gesammelt: Egal ob Elden Ring oder Lies of P, die Endgegner mit all ihrem Schmerz und dem finalen Triumphgefühl vergesse ich nicht so schnell.
Umso spannender finde ich die Idee von The Dark Queen of Mortholme, das am 15. August auf Steam erscheint. Hier verwandle ich mich nämlich in den gnadenlosen Souls-Boss, der einem verzweifelten Helden den Nachmittag versaut - zumindest, bis beide die erprobte Dynamik hinterfragen.
Der Endkampf aus der Sicht des Bosses
The Dark Queen of Mortholme ist kein typisches Action-Rollenspiel oder Soulslike. Vielmehr handelt es sich um ein Story-Adventure, das die Beziehung von Held und Endboss in den Vordergrund rückt - und emotional aufarbeitet.
Ich schlüpfe in die Rolle der namensgebenden dunklen Königin, die von ihrem Thron aus die Boss-Arena überblickt. Hier schlägt in typischer Spielermanier irgendwann der Held auf, bereit, mich zu erlegen und endlich die Credits zu sehen.
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Soulslike mal anders: In diesem Spiel seid ihr der harte Boss, an dem sich der popelige Held die Zähne ausbeißt
Aber nicht mit mir! Wie man es gerade von knüppelharten Soulslikes gewohnt ist, fällt der Held schneller, als er Estus-Flakon sagen kann. Allerdings kommt die böse Königin ins Grübeln, als er immer wiederkehrt und beginnt, die wahre Natur der Konfrontation gemeinsam mit ihrem Widersacher zu hinterfragen.
Aus Feind wird Freund?
Neben den simplen Kampfmechaniken spielen dabei auch Dialogentscheidungen eine wichtige Rolle. Ich bestimme, wie sich die Beziehung der Beiden entwickelt und wie das kurze Abenteuer ausgeht. Ändert die Königin ihre Position oder bleibt sie eine eiskalte Endgegnerin, weil es ihr eben so zugedacht wurde?
All das spielt sich übrigens in einem einzigen Raum ab. Damit da keine Langeweile aufkommt, dauert das Spiel nur etwa 20 bis 30 Minuten. Es soll sich laut Entwickler in einer einzigen, emotionalen Sitzung
beenden lassen und dient eher als philosophisches Anti-Spiel-Konzept.
Bald auch auf Steam
Seid ihr neugierig geworden, könnt ihr The Dark Queen of Mortholme übrigens schon jetzt kostenlos auf Itch.io ausprobieren. Inhaltlich fällt diese Fassung größtenteils identisch mit der aus, die am 15. August auf Steam erscheint. Allerdings bietet die Neuauflage einige Komfortverbesserungen.
Unter anderem kommen vollwertiger Controller-Support. Steam-Cloud-Unterstützung, Achievements und zusätzliche Sprachen hinzu. Deutsch ist bislang allerdings leider nicht dabei.
Fazit der Redaktion
Elena Schulz
@Ellie_Libelle
20 Minuten klingt zunächst nach sehr wenig - gerade, wenn die Steam-Version letztlich Geld kostet. Allerdings finde ich, es sollte viel mehr Spielerfahrungen dieser Art geben. Viel zu viele Spiele fühlen sich gestreckt und aufgeblasen an, weil der permanente Vergleichsdruck sie dazu drängt. Man will eben mehr Spielspaß zum gleichen Preis bieten als die Konkurrenz.
Manchmal entsteht ein Spiel aber aus einer einzigen, spannenden Idee. Wie in diesem Fall: The Dark Queen of Mortholme arbeitet im Prinzip eine einzige Frage auf - wie geht es dem Boss in einem Souls-Spiel? Bei mir rattert da sofort der Kopf, ohne dass ich das Spiel selbst überhaupt starten muss. Kann ich vielleicht Frieden mit dem Helden schließen? Ist mein Tod unvermeidlich und es geht eigentlich nur um Akzeptanz? Fühlt sich der Boss am Ende auch so unfair behandelt, wie ich bei manchen Gegnern, die immer mit einer neuen Phase und einem weiteren Trick aufwarten?
Bei vielen Souls-Spielen ist die Story eher zweitrangig und bleibt meiner eigenen Interpretation überlassen. Deshalb finde ich dieses kleine Indie-Experiment umso spannender. Es kombiniert eine klassische Geschichte mit einprägsamen Figuren, mit dem Gefühl, einen scheinbar ausweglosen Kampf stets auf Neue zu erleben - so, wie man es aus Dark Souls und Co. kennt.
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