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Aschenputtel ist eigentlich ein Märchen, aber der Horrorfilm The Ugly Stepsister beweist, wie grausam die Geschichte wirklich ist

The Ugly Stepsister war für Autorin Miffy die Kino-Überraschung des Jahres. Warum dieser Film sie auch als eingefleischten Horrorfan aus den Latschen haut, erfahrt ihr hier.

Bei The Ugly Stepsister ist das Blut nicht nur im Schuh. Bildquelle: Mer Film Capelight Pictures Bei The Ugly Stepsister ist das Blut nicht nur im Schuh. Bildquelle: Mer Film / Capelight Pictures

In Zeiten von Disney zählen Märchenadaptionen zu den kinderfreundlichsten Medien überhaupt. Ob es nun Dornröschen von 1959 oder die Live-Action-Verfilmung von Cinderella aus dem Jahre 2015 ist: Die Geschichten sind seicht, voller Magie und haben so gut wie immer ein Happy End.

Doch wer sich mit den älteren Varianten hinter diesen Erzählungen beschäftigt, stellt schnell fest, dass der Stoff ziemlich düster und kaum für Kinder geeignet ist.

So wird Dornröschen (ursprünglich Zellandine) in ihrer ersten Fassung aus dem 14. Jahrhundert im Schlaf vom Prinzen geschwängert. Auch die Stiefschwestern von Cinderella (oder auch Aschenputtel) ziehen in der Erzählung der Gebrüder Grimm ein deutlich blutigeres Los als in der Disney-Version. Auf Geheiß ihrer Mutter hacken sie sich Zehen und Ferse ab, um in den berühmten Schuh zu passen.

Der 2025 erschienene Film The Ugly Stepsister springt mit Anlauf in genau diese Abgründe und setzt dabei sogar noch einen drauf. Wer diesen Horrorstreifen gucken möchte, sollte einen starken Magen haben.

Marie-Lena Höftmann
Marie-Lena Höftmann

Miffy ist eine absolute Horror-Liebhaberin, die nur vor sehr wenigen Tabus Halt macht. Seien es Exploitation-Filme aus den 80ern, Splatterfilme wie Saw oder Body Horror à la Martyrs - wenn sie besondere Gefühle auslösen, sind sie spannend für Miffy. Von The Ugly Stepsister hatte sie ursprünglich gar nicht viel erwartet, doch sie war noch Wochen nach dem Kinogang damit beschäftigt, das Gesehene zu verarbeiten. So übertrieben der Film beim ersten Gucken wirkt, so grausig real ist er, wenn man genauer darüber nachdenkt.

Aschenputtel kann einpacken

The Ugly Stepsister ist ein Body-Horror-Drama der norwegischen Regisseurin Emilie Blichfeld und erzählt die Aschenputtel-Geschichte. Dabei wird das Rampenlicht allerdings weg von der einstigen Titelheldin und auf ihre missverstandene Stiefschwester gelenkt.

Darum geht's: Im Königreich Swedlandia kommen die gerade erwachsen werdende Elvira (Lea Myren), ihre jüngere Schwester Alma (Flo Fagerli) und ihre Mutter Rebekka (Ane Dahl Torp) gerade in ihrem neuen Zuhause an. Rebekka hat sich in ihrer Geldnot nämlich den mutmaßlich reichen Otto geangelt, von dem sie hofft, einen ordentlichen Unterhalt zu kassieren.

Video starten 1:57 Der Horrorfilm The Ugly Stepsister lässt das Aschenputtel-Märchen in einem neuen, grausamen Licht erstrahlen

Er und seine Tochter Agnes (Thea Sofie Loch Næss) heißen die Neuankömmlinge herzlich willkommen, doch als Otto überraschend verstirbt, hängt der Haussegen immer schiefer und schiefer. Es stellt sich heraus, dass Ottos Familie ebenfalls pleite ist und Rebekka lässt ihren Zorn darüber an Stieftochter Agnes aus. Plan B sieht derweil vor, ihre Tochter Elvira mit Prinz Julian (Isac Calmroth) zu verkuppeln, der zufälligerweise noch Junggeselle ist.

Das kommt Elvira sehr gelegen, denn sie ist schon von klein auf ein Riesen-Fan des Prinzen. Dumm nur, dass sie nicht gerade dem Schönheitsideal dieser Gesellschaft entspricht und so muss sie sich bis zum alles entscheidenden Ball einer Reihe von barbarischen Eingriffen unterziehen. Dadurch verändert sich aber nicht nur ihr Körper, sondern auch ihre Persönlichkeit.

Wie bei The Ugly Stepsister habe ich mich noch nie gefühlt

Schon allein der Fokus auf Aschenputtels »hässliche« Stiefschwester war für mich spannend. Aber wer jetzt eine Neuinterpretation wie bei Maleficent erwartet, könnte sich kaum mehr täuschen. Elvira macht im Film eine harte Transformation durch, die schockiert, ekelt und fast schon komisch wirkt, weil sie so übertrieben erscheint. Ich versuche mich mal, vage zu halten:

Sie unterzieht sich beispielsweise einer Nasenkorrektur (ohne Betäubung, sowas Futuristisches gibt's in der Märchenwelt nicht) und greift zu einem besonderen »Mittel«, um abzunehmen. Auch ihre Zehen müssen schließlich weichen, wie schon bei den Gebrüdern Grimm. Das alles während sie sich immer wieder ein Traumleben mit dem Prinzen ausmalt, der sich in Wahrheit aber alles andere als traumhaft verhält.

Die barocke Nasen-Operation findet ohne Betäubung, dafür aber mit Publikum statt. Bildquelle: Mer Film Capelight Pictures Die barocke Nasen-Operation findet ohne Betäubung, dafür aber mit Publikum statt. Bildquelle: Mer Film / Capelight Pictures

Der Film hält dabei schamlos auf diese Verwandlung drauf. Die Bilder und den Sound werde ich vermutlich nie wieder vergessen und doch ist es nicht die plastische Zurschaustellung von Grausamkeiten, die mich weiter an The Ugly Stepsister knabbern lässt. Es ist die Erkenntnis, dass all das bereits knallharte Realität ist.

Elvira läuft der Traumvorstellung eines sorgenfreien Lebens mit einem reichen, gutaussehenden und liebevollen Märchenprinzen an der Seite völlig besessen hinterher.

Für diese Vorstellung durchlebt sie »freiwillig« extreme körperliche Schmerzen und bodenlose Demütigungen. Sie will um jeden Preis dem Schönheitsideal der Gesellschaft entsprechen, weil sie glaubt, nur dadurch glücklich zu werden.

Schon während des Schauens drängte sich mir immer wieder der Vergleich mit Social Media, Schönheits-OPs und promoteten Dubai-Lifestyles auf. Wir leben längst in einer Welt, in der junge Menschen (sowohl Frauen als auch Männer) Idealen hinterhereifern, die nicht realistisch sind. Und das wissen die meisten auch, aber das ist egal. Was zählt, ist, wie es von außen aussieht.

Und dafür schleift man sich gesunde Zähne ab, um Fake-Kronen zu tragen, die weißer sind als Neuschnee. Oder man spritzt sich Hyaluron in die Stirn, obwohl man mit Anfang 20 noch nicht einmal den Ansatz eines Fältchens sehen kann. Oder man lässt sich die Beine brechen, um nach dem Zusammenwachsen der Knochen zehn Zentimeter größer zu sein. Oder man ...

Diese Liste ließe sich endlos weiterführen und beim Blick darauf, erscheint mir das Martyrium von Elvira überhaupt nicht mehr übertrieben. Das macht die Bilder und Soundkulisse aber nicht erträglicher; im Gegenteil: Beim Gedanken daran, dass Menschen sich derartigen Torturen stellen, um »schön« zu sein, schaudert's mich auch noch Monate nach meinem Kinobesuch. Und dafür bin ich dankbar.

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