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Weshalb die Autoren von The Witcher 3 die Story zweimal schreiben mussten

Geralt allein war für die Story von The Witcher 3 zu wenig? Zwei Storydesigner geben Einblicke in den Entstehungsprozess der großartigen Geschichte des Hexers.

Bevor die Story-Autoren Geralts Geschichte erzählen konnten, mussten sie viel Vorarbeit leisten. Bevor die Story-Autoren Geralts Geschichte erzählen konnten, mussten sie viel Vorarbeit leisten.

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Hinweis: Dieser Artikel erschien ursprünglich im April 2020. Damals haben wir uns im Rahmen des fünften Jubiläums des Rollenspiels die Entwickler geschnappt, um mit ihnen in Erinnerungen zu schwelgen und lustige Anekdoten aus ihnen herauszuquetschen. Weil diese Erzählungen auch heute noch super spannend sind, ziehen wir diesen Artikel zum 10. Jubiläum des Rollenspiel-Meisterwerks nochmal aus unserem Archiv hoch.

Geralt von Riva spielt in The Witcher 3 nur eine Nebenrolle, wie meinen? Da betont CD Projekt jahrelang, dass wir im Open-World-Rollenspiel Geralts ganz persönliche Geschichte erleben. Doch dann pflanzt sich der Story-Autor Borys Pugacz-Muraszkiewicz ganz ungeniert vor unser Interview-Mikrofon und verrät:

Die Story stand schon fest, bevor Geralts Abenteuer überhaupt beginnen konnte. Und ohne Ciri, Yen und die anderen hätte die Geschichte des Hexers gar nicht funktioniert.

Denn Geralt allein war für seine eigene Story nicht ausreichend. Es sind seine Beziehungen zu Ciri, Yennefer, Triss und den anderen Charakteren, die Geralt Motivation und Ziel verleihen und so den Entstehungsprozess von The Witcher 3 erst ins Rollen bringen konnten.

Das offenbaren die Story-Autoren Borys Pugacz-Muraszkiewicz und Marcin Blacha im GameStar-Interview und geben mitunter überraschende Einblicke, welche Vorarbeit geleistet werden musste, bevor es ans Schreiben von Geralts Abenteuer ging, welche Charaktere die Schlüsselszenen im Spiel setzten und warum CD Projekt für eine vollständige Witcher-Erfahrung einige Erzählstränge streichen musste.

In The Witcher 3 dreht sich alles um eine Frau

Ciri ist nicht nur ein Teil der Welt von The Witcher 3, sie ist ihr Ursprung. Und ohne sie hätte es The Witcher 3 in der Form, in der wir es kennen und lieben, gar nicht gegeben. Denn sie zieht die Fäden und bestimmt Geralts Schicksal von Anfang an: Jeden Weg, den Geralt geht, ist Ciri schon gegangen. Zufällige Begegnungen sind gar nicht so zufällig, und Geralts wichtigstes Ziel ist es, seine Ziehtochter zu finden.

Ciri formte die Story und setze Schlüsselpunkte in der Erzählung. Selbst viele Charaktere hat CD Projekt nur eingebaut, damit sie Geralt auf den richtigen Weg zu Ciri schubsen, für den Hexer selbst hätten sie gar keinen Belang. Geralts Abenteuer ist deshalb nur ein Echo von Ciris Reise, die er Schritt für Schritt nachverfolgt.

Doch die Story von The Witcher 3 wurde keineswegs so geradlinig runtergeschrieben wie ein Buch, sondern mutierte über die gesamte Entwicklungszeit hinweg wie ein Hexer, der zu viele Tränke geschluckt hat. Und so ganz vollständig, wie sich die Autoren gewünscht hätten, ist The Witcher 3 dann auch nicht geworden.

Um Geralts Geschichte in The Witcher 3 erzählen zu können, musste zunächst das Schicksal von Ciri besiegelt werden. Um Geralts Geschichte in The Witcher 3 erzählen zu können, musste zunächst das Schicksal von Ciri besiegelt werden.

Am Anfang war die Open World

Dass The Witcher 3 im Gegensatz zu seinen Vorgängern eine riesige und offene Spielwelt haben sollte, stand für die Entwickler von Anfang an fest. Denn wie schon von The Witcher 1 zu The Witcher 2 sollte auch der dritte Teil einen großen Techniksprung hinlegen - die Polen waren ja noch nie für zurückhaltende Ambitionen bekannt.

Was läge da näher als eine Open World, die nach dem Erfolg von Skyrim ohnehin den Rollenspiel-Nerv traf?Genauso war den Storydesignern noch vor den ersten echten Ideen für ihre Geschichte klar, dass es in diesem Spiel unbedingt um Ciri gehen muss. The Witcher 3 sollte nämlich bei Geralts Suche nach Yennefer ansetzen. Und diese Beziehung des Hexers und der Zauberin schließt Geralts Ziehtochter Ciri unweigerlich mit ein.

Die Grundzüge der Handlung entwickelten Marcin, Borys und ihr Team keineswegs in den düsteren Besprechungsräumen des CD-Projekt-Hauptquartiers, sondern bei strahlendem Sonnenschein an der frischen Luft: Bei ausschweifenden Spaziergängen entlang der angrenzenden Bahngleise diskutierten sie Storyschnipsel, warfen Ideen hin und her und schleckten Eis aus Waffeln.

Etwa ein Jahr verbrachten die Autoren damit, sich die Details der umfangreichen Hintergrundgeschichte von The Witcher 3 zu überlegen: Wo ist Ciri hingereist? Was hat sie dort gemacht? Mit wem hatte sie Kontakt? Und wie ist sie auf der Nebelinsel gelandet? Borys Pugacz-Muraszkiewicz erzählt:

Erst als wir mit dieser Hintergrundstory fertig waren, konnten wir mit den Ideen für Geralts Reise beginnen.

Doch Ciri ist damit nicht nur für die Hauptquest und die Motivation und Ziele des Hexers verantwortlich, sondern hatte großen Einfluss auf die Gestaltung der Welt von The Witcher 3.

Die Kombination aus den beiden Standbeinen - Open World und Ciri - erlaubte den Story-Autoren beispielsweise auch, Gebiete wie das Skellige-Archipel ins Spiel einzubauen. »Eine Open World bedeutet eben auch, dass es hinter den Ufern und der See weiter geht«, sagt Borys. Die Glaubwürdigkeit der Welt spielte für die Autoren eine zentrale Rolle. Und wer die Buchvorlage von Andrzej Sapkowski gelesen hat, dem ist Skellige, dessen Rolle im Hexer-Kanon und Ciris Beziehung zur Inselgruppe bekannt.

Skellige entstand in The Witcher 3 also, weil Ciris Geschichte Geralt dorthin führte und die Open-World-Natur des Spiels die Erweiterung auf andere Gebiete erlaubte. Statt den Hexer ausschließlich durchs osteuropäisch angehauchte Niemandsland reiten zu lassen, konnte CD Projekt so noch das nordische Wikinger-Flair von Skellige einfließen lassen. Story-Autor Borys schwärmt:

Das eröffnete uns nochmal ein kleines Universum innerhalb der Spielwelt.

Selbst ganze Teile des Hexer-Universums wie Skellige schafften es nur Dank Ciri in The Witcher 3. Selbst ganze Teile des Hexer-Universums wie Skellige schafften es nur Dank Ciri in The Witcher 3.

Die Bücher werden gebeugt

Ciri beeinflusste nicht nur die Entstehung bestimmter Gebiete in The Witcher 3, sondern ist auch für das Auftreten gewisser Charaktere verantwortlich. Dabei sticht besonders der mächtige Elfen-Magier Avallac'h heraus, der im Gegensatz zu den Büchern im Spiel für Ciri sogar auf die Seite der Guten wechselt. Denn CD Projekt übernimmt Charaktere zwar aus der Buchvorlage, hat aber auch kein Problem damit, sie umzuschreiben, wenn die Autoren das für notwendig halten.

Wer die Bücher nicht gelesen hat, lernt Avallac'h in The Witcher 3 zum ersten Mal kennen. Schnell wird klar, dass es zwischen ihm und Ciri eine starke Verbindung geben muss - denn er scheint mehr über sie zu wissen als alle anderen. Geralt eingeschlossen.

Wer die Bücher kennt, wird hier womöglich überrascht sein, denn der Charakter des Elfen und seine Absichten stellen sich in The Witcher 3 komplett anders dar als in Sapkowskis Romanen. Darin spielte er zwar nur eine kleine Rolle, blieb aber vielen Lesern durch seine arrogante Persönlichkeit und sein hinterhältiges Handeln in Erinnerung. Ciri hat er ins Auge gefasst, weil durch ihre Adern das Blut der Älteren strömt, also das Lebenselixier der alten Elfen. Lara Dorren, die letzte Elfin, die dieses Gen in sich trug, war Avallanc'hs Geliebte - vermählte sich aber letztlich mit einem Menschen.

Projektion In The Witcher 3 trifft der Spieler zunächst nur auf eine morphotische Projektion des Magiers.

Elfen-Magier Anders als in der Buchvorlage entpuppt sich der Elf im Spiel aber als treuer Begleiter.

Während sich Avallanc'h in The Witcher 3 diese Hintergrundgeschichte mit seiner Buchvorlage teilt, macht er im Spiel einen deutlich sympathischeren Eindruck. In den Büchern entführte er Ciri in die Hauptstadt der Elfen und erpresste sie - er würde sie erst gehen lassen, wenn sie ein Kind mit dem König der Elfen zeugt, um somit das Älteren-Blut weiterzugeben.

In The Witcher 3 entpuppt sich dieser arglistige Charakter allerdings als treuer Begleiter, der Ciri vor der Wilden Jagd versteckt, ihr bei ihrem Kampf zur Seite steht und Geralt auf die richtige Spur bringt. Warum bekam der Elfen-Magier eine solch wichtige Rolle in The Witcher 3, die seine literarische Vorlage derart auf den Kopf stellt? Tatsächlich hatte Avallac'h im Spiel mehrere Rollen zu erfüllen, wie Marcin Blacha erklärt:

Zum einen brauchten wir einen Mentor für Ciri. Außerdem musste jemand Geralt bei der Suche nach Ciri helfen.

Denn ab einem bestimmten Punkt im Spiel waren vage Hinweise auf Ciris Verbleib nicht mehr ausreichend - es musste jemand her, der Geralt den rechten Weg weisen konnte. »Und bevor Geralt seinen ultimativen Mitstreiter - nämlich Ciri - findet, haben wir jemand anderen an seiner Seite gebraucht.« Auch diese Rolle nahm der mysteriöse Elfen-Magier ein, über dessen Absichten sich viele Spieler bis zum Ende nicht ganz sicher waren.

Avallac'h war auch als kleine Belohnung für die Spieler selbst gedacht, offenbart Marcin Blacha, als zusätzliches Erfolgserlebnis, wenn man seine wahre Identität aufdeckt. Worum es genau geht, erfahrt ihr, wenn ihr das Spoiler-Bild weiterschaltet:

Der Blutige ... Langweiler?

Avallac'h ist bei Weitem nicht der einzige wichtige Charakter, auf den Geralt während der Suche nach seiner Ziehtochter trifft. Und viele dieser Helfer und Gegner kamen - anders als der Elfen-Magier - gar nicht in den Büchern vor. Sie wurden speziell für das Spiel entworfen, um eine ganz bestimmte Rolle in der Welt zu erfüllen.

Den meisten Spielern am besten in Erinnerung geblieben ist wohl die Figur des Blutigen Barons. Es ist schwer vorstellbar, dass seine ausgefeilten Charakterzüge und seine tragische und mitreißende Geschichte, die bei vielen so einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat, nicht von Anfang an einen festen Platz in der Hauptstory hatten.

Phillip Strenger war nur ein Schatten seiner selbst und wurde erst mit der Zeit zu dem ausgefeilten Charakter mit einer dramatischen Quest, die so viele Spieler berührt. Phillip Strenger war nur ein Schatten seiner selbst und wurde erst mit der Zeit zu dem ausgefeilten Charakter mit einer dramatischen Quest, die so viele Spieler berührt.

Doch zunächst war der Blutige Baron nichts weiter als ein »Schatten eines Charakters« in der Welt von The Witcher 3, offenbart Borys.

Wir wussten nach Fertigstellung der Hauptstory nur, welche Art von Person ein bestimmter Charakter sein wird - also welche Rolle er spielen wird oder welchen sozialen Status er haben wird und solche Sachen.

Video starten 11:25 Warum die beste Witcher-Quest gerade 2020 so wichtig ist

An den Details, den Hintergrundgeschichten, den Quests wurde erst im Nachhinein gefeilt. Erst nachdem also feststand, dass der Baron eine wichtige Rolle bei der Suche nach Ciri spielen sollte, konnte seine eigene Story entstehen. Denn wer dieser Charakter konkret ist, spielt für die Haupthandlung keinerlei Rolle, er muss Geralt einfach nur einen Schritt weiter zu Ciri bringen.

So hatten die Entwickler ursprünglich vorgesehen, dass Geralt einen lokalen Fürsten oder Feldherren trifft, der hauptsächlich über den Krieg gegen Nilfgaard und die Folgen für seine Soldaten spricht. Die Ideen für Alkoholismus, Ehebruch, Abtreibung und Selbstmord, kurzum: all die ernsten Themen, mit denen wir uns im fertigen Spiel auseinandersetzen, kamen den Autoren erst sehr viel später. Der Blutige Baron hätte letztlich also ganz anders aussehen können, als wir ihn in The Witcher 3 erleben, wie Borys erklärt:

Die Story eines Charakters kann in komplett unterschiedliche Richtungen gehen. Manchmal geht es in eine Richtung und endet dann ganz woanders.

Angefangen bei der Idee für einen Charakter - mal mehr, mal weniger detailliert - entwickeln sich dessen eigentliche Persönlichkeitszüge und Hintergründe sehr dynamisch. Beispielsweise war den Autoren klar, dass der Blutige Baron einen gewissen sozialen Status innehaben sollte - und dafür war eine kleine Ortschaft notwendig, über die er herrschen konnte: die Geburt von Krähenfels.

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