Ich dachte, ich erkenne KI, wenn ich sie sehe – und bin jetzt dank Hasen und einem Bären sogar doppelt drauf reingefallen

KI entwickelt sich erschreckend schnell weiter. Ich bin neulich einem KI-Video auf den Leim gegangen, obwohl ich dachte, ich erkenne den Unterschied.

Das ist einer der Übeltäter, auf den ich hereingefallen bin! (Bildquelle: davidmorehouse_Threads) Das ist einer der Übeltäter, auf den ich hereingefallen bin! (Bildquelle: davidmorehouse_Threads)

Update vom 1. August 2025: In diesem Artikel habe ich das Video, auf das ich reingefallen bin, anhand von drei Fehlern als KI entlarvt. Jetzt stellt sich heraus: Ein Clip aus der Zusammenfassung ist echt! Falls ihr womöglich mitraten wollt, packe ich die Lösung in einen Spoiler:

Warnung: der folgende Absatz enthält Spoiler

Spoiler anzeigen

Der Clip mit dem Frettchen auf dem blauen Trampolin ist tatsächlich echt.

Ich bin auf Reddit auf ein fünf Jahre altes GIF gestoßen, das tatsächlich ein Tier beim Trampolin springen zeigt.

Zwischen all den KI-generierten Tieren im Video, um das es in diesem Artikel geht, hat sich also ein echtes gemischt – und macht es umso schwieriger, Fake von der Wahrheit zu unterscheiden.

KI und ich, nä? Beziehungsstatus: Schwierig. Zum einen kann und will ich mich ihr nicht erwehren. Gerade für Recherche oder zum Brainstormen sind ChatGPT und Co. wahnsinnig hilfreich. Darüber hinaus ist es einfach mein Job als Tech-Redakteur, mich mit KI zu beschäftigen.

Zum anderen ist mir gerade generative KI zuwider. Vor allem die unzähligen, urheberrechtsgeschützten Werke, die illegal zum KI-Training beschafft wurden (unter anderem meine Bücher), machen den Einsatz von künstlicher Intelligenz zum Erstellen von »Kunst« für mich zum ethnisch-moralischen Dilemma.

Ich beschäftige mich tagtäglich mit KI und dachte, dass ich sie (noch) erkenne, wenn ich sie sehe – und dann kam ein Bär auf einem Trampolin.

Maxe Schwind
Maxe Schwind

Als Tech-Redakteur gehört es zu Maxes Jobbeschreibung, am Puls der Zeit zu sein. Dazu zählt auch, sich mit KI zu beschäftigen, im positiven wie im negativen. Dass er jetzt schon auf ein KI-Video hereingefallen ist, hat ihn schockiert.

Das Video, das mich drangekriegt hat

Am gestrigen Nachmittag scrolle ich mich durch Threads. Weil ich mich da auch immer wieder zu KI äußere, spuckt mir der Algorithmus auch immer wieder Posts zum Thema aus.

Threads spielte mir ein Video aus, das mir einen Zusammenschnitt von Tieren zeigt, die auf Trampolinen springen. Aufgenommen wurden sie alle nachts und per Sicherheitskamera. Im letzten Clip kracht ein Bär durch das Trampolin, weil das Netz reißt.

Dort wies mich eine Freundin (passenderweise eine studierte Veterinärmedizinerin) darauf hin, dass es sich bei den Tieren um KI handelt – und ich war erst mal überrumpelt. Tatsächlich hätte ich nur in die Kommentare schauen müssen, um selbst draufzukommen.

In den Kommentaren unter dem Video enttarnen nicht nur andere Nutzerinnen und Nutzer das Video. Die Person, die das Video gepostet hatte, zeigt dort Pinguine auf einem Trampolin. Spätestens dann wäre es auch mir aufgefallen.

Warum bin ich KI auf den Leim gegangen?

Ich schwöre Stein und Bein, dass ich so gut wie jedes KI-Video, das mir in den sozialen Medien begegnet, identifizieren könnte.

Wieso hat mich ausgerechnet dieser Clip am Schlafittchen gepackt? Das hat mehrere Gründe.

  • Passende Illusion: Das Video suggeriert, dass ich Nachtsichtaufnahmen (teilweise in schwarz-weiß) einer vermeintlichen Sicherheitskamera sehe. Nicht ungewöhnlich.
  • Schlechte Bildqualität: Besagte Sicherheitskameras sind bekannt für ihre madige Auflösung. Dadurch werden KI-generierte Artefakte leichter verschleiert und es zahlt auf die Illusion ein.
  • TikTok-Icon: Auf den meisten Clips ist der TikTok-Handle der Uploader zu sehen. Das verstärkt den Eindruck eines »echten« Videos.
  • Vorstellbare Situation: Egal, ob Häschen, Waschbären oder ein Bär: Allesamt sind wenig exotische Tiere, die ich kenne. Und wir alle kennen Videos mit Bären, die irgendwelche lustigen oder unsinnigen Dinge tun.

Hinzu kommt, dass ich schlicht nicht aufmerksam war. Die vier von mir aufgezählten Punkte haben das Video für mich so echt wirken lassen, dass ich es gar nicht hinterfragt habe. Vorbei sind die Zeiten, in denen KI-Videos so aussahen:

Video starten 1:00 Next Stop Paris: KI-generierter Film bekommt einen der schlechtesten Trailer aller Zeiten

Woran erkennt man, dass das Video KI-generiert ist?

Es ist so wie immer: Wenn man weiß, wo man hinschauen muss, dann erkennt man relativ schnell, dass die Clips nicht echt sind (zumindest teilweise).

Den ersten Hinweis gibt der Bär im zweiten Clip. Auf dem Trampolin scheint ein Ball zu liegen – welcher der Physik trotzt. Anstatt in die Mitte des Netzes zu rollen, wo Meister Petz auf und ab springt, bleibt er einfach kleben.

Den Ball habe ich zwar gesehen, aber nicht so richtig wahrgenommen. (Bildquelle: davidmorehouseThreads) Den Ball habe ich zwar gesehen, aber nicht so richtig wahrgenommen. (Bildquelle: davidmorehouse/Threads)

Den zweiten Hinweis findet ihr bei den Waschbären. Auf zwei nebeneinanderstehende Trampoline klettert eine Gruppe von Waschbären und beginnt, loszuspringen.

Was sie verrät: Auf dem linken Trampolin liegt Laub, das ebenfalls am Netz festzukleben scheint. Eigentlich müsste das auch springen oder zumindest in der Luft schweben.

Team Rocket beim Trampolinspringen. (Bildquelle: davidmorehouseThreads) Team Rocket beim Trampolinspringen. (Bildquelle: davidmorehouse/Threads)

Es gibt allerdings einen weiteren, untrüglichen Hinweis auf KI und der findet sich bei den Hasen.

Beobachtet ihr die Mümmler beim Springen, fällt auf, dass sich binnen Sekunden nur noch fünf anstatt sechs Hasen auf dem Trampolin befinden. Einer ist also verschwunden.

Zwei Hasen sind ineinandergemorpht und zwar auf der linken Seite. Der vordere Nager springt vor einem anderen hoch und sobald er landet, ist der hintere Hase weg.

5 Häschen 6 Häschen 5 Häschen 6 Häschen

Man muss wissen, wo man hinschaut, um die gemorphten Hasen zu sehen. (Bildquelle: davidmorehouse/Threads)


Mehr zum Thema KI:


Als ich darauf aufmerksam gemacht wurde, dass es sich bei diesem Clip um KI handelt, war ich erstmal ganz schön erschrocken. Nicht, weil ich dachte, ich erkenne KI-Videos auf zehn Meter Entfernung.

Ich habe mich betrogen gefühlt. Leichtgläubig bin ich davon ausgegangen, dass ich echten Tieren dabei zu sehe, wie sie vermeintlich heimlich auf Trampolinen in Gärten springen. Stattdessen hat jemand mit meiner Gutgläubigkeit gespielt.

Video starten 56:01 GameStar Tech Talk: Geht KI zu weit?

Die Moral von der Geschicht’: Ich bin einmal ins Fettnäpfchen getreten und versuche zu vermeiden, dass mir das wieder passiert. Meine Sichtweise auf alles, was ich in den sozialen Medien sehe, hat sich ohnehin geändert.

Permanent frage ich mich, ob ein Post, ein Bild, eine Illustration, ein Buchcover oder ein Video mit KI erstellt worden sind. Und so langsam begeben wir uns in ein Territorium, wo es mit bloßem Auge immer schwieriger wird.

Noch sind es nur Tiere auf Trampolinen, die uns veräppeln. Kaum vorzustellen, was möglich wäre, würde man generative KI für wirkliche Fake News verwenden. Mein Job wird definitiv nicht leichter werden.

Verratet mir doch bitte in den Kommentaren, ob ihr KI erkannt hättet, wenn ihr es nicht wüsstet? Das interessiert mich!

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