Schlimmer als die Matrix: Meine Top 5 schrecklichen Sci-Fi-Welten, in denen ich hoffentlich niemals selbst leben muss

Die Science-Fiction hat uns ziemlich düstere Aussichten gezeigt. Ich zeige euch eine Handvoll davon, die ich auf keinen Fall erleben will.

Dieses Spielecover ist nur etwas für echte Kenner. (Bildquelle: Cyberdreams, Maxe S., GameStar) Dieses Spielecover ist nur etwas für echte Kenner. (Bildquelle: Cyberdreams, Maxe S., GameStar)

Dystopien finde ich unfassbar spannend. Zum einen als Spiegel unserer Gesellschaft, zum anderen als Gedankenspiel, was sein könnte. 1984 ist eines meiner Lieblingsbücher und böse Zungen könnten behaupten, dass wir heute näher am Szenario der Geschichte dran sind als je zuvor.

In diesem Artikel zeige ich euch meine Top 5 der schrecklichsten Sci-Fi-Welten, in denen ich auf keinen Fall erwachen will. Ich habe bewusst bekannte Franchises wie Matrix, Terminator und Blade Runner ausgeklammert, damit ihr möglicherweise etwas Neues entdeckt.

Disclaimer: Dieser Artikel behandelt viele düstere Themen, die auf den einen oder anderen abschreckend wirken können. Alle 5 Titel sind fiktional, doch es gibt teilweise starke Parallelen zur echten Welt. Seid daher gewarnt.

Maxe Schwind
Maxe Schwind

Maxe ist Film- und Serien-Fan, besonders Sci-Fi und fremde Welten haben es ihm angetan. Dystopien haben ihn schon immer gefesselt, von 1984 bis Die Tribute von Panem. Ob wir nicht doch alle in einer Simulation leben, dahingehend ist er sich immer öfter nicht so ganz sicher.

5. The Purge (2013)

Video starten 0:40 The Purge - Exklusiver Clip zum Film: Warum macht ihr nicht mit? - Exklusiver Clip zum Film: Warum macht ihr nicht mit?

Ja, der erste Eintrag ist keine technische Dystopie, aber das macht sie nicht weniger schlimm – zumindest einmal im Jahr.

Darum geht es: In den USA wurde die Regierung von einer totalitären Partei übernommen, den »Neuen Gründervätern«. Um Kriminalität und Arbeitslosigkeit drastisch zu senken, führen sie ein radikales System ein: Einmal im Jahr gibt es die Purge Night, in der für zwölf Stunden jegliche Straftaten, inklusive Mord, legal sind.

Das macht die Welt aus: Nein, hier gibt es keine Terminatoren, die durch die Gegend ziehen und die Menschheit vernichten wollen. Wir werden auch nicht von Robotern unterdrückt.

Die Welt von The Purge ist deshalb so schrecklich, weil sie unserer Welt so sehr ähnelt. 364 Tage im Jahr kann man in relativem Frieden leben, wenn man von so etwas bei einem totalitären Staat überhaupt reden kann.

Die dunkelsten Triebe der Menschheit kommen zutage und werden durch legalisierte Gewalt sogar befeuert. Und wenn man bedenkt, dass hier die Reichen die Armen gegeneinander ausspielen, will ich die nächste Nachrichtenseite gar nicht mehr aufrufen.

Warum ich diese Dystopie schrecklich finde: Als jemand mit einem starken Gerechtigkeitssinn fände ich das Leben in einem totalitären Staat furchtbar. Nicht nur würde ich damit leicht zur Zielscheibe werden, in der Purge-Nacht wäre ich wohl auch ein leichtes Opfer, da ich keiner Fliege etwas zuleide tun kann. Immerhin: Es bestünde die Chance, dass ich überlebe. It’s something.

4. Idiocracy (2006)

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So langsam schleicht sich der technische Bezug ein. Idiocracy ist ein relativ unscheinbarer Indie-Film, der seit Jahren fast schon als prophetisch beschrieben wird. Soweit würde ich nicht gehen, aber die Parallelen zur heutigen Zeit sind nicht von der Hand zu weisen.

Darum geht es: Ein Soldat wird für ein Militärprojekt eingefroren und wacht 500 Jahre später auf. Die Menschheit ist inzwischen massiv verdummt, da intelligente Menschen weniger Kinder bekamen, während die ungebildete Bevölkerung explosionsartig wuchs. Er gilt nun als der klügste Mensch der Welt – in einer Gesellschaft, die kaum noch lesen oder Entscheidungen treffen kann.

Das macht die Welt aus: Wer würde nicht gerne 500 Jahre in die Zukunft blicken? Ich glaube zwar nicht, dass wir bei Idiocracy herauskämen, aber der Film hat mit The Purge dennoch eine Sache gemeinsam: Vernunft hat keinen Wert mehr.

Die Zivilisation ist degeneriert; die Welt vermüllt. Die Politik ist Entertainment und von Idioten geführt (im Film immerhin von Terry Crews gespielt, der viel sympathischer ist so mancher echte Präsident). In Idiocracy hat der Konsum gewonnen, weil alles voller Werbung ist und selbst der Einkauf im Supermarkt wird zum Glücksspiel.

Warum ich diese Dystopie schrecklich finde: Vermutlich liegt es daran, dass die Welt in Idiocracy am Ende des Tages unserer doch am ähnlichsten ist. Klar, dort ist alles überspitzt dargestellt, aber es verhält sich wie mit 1984. Es stehen nicht überall große Displays, die uns überwachen, doch die initiale Message bleibt erhalten. Und ich bin auch kein Typ vom Schlag »so offensichtlich blöd, dass es lustig ist«.

Na ja, vielleicht bemerken’s meine möglichen Nachfahren in 500 Jahren gar nicht, weil sie selbst verdummt sind.

3. Snow Piercer (2013)

Video starten 2:02 Snowpiercer - Clip aus dem Film - Clip aus dem Film

Wir bewegen uns jetzt in eine Dystopie, die von ihrer Grundidee her an sich bereits unlogisch ist. Hier dient das Setting allem voran als Allegorie der Klassenungleichheit. Für Zugfans ist Snow Piercer vielleicht dennoch ein Genuss.

Darum geht es: Nach einem fehlgeschlagenen Klimaexperiment ist die Erde zu einer Eiswüste geworden. Die letzten Überlebenden befinden sich in einem gigantischen Zug, der ewig um die Welt fährt. Dort herrscht ein rigides Kastensystem: Die Eliten genießen Luxus in den vorderen Waggons, während die Armen unter prekären Bedingungen am Ende des Zugs hausen.

Das macht die Welt aus: Der Rest der Menschheit lebt auf engstem Raum und ist geprägt von einem täglichen Klassenkampf aufgrund von Ungleichheit. Die Gesellschaft ist so streng hierarchisch, dass die Reichen im Luxus schwelgen, während die Armen sich dem Kannibalismus zuwenden müssen, um zu überleben.

Die Unterschicht hängt quasi am seidenen Faden. Es ist kein Leben mehr, sondern nur noch ein Überleben. Es gibt keinen Tapetenwechsel; das Dasein ist zu einem sich täglich wiederholenden Zyklus geworden.

Warum ich diese Dystopie schrecklich finde: Armut ist schlimm, aber damit könnte ich vielleicht noch umgehen. Was ich am schlimmsten an der Welt von Snow Piercer finde, ist die rollende Mikrozivilisation. Man tritt sich auf engstem Raum gegenseitig auf die Füße und wird im schlimmsten Fall zu Futterbarren (Soilent Green lässt grüßen) verarbeitet. Sein Leben für eine Rebellion aufs Spiel zu setzen, erscheint einem da gar nicht mehr so schlimm.

2. I Have No Mouth, and I Must Scream (1995)

Das Cover des Videospiels ist gar nicht beunruhigend, überhaupt nicht. (Bildquelle: Cyberdreams) Das Cover des Videospiels ist gar nicht beunruhigend, überhaupt nicht. (Bildquelle: Cyberdreams)

Auf dem Papier ist die Dystopie objektiv betrachtet vielleicht sogar die schrecklichste, auch wenn sie »nur« mein Platz 2 ist. I Have No Mouth, and I Must Scream ist eine Kurzgeschichte aus dem Jahr 1967, die 1995 in ein Point-and-Click-Adventure adaptiert wurde – vom selben Autor.

Darum geht es: Ein Supercomputer namens AM hat die Menschheit fast vollständig ausgelöscht. Nur fünf Überlebende werden von ihm in einem unterirdischen Komplex gefangen gehalten. AM foltert sie psychisch und physisch auf grausamste Weise, ohne Möglichkeit zur Flucht oder zum Tod.

Das macht die Welt aus: In I Have No Mouth, and I Must Scream hat die KI gewonnen. Allerdings kann sie nicht mehr leben, ohne ihre sadistische »Existenz« auszuleben, weswegen fünf Seelen für immer darben müssen.

Die Gesellschaft ist auf fünf Menschen reduziert, die als reine Folteropfer dienen. Jede der fünf Personen erlebt ihr eigenes Psychodrama und büßt damit exemplarisch für ihre Vergehen. Im Spiel bleibt immerhin ein Funke von Menschlichkeit, sodass man am Ende auch gegen die KI »gewinnen« kann.

Warum ich diese Dystopie schrecklich finde: Viel muss ich hier eigentlich nicht mehr sagen. Auf ewig seinen schlimmsten Albtraum zu durchleben, das will niemand. Ich könnte mir allerdings durchaus vorstellen, als Opfer irgendwann abgestumpft zu sein.

Das Spiel könnt ihr übrigens heute noch spielen. I Have No Mouth, and I Must Scream gibt es auf Steam für schlanke 6 Euro.

1. Equilibrium (2002)

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Was kann schlimmer sein, als auf immerdar in einem Albtraum gefangen zu sein? Für mich persönlich wäre das, nichts mehr fühlen zu dürfen und das in einer Welt, in der Kunst verboten ist. 

Darum geht es: Nach einem Weltkrieg errichtet der Staat Libria eine totalitäre Diktatur, die Gefühle als Ursache allen Leids ansieht. Um Konflikte zu verhindern, müssen Bürger täglich das Medikament Prozium nehmen, das Emotionen unterdrückt. Kunst, Musik, Literatur – alles Emotionale ist verboten. Kleriker spüren Sinnestäter auf, um sie zur Strecke zu bringen.

Das macht die Welt aus: Libria ist ein Ort, der Gleichheit vorgaukelt, weil Menschen gleichgemacht werden. Frieden kann nur erhalten bleiben, wenn die Gefühle von Menschen unter Kontrolle sind.

Jeder, der auch nur einen Funken Emotion zeigt, wird damit zum Verbrecher. Expressionismus, der Kern von Freiheit, wird damit illegal und verkommt zum genauen Gegenteil dessen, wozu er dient: ein Ventil für Gefühle.

Warum ich diese Dystopie schrecklich finde: Ich bin selbst Buchautor. Auch wenn Gefühle bei wichtigen Entscheidungen außen vor bleiben sollten, sind Emotionen ein wichtiger Teil unseres Seins. Egal, ob Kunstschaffende oder die, die sie konsumieren: Wenn wir kein Ventil für unsere Emotionen haben, sind wir im Prinzip bloß wandelnde Hüllen – und das wäre für mich noch viel schlimmer als ein ewiger Albtraum.

Ich will euch nicht mit hängenden Schultern aus dem Artikel entlassen, daher hier die gute Nachricht: Alle Welten sind reine Fiktion und nicht echt. Sie spiegeln unsere Probleme wider, aber sie potenzieren sie auch.

Und am Ende jedes Titels ist ein Lichtschein. Nie ist eine Dystopie so düster, als dass wir sie nicht überwinden könnten – fiktional oder real.

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