Top-Prozessoren: Grafikkartenmangel macht Nischen-CPUs viel wichtiger

In den Top-Listen von Prozessoren finden sich bei Geizhals und Amazon seltene Gäste. Der Grund sind vermutlich die extrem hohen Preise für Grafikkarten.

von Nils Raettig,
11.05.2021 06:58 Uhr

Seit kurzer Zeit taucht unter den beliebtesten Prozessoren beim großen Preisvergleichsportal Geizhals ein eher unbekanntes Gesicht auf: Der Ryzen Pro 4650G. Auch bei Amazons aktuellen Beststellern landet mit dem Ryzen 3 4300GE ein Modell vor dem Ryzen 5 5600X, das man dort nicht unbedingt erwarten würde.

Was ist das Besondere an diesen Prozessoren? Es handelt sich um APUs beziehungsweise »Accelerated Processing Units«. So bezeichnet AMD Prozessoren mit integrierter Grafikeinheit. Hier seht ihr die wichtigsten Eckdaten im Vergleich mit Ryzen-3000-APUs, die ebenfalls auf die Zen-2-Architektur setzen:

Ryzen Pro 4650G

Kerne/Threads: 6/12

Turbotakt: 4,2 GHz

GPU-Kerne/Takt: 0,448/1,9 GHz

Preis: ca. 230 Euro

Ryzen 5 3400G

Kerne/Threads: 4/8

Turbotakt: 4,2 GHz

GPU-Kerne/Takt: 0,704/1,4 GHz

Preis: ca. 200 Euro

Ryzen 3 4300GE

Kerne/Threads: 4/8

Turbotakt: 4,0 GHz

GPU-Kerne/Takt: 0,384/1,7 GHz

Preis: ca. 190 Euro

Ryzen 3 3200G

Kerne/Threads: 4/4

Turbotakt: 4,0 GHz

GPU-Kerne/Takt: 0,512/1,25 GHz

Preis: ca. 165 Euro

In solchen Top-Listen tauchen die Ryzen-4000-APUs normalerweise nicht auf, weil sie primär für den OEM-Markt gedacht und oft eher schlecht als recht einzeln zu kaufen sind. Außerdem ist die integrierte GPU deutlich langsamer als die meisten dedizierten Grafikkarten.

Wie im folgenden Artikel beschrieben, ist die Lage auf dem Grafikkartenmarkt aktuell aber extrem angespannt - und genau das dürfte den APUs jetzt zu Gute kommen.

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In Zeiten, in denen selbst eine über vier Jahre alte Einsteigergrafikkarte wie die Geforce GTX 1050 Ti gebraucht teils teurer verkauft wird als noch zu ihrem Release, kann es sich besonders lohnen, auf eine dedizierte Grafikkarte zu verzichten.

Wie flott sind die APUs? In den meisten halbwegs aktuellen APUs von AMD kommen Vega-Grafikeinheiten zum Einsatz. Sie können durchaus genug Leistung für das Spielen in Full HD liefern. Das zeigen unter anderem unsere Benchmarks des Ryzen 5 3400G, dessen GPU ähnlich schnell ist wie das Modell im Ryzen Pro 4650G:

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Oftmals ist das Zocken mit einer APU nur bei deutlich gesenkten Grafikdetails möglich. In anspruchsvolleren Titeln kann es außerdem nötig sein, die Auflösung weiter zu senken. Spaß beim Spielen kann man aber auch mit einer weniger opulenten Optik noch haben. Dass die APUs momentan in der Beliebtheit steigen, passt also gut ins Gesamtbild.

Der Ryzen Pro 4650G ist mit einem Preis von etwa 230 Euro zwar etwa 40 Euro teurer als sein technisches Gegenstück ohne integrierte GPU in Form des Ryzen 5 3600. Bedenkt man die aktuellen Preise für Grafikkarten und senkt die eigenen Ansprüche, kann sich der Aufpreis aber lohnen.

Worauf ihr beim APU-Kauf besonders achten müsst
APUs besitzen keinen eigenen Speicher. Ihre Leistung wird deshalb maßgeblich davon beeinflusst, dass genug und möglichst flotter Systemspeicher vorhanden ist. Eine APU kann zwar auch mit nur 8,0 GByte RAM und DDR4-2666-Speicher genutzt werden, empfehlenswerter sind aber 16,0 GByte und DDR4-3200 (oder höher).

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AMDs neue Ryzen-5000-APUs mit Zen-3-Architektur sind wie ihre Vorgänger zunächst nur für den OEM-Markt erschienen, sie dürften früher oder später aber auch einzeln in den Handel gelangen.

Der Ryzen-6000-Nachfolger soll für die integrierte Grafikeinheit den Wechsel auf AMDs deutlich aktuellere RDNA2-Architektur der RX-6000-Grafikkarten mit sich bringen. Dadurch könnten sie für Spieler nochmal deutlich interessanter werden, mit diesen APUs ist aber erst 2022 zu rechnen.

Kommt für euch aufgrund der aktuellen Lage das Spielen mit einer APU in Frage? Oder sind euch die Abstriche in Sachen Grafikqualität, Auflösung und Performance insgesamt zu groß? Schreibt es gerne in die Kommentare!

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