Neulich stand ich an der Kasse und mir ist meine Karten-PIN einfach nicht mehr eingefallen. Puff, als hätte sie nie in meinem Kopf existiert. Wie gerne hätte ich da einfach ein Fenster geöffnet, die vorbeifahrenden Züge beobachtet und mir von ihnen meine Zahlenkombination zuflüstern lassen. Hach.
Wenn ihr euch jetzt fragt: »Was brabbelt die denn bitte für einen Unsinn?!«, dann liegt es daran, dass ihr Trainwatch noch nicht kennt. Und glaubt mir, sprechende Züge sind noch nicht mal das Eigenartigste in dieser Simulation, in der ich eigentlich nur einen stinknormalen Wächter an einem Bahnübergang spiele.
Weil ich merkwürdige Spiele liebe und mir die Preview-Version richtig den Mund wässrig gemacht hat, muss ich euch heute unbedingt von diesem Solo-Entwickler-Projekt erzählen!
3:21
Trainwatch macht aus einem monotonen Routine-Job einen bizarren Fiebertraum
Ein ganz normaler Job ... oder?
Ich schlüpfe in die Arbeitsstiefel von Troy. Denn Troy hat einen neuen Job als Wächter an einem Bahnübergang. Aber Troy hat auch ein großes Problem: Er ist Alkoholiker und sein Leben droht endgültig zu zerbrechen.
Die Arbeit an einem abgelegenen Ort ist seine letzte Chance, seiner Frau zu beweisen, dass er sich verändern möchte und kann. In Trainwatch geht es also nicht nur darum, einen Knopf zu drücken, um eine Schranke zu senken, sondern nebenbei auch darum, Troys Leben zu retten. Ach, kein Problem, die Last spür ich gar nicht auf meinen Schultern ...
Zunächst widme ich mich also total banalen Aufgaben: Ich lerne meinen Arbeitskollegen kennen, der mir erklärt, wie der Hase hier läuft. Eine halbe Stunde vor Ankunft des Zuges klingelt das Telefon, da muss ich rangehen. Dann muss ich die Schranken senken, warten, bis die Züge vorbeigefahren sind, und die Schranken dann wieder heben. Easy.
Außerdem muss ich auf meine Bedürfnisse achten. Wasche ich mir nach der Toilette nicht die Hände, bin ich dreckig. Habe ich zu lange Hunger, zehrt das an meiner geistigen Gesundheit – und die darf nicht auf Null sinken. Oh, und jeden Abend um 21 Uhr muss ich meine Frau anrufen, um ihr zu beweisen, dass ich nüchtern bin. Gar kein Prob–
KRACH POLTER RUMMS SCHEPPER KLONG!!!
Na, toll. Mein Kollege ist gerade in hohem Bogen die Treppe heruntergekracht und dabei wahrscheinlich nur knapp einem Wirbelsäulenbruch entkommen. Ab ins Bett mit ihm – und Troy darf jetzt natürlich zusätzlich zu seiner Schicht auch noch die Nachtschicht übernehmen. Der erste Arbeitstag fängt ja super an ...
Das Flüstern der Züge
Die Züge folgen einem strengen Stundenplan, also kann ich meinen restlichen Tag drumherum planen. Manchmal habe ich nur kurz Zeit, um mich um meine wichtigsten Bedürfnisse zu kümmern. Manchmal habe ich genug Zeit, um ein Nickerchen einzuschieben und dann noch die Umgebung zu erkunden. Denn der Bahnübergang ist zwar abgelegen – ganz allein sind wir hier aber trotzdem nicht.
Während eines Spaziergangs entdecke ich eine alte Abstellkammer im Hinterhof, die mit einem Zahlenschloss versperrt ist. Ich denke mir nichts weiter und möchte gerade wieder in mein Zimmer zurückkehren, als sich aus den Schatten eine Gestalt löst. Plötzlich steht ein exzentrischer Mann vor mir, der wohl Merlins Kleiderschrank geplündert hat. Er quatscht mich voll damit, dass ich die Tür mit dem Zahlenschloss unbedingt öffnen muss. Ich solle dafür einfach nur den Zügen lauschen. Wie lange die Polizei wohl braucht, um hierher zu kommen?
Aber was, wenn an Merlins Schwurbelei doch etwas Wahres dran ist? Ich erfülle meine Aufgaben, beantworte den Anruf, der den Zug ankündigt, senke die Schranken und gehe hinaus auf den Balkon – »EINS« flüstert mir die vorbeifahrende Lok zu. Eigentlich sollte Troy nüchtern sein ...
Das große Opfer
Nach drei weiteren Zügen habe ich den Code beisamen und kehre zur Tür zurück. Und tatsächlich: Der Code passt, ich gelange ins Innere und finde mich vor einem merkwürdigen Konstrukt wieder, das nach Alien-Technik oder Kult-Relikt (oder beidem?) aussieht. Merlin springt aufgeregt aus der Ecke und erzählt mir, dass mein Leben so viel besser wird, wenn ich eine Aufgabe meistere: Ich muss bestimmte Artefakte als eine Art Opfergabe hierher bringen, damit mein größter Wunsch in Erfüllung geht.
Unter den Artefakten finden sich völlig normale Gegenstände wie kleine Geschenke von Freunden, aber auch verstörende Objekte, die mich ahnen lassen, dass mir noch Übles bevorsteht. An dieser Stelle bricht die Preview ab, aber ich habe bereits Blut geleckt. In meinem Kopf spinnen sich schon all die bizarren und absurden Situationen zusammen, die in Trainwatch auf mich warten.
Wie weit muss ich gehen, um Troys Leben zu retten? Kann ich dieses merkwürdige Ding im Schuppen einfach ignorieren und stur meinen Job machen? Oder treibt mich dieser Ort irgendwann so sehr in den Wahnsinn, dass ich meine eigene Rettung über alles andere stelle? Ich kann es kaum erwarten, wie sich die Geschichte entfaltet und welches der mehreren Enden meinen Troy ereilt. Denn ich glaube: Auf alle Fans von düsteren und mysteriösen Storys wartet hier die nächste Spieleperle vom Entwickler hinter The Cat Lady und Lorelai.
Falls ihr dieses Jahr auf der gamescom unterwegs sein solltet, dann könnt ihr den polnischen Entwickler in der Indie Arena Booth in Halle 10.2 besuchen!
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