Tripwire-Chef tritt nach Tweet zum umstrittenen Abtreibungsgesetz in Texas zurück

Der Chef des Entwicklers von Maneater, Killing Floor und Rising Storm äußerte sich zum umstrittenen Abtreibungsgesetzt in Texas. Nun verließ er in Folge der Gegenreaktionen das Studio.

von Géraldine Hohmann,
07.09.2021 11:58 Uhr

Der CEO des Entwicklers und Publishers Tripwire Interactive tritt nach Kontroverse zurück. John Gibson arbeitete seit 2005 als Chef des Studios, das Spiele wie Maneater, Killing Floor oder Rising Storm entwickelte und publizierte. Am 4. September äußerte sich Gibson in einen Tweet zum umstrittenen Abtreibungsgesetz von Texas:

"Stolz, dass der Oberste Gerichtshof das texanische Gesetz durchsetzt, das Abtreibung von Babys mit schlagendem Herzen verbietet. Als Entertainer werde ich nicht oft politisch. Aber bei so vielen lautstarken Kollegen auf der anderen Seite des Themas fand ich es wichtig, mich als Pro-Life-Spieleentwickler zu erkennen zu geben."

Worum geht es in dem Abtreibungsgesetz von Texas?
Seit 1. September ist in Texas ein Gesetz in Kraft, das die meisten Schwangerschaftsabbrüche untersagt. Es verbietet Abtreibungen ab dem Zeitpunkt, an dem ein Herzschlag beim Fötus festgestellt werden kann. Dies kann bereits während der sechsten Schwangerschaftswoche der Fall sein. Außerdem erhalten Privatpersonen eine Geldprämie, wenn sie erfolgreich gegen Personen klagen, die an Abtreibungen beteiligt sind. Also etwa Begleiter zum Termin, Zahler des Termins oder medizinisches Personal.

Partner und Studio distanzieren sich

Die Folge waren zahlreiche Gegenreaktionen aus der Branche, der Community und sogar von Partnern des Studios. Die Shipwright Studios arbeiteten an Chivalry 2 und Maneater mit, die von Tripwire gepublisht wurden und distanzierten sich über Twitter:

"Obwohl Ihre politischen Ansichten Ihre eigenen sind, in dem Moment in dem Sie sie publik machen, involvieren Sie auch alle, die mit Ihnen arbeiten. [...]
Wir können unter der aktuellen Leitung nicht guten Gewissens weiter mit Tripwire arbeiten. Wir beginnen mit sofortiger Wirkung mit der Auflösung unserer bestehenden Verträge."

Auch Torn Banner Studios, die Entwickler von Chivalry 2, nutzten Twitter, um sich gegen die Aussagen von John Gibsons Statement auszusprechen:

"Diese Perspektive wird nicht von unserem Team geteilt oder in den Spielen reflektiert, die wir entwickeln. Das Statement steht im Gegensatz zu dem, was wir über Frauenrechte denken."

Die starken Gegenreaktionen führten schließlich dazu, dass John Gibson Tripwire verließ, wie der Publisher in einem offiziellen Statement am 7. September via Twitter bekannt gibt:

"Die Kommentare von John Gibson sind seine eigene Meinung und reflektieren nicht die von Tripwire Interactive. Seine Kommentare missachten die Werte unseres ganzen Teams, unserer Partner und der Mehrheit unserer Community. Die Leitung von Tripwire bedauert das zutiefst und übernimmt geschlossen die Verantwortung, schnell zu handeln und eine positivere Umgebung zu schaffen.

Mit sofortiger Wirkung tritt John Gibson als CEO von Tripwire Interactive zurück."

Nun wird Mitgründer und aktueller Vizepräsident Alan Wilson die Leitung übernehmen. Von John Gibson selbst folgte nach den Ereignissen noch kein weiteres Statement.

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