12.700 Euro: Das ist der Preis eines besonderen Objektives, das in der Fotografie-Welt von vielen als »heiliger Gral« bezeichnet wird: das Leica Noctilux 50mm F/0.95.
Über die letzten 15 Jahre verteilt habe ich mit Sicherheit ungefähr so viel Geld, vielleicht sogar mehr, für Kameras und Objektive ausgegeben. Ich würde aber nicht einmal im Traum daran denken, so eine Menge für eine einzige Linse auf einen Schlag auszugeben.
Trotzdem hat mich das Teil ziemlich gereizt. Also habe ich mich vor einigen Jahren nach Alternativen umgeschaut und bin dabei auf ein Replikat gestoßen, das gerade einmal 800 Euro kostet – also 11.900 Euro weniger. Ja, 800 Euro sind auch nicht wenig, aber im Vergleich zum Noctilux ist es schon ein Schnäppchen.
Inzwischen besitze ich das Objektiv seit fast zwei Jahren und kann mit Sicherheit sagen, dass es einer meiner besten Fotografie-Käufe war.
Update vom 11.04.2026: Ich nutze das Objektiv inzwischen seit zwei Jahren und habe meine Erfahrungen aktualisiert und neue Beispielfotos mit der Sigma BF hinzugefügt.
Das ist das 12.700-Euro-Leica-Noctilux
Das Leica Noctilux 50 mm F/0.95 ist ein absolut legendäres Objektiv in der Fotografie-Community mit einem extrem hohen Preis. Wenn ihr Beispielfotos von dem Objektiv sehen möchtet, dann schaut in dessen Flickr-Gruppe hinein.
Die Besonderheiten im Überblick:
- Brennweite: Die 50 Millimeter-Brennweite wirkt auf unser Auge natürlich und unverzerrt. Das Blickfeld ähnelt dem, was unser Auge sieht, ohne den peripheren Bereich.
- Blende: Die Lichtstärke von F/0.95 ist extrem hoch. Das erlaubt es, selbst bei sehr schlechten Lichtbedingungen ohne Blitz zu fotografieren. Schon das Licht einer Kerze reicht aus, um verwacklungsfreie Bilder aus der Hand zu schießen (Noctilux heißt übersetzt etwa Nacht-Licht).
- Bokeh: Die große Blende in Kombination mit der Brennweite erlaubt es, surreal aussehende Bilder zu schießen, bei denen der Hintergrund so unscharf gezeichnet wird, wie es kaum mit einem anderen Objektiv möglich wäre. Viele Fotografen beschreiben den Look der Fotos als »magisch«.
- Verarbeitung: Das Objektiv besteht nur aus Metall und viel Glas. Es gibt keine Elektronik, die kaputtgehen kann und es wird in Deutschland hergestellt. Einmal gekauft, ist es gut möglich, das Objektiv ein ganzes Leben lang zu verwenden oder gar zu vererben.
Der beliebte Animations-Youtuber Plankton hat sich das Teil übrigens wirklich gekauft. Sein Video dazu ist sehr unterhaltsam und in diesem beantwortet er die Frage, die sich bestimmt viele von euch stellen: Warum?
Link zum YouTube-Inhalt
Für mich waren die Vorteile den Preis eher nicht wert – ich meine schon – aber ich brauche noch mein Geld für Lebensmittel und so Kram.
So bin ich schließlich beim TTArtisan 50mm F/0.95 gelandet, das dem Noctilux nicht nur zum Verwechseln ähnlich aussieht, sondern fast die selben Vorteile bietet – nur eben deutlich günstiger und nicht in Deutschland hergestellt.
Das ist das TTArtisan 50 mm F/0.95
In letzter Zeit gibt es immer mehr Drittanbieter-Hersteller für Objektive, die sehr interessante Alternativen zu den etablierten Marken darstellen. Einer von diesen ist TTArtisan.
Diese Produktfotos habe ich übrigens mit einem Objektiv geschossen, das mich nur 30 Euro gekostet hat. Mehr dazu weiter unten im Artikel. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)
Sie haben sich einen Namen mit Objektiven gemacht, die nicht nur relativ günstig sind, sondern auch einen »klassischen« Retro-Look besitzen. Was damit wirklich gemeint ist: viele ihrer Linsen sehen aus wie 1-zu-1-Repliken der Leica-Objektive.
Was für das Replikat gesprochen hat:
- Preis: Ganz offensichtlich. Anstatt mehr als 12.000 Euro auszugeben, bekomme ich hier ein ähnliches Objektiv für gerade einmal 800 Euro.
- Verarbeitungsqualität: Das Objektiv ist nicht Made in Germany, fühlt sich aber dennoch extrem hochwertig an. Es besteht aus Messing und Glas und ist äußerst schwer (etwa 800 Gramm).
- Selbe Spezifikationen: Nicht nur äußerlich ähnelt es dem Leica-Vorbild. Es hat dieselbe Brennweite, Blende und Anschluss.
Ich besitze das Objektiv jetzt seit etwa zwei Jahren und habe damit unzählige Fotos geschossen. Das Beste: Die optische Qualität ist auf einem sehr hohen Niveau und man vermisst nicht den »magischen« Look der Fotos.
Hier sind einige Beispiele, die ich mit der Canon EOS RP geschossen haben:
Moment mal, eine Canon-Kamera? Ja, ich verwende einen Adapter, um das Objektiv an meiner Canon-Kamera zu verwenden. Dafür gibt es einen ganz einfachen Grund.
Fast alle Objektive mit Leica-M-Anschluss lassen sich an so gut wie jede spiegellose Systemkamera adaptieren. Das bedeutet, dass ich solche Linsen auch weiterverwenden kann, sollte ich mal das System wechseln – was ich später auch getan habe.
Es muss nur ein neuer Adapter gekauft werden. Obendrein ist es möglich, das Objektiv nativ an Leica-M-Kameras anzuschließen.
Die Bildqualität wird durch Adapter ohne optische Elemente übrigens nicht beeinflusst. Die verändern lediglich die Distanz zum Sensor, damit das Objektiv scharf stellen kann, und verbindet es physisch mit der Kamera.
An der Sigma BF ein Traum
Inzwischen verwende ich das Objektiv an einer Sigma BF und die Kombination ist traumhaft. Das Objektiv passt optisch perfekt zur Kamera und liefert hier genauso magisch anmutende Fotos.
Die Kamera verfügt außerdem über eine elektronische Verschlusszeit von minimal 1/25.600 Sekunden weshalb ein ND-Filter bei Tageslicht nicht notwendig ist.
Hier sind einige Beispielfotos von dieser Kombination:
50 mm wird wohl für immer meine Lieblingsbrennweite bleiben. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)
Kann man sich die 11.900 Euro sparen?
Ja, kann man. Natürlich wird das 12.000-Euro-Objektiv womöglich eine bessere optische Qualität oder Verarbeitung haben, aber nicht unbedingt 11.900-Euro-besser. Wenn euch deutsche Handwerksarbeit wichtig ist und ihr euch das Objektiv fürs Leben holen wollt, dann ist das natürlich voll und ganz eure eigene Entscheidung.
Welche Nachteile müssen mit dem TTArtisan-Objektiv in Kauf genommen werden?
- Das Objektiv ist sehr schwer und macht viele Kameras frontlastig; so war das auch bei meiner Canon EOS RP und der Sigma BF.
- Beim Fotografieren bei Tageslicht und Offenblende benötigt ihr unter Umständen einen ND-Filter (oder eine sehr schnelle Verschlusszeit), damit eure Bilder nicht überbelichtet werden.
- Die Naheinstellgrenze bei vielen Leica-M-Objektiven ist 70 cm (auch bei diesem). Näher kommt ihr an das Motiv nicht heran. In dieser Hinsicht ist das TTArtisan sogar besser als das Leica Noctilux. Bei dem müsst ihr mindestens einen Meter Abstand haben.
- Ihr müsst manuell fokussieren, weil das Objektiv keinen Autofokus-Motor verbaut hat. Bewegende Motive damit zu fotografieren, ist eine große Herausforderung.
- Für den Messsucher von Leica-Kameras muss das Objektiv selbst feinjustiert werden. Eine Anleitung und Werkzeug liegt bei.
- Bei Offenblende vignettiert das Objektiv sehr stark (dunkle Ränder). Das ist aber beim Leica-Vorbild nicht anders.
- Ein Leica Noctilux behält seinen Wert selbst über Jahrzehnte. Das TTArtisan verliert an Wert sobald ihr es nur schief anschaut; es kostet gebraucht etwa 400 bis 500 Euro.
Wenn ihr so gerne fotografiert wie ich und selbst eine spiegellose Systemkamera verwendet, dann kann ich euch sehr empfehlen, euch die Drittanbieter-Objektive mit M-Anschluss genau anzusehen, solange ihr euch nicht vor dem manuellen Fokussieren scheut.
Ihr könnt jede Menge Geld sparen und so günstig in die Fotografie mit exotischen Linsen einsteigen.
Mögliche Alternativen für Sparfüchse
800 Euro ist günstig im Vergleich zu 12.700, aber immer noch eine Menge Geld. Deshalb gibt es eine weitere Option, die eigentlich einen eigenen Artikel verdient hätte, die ich hier aber nicht unerwähnt lassen möchte.
Günstige SLR-Objektive
Eines meiner absoluten Lieblingsobjektive ist das Pentax-M 50 mm F/1.7. Nicht nur überzeugt mich das Objektiv mit sehr guter Bildqualität und hochwertiger Verarbeitung, es war auch extrem günstig.
Ich habe es für 30 Euro auf Kleinanzeigen gekauft und die meisten Preise bewegen sich ungefähr im Bereich zwischen 30 und 70 Euro. Ich habe es dann viele Jahre an meiner analogen Spiegelreflexkamera, der Pentax MX, verwendet und auch per Adapter an der Canon EOS RP.
Wenn ihr auch eine spiegellose Systemkamera besitzt, dann könnt ihr fast jedes beliebige analoge SLR-Objektiv adaptieren.
Einige Beispiele hierfür sind:
- Canon FD 50 mm F/1.4 ≈ 80 Euro
- Minolta MC Rokkor 50 mm F/1.7 ≈ 30 Euro
- Nikon Nikkor Ai-S 50 mm F/1.8 ≈ 100 Euro
Passende Adapter für eure Systemkamera gibt es schon ab etwa 20 Euro.
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Und das war’s! Ich bin sehr zufrieden mit meinem Kauf und kann das Objektiv voll weiterempfehlen! Jetzt meine Frage an alle Fotografie-Enthusiasten unter euch: Was war für euch der beste Fotografie-Kauf in letzter Zeit? Habt ihr euch eine neue Kamera, ein neues Objektiv oder etwas anderes geholt? Schreibt es gerne in die Kommentare!

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