Neulich schrieb ich einen Artikel über den Sitzabstand zum TV. Da begegnete mir ein alter, bekannter Tech-Mythos in den Kommentaren. Da schrieb ein Nutzer nämlich:
Man sollte jedoch die Strahlkraft reduzieren, da man ansonsten seine Sinneszellen in die Tonne werfen kann.
Mit dieser Legende will ich in diesem Artikel aufräumen. Die maximale Helligkeit eines TVs hat nämlich nur peripher etwas mit der durchschnittlichen Helligkeit zu tun. Und wenn’s doch blendet, liegt es vermutlich an ganz anderen Faktoren.
Ein Gerücht bleibt ein Gerücht bleibt ein …
Ich weiß noch ganz genau, als ich zum ersten Mal auf eine ähnliche Aussage stieß. 2018 war ich im Esslinger Kino Traumpalast zu Gast, als Samsung seine erste LED-Leinwand für Kinos in Deutschland zeigte.
Mich hat interessiert, was andere sagen, also habe ich damals ins Heise-Forum geschielt – und den Kopf geschüttelt. Weil das Internet nicht vergisst, könnt ihr gleich mitmachen, denn dort werden hanebüchene Aussagen getroffen wie:
- »Ist doch toll: Gratis Sonnenbräune zum Film«
- »Es gibt bereits deutliche Hinweise, dass eine dermaßen aggressive Bestrahlung für die Augen sehr schädlich ist, zumal die Intensität ja wohl auch noch wesentlich höher zu sein scheint, als bei einem heimischen Bildschirm!??«
Der Onyx-LED-Screen hat übrigens eine maximale Helligkeit von 300 Nits, sagt Samsung selbst. Letztjährige Flaggschiff-TVs warben übrigens mit 3.000 Nits in der Spitze, das Zehnfache. Bis dato hat mich noch keine News erreicht, jemand hätte beim Fernsehschauen das Augenlicht verloren.
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So wird die Maximalhelligkeit von TVs gemessen
Wenn bei Fernsehern von einer Maximalhelligkeit oder »peak brightness« im Englischen gesprochen wird, heißt das nicht automatisch, dass der TV die auch dauerhaft abbrennt. Das kann und muss er nämlich gar nicht.
Helligkeit wird mit einem Kolorimeter gemessen und in Candela pro Quadratmeter/Nits ausgegeben.
- Um die Maximalhelligkeit zu eruieren, wird eine weiße Fläche auf dem Display angezeigt, die lediglich 10 Prozent des ganzen Bildschirms abdeckt. Um noch höhere Helligkeit zu erzielen, kann man das Fenster auch weiter verkleinern, aber das hat für die herkömmliche Nutzung quasi keinen praktischen Nutzen.
- Um die durchschnittliche Helligkeit zu messen, wird der gesamte Bildschirm bespielt. Das gibt Aufschluss darüber, wie hell das Gerät bei der Anzeige von Bildern mit hoher Helligkeit über das gesamte Bild wird.
Techradar hat den ganzen Prozess in einem ausführlichen Artikel erklärt.
Eine hohe Maximalhelligkeit heißt also nicht, dass ihr eine Sonnenbrille zum Filmeschauen braucht. Viel mehr gibt der Wert an, wie viel Spielraum ein TV hat, um HDR-Inhalte darzustellen oder Kontraste zu zeigen.
Lasst mich noch einen Vergleich anstreben.
Was schätzt ihr, wie hell die Sonne ist?
Das Licht der Nachmittagssonne hat einen Nitswert von rund 1.600.000.000. Klar, ihr schaut nicht direkt in die Sonne, aber selbst das Umgebungslicht kommt auf zwischen 7.000 und 10.000 Nits (via Litemax) – und davon ist auch noch niemand erblindet.
TV zu hell? Das ist Einstellungssache
Im Schnitt ist ein Fernseher mit 1.000 Nits hell genug, vorausgesetzt, ihr schaut in einem abgedunkelten Raum.
Kommt euch euer Fernseher zu hell vor oder tut gar auf Dauer in den Augen weh, kann das mehrere Gründe haben. Die Lösung schreibe ich euch gleich dazu.
- Das falsche Preset. Dynamische Bildeinstellungen sind richtig schön knackig, weil sie hell sind und viel blaues Licht haben. Lösung: Probiert mal den Kino- oder Filmmodus aus.
- Kalte Farbwärme. Dadurch »sticht« das Bild mehr, weil es kalt und klinisch aussieht. Lösung: Stellt in den Bildeinstellungen die Farbtemperatur auf »warm«.
- Helligkeit zu hoch. Manchmal ist auch der Helligkeitsparameter zu stark eingestellt. Lösung: manuell niedriger stellen.
- Ihr sitzt zu weit weg. Ein kleiner, heller Fernseher macht die Augen schneller müde, weil sich eure Pupillen weiten, damit ihr mehr seht – und das strengt auf Dauer an. Lösung: Näher an den TV rücken (oder einen größeren TV zulegen).
Zu den Themen Farbtemperatur und Spitzenhelligkeit habe ich bereits zwei ausführliche Artikel geschrieben. Diese gehen noch mehr in die Tiefe.
Zum Abschluss noch einmal zusammengefasst:
- Die Spitzenhelligkeit ist sehr wichtig für den TV, um mehr Spielraum bei den Kontrasten zu haben.
- Ein TV strahlt nicht immer auf maximaler Helligkeit, sondern nur punktuell, etwa bei Scheinwerferlicht im Film
- Heller ist immer dann besser, wenn viel Umgebungslicht durch Lampen oder Fenster herrscht, damit der TV die Reflexionen ausgleichen kann.
- 1.000 Nits sind in einem dunklen Raum in der Spitze hell genug, auch, um HDR-Inhalte vollumfänglich darzustellen.
- Blendet euch euer TV, liegt es an den Einstellungen und nicht an der Technik selbst.
Wenn ihr also in den Kommentarspalten des Internets wieder auf jemanden stoßt, der behauptet, man werde beim Filmeschauen braun, schickt ihm oder ihr diesen Artikel.

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