Was macht ein gutes TV-Bild aus? Die meisten von uns würden sagen, dass die Farben knackig sein sollen, das Bild nicht zu düster ist und es halt »knallen« muss, um es mal salopp zu sagen. Und damit liegen sie richtig.
In diesem Artikel will ich euch erklären, wie diese drei Dinge – Helligkeit, Farbe und Kontrast – zusammenhängen und wieso sie als Indikator für das optimale TV-Bild dienen.
Wenn ihr die technischen Erklärungen überspringen möchtet: Hier geht’s direkt zum Fazit.
Helligkeit bestimmt alles
Im Grunde sind alle drei Dinge miteinander verzahnt. Betrachtet die Helligkeit als Fundament, auf dem Farben und Kontraste aufbauen.
In erster Linie lässt uns Helligkeit ein Bild leichter sehen.
- Je heller ein Bild, desto mehr Details erkennen wir.
- Je höher die Spitzenhelligkeit eines TVs, desto detaillierter kann er Farben und Kontraste darstellen.
Die Helligkeit, die ein Display erreicht, wird in Nits gemessen. Ein Nit sagt aus, wie viel Licht auf einen Quadratmeter Fläche ausgestrahlt wird. Damit entspricht ein Nit (1 nt) einem Candela pro Quadratmeter (1 cd/m²).
In der Regel gilt: je höher die Anzahl der Nits, desto besser. Aber auch der gegenteilige Wert in Form der niedrigsten erreichbaren Helligkeit beziehungsweise des Schwarzwerts spielt eine wichtige Rolle.
In der Hinsicht hat uns HDR einen gehörigen Sprung nach vorn verschafft, wenn es um die Bildqualität geht.
- Zu Röhrenbildfernseherzeiten wurde ermittelt: 0,1 Nits waren das dunkelste Schwarz, 100 Nits hellste Weiß. Das wurde durch HDR überholt.
- Heute wird HDR-Bildmaterial in der Regel mit 1.000 Nits gemastert.
Bedeutet heller gleich heller?
Ja und nein. Fernseher haben Schritt für Schritt ihre Spitzenhelligkeit erhöht. Bei High-End-Geräten liegt der Standard zwischen 2.500 und 3.000 Nits (und manchmal sogar darüber), doch das HDR-Signal bleibt in der Post-Produktion bei gemasterten 1.000 Nits.
Das ist kein Problem: Mit mehr Spielraum nach oben verschiebt sich auch die Skala. Der Fernseher hat mehr Möglichkeiten, das Material kontrastreicher auszuspielen.
Wie hell ist hell genug?
Im Grunde genommen bedeutet für einen TV mit extrem hoher Spitzenhelligkeit, dass er mehr Spielraum hat. Gibt es aber auch ein »zu hell«?
Ja, gibt es. Da spielt der Faktor der Umgebung mit hinein. Schauen wir in einem abgedunkelten Raum, benötigt der Fernseher weniger Hintergrundbeleuchtung, auch für Highlights.
Zu grelles Licht macht die Augen müde, das kennen wir. Wenn ein Fernseher im dunklen Raum also im Schnitt mit zu viel Licht auffährt, wirkt es in der Diskrepanz zum Umgebungslicht zu stark und man muss gegebenenfalls manuell herunter dimmen.
1.000 Nits sind hell genug – vorausgesetzt, ihr schaut in einem abgedunkelten Raum TV. Mehr zum Thema lest ihr in meinem Artikel darüber, ob 10.000 Nits für einen TV zu hell sind.
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OLED: Die Lichtgestalt für Gamer oder übertriebener Hype?
Die Helligkeit hat maßgeblichen Einfluss auf die Farben.
Farben sollten wärmer sein
In erster Linie sollten Farben bei einem TV möglichst natürlich sein, richtig? Das ist nicht immer der Fall. Sie erfüllen nämlich mehrere Zwecke:
- Farben dienen der Immersion. Ein Thriller soll düster sein und nicht durch das Display verfälscht werden.
- Farben müssen zum Genre passen. Ein bonbonbunter Animationsfilm soll stark saturiert sein, hier kann ein TV mit hoher Spitzenhelligkeit helfen.
- Farben sollten nicht zu kalt sein, da sie sonst die Augen schnell müde machen.
Ich empfehle, die Farben wärmer einzustellen, als sie tatsächlich sind. Das lässt ein Bild homogener wirken und es ist auf Dauer angenehmer für die Augen.
Wenn ihr es nicht gewohnt seid, dann wird euch das Bild zunächst rotstichig vorkommen. Aber daran werdet ihr euch schnell gewöhnen.
Wichtig zu wissen ist, dass die Farbtemperatur nicht gleich die tatsächlich dargestellten Farben sind. Die Farbtemperatur ist ein Maß für die Lichtfrequenzen, die von einer schwarzen Oberfläche ausgehen, wenn diese erwärmt wird. Mit zunehmender Erwärmung ändert sich die Farbe des ausgestrahlten Lichts von Rot über Gelb schließlich zu Weiß und Blau.
Wollt ihr euch mit der Farbwärme nicht herumschlagen, reicht es aus, die Farbtemperatur in den TV-Einstellungen auf »warm« zu stellen. Auf Nummer sicher geht ihr mit der Bildeinstellung »Film« oder »Kino«. Hier sind die Farben (und deren Temperatur) warm und auf Filme voreingestellt.
Aus der Helligkeit und den Farben ergibt sich schließlich der Kontrast, der wahrscheinlich wichtigste Parameter eines Fernsehers.
Kontraste: Das wirkt sich alles beim TV aus
Kontrast bezeichnet ganz oberflächlich Unterschiede in der Wahrnehmung. Schwarze Schrift auf weißem Grund oder umgedreht, hat einen maximal klaren Kontrast und ist für das Auge ohne Probleme zu erkennen. Weitere Kontrastarten sind:
- Farbkontraste (etwa Rot neben Grün)
- Inhaltliche Kontraste (etwa groß neben klein oder nah neben fern)
Um es mit der Helligkeit auszudrücken: Was ihr nicht wollt, ist ein Fernseher, dessen Spitzenhelligkeit so niedrig ist, dass selbst in einem dunklen Raum der Kontrast zu gering ausfällt. Dazu gibt es übrigens Referenz-Testbilder von Burosch wie das folgende:
Unsere Augen nehmen Kontraste am besten wahr, weshalb dieser Wert am wichtigsten ist.
- Retina (Netzhaut): Die Fotorezeptoren (Stäbchen und Zapfen) reagieren auf Lichtintensität und Farben.
- Adaptation: Das Auge passt sich an Lichtverhältnisse an. Dadurch erscheinen Kontraste in der Dunkelheit oder im Hellen unterschiedlich stark.
- Laterale Hemmung: Nervenzellen im Auge heben Unterschiede zu Kanten hervor; unser Nervensystem interpretiert diese. Deshalb wirken Übergänge zwischen hell/dunkel schärfer, als sie physikalisch sind.
Hat das menschliche Auge ein Kontrastverhältnis?
Bei Displays und Beamern wird oft ein Kontrastverhältnis angegeben, etwa 1.000:1. Technisch spricht man von einem Luminanzverhältnis vom helligkeithellsten Punkt zum helligkeitdunkelsten Punkt.
Das absolute Kontrastverhältnis des menschlichen Auges liegt bei ca. 1.000.000:1. Durch die Anpassung unseres Sehnervs an Dunkelheit und Helligkeit decken wir meist allerdings nur ca. 10.000:1 bis 100.000:1 ab. Mehr dazu lest ihr im Fachbuch Foundations of Vision.
Ein TV-Display liefert nur einen technischen Kontrast. Wichtig sind aber noch mehr Faktoren, die nicht allein vom Bildschirm ausgehen.
- Raumhelligkeit: In einem hellen Raum wirken Schwarztöne grau, weil Streulicht das Panel aufhellt. In dunklen Räumen nehmen wir Kontraste wesentlich stärker wahr.
- Reflexionen: Lichter, die sich auf dem Display spiegeln, sind nicht nur störend, sie reduzieren auch die wahrgenommenen Kontraste.
- Adaption des Auges: Bei Helligkeit »zieht« das Auge den Schwarzwert nach oben, wodurch der gefühlte Kontrast sinkt.
- Simultankontrast: Unsere Augen lassen sich austricksen. Helle Bereiche lassen dunkle Flächen noch dunkler erscheinen. Durch eine Lampe in einem finsteren Raum wirkt dieser auf uns dunkler als er ist.
3:12
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Fazit
Das war jetzt ganz schön viel Technik und Theorie, also erkläre ich es noch einmal in aller Kürze.
Die Helligkeit bildet das Fundament, auf dem Farben und Kontraste sich aufbauen. Je höher die Spitzenhelligkeit eines TVs ist, desto stärkere Kontraste und detaillierte Farben kann das Display darstellen.
Die Farben hauchen dem Bild Leben ein. Sie sollen gesättigt sein, aber nicht zu stark. Tendenziell empfiehlt es sich, auf warme Farbentemperaturen zu setzen. Sie machen die Augen weniger schnell müde und erschaffen ein »cineastischeres« Bild; Realismus bis zum Maximum ist hier nicht der Schlüssel.
Kontraste nehmen wir am ehesten wahr. Je stärker sich Helligkeit und Farben voneinander unterscheiden, desto klarer sieht das Bild für uns aus. Ein TV mit hoher Spitzenhelligkeit kann Kontraste stärker voneinander trennen, wodurch das Gezeigte für uns schlussendlich »knallt«.
TVs sind heute waschechte Computer. In den perfekten TV spielen viele Faktoren hinein, und die sind für alle von uns unterschiedlich.
Wenn euch die Bildqualität wichtig ist, dann achtet vor allem auf eines: eine möglichst hohe Spitzenhelligkeit. Das garantiert nicht automatisch das beste Bild, dazu braucht es auch starke Prozessoren und weitere Technik, doch es gibt dem Fernseher viel Spielraum – und vieles davon ist schlussendlich auch Einstellungssache.







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