2025 dachte ich, TVs könnten nicht mehr besser werden und gleich zwei Technologien haben mir bewiesen: Ich lag falsch

Seit 9 Jahren sind TVs mein Job und ich dachte, das Ende der Fahnenstange sei erreicht − dann kamen RGB-LED und Tandem-OLED.

LED und OLED liefern sich derzeit ein Rennen und es ist knapper, als ich dachte. (Bildquellen: Sony, LG, Maxe S., GameStar) LED und OLED liefern sich derzeit ein Rennen und es ist knapper, als ich dachte. (Bildquellen: Sony, LG, Maxe S., GameStar)

Wie gut sollen Fernseher eigentlich noch werden? Die Frage stellen sich die meisten sicher dann, wenn sie sich einen neuen kaufen. Beim direkten Upgrade sieht man den Unterschied schließlich am meisten.

Ich habe mir die Frage dieses Jahr auch gestellt. Ich meine, hallo, OLED hat perfekte Schwarzwerte, MiniLED-TVs haben bombiges HDR und überhaupt ist die Bildqualität doch seit Jahren stark, oder?

Ja – und trotzdem strafen mich die Hersteller immer wieder Lügen, wenn sie noch mehr Bildqualität aus ihren Displays quetschen. Dieses Jahr war das dank RGB-LED und Tandem OLED der Fall.

Maxe Schwind
Maxe Schwind

Maxe ist seit 2016 Tech-Redakteur, und Fernseher waren schon immer sein Fachgebiet. LED, OLED, Mini-LED, Micro-LED: Völlig egal, er interessiert sich für alle Displays. Natürlich kommt der Sound auch nicht zu kurz.

TVs mit RGB-LED

Es war Sony, die mit dieser Technologie vorgeprescht sind; gesehen haben wir sie auf der IFA 2025. Im Grunde funktioniert RGB-LED ziemlich simpel.

Für die Hintergrundbeleuchtung von LED-TVs kommen üblicherweise weiße oder blaue LEDs zum Einsatz. Bei RGB-LED ist es so, dass stattdessen drei LEDs leuchten, und zwar in Rot, Grün und Blau – und diese unterstützen das gezeigte Bild auf dem Display.

Herkömmliches Backlight RGB-LED Herkömmliches Backlight RGB-LED

Auf der linken Seite seht ihr, dass die Hintergrundbeleuchtung bunt ist. Das ist neu bei RGB-LED. (Bildquellen: Sony)

Die Vorteile:

  • Breiteres Farbspektrum: Wenn die Farbe der Hintergrundbeleuchtung mit der Farbe auf dem Schirm passt, entstehen weniger Misstöne in den Zwischenräumen. Der DCI-P3-Farbraum soll zu 99 Prozent abgedeckt werden, der breitere BT.2020 bis zu 90 Prozent, ein Unikum bisher.
  • Höhere Spitzenhelligkeit: Sony spricht von bis zu 4.000 Nits. Das wäre Spitzenklasse; der Bravia 9 kommt »nur« rund auf die Hälfte.
  • Bessere Blickwinkelstabilität: Helle Hintergrundbeleuchtung lässt das Bild bei LED-TVs verblassen, weil sie durchstrahlen. Bei RGB LED passiert das nicht, weil die Hintergrundbeleuchtung bereits die »richtige« Farbe zeigt.
  • Weniger Clouding: Helle Lichtwolken entstehen bei LEDs immer dann, wenn helle Objekte vor schwarzem Hintergrund stehen. Ist die Hintergrundbeleuchtung nicht einfach nur hell, sondern farbig, wird das verringert.
  • Leicht geringerer Stromverbrauch: Die Hintergrundbeleuchtung leuchtet nur in den benötigten Farben und nicht als Ganzes. Das dreht an der Strompreisschraube, wenn auch nur ein kleines Bisschen.

Warum mich RGB-LED so begeistert: Bisher habe ich angenommen, dass weiße und blaue LEDs deswegen verwendet werden, weil sie besonders hell scheinen. Mehr Helligkeit bedeutet bessere Farben, nicht?

Dass dabei Misstöne entstehen, hatte ich wortwörtlich nicht auf dem Schirm. Dass RGB-LEDs die ausradieren und den Farbraum akzentuierter abdecken, war für mich ein Aha-Effekt. Das lässt das Bild einfach noch mal ein Eckchen runder wirken.

Haben LED- und Mini-LED-TVs damit eine Schnitt gegen OLED?

Video starten 51:20 OLED: Die Lichtgestalt für Gamer oder übertriebener Hype?

TVs mit Tandem-OLED

Gerade, wenn man glaubt, die LED-Technik verkürzt den Abstand zu OLED, wird bei der Technologie noch ein Pfund draufgepackt.

Dieses Pfund heißt 2025 Tandem-OLED oder, wie LG sie bei seinem G5 nennt, »Primary RGB Tandem«.

Wie der Name bereits suggeriert, arbeitet hier OLED im Tandem. Das bedeutet: Das Panel setzt sich anders zusammen; die Halbleiter-Schichten der einzelnen Bildpunkte haben eine neue Struktur. Anstatt nur eine Leuchtschicht pro Pixel zu verwenden, stapeln Tandem-OLEDs zwei oder mehr Leuchtschichten übereinander.

Vereinfacht gesagt lassen die Schichten der einzelnen Pixel mehr Licht durch und verbrauchen dabei weniger Energie. (Bildquelle: LG) Vereinfacht gesagt lassen die Schichten der einzelnen Pixel mehr Licht durch und verbrauchen dabei weniger Energie. (Bildquelle: LG)

Die Vorteile:

  • Höhere Helligkeit bei HDR: Während OLED sein perfektes Schwarz behält, sollen helle Lichtbereiche bei HDR-Inhalten, nun, heller sein. Das Ergebnis: ein erhöhter Kontrast. Das bestätigt der Test der Kollegen von Hifi.de
  • Höhere Langlebigkeit: Pixel in OLEDs bestehen aus organischem Material. Das bedeutet, dass sie mit der Zeit schlechter werden. Durch die geringere Belastung der einzelnen Schichten erhöht sich die Langlebigkeit der Bildpunkte – und des Displays.
  • Höhere Effizienz: Wie im Bild oben zu sehen, kumulieren sich die Lichtquellen. Das heißt auch: Die einzelnen Schichten müssen nicht mit voller Kraft arbeiten.
  • Geringere Wärmeentwicklung: Die Arbeitslast wird auf eine Schicht mehr als bisher verteilt. Dadurch wird weniger Wärme erzeugt.

Warum mich Tandem-OLED so begeistert: Eigentlich hat mich die Technologie links überholt. Ich bin kein Ingenieur und kenne OLED-Panels auch nicht bis aufs kleinste Mü auswendig, aber gerade, wenn man die Tandem-OLED sieht, ergibt es so viel Sinn.

Ähnlich wie bei RGB-LED haben Experten einfach die Zusammensetzung geändert. Hier hilft viel wirklich viel, weil vier Schichten gemeinsam mehr schaffen als drei Schichten. Das ergibt einfach Sinn und gerade die höhere Helligkeit bei HDR zahlt sich bei einem Panel mit perfektem Schwarz doppelt aus.

Ich werde auch weiterhin das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen LED- und OLED-TVs beobachten. Dieses Jahr haben mich beide Techniken von neuem begeistert; die CES 2026 im Januar wird uns dann mehr zeigen.

Die einzige Technologie, die beide aushebeln könnte, ist Micro-LED, doch die ist momentan noch viel zu teuer. Ich warte schon seit der CES 2017 darauf – fast 9 Jahre, also bleibe ich weiterhin geduldig.

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