Die Uhr bei euch an der Wand ist Teil eines Rätsels, das sicher auch Albert Einstein faszinieren würde. Neue Daten vom James-Webb-Teleskop haben Seltsames entdeckt, was einen Großteil aller Galaxien mit eurer Uhr verbindet. Sie drehen alle rechtsherum.
Der Grund, weshalb jene simple Beobachtung den Ursprung von allem berühren könnte, gehört zu einer faszinierenden Hypothese.
Sterntod gebärt neue Universen
Eine neue Studie hat bei einer Zählung Hunderter Galaxien festgestellt, dass sich zwei Drittel von ihnen rechtsherum, also im Uhrzeigersinn, drehen. Das widerspricht der statistischen Erwartung, die von 50/50 ausgeht.
Die von einem einzelnen Autor (Lior Shamir) erstellte Arbeit findet hierfür eine vielleicht überraschende Erklärung: Die vorherrschende Drehrichtung in unserem Universum komme daher, dass sie die ihres Mutteruniversums übernommen habe – mitvererbt vom Quasi-Vater. Wir und alles, was wir jemals gesehen haben, liege nämlich in der Singularität eines schwarzen Loches, das vor circa 14 Milliarden Jahren in einem anderen Universum die Raumzeit aufriss.
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Stern in Donut-Form - NASA findet schwarzes Loch, um das ein zerstörter Stern kreist
Komplett neu ist die Idee des Informatikers allerdings nicht. Seine Studie befeuert eine ältere Theorie, Schwarzschild-Kosmologie genannt, die auch der Astronom Ethan Siegel 2020 veröffentlichte. Hiernach entsteht in beziehungsweise hinter jedem schwarzen Loch, das sich zum Beispiel als Folge einer Supernova bildet, ein neues Universum.
Der Urknall wäre demnach die Öffnung eines Weißen Loches, wie es zum Beispiel Albert Einstein als mögliche Lösung innerhalb seiner Prinzipien errechnete. Der Weg zwischen Ein- und Ausgang wäre die Einstein-Rosen-Brücke – für uns Sci-Fi-Fans vertrauter, ein sogenanntes Wurmloch. Alle Masse, die in ein schwarzes Loich fällt, lasse das neue Universum darin/dahinter wachsen.
Es gibt wenig Fakten, die die Theorie erhärten. Allerdings findet sich ein Indiz: Die Grenze unseres sichtbaren Universums (als Hubble-Radius oder kosmologischer Horizont bezeichnet), passe nach einigen Schätzungen (siehe Links oben) zu dem hypothetischen schwarzen Loch mit der Masse unseres Universums.
Denn je nach Masse verändert sich auch der Schwarzschild-Radius eines Objektes. Dieser individuelle Wert definiert den Radius, den etwas als Kugel einnehmen müsste, um zu einem schwarzen Loch zusammenzufallen. Bei der Erde wären das etwa 9 Millimeter; bei unserem Universum der halbe Durchmesser (Radius) seiner angenommenen, aktuellen Ausdehnung.
Doch gilt diese Theorie als wackelig und wahrscheinlich eignet sie sich mehr für einen Science-Fiction-Film als einen Hörsaal. Stephen Hawking hätte sicher dennoch Freude daran, sich mit dieser Theorie auseinanderzusetzen. Schwarze Löcher gehörten ja zu seinen Lieblingen – wobei das stärkste jemals gemessene Neutrino eine seiner Kernthesen über ihren Tod zu bestätigen scheint.
Andere Erklärungen für das Phänomen
Abseits der Option der sogenannten Schwarzschild-Kosmologie kennen wir andere Erklärungsansätze für die scheinbar bevorzugte Drehrichtung von Galaxien:
- Eine begrenzte Auswahl: Es könnte schlicht sein, dass in der Auswahl der beobachteten Galaxien der Fehler liegt. Es wurden ja nicht alle bekannten Galaxien darauf untersucht. Wer sich mit Statistik auskennt, dem sagen Begriffe wie Grundgesamtheit und signifikante Stichprobe etwas. Dahinter steckt vereinfacht der Ansatz, von Erkenntnissen zu wenigen auf alle zu schließen. Kurzum: Vielleicht ist unser Bild vom Galaxien-Kosmos einfach unvollständig oder unsere Beobachtung wird irgendwie verfälscht.
- Kosmisches Netz: Ein anderer Ansatz bezieht sich darauf, dass das Gas, aus dem alles im Universum gebildet worden ist, in den Anfangszeiten quasi durch ein Netz verbunden war. In diesem übertrug sich die Drehrichtung des Gesamtsystems auf die einzelnen Galaxien. Sie behielten diese schlicht bei, auch wenn der Verbund längst jenseits gravimetrischer Beeinflussung zerfallen ist – Ähnliches kennen wir auch von Sternensystemen sowie ihren Sonnen. Supermassive Löcher, sogenannte Quasare, lieferten hierzu in der Vergangenheit bereits Anzeichen, da sich auch ihre Drehrichtung gespenstisch gleicht (via eso.org).
Letzten Endes muss die Frage, ob wir gemeinsam mit allem Unbekannten in unserem Universum in einem schwarzen Loch leben, unbeantwortet bleiben. Doch zeigt sich allein an dieser Fragestellung und den möglichen Antworten, welch faszinierendes Feld die Kosmologie darstellt. Oder wie der legendäre Astronom Carl Sagan einst treffend feststellte: Außergewöhnliche Behauptungen erfordern außergewöhnliche Beweise
. Die fehlen hier, dennoch erstaunt allein die These.
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