Wenn etwas zu schön klingt, um wahr zu sein, dann ist es das in der Regel auch. Diese Weisheit gilt insbesondere für Produkte, die im Internet als kostenlos beworben werden.
Einen Haken gibt es nämlich auch bei dem kostenlosen Telly: einem 55 Zoll großen 4K-Fernseher inklusive Soundbar und Zweitbildschirm. Und genau hier liegt einer der Stolpersteine.
Das ist Telly
Das Konzept hinter Telly ist schnell erklärt. Der im Jahr 2023 gestartete TV ist kein klassischer Fernseher, sondern eine feste Hardware-Einheit aus mehreren Teilen.
- Oben befindet sich der Hauptbildschirm für Filme, Serien oder Videotelefonie.
- Darunter befindet sich der Zweitbildschirm, der durch eine Soundbar vom Hauptbildschirm getrennt ist.
Der Zweitbildschirm ist der eigentliche Kern dieses verlockenden Angebots. Das smarte Display läuft nämlich permanent und zeigt Widgets mit Wetterinformationen, Aktienkursen oder Sportereignissen.
Auf diesem unteren Display wird aber vor allem eines angezeigt: Werbung – und das in der Regel dauerhaft. Egal, ob ihr gerade spielt, eure Lieblingsserie schaut oder einfach nichts macht.
Das ist aber längst nicht alles. Hinzu kommen eine eingebaute Kamera (mit Abdeckung), ein Mikrofon und Sensoren. Somit erkennt das Gerät, wie viele Menschen gerade auf den Fernseher starren. Potenziell erkennt der TV damit auch, wenn der Zweitbildschirm abgedeckt wird. Ist dies der Fall, würdet ihr gegen die Vereinbarungen verstoßen.
Gemäß der Nutzungsbedingungen gibt es davon einige:
- Der TV muss im Haushalt als primärer Fernseher genutzt werden. Eine Nutzung in Büros oder gewerblichen Räumen ist untersagt.
- Der Fernseher muss ab Lieferung innerhalb von fünf Tagen mit dem Internet verbunden werden und ständig online sein (gelegentliche Störungen ausgenommen).
- Die Werbung darf nicht unterbrochen werden, weder durch Software noch durch Hardware oder in Form von Abdeckungen.
- Der Fernseher und das Betriebssystem dürfen nicht modifiziert werden.
Sollte Telly feststellen, dass ihr gegen die Nutzungsbedingungen verstößt, wird der Zugang eingeschränkt oder gesperrt. Zudem kann der Hersteller den Fernseher zurückverlangen, da dieser sich ohnehin nicht in eurem Eigentum befindet.
Wer dieser Aufforderung nicht nachkommt, muss mit einer Strafe in Höhe von 1.000 US-Dollar rechnen, die von der hinterlegten Kreditkarte abgebucht wird.
»Sollten Sie die Anforderungen und Anweisungen zur Rückgabe der Geräte an Telly nicht befolgen, ermächtigen Sie Telly dazu, Ihre hinterlegte Kreditkarte mit einem Betrag von 1.000 US-Dollar zu belasten.«
Der eigentliche Preis steht im Kleingedruckten
Kostenlos ist dieser Fernseher also zweifelsfrei nicht, ihr zahlt großzügig mit persönlichen Daten. Das kommuniziert das Unternehmen auch völlig transparent.
Zum Launch im Jahr 2023 sah der Fragebogen zur Bewerbung für einen Telly-TV noch alles andere als harmlos aus.
Neben dem Einkommen und der politischen Orientierung musste man darin auch Angaben zur Familienplanung machen – für einen Fernseher (via CNN). Heute haben wir keine Hinweise darauf gefunden, dass vor der Bestellung noch immer ein solcher Fragebogen ausgefüllt werden muss.
Steht der Fernseher aber erst einmal im Wohnzimmer, überwacht er fortan, was ihr schaut oder spielt. Denn getrackt wird alles, was auf dem Bildschirm läuft.
Möglich macht das eine Technik namens Automatic Content Recognition (ACR). Vereinfacht gesagt erstellt der Fernseher einen digitalen Fingerabdruck von allem, was auf dem Bildschirm läuft, und gleicht ihn mit einer Datenbank ab.
So weiß Telly, was ihr schaut oder spielt und wann ihr das tut. Dem könnt ihr natürlich widersprechen, dann verstößt ihr aber gegen die Richtlinien und der Fernseher muss an den Hersteller zurückgeschickt werden.
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Telly hat seine Ziele nicht erreicht
Das Start-up hatte zum Start ambitionierte Ziele: Telly wollte bis Ende 2023 stolze 500.000 Haushalte mit seinen TV-Geräten ausstatten. Im November 2025 hatten sie nur 35.000 Einheiten erreicht.
Zudem hatte der Hersteller offenbar mit Transportschäden zu kämpfen. Ganze zehn Prozent der Produkte sollen bei der Ankunft beim Kunden beschädigt gewesen sein.
Trotzdem scheint das Konzept zumindest in einem Punkt aufzugehen. Wie TechRadar berichtete, erzielt Telly rund 50 US-Dollar pro Nutzer und Quartal an Werbeumsätzen. Hochgerechnet auf das Jahr sind das etwa 200 US-Dollar pro Haushalt.
Damit stellt das Start-up selbst Streaming-Riesen wie Roku in den Schatten: Roku kam Ende 2024 im Schnitt auf rund 41,49 US-Dollar pro Nutzer – allerdings pro Jahr. Telly verdient also an einem einzigen Kunden in drei Monaten mehr als Roku in zwölf.
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In Deutschland so nicht möglich
Telly ist weiterhin nur in den USA tätig und wird bis auf Weiteres zumindest innerhalb der EU keinen Fuß fassen. Der Grund hierfür liegt in der DSGVO. Ein erstes großes Hindernis wäre etwa das Kopplungsverbot.
Demnach darf die Bereitstellung eines Produkts nicht davon abhängig gemacht werden, dass der Nutzer in eine Datenverarbeitung einwilligt, die für den eigentlichen Zweck gar nicht notwendig ist. Genau hier liegt jedoch das Hauptaugenmerk von Telly.
Weitere Hürden wären die Art der Datenverarbeitung, etwa durch den Bewegungssensor. Bis auf Weiteres bleibt der Gratis-Fernseher also ein reines US-Phänomen.

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