Valve und weitere Spielefirmen in der Kritik - Europäische Kommission fordert Verbot von Geo-Blocking

Die EU Kommission untersucht, ob Valve und weitere Spielefirmen wie Zenimax gegen die Wettbewerbsregeln der EU verstoßen, indem sie Geo-Blocking betreiben.

von Elena Schulz,
07.04.2019 10:29 Uhr

Steam und Co. in der Kritik: Verstößt Geo-Blocking gegen EU-Recht?Steam und Co. in der Kritik: Verstößt Geo-Blocking gegen EU-Recht?

Die Europäische Kommission forscht schon länger dazu, welche Praktiken beim Verkauf von digitalen Spielen zulässig sind.

Jetzt hat sie ein Statement veröffentlicht, dass den Steam-Betreiber Valve, sowie die Publisher Bandai Namco, Capcom, Focus Home, Koch Media und ZeniMax kritisiert. Konkret geht es um die Nutzung von Geo-Blocking beim Vertrieb der eigenen Spiele-Keys.

Was ist Geo-Blocking?

Über die Praxis verhindern Firmen wie Valve bewusst, dass man Keys aus anderen Regionen kaufen und nutzen kann. Der Grund dafür ist, dass manche EU-Länder (vor allem in Ost-Europa) über ein geringeres Einkommen verfügen.

Dementsprechend sind auch die Produktschlüssel für Spiele dort günstiger zu haben. Dass Käufer aus reicheren Ländern wie Deutschland diese zum günstigeren Preis erwerben, soll deshalb durch regionale Sperren (Region-Locks) unterbunden werden.

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Der Standpunkt der EU

Dem aktuellen Bericht zufolge habe man die Firmen über die »vorläufige Auffassung« der EU Kommission unterrichtet, »dass die Unternehmen Verbraucher unter Verstoß gegen die EU-Wettbewerbsregeln daran gehindert haben, Videospiele grenzüberschreitend in anderen Mitgliedstaaten zu erwerben.«

Margrethe Vestager, die zuständige Kommissarin für Wettbewerbspolitik, erklärte dazu:

"In einem echten digitalen Binnenmarkt sollten die europäischen Verbraucher das Recht haben, Videospiele ihrer Wahl unabhängig davon, wo in der EU sie wohnen, zu kaufen und zu spielen. Sie sollten nicht daran gehindert werden, in dem Mitgliedstaat zu kaufen, in dem sie das günstigste Angebot finden. Valve und die fünf Videospielverleger haben nun Gelegenheit, auf unsere Bedenken zu antworten."

Nach der aktuellen Einschätzung der Kommission hätten Valve und die fünf PC-Videospielverleger »bilaterale Absprachen getroffen, um Verbraucher daran zu hindern, PC-Videospiele, die nicht in ihrem Wohnsitzland erworben wurden, zu nutzen«

Sprich: Sie nutzen Geo-Blocking, was laut der Kommission gegen die kartellrechtlichen Vorschriften der EU verstößt. Der Verstoß weite sich dem Statement zufolge auch auf andere Vertriebsplattformen als Steam aus, mit denen diesbezüglich Absprachen erfolgten.

Damit würde man den Käufern bewusst einen Vorzug des digitalen Binnenmarktes der EU, nämlich die Möglichkeit, grenzüberschreitend das attraktivste Angebot zu wählen, verwehren.

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Was passiert, wenn die EU Recht behält?

Aktuell steht der Ausgang der Untersuchung noch nicht fest. Die EU Kommission hat die Spielefirmen lediglich über den momentanen Stand unterrichtet. Sollte sie feststellen, dass tatsächlich gegen EU-Wettbewerbsregeln verstoßen wurde, könnte das aber zu saftigen Geldstrafen führen.

Bis zu zehn Prozent des jeweiligen weltweiten Jahresumsatzes sind möglich. Zudem würde die entsprechende Verkaufs-Praxis untersagt werden. Das würde dazu führen, dass Spieler in der EU in Zukunft auch aus anderen Mitgliedsländern günstigere Spiele(keys) beziehen können.

Eine sogenannte Geo-Blocking-Verordnung existiert bereits seit Ende 2018 in der gesamten EU. Diese verbietet Geo-Blocking und andere geografische Beschränkungen im Bezug auf Retail-Spiele. Downloads waren bislang nicht inbegriffen.

Die Kommission will bis zum 23. März 2020 zu einem Ergebnis kommen und den Geltungsbereich der Verordnung im Bezug auf Inhalte wie Musik, E-Books, Software, Online-Spiele und mehr prüfen.

Das sagt Valve dazu

Von Steam-Betreiber Valve gibt es bereits ein offizielles Statement, in dem man die Vorwürfe von sich weist.

Laut eines Sprechers sei nur eine kleine Anzahl von Spielen - etwa 3 Prozent als 2013 die Untersuchungen angelaufen sind - von Aktivierungsschlüsseln mit Region-Lock betroffen. Darunter sei keines von Valves eigenen Spielen. Es beziehe sich auf Keys, die man von anderen Händlern erwerben und auf Steam einlösen könne, statt das Spiel direkt im Store zu kaufen.

Steam verdiene kein Geld mit den Aktivierungsschlüsseln, weshalb das aktuelle Gesetz nicht unterstütze, Steam für die von den Publishern geforderten Region-Locks verantwortlich zu machen. Zudem habe man die Region-Locks bereits 2015 aufgrund der Bedenken der EU abgeschaltet - mit einigen wenigen Ausnahmen, wo es rechtlich bindende Gründe gab, beispielsweise durch das deutsche Inhaltsgesetz.

Valve gibt auch zu bedenken, dass das Abschaffen der Region-Locks wohl zu einem Preisanstieg in weniger wohlhabenden Regionen führen würde, um die Ausnutzung von Preisunterschieden zu vermeiden.

Es bleibt abzuwarten, wie das finale Urteil der EU Kommission ausfällt, wenn sich alle Beteiligten dazu geäußert haben.

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