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Seite 2: Video Games Live - GC-Eröffnungskonzert 08 in der Arena Leipzig

Kommentar von Christoph Winkler

»Das Eröffnungskonzert der Games Convention ist tot. Das Spielemusikkonzert im Gewandhaus zu Leipzig war 2003 das erste seiner Art außerhalb Japans und setzte auch in den Folgejahren neue Maßstäbe. Zuletzt im August 2007, mit vielen hervorragenden Arrangements, von Castlevania, Metal Gear Solid und Final Fantasy über Super Mario, StarCraft und Turrican bis hin zu Day of the Tentacle und Shenmue. Zahlreiche bekannte Komponisten waren anwesend, Stars wie Takenobu Mitsuyoshi und Michiru Yamane trugen die von ihnen komponierte Musik selbst vor, Chor und Orchester lieferten sehr gute Leistungen ab, kurz: es war ein rundum gelungener Abend.

Ob jemand von der Messeleitung beim Konzert anwesend war, nachdem es bereits 2007 nicht mehr als offizielle Eröffnungsveranstaltung der Games Convention diente, weiß ich nicht. Vermutlich war man aber im Januar letzten Jahres in der Arena Leipzig, als das Gewandhausorchester und der Chor der Leipziger Oper mit Howard Shores Soundtrack zu Der Herr der Ringe an zwei Abenden insgesamt über 13.000 Besucher in die Mehrzweckhalle lockten. Kein Vergleich zu den knapp zweitausend Personen, die in den Großen Saal des Gewandhauses passen. Und die medialen Effekte erst: Genial, wie die auf Großleinwand projizierten Konzeptzeichnungen von Alan Lee und John Howe die vielen Längen der zweieinhalbstündigen Soundtrack-Fassung kaschierten!

Im Anschluss daran wird sich vielleicht jemand gedacht haben: „Genau so wollen wir das auch!“ Deshalb findet das Eröffnungskonzert der Games Convention nun nicht mehr im Gewandhaus statt, sondern in der Arena Leipzig, produziert nicht mehr von Thomas Böcker, sondern vom amerikanischen Veranstalter Video Games Live. Dass die Musikshow von Tommy Tallarico und Jack Wall nun endlich ihren Weg nach Deutschland findet, ist dabei im Grunde begrüßenswert. Aber dass sie als neue Eröffnungsveranstaltung die angestammten Spielemusikkonzerte im Gewandhaus komplett ersetzt, ist ein zu hoher Preis.

Nur mal angenommen, wann würde Spielemusikkonzerte vor allem der Musik wegen besuchen: Dafür böte das Gewandhaus mit seiner auf sinfonische Musik zugeschnittenen Akustik beste Bedingungen. Die Arena hingegen ist für Sportveranstaltungen und Popkonzerte sicherlich hervorragend geeignet, bei den Herr der Ringe-Konzerten hätten wir Orchestermusiker auf der Bühne ohne Monitorlautsprecher aber nicht einmal uns selbst gehört. Vom tatsächlichen Klang von Chor und Orchester bekommen vielleicht noch Hörer in den ersten zehn Reihen etwas mit, der weite Raum dahinter ist Herrschaftsgebiet der Tonregie.

Der optische Gesamteindruck sieht ähnlich aus: Während man im Gewandhaus selbst von den hinteren Reihen aus erkennen kann, wie Posaunisten und Trompeter die Instrumente an die Lippen setzen und das berühmte Super-Mario-Thema anstimmen, ist man dazu in der Arena schlicht zu weit weg vom Geschehen. Bewegte Spielszenen auf Großleinwand geben sich ebenso wie Lasershow und Kunstnebel größte Mühe, weiter zu verschleiern, wie die Musik eigentlich erzeugt wird. Wenn sich dann in Metal Gear Solid auch noch ein als Solid Snake verkleideter Schauspieler von der Decke abseilt und, das Plastikgewehr im Anschlag, im Scheinwerferlicht am Bühnenrand entlang schleicht, dann hat das zwar großen Schauwert, sorgt aber auch dafür, dass die Musik letztendlich nicht mehr im Zentrum der Veranstaltung steht, sondern kleines Rädchen im gewaltigen Getriebe einer Großveranstaltung wird.

Anhören werde ich mir das trotzdem, obwohl ich Tallarico und Wall nicht zutraue, an die hervorragenden Konzerte der letzten Jahre heranreichen zu können, obwohl uns mehr Showeffekt und Glitter und weniger Musik erwartet und obwohl die im letzten Jahr schon überteuerten Kartenpreise noch einmal deutlich erhöht wurden – auf bis zu fünfzig Euro pro Ticket. Schon aus rein beruflichem Interesse muss ich da hin. Wehmütig denke ich aber schon heute an die Zeiten zurück, als man in Leipzig Spielemusik noch zutraute, einen Abend lang auch losgelöst von ihren Spielen, auf sich allein gestellt überzeugen zu können. Und als man seinem Publikum noch zutraute, Musik um ihrer selbst willen wertschätzen zu können.«

(Christoph Winkler, Mitglied des Gewandhausorchesters)

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