50% aufs erste Jahr – nur für kurze Zeit!

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Mit Vorbildern wie Disco Elysium und Pillars of Eternity nimmt sich The Necromancer's Tale viel vor - auf Steam kommt es gut an

Seit einigen Tagen könnt ihr auf Steam zum Totenbeschwörer werden. The Necromancer's Tale fasziniert seine Spieler, von denen es leider viel zu wenige gibt.

Wir stellen euch kurz ein Spiel auf Steam vor, das eure Aufmerksamkeit verdient - vor allem, wenn ihr Rollenspiele, Storys und düstere Fantasy liebt. Wir stellen euch kurz ein Spiel auf Steam vor, das eure Aufmerksamkeit verdient - vor allem, wenn ihr Rollenspiele, Storys und düstere Fantasy liebt.

Eigentlich ist der Juli dieses Jahr gar nicht so löchrig, wie das gefürchtete Sommerloch vermuten lässt. Mit waschechten Highlights wie Eriksholm, Donkey Kong Bananza oder zuletzt auch Wuchang: Fallen Feathers gibt es so einige neue Spiele, mit denen ihr derzeit die heißen Sommerwochen trotzdem vor dem Bildschirm verbringen könnt.

Doch es erscheinen wie so oft dazwischen auch noch zahlreiche eher kleine Titel, die leicht übersehen werden. Ein Spiel hat dieses Schicksal diesen Juli nicht verdient, wird derzeit aber kaum gespielt: The Necromancer's Tale. Es hat nur 130 Steam-Reviews, die stehen aber bei 92 Prozent positiv.

Fabiano Uslenghi
Fabiano Uslenghi

Wenn jemand in der Nähe von Fabiano auch nur die Worte Oldschool-Rollenspiel flüstert, hat er sofort seine W20er zur Hand. Sowohl am PC als auch am Tisch mit Stift und Papier träumt er sich privat und beruflich quasi täglich in fremde Welten. Er hat Faerûn gerettet, Tamriel erforscht, Mittelerde durchstöbert und Aventurien gemeistert. Also euer Mann, um euch alles über Rollenspiele zu erzählen.

Das Rollenspiel erinnert sehr stark an einen der besten Genrevertreter aller Zeiten, es wurde nämlich spürbar von Disco Elysium inspiriert. Auch Pillars of Eternity soll laut der Entwickler ein Vorbild gewesen sein. Diesen Vorläufern wird das Spielchen durchaus in Anflügen gerecht – zumindest merkt man hier die Leidenschaft dafür.

Video starten 1:28 Necromancer's Tale: Das Rollenspiel hat geniale Vorbilder und konnte beim Steam Next Fest überzeugen

Il negromante italiano

In The Necromancer's Tale tretet ihr einen kleinen Zeithopser an, der euch etwa 300 Jahre in die Vergangenheit katapultiert – und nach Italien. Im Jahr 1733 beginnt hier die Geschichte eures Charakters in einem fiktiven Königreich nahe Venedig, doch schon davor könnt ihr quasi sein komplettes Leben durchforsten. Dafür durchstöbert ihr ein Buch, bekommt die Geschichte vorgelesen und müsst Entscheidungen fällen.

Die legen bereits fest, was für ein Charakter euch die nächsten circa 30 Stunden lang begleitet. Mann oder Frau? Akademikerin oder Militär? Analytisch, stark, überzeugend oder intelligent? Das hängt von eurem Leben bis zu Beginn der Story ab. Oder ihr pfeift auf den Vorschlag und verteilt die Skillpunkte selbst.

Eure Eigenschaften kommen in Dialogen oft zum Einsatz, um euch einen Vorteil zu verschaffen. Eure Eigenschaften kommen in Dialogen oft zum Einsatz, um euch einen Vorteil zu verschaffen.

Wenig überraschend läuft es aber zwangsweise darauf hinaus, dass euer Charakter sich im Verlauf der tiefgründigen, erzählerisch ausgereiften und spannenden Geschichte zu einem erstklassigen Totenbeschwörer mausert.

Denn während ihr den kuriosen Todesfall eures Vaters untersucht, stoßt ihr auf ein finsteres Buch. Diesem Buch entlockt ihr nach und nach mehr Geheimnisse und lernt, Skelette, Zombies oder Geister anzurufen.

Erzähl mir vom Tod

The Necromancer's Tale ist in erster Linie eine famose Geschichte. Das heißt, ihr müsst euch darauf einlassen, erzählerisch unterhalten zu werden. Zwar gibt es in der großen begehbaren Stadt namens Marns und ihrem Umfeld einiges zu tun und zu entdecken – etwa müsst ihr regelmäßig bestimmte Items auftreiben, kombinieren und so Aufgaben lösen – aber viel häufiger führt ihr Gespräche, die nur stellenweise auf Englisch vertont sind.

In der ganzen Stadt tummeln sich um die 180 NPCs, die alle ihrem Tagewerk nachgehen und mit denen ihr interagieren könnt. Für einige Aufgaben ist es notwendig zu wissen, wann welcher Charakter sich wo genau aufhält.

Hunderte NPCs mit individuellen Porträts könnt ihr in diesem Rollenspiel kennenlernen. Das ist sehr beeindruckend. Hunderte NPCs mit individuellen Porträts könnt ihr in diesem Rollenspiel kennenlernen. Das ist sehr beeindruckend.

Vor allem solltet ihr euch genau überlegen, wem ihr vertraut und was ihr sagt. Denn die Menschen in dieser Welt sind sich bewusst, dass Nekromantie existiert und sehen sie nachvollziehbarerweise sehr skeptisch. Wenn sich herumspricht, was ihr alles mit dieser Macht so anstellt, kippt die Stimmung in der Stadt und das wirkt sich darauf aus, wo ihr gern gesehen seid und wer mit euch reden will.

Necromancer's Tale mischt hier eine wirklich faszinierende Ausgangslage mit spielerisch interessanten Herausforderungen. Das Ergebnis ist ein atmosphärisches Gefühl dafür, wie es ist, als Kellernekromant im Geheimen seine Pläne zu verfolgen. Ob nun gut oder schlecht.

Warum spielen das so wenig Leute?

The Necromancer's Tale brilliert als Geschichte, aber es reicht ein Blick auf einen Screenshot, um zu sehen, wo die Schwächen liegen. Rein grafisch ist dieses kleine Projekt komplett überholt, daran ändert auch der Gemäldefilter nichts, der von Grund auf aktiviert ist. Das sieht einfach aus wie vor 20 Jahren – vor allem Innenräume wirken oft detailarm.

In den Kämpfen fühlt ihr euch wie ein mächtiger Heerführer der Toten - würde sich das nur genau so aufregend auch spielen. In den Kämpfen fühlt ihr euch wie ein mächtiger Heerführer der Toten - würde sich das nur genau so aufregend auch spielen.

Das ist etwas, mit dem ihr euch arrangieren müsst. Wie so oft ist Grafik leicht vergessen, wenn das Spiel an sich Spaß macht, aber die Hürde muss erst einmal genommen werden. Ein weiterer Schwachpunkt sind die taktisch oberflächlichen rundenbasierten Kämpfe, in denen ihr später eine kleine Armee aus Untoten befehligt. Es passt zur Totenbeschwörer-Fantasie, spielt sich aber langatmig. Nicht grundlos könnt ihr diese Kämpfe daher komplett deaktivieren und euch mehr auf die Geschichte einlassen.

Trotz dieser Schwächen ist The Necromancer's Tale eine Empfehlung wert. Eine düstere Fantasy-Geschichte, die seelische Abgründe offenbart und wirklich gut vermittelt, wie es sich wohl anfühlen würde, tatsächlich ein uraltes Buch über Nekromantie zu entschlüsseln.

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