Es gibt in der GameStar-Redaktion einen internen Running Gag. Wenn ein Spiel Granaten hat, dann ist es ein Spiel für mich. So ganz hundertprozentig stimmt das zwar nicht.
Aber es macht deutlich: Ich bin halt einfach der Shooter-Typ hier. Wenn Sachen in die Luft fliegen, ist Phil glücklich. Da sind sich alle meine Kollegen einig.
Damit fallen viele Spiele mit Mittelalter-Settings automatisch aus meinem Beuteschema. Aber die Demo von Wanderburg hat beides: Ritterburgen und Granaten. Und Minen. Und Raketen. Und ein Spielprinzip, bei dem ich immer wieder sage: Ach komm, noch eine Runde, dann mach ich aus. Ok, noch eine schnelle Runde. Echt jetzt. Und schwupps, ist mein ganzer Abend plötzlich rum.
Abgesehen von der (natürlich völlig unschlagbaren) Kombination aus Schlössern und Granaten: Was macht diese magnetische Anziehungskraft von Wanderburg aus?
3:50
Wir gehen in unserer allerersten Runde Wanderburg schon nach 4 Minuten in Flammen auf - trotzdem wandert das Ding direkt auf die Steam-Wishlist!
Ritterburg mit Nitro-Booster
Das Grundprinzip von Wanderburg ist im Endeffekt identisch mit Vampire Survivors, Brotato und vergleichbaren Spielen aus dem sogenannten Bullet-Hell-Genre: Ich bewege mich aus der Top-Down-Ansicht durch ein Arena-Spielfeld, während von allen Seiten endlose Schwärme von Gegnern anstürmen.
Regelmäßig pausiert das Spiel und präsentiert mir eine Auswahl von drei zufällig gewählten Upgrades. Sobald ich eins anklicke, geht der Überlebenskampf weiter – mit der Zeit werden ich und die Gegnerhorden immer stärker.
Aber Wanderburg unterschiedet sich von der Konkurrenz dadurch, dass ich kein Superheld bin. Ich bin ein Schloss auf Rädern – und so steuert sich das Ganze auch. Trägheit und Schwung spielen eine große Rolle in Wanderburg und gibt dem Spiel einen leichten Rennspiel-Charakter. Meine Burg kann sogar einen kurzen Nitro-Boost zünden!
Das führt zu spannenden Entscheidungen: Entscheide ich mich für dickere Panzerung, verliere ich Wendigkeit. Setze ich stattdessen auf Tempo, ist die Burg agil und flink unterwegs, steckt aber auch weniger Treffer weg. Panzer-Burg oder Rennwagen-Burg, was darf es sein?
Ich will immer wieder »Play« drücken
So absurd das klingt: Das Movement der Burgen zu meistern, ist einer der besten Aspekte von Wanderburg. Die Fahrphysik fügt dem Genre eine neue Dimension hinzu, mit der ich nie gerechnet hätte.
Ich kann meine Burg sogar mit einem Rammbock ausstatten und feindliche Gebäude mit genug Wucht einfach aus dem Bild prügeln. Das hat dann fast was von einem mittelalterlichen Destruction Derby und ich kichere in mich hinein wie damals, als ich 2006 zum ersten Mal in Flatout 2 ein anderes Auto zu Altmetall gefahren habe.
Der wahre Langzeitmotivator von Wanderburg ist aber das Upgrade-System selbst. Nach und nach experimentiere ich mit neuen Chassis, verlege Minen oder beschwöre sogar Fußsoldaten, die mir Geleitschutz bieten. Die Kombinationsmöglichkeiten scheinen endlos und setzen eine Spirale in Gang, die mich immer wieder auf den Play-Button klicken lässt.
Mit welcher Kombination bekomme ich diese gigantische Boss-Burg am schnellsten kaputt? Sollte ich den Rammbock mit Bogenschützen kombinieren? Und was ist wohl der beste Konter gegen diese fiesen langezogenen Burgen, deren Kanonen mir immer mit einer Breitseite den halben Lebensbalken zerschießen?
Ich werd's wohl nur rausfinden, wenn ich noch einmal auf den Play-Button drücke. Nur noch eine Runde, ich schwöre.
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