Stalking-Software zur freien Verfügung: Im Oktober 2025 legten Sicherheitsforscher der Universität Wien eine Studie vor, die zeigt, dass Messenger-Apps allein über die Handynummer unbemerkt Nutzungsdaten preisgeben.
Jetzt hat ein Entwickler ein Tool veröffentlicht, das genau diese Lücke nutzt – und spricht exklusiv mit GameStar Tech über seine Beweggründe.
Das ist passiert
- Eine Forschungsgruppe der Informatik-Fakultät der Universität Wien hat im Oktober eine Studie veröffentlicht, die eine Sicherheitslücke von WhatsApp und anderen Messengern aufzeigt, die die Forscher
Careless Whisper
nennen. - Mit unsichtbaren Ping-Nachrichten können Angreifer per WhatsApp und Co. Informationen über euer Handy erhalten, die darauf schließen lassen können, was ihr gerade tut.
- Nun hat der Entwickler Julian Ambrozy Software auf seinem Github-Repository veröffentlicht, die zeigt, wie leicht die Sicherheitslücke ausgenutzt werden kann.
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21-Jähriger Entwickler macht die Lücke nutzbar
Auf LinkedIn beschreibt Ambrozy den Code als Proof of Concept
der Careless-Whisper-Lücke, die von den Wiener Forschern aufgedeckt wurde (also als Demonstration).
Mithilfe des Trackers können sich User detaillierte Angaben zur Handynutzung der Zielperson ausgeben lassen – dafür reicht allein die Handy-Nummer eines Smartphones, auf dem WhatsApp oder Signal installiert ist.
Auf Instagram zeigt Ambrozy selbst, wie er mithilfe seines Tools sein eigenes Smartphone überwacht:
Link zum Instagram-Inhalt
Die Demonstration zeigt, wie die Spionage damit funktioniert:
- Handy-Nummer und Messenger App: Um die Software zu nutzen, braucht es lediglich eine Handy-Nummer von einem Smartphone, auf dem eine Messenger-App installiert ist.
- Unsichtbare Nachrichten: Das Tool sendet Reaktionen auf Nachrichten, die nicht existieren, und misst die Zeit, bis das ausgespähte Smartphone reagiert. Das Perfide: Das Spionage-Opfer bemerkt nichts davon.
- Die Daten: Das Tool registriert etwa, ob ein Handy auf Stand-by ist oder im Flugmodus. Anhand der
Round Trip Time
(kurz RTT) kann das Tool außerdem einschätzen, ob ihr in einem WLAN-Netzwerk seid oder ihr gerade mobile Daten nutzt. Das lässt wiederum Rückschlüsse zu, ob ihr gerade zu Hause seid oder nicht.
Ambrozy betont in der Dokumentation auf GitHub, dass das Tool lediglich zu Forschungs- und Bildungszwecken
dienen soll und ihr bei Benutzung ohne ausdrückliche Zustimmung der getrackten Person gegen Datenschutzgesetze verstoßen könnt.
Der Entwickler äußert sich: Code mit Unterstützung von ChatGPT
umsetzbar
Auf Anfrage von GameStar Tech äußert sich Ambrozy zu seiner Motivation, den Code zur freien Verfügung ins Netz zu stellen. Seiner Ansicht nach stellt die Sicherheitslücke einen deutlichen Eingriff in die Privatsphäre dar, der dringend adressiert werden sollte
.
Grundsätzlich sei ihm bewusst, dass die Verfügbarmachung des Tools und die damit verbundene Aufmerksamkeit auch potenzielle Täter anlocken könnte. Allerdings brauchte es für die Implementierung des Codes laut dem 21-Jährigen kein Expertenwissen:
Die technische Umsetzung ist so niedrigschwellig, dass sie auch von unerfahrenen Entwicklern – etwa mit Unterstützung von ChatGPT – realisiert werden kann.
Nach Ambrozys Einschätzung wurde in der Entwicklung bei Meta nicht sauber gearbeitet
. Gegenüber GameStar Tech erklärt er ganz konkret, warum solches Tracking nicht möglich sein sollte:
- Mangelhafte Nachrichten-Validierung: Messenger wie WhatsApp und Signal verarbeiten Reaktionen auf Nachrichten, die technisch nie existiert haben oder nicht zugestellt wurden.
- Fehlerhafte Empfangsbestätigung: Anstatt bei ungültigen Anfragen einen Fehler auszugeben, generiert das System fälschlicherweise eine automatische Empfangsbestätigung.
- Unsichtbarkeit durch Logikfehler: Da keine Bezugsnachricht vorhanden ist, kann das System keine sichtbare Benachrichtigung auf dem Display anzeigen. Die technische Bestätigung wird dennoch unbemerkt an den Absender zurückgeschickt.
Der 21-Jährige will mit der Veröffentlichung seines Trackers einerseits gezielt Druck auf Meta ausüben, die Lücke zu beheben
, denn dem Konzern sei das Sicherheitsproblem nach Angaben der Wiener Forscher seit mindestens einem Jahr bekannt.
Andererseits wolle er auch den Nutzern aufzeigen, dass man sich bei Messengern nicht in falscher Sicherheit wiegen sollte
.
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So schützt ihr euch vor dem Zugriff des Trackers
Ambrozy gibt in den sozialen Medien selbst an, wie ihr euch auf WhatsApp vor dem Zugriff seines Trackers schützen könnt.
Denn um euch mithilfe des Tools auszuspionieren, muss der Angreifer die Möglichkeit haben, euch von einer unbekannten Nummer aus Nachrichten zu senden – auch wenn ihr davon nichts mitbekommt.
So verhindert ihr den Zugriff auf WhatsApp:
- Öffnet WhatsApp.
- Tippt oben rechts auf das Drei-Punkte-Menü (⁝).
- Tippt auf
Einstellungen
. - Tippt auf
Datenschutz
. - Tippt auf
Erweitert
. - Aktiviert
Nachrichten von unbekannten Konten blockieren
.
So verhindert ihr den Zugriff auf Signal:
- Öffnet Signal.
- Tippt oben rechts auf das Drei-Punkte-Menü (⁝).
- Tippt auf
Einstellungen
. - Tippt auf
Datenschutz
. - Tippt auf
Telefonnummer
.
StelltWer kann meine Telefonnummer sehen
undWer kann mich anhand meiner Telefonnummer finden
aufNiemand
.
Falls noch nicht geschehen, solltet ihr auf Signal dann einen Benutzernamen einstellen, über den man euch finden kann. Dazu geht ihr wie folgt vor:
- Öffnet Signal.
- Tippt auf euer Profilbild.
- Tippt auf
Nutzername
.
Hier gebt ihr einen Namen ein, der von Signal automatisch mit einer Nummer versehen wird. Nun ist euer Signal-Account von eurer Handynummer entkoppelt.
Wenn ihr diese Einstellungen ändert, seid ihr vor dem Tracking durch Ambrozys Device Activity Tracker
geschützt.
Noch keine Reaktion von Meta und Signal
Auf Basis der Arbeit der Wiener Forscher zeigt der 21-Jährige mit seinem Tool, wie einfach Meta und Signal es Angreifern derzeit machen, mithilfe von unsichtbaren Pings
intime Nutzerdaten auszuspionieren.
Bisher gibt es von offizieller Seite weder von Meta noch von Signal ein Update, das diese Lücke schließt. Wir kontaktieren die Unternehmen außerdem und aktualisieren diesen Artikel, falls wir eine Antwort erhalten.
Solange die Messenger-Dienste keine technische Lösung implementieren, bleibt der beste Schutz für euch der manuelle Weg über die Privatsphäre-Einstellungen, um die eigene Erreichbarkeit für Unbekannte einzuschränken.






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