Ein Ex-Mitarbeiter kaufte spaßeshalber für 12 Dollar die Domain google.com, verlor sie nach einer Minute wieder und lehnte kurz darauf eine Belohnung ab - aus gutem Grund

Ein kurioser Glitch bescherte einem Ex-Mitarbeiter im Jahr 2015 die mächtigste Internetadresse der Welt. Die irre Panne endete mit einer Spende.

Der 12-Dollar-Schlüssel zum Imperium: Eine Visualisierung des unmöglichen Moments, in dem ein kleiner Glitch im System Sanmay Ved kurzzeitig die Herrschaft über google.com bescherte. (Bildquelle: Google Gemini, KI-generiert; Prompt: Alexander Köpf) Der 12-Dollar-Schlüssel zum Imperium: Eine Visualisierung des unmöglichen Moments, in dem ein kleiner Glitch im System Sanmay Ved kurzzeitig die Herrschaft über google.com bescherte. (Bildquelle: Google Gemini, KI-generiert; Prompt: Alexander Köpf)

Es klingt wie eine Geschichte, die es eigentlich gar nicht geben dürfte: Ein junger Mann sucht mitten in der Nacht aufs Geratewohl nach der Domain google.com, legt die vielleicht bekannteste Internetadresse der Welt in einen Warenkorb und bezahlt dafür lächerliche zwölf Dollar.

Das Kuriose: Für einen kurzen Moment funktioniert das tatsächlich.

Am 29. September 2015 behandelten Googles eigene Systeme Sanmay Ved so, als gehöre ihm google.com. Zwar nicht für lange, aber immerhin lang genug, um daraus eine der seltsamsten Anekdoten der Internetgeschichte zu machen.

Der Käufer war kein Unbekannter

Ved war allerdings nicht irgendein Domainjäger, der es auf Geld abgesehen hätte. Von Juni 2007 bis November 2012 arbeitete er selbst für Google – am Standort Hyderabad in Indien im Bereich des Onlinevertriebs.

In jener Nacht vor knapp elf Jahren probierte er aus reiner Neugier Google Domains aus, Googles eigenen Dienst zum Kaufen von Internetadressen. Irgendwann gab er dort wohl spaßeshalber google.com ein.

Und eigentlich hätte daraufhin gar nichts passieren dürfen, abgesehen von einer Meldung, dass die Domain vergeben ist.

Denn eine Adresse wie google.com ist natürlich nicht einfach frei verfügbar. Sie ist der Kern der Marke, gewissermaßen das Eingangstor zu einem der größten Konzerne der Welt und vermutlich eine der wertvollsten Domains überhaupt.

Trotzdem zeigte ausgerechnet Googles hauseigenes System sie als verfügbar an.

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Auch Ved selbst rechnete offenbar nicht damit, dass der Bezahlvorgang gelingen würde. Doch genau das tat er. Die Transaktion wurde problemlos akzeptiert, seine Kreditkarte mit zwölf Dollar belastet und der Kauf regulär in seiner Bestellhistorie angezeigt.

Selbst Googles Webmaster-Dienste räumten ihm kurz darauf Möglichkeiten ein, die nur Administratoren einer Domain zur Verfügung stehen.

Nach etwa einer Minute war der Spuk vorbei

Doch allzu lange besaß Ved google.com nicht.

Schon nach rund einer Minute stornierte Google die Bestellung und erstattete den Kaufpreis. Da die Transaktion ohnehin über Google Domains lief, konnte das Unternehmen den Vorgang schnell wieder rückgängig machen.

Dass der Kaufvorgang genauso ablief, ist belegt. Auch, dass Ved für kurze Zeit vom System als Verfügungsberechtigter angesehen wurde.

Ob er in dieser einen Minute tatsächlich Zugriff auf alle technischen Ebenen hatte, ist jedoch nicht dokumentiert.

Das macht die Geschichte aber nicht weniger spannend. Nur vielleicht etwas weniger märchenhaft.

Allerdings kann man sich durchaus fragen, warum in diesem Fall nicht das Monopoly-Prinzip »Bankirrtum zu deinen Gunsten« gegriffen hat.

Nur ist die eigentliche Frage eine andere: Hätte aus juristischer Sicht daraus überhaupt ein dauerhafter Anspruch auf google.com folgen können?

Denn eine Domain ist kein Gegenstand, den man endgültig übergibt, sondern ein komplexes Bündel aus Registrierungs- und Nutzungsrechten. Zudem waren und sind zwölf Dollar ganz offenkundig kein normales Verkaufsangebot für eine praktisch unbezahlbare Domain wie google.com.

Google Pixel 9a
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Googles Mittelklasse überzeugt mit guter Kamera, eSIM-Support und Wireless Charging. Zudem bekommt ihr sieben Jahre lang Android- und Sicherheitsupdates.

Oder kurz: Es war ein so offensichtlicher technischer Fehler, dass daraus wohl nie ein Rechtsanspruch hätte erwachsen können.

Aber ohne genaue Kenntnisse der damaligen Vertragsbedingungen und Rechtslage lässt sich das nicht seriös und endgültig beantworten.

Aus zwölf Dollar wurden mehr als 12.000

Und Ved versuchte auch gar nicht, aus dem Fehler Kapital zu schlagen. Im Gegenteil: Er meldete den Vorfall an Googles Sicherheitsteam.

Der Konzern bot ihm daraufhin eine Belohnung von 6.006,13 Dollar an. Die Zahl wirkt auf den ersten Blick willkürlich. Ist sie aber keineswegs. Denn wenn man genau hinsieht, lässt sich »600613« als »GOOGLE« lesen.

Ein durchaus passender Einfall.

Ved wollte das Geld jedoch gar nicht selbst haben, sondern es lieber einer gemeinnützigen Organisation in Indien spenden, die Bildungsprojekte unterstützt.

Google verdoppelte daraufhin die Summe auf 12.012,26 Dollar.

Wie das alles passieren konnte, bleibt offen

Warum google.com überhaupt als verfügbar angezeigt wurde, erklärte Google öffentlich nie im Detail – womöglich aus sicherheitstechnischen Gründen.

Denkbar ist jedoch, dass es sich um einen Fehler in der Verfügbarkeitsprüfung handelte. Vielleicht auch im Bestellsystem oder in irgendeinem Verwaltungsprozess, der für Nutzer nicht sichtbar ist.

Dass Google selbst schlicht vergessen hat, die eigene Domain zu verlängern, ist weder belegt noch sehr wahrscheinlich.


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Deshalb ist die Geschichte am Ende nicht einfach nur eine besonders kuriose Panne. Stattdessen zeigt sie, wie sehr selbst die mächtigsten Tech-Konzerne von allerkleinsten Abläufen abhängig sind.

Solange alles perfekt ineinander greift, denkt kaum jemand darüber nach.

Das Beispiel von google.com macht sichtbar, wie viele Feinheiten im Hintergrund stimmen müssen: Datenbanken, Bestellprozesse, Rechteprüfungen, automatische Stornierungen und noch vieles mehr.

Doch vielleicht ist es gar nicht das, was wir daraus lernen sollten. Womöglich geht es vielmehr darum, was Sanmay Ved tat.

Er nutzte den Fehler nicht aus und bestand nicht auf einem Irrtum zu seinen Gunsten. Er nahm nicht einmal die Belohnung an.

Stattdessen meldete er den Vorfall und spendete das Geld.


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