In Westaustralien steht ein Radioteleskop im entlegenen Murchison Widefiled Array nördlich von Perth. Es soll Signale aus dem All empfangen, die bereits seit Milliarden von Jahren durch den Raum gereist sind.
Doch über einen Zeitraum von fünf Jahren mischten sich Signale hinzu, die gar nicht da sein sollten (via iflsience.com). Das bringt die Forscher mit Blick auf die Position solcher Teleskope zum Umdenken.
- Was für Signale sind das? Es handelt sich um TV-Signale, die vom Himmel kommen und sich bewegen.
- Warum sind sie etwas besonderes? Das Auftreten der Signale ist vor deshalb ungewöhnlich, weil die Region von der australischen Regierung extra zu einer Zone der Funkstille erklärt wurde, um zu verhindern, dass solche Störsignale vorkommen.
- Wie wurde die Ursache dafür gefunden? Die für das Projekt verantwortlichen Astronomen der Brown University haben nun erklärt, dass sie durch gezielte Änderungen am Teleskop die wahrscheinliche Ursache der TV-Signale weitgehend bestätigen konnten.
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Fast wie in einem Film: Die NASA möchte ein Raumschiff in einen Asteroiden krachen lassen
Der Hintergrund der genaueren Untersuchung: Der Herkunft der Signale auf den Grund zu gehen, ist nicht nur aus wissenschaftlicher Neugierde geschehen.
Je mehr unerwünschte Signale die Wissenschaftler empfangen, desto schwieriger kann es werden, die eigentlich erwünschten und die unerwünschten Daten voneinander zu trennen.
Die Forschung liefert also potenziell umso bessere Ergebnisse, je weniger Störsignale vorhanden sind. Und um sie zu eliminieren, ist es wichtig, ihre Herkunft zu kennen.
Woher stammen die TV-Signale?
Wie der am Projekt beteiligte Physiker Jonathan Pober laut Iflscience verlauten ließ, kamen gleich mehrere Forscher auf eine Idee, woher die Signale stammen könnten:
Die Signale kommen von Flugzeugen, die unbeabsichtigt TV-Wellen reflektieren.
Genau das haben die Forscher schließlich mithilfe von Anpassungen am Teleskop überprüft.
- Dazu kamen Nahfeldkorrekturen zum Einsatz. Sie sorgen dafür, dass sich das Teleskop auf näher gelegene Objekte fokussieren kann.
- Ergänzend dazu haben die Wissenschaftler
Beamforming
verwendet. Die Grundidee dabei ist es, Strahlung in eine bestimmte Richtung zu lenken beziehungsweise zu bündeln, um die Signalübertragung zu verbessern.
So war es möglich, die Höhe der TV-Signale und die Geschwindigkeit ihrer Bewegung genauer zu bestimmen. Mit etwa 11,7 Kilometern und einem Tempo von knapp 800 km/h passen die ermittelten Daten genau zu typischen Verkehrsflugzeugen.
Das Frequenzband des Signals entsprach gleichzeitig dem australischen digitalen TV-Kanal 7.
Ist die Welt nicht genug?
Was diese Erkenntnisse für die Forscher bedeuten, fasst Prober folgendermaßen zusammen:
Durch die genaue Identifizierung und Entfernung nur der Störquellen können Astronomen mehr ihrer Beobachtungen bewahren, frustrierenden Datenverlust reduzieren und die Chancen erhöhen, wichtige Entdeckungen zu machen.
Allerdings stellt er sich auch die Frage, ob man nicht besser gleich die Erde verlässt, um solche Daten zu erheben:
Wenn wir keinen ruhigen Himmel auf der Erde finden können, ist die Erde vielleicht nicht der richtige Ort [...]. Egal, was wir tun, wir haben keine andere Wahl, als in bessere Datenanalysetechniken zu investieren, um von Menschen verursachte Störungen zu identifizieren und zu entfernen.
Man darf gespannt sein, welche Entdeckungen die Forscher in Zukunft noch machen werden – und ob sie es irgendwann vom Mond aus tun.
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