Es ist tatsächlich passiert, was ich nie für möglich gehalten hätte: Ich habe mir ein Handy anstelle einer Kamera gekauft. Ich fotografiere schon sehr lange und das Handy war für mich immer nur genau das: ein Handy.
Für die Fotografie griff ich schon immer lieber zu einer dedizierten Kamera. Aus diesem Grund habe ich mir meistens nur Handys der Mittel- oder Budgetklasse gekauft.
Warum ich jetzt meine Meinung geändert und zu einem Handy anstelle einer speziellen Kamera gegriffen habe, möchte ich euch hier erklären.
Warum ich eine neue Kamera kaufen wollte
Es gibt ein Genre der Fotografie, das ich in den letzten Jahren zu lieben gelernt habe: Wildlife und Vögel. Ich wohne in einer ländlichen Gegend und genau da bietet sich diese Art von Fotografie geradezu an.
Wenn ich beim Spazieren einen schönen Vogel, einen Fuchs oder andere Wildtiere sehe, habe ich mich nicht selten geärgert, dass ich gerade keine Kamera oder ein langes Zoomobjektiv dabeihatte, um die Tiere fotografieren zu können, ohne sie durch meine Präsenz zu stören.
Meine »Hauptkamera« ist eine Leica M2 mit einem 50mm-Objektiv. Damit ist so etwas nahezu unmöglich, ohne die Tiere zu stören. Deswegen habe ich mir überlegt, eine sogenannte »Bridgekamera« zu kaufen.
Dabei handelt es sich um Kameras, die aussehen wie eine Spiegelreflexkamera, aber ein fest verbautes Zoomobjektiv besitzen.
Meistens können diese Geräte weit entfernte Motive extrem nah an euch heranholen (Spitzenreiter ist die Nikon P1100 mit einem optischen 125x-Zoom).
Natürlich kommen derartige Kameras nicht ohne Kompromisse: Die Bildqualität ist aufgrund ihrer kleinen Bildsensoren eher »ausreichend« als »gut«. Aber lieber habe ich ein Foto mit geringerer Bildqualität als gar keines.
Wieso ich mir stattdessen ein Handy gekauft habe
Für Wildlife-Fotos bevorzuge ich eine Brennweite von entweder 400 oder 600 mm. Damit habe ich genügend Abstand zu den Tieren, kann aber noch relativ gut ohne Stativ fotografieren und meine Motive schnell innerhalb meines Bildschirmes / Suchers finden.
Als Xiaomi sein neues Flaggschiff mit einem verbesserten Zoom vorstellte, das bis 400 mm mit nur wenig Qualitätsverlust vergrößern können soll, war ich sofort neugierig. Hier sind die wichtigsten Daten der Zoomkamera:
- 200-Megapixel-Sensor auf einem relativ großen 1/1.4-Zoll-Sensor. Eine solche Sensorgröße kommt bei vielen Handys als Hauptkamera zum Einsatz.
- Der Sensor und die optischen Elemente sind in einem Periskop angeordnet. So findet selbst ein komplexes Objektiv Platz in einem Handy.
- Die Blende beträgt F/2.6, was für die meisten Lichtsituationen lichtstark genug ist. Außerdem erleichtert es das Schießen von Fotos mit unscharfem Hintergrund.
- Die optische Brennweite beträgt 100 mm. Digital kann diese auf 200 oder gar 400 mm erweitert werden.
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Xiaomi 15 Ultra: Dieses Video wurde mit der Kamera des neuen Smartphones aufgenommen
Nach etlichen Reviews und Tests, die ich mir angeschaut habe, kaufte ich mir das Handy. Der Zoom ist eines der wichtigsten, aber nicht das einzige Kaufargument, gewesen. Mehr dazu verrate ich euch bald in einem ausführlichen Test.
Wie ist die Zoomfunktion in der Praxis?
Ich bin richtig beeindruckt. Bis 100 mm ist die Bildqualität auf einem sehr hohen Level und selbst bei einer 200-mm-Brennweite ist kaum ein Qualitätsverlust zu erkennen. Aber das sind nicht die Einstellungen, die für mich wichtig sind.
Bei 400 mm ist auf jeden Fall ein Verlust an Detailtreue und Schärfe erkennbar, aber in einem Grad, der für mich im Raum des Akzeptablen ist – insbesondere, wenn man bedenkt, dass diese Fotos von einem Handy stammen. Das ist vor allem wegen drei Dingen möglich:
- Die hohe Auflösung des Bildsensors (200 Megapixel)
- Die Größe des Bildsensors (1/1.4-Zoll)
- Digitalzoom kombiniert mit KI-Upscaling
Hier sind einige Fotos mit der 400-mm-Einstellung, damit ihr euch selbst ein Bild machen könnt:
Chromatische Aberrationen (Farbsäume) werden durch die digitale Vergrößerung sehr stark hervorgehoben, was ihr bei dem Foto mit dem weißen Hintergrund sehen könnt. Dennoch bin ich sehr zufrieden mit der Bildqualität. Leider leidet diese beim Upload auf unsere Webseite. Die Fotos sind in der Realität sehr scharf. (Bildquelle: Duy Linh Dinh / GameStar Tech)
Die Bildqualität ist für gelegentliche Wildlife-Fotos für mich absolut ausreichend. Für scharfe Fotos sorgt zudem der äußerst effektive Bildstabilisator, sodass ich selbst ohne Sucher bei 400 mm ohne Stativ fotografieren kann.
- Der Autofokus erkennt Tiere und stellt diese meistens zuverlässig scharf. Lediglich Vögel hinter Ästen bereiten Probleme. Da werden dann oft die besagten Äste scharf gestellt.
- Der Bildschirm des Handys ist schön hell, was das Fotografieren bei Sonnenlicht erleichtert. Ich hatte nie Probleme damit, das Display abzulesen.
Ich bin von dem Kamerasystem des Handys richtig begeistert. Es ist, als hätte ich eine kleine Bridgekamera mit einem Brennweitenbereich von 14 bis 400 mm in der Hosentasche.
Und das beste: die 400-mm-Einstellung ist nur zwei Fingertipps in der Kamera-App entfernt.
- Wenn ihr euch ein neues Handy holen wollt und euch der Zoom besonders wichtig ist, dann kann ich euch das Xiaomi 15 Ultra wärmstens weiterempfehlen, solange euch der hohe Preis von 1.500 Euro nicht abschreckt.
- Eine noch bessere Option in Bezug auf Zoom und Bildqualität wäre weiterhin eine gute Bridgekamera mit einem günstigeren Handy zu kombinieren, aber dann müsst ihr eben zwei Geräte mit euch führen.
Besonders empfehlenswert finde ich diese drei Modelle:
- Panasonic Lumix DMC FZ 1000 (großer 1-Zoll-Typ-Sensor mit einem 24 bis 400 mm-Objektiv)
- Sony RX10 III (großer 1-Zoll-Typ-Sensor mit einem 24 bis 600 mm-Objektiv)
- Nikon P1100 (Kleiner 1/2.3-Sensor und deswegen etwas schlechtere Bildqualität, aber mit einem unglaublichen 24 bis 3000 mm-Objektiv)
Abschließend lässt sich sagen, dass moderne Handys beeindruckende Fortschritte in der Fotografie möglich gemacht haben, von denen ich früher nur träumen konnte.
Für spontane Wildlife-Fotos ist das Xiaomi 15 Ultra für mich vollkommen ausreichend. Letztlich hängt die Wahl des Geräts von den individuellen Bedürfnissen und der eigenen Erwartungshaltung ab. Die Flexibilität und Qualität moderner Handys unterschätze ich jedoch nicht mehr.
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