Ich will Smartphones gar nicht schlecht reden. Schließlich haben die Geräte viel mehr zu bieten als nur die Kameralinsen auf der Rückseite. Doch hier liegt oft das Verkaufsargument der Hersteller und das Kaufargument der Verbraucher begraben.
- Der entscheidende Vorteil: In sehr vielen Situationen sind die Handschmeichler nur einen Handgriff entfernt und damit auch der Schnappschuss – und die Fotos können sich sehen lassen!
- Trotzdem weiß ich: Ich werde mit 80 Jahren noch eine Kamera um den Hals hängen haben, egal wie gut Smartphones, KI-Brillen oder Augenimplantate wie in Cyberpunk sein werden.
Das liegt nicht an der zukünftig besseren Leistung der Kameralinsen und -sensoren, sondern am Prozess des Fotografierens, um den es in diesem Artikel hauptsächlich geht.
Hinweis: Macht gerne bei unserem »Ask Me Anything« zum Thema Fotografie mit!
Fotografieren gleich Meditation
Fotografieren kann vieles sein: Herausfordernd, spannend, anstrengend, enttäuschend und sehr teuer.
Aber mit der Kamera seine Umgebung einzufangen, kann auch entspannend sein. Ein Ventil, um den Alltagsstress beiseite zu schieben und sich auf Details zu konzentrieren. Eine kreative Auszeit.
Ich schaue durch den Sucher und fotografiere ein Motiv: eine Blume, einen Schatten, einen interessanten Lichteinfall oder kleine Insekten, die über ein Blatt krabbeln. Nach ein paar Minuten wechsle ich die Perspektive, verändere die Einstellungen an der Kamera oder tausche das Objektiv aus, um wieder ein ganz anderes Bild von dem Motiv zu bekommen.
Ich gebe mir Mühe.
Minuten, manchmal Stunden vergehen an ein und derselben Stelle. Wenn man Spaß hat, vergeht die Zeit bekanntlich wie im Flug. Worüber habe ich heute Mittag noch nachgedacht?
Hinzu kommt die körperliche Aktivität. Beim Fotografieren in der Natur oder »auf dem Land« (wo ich wohne) muss man sich bewegen, um an die schönen Plätze, Aussichtspunkte und Motive zu kommen – und Aktivität zahlt bekanntlich auf das körperliche Wohlbefinden ein. Eine Win-Win-Situation.
Geht das nicht auch mit dem Smartphone? Doch - und doch nicht. Die Handys bieten diverse Fokusmodi, um Nachrichten und andere Störfaktoren auf »Knopfdruck« auszublenden. Aber das Gefühl der »Isolation« will sich bei der Smartphone-Fotografie zumindest bei mir nicht einstellen.
Die Auswahl an verschiedenen Objektiven (preiswert, teuer bis sehr teuer) für Kameras ist zudem groß und jedes hat seinen eigenen Verwendungszweck, seine eigenen Vor- und Nachteile.
Man muss nicht unbedingt viel Geld ausgeben, um eine tolle Kamera zu bekommen und viel Spaß damit zu haben, wie der Beitrag von Linh zeigt:
- Die besten Kameras für Einsteiger 2025: 8 Empfehlungen bis 800 Euro
- Jetzt ist ein fantastischer Zeitpunkt, um in die Fotografie mit richtigen Kameras einzusteigen
Spaßfaktor: Die Haptik
Das Geräusch und das Gefühl beim Einschalten meiner Kamera erscheint mir sehr präsent, wenn ich nur daran denke. Die Haptik macht für mich einen großen Teil des »Kameraerlebnisses« aus.
Schalter drücken, an kühlen Metallrädchen drehen, die Blende am Objektiv verstellen oder das Fokusrad bewegen, um das Motiv scharf zu stellen. Zum Schluss noch das mechanische Klicken beim Auslösen der Kamera.
Das alles fühlt sich nicht nur unglaublich gut an, sondern vermittelt in Verbindung mit einer festen Brennweite (kein variabler Zoom) ein subtiles Gefühl von »Arbeit«. Nicht die Art von Arbeit, die einen morgens aus dem Bett scheucht. Ich denke an das potenziell großartige Ergebnis, das man nach viel Fleiß und Mühe erreicht hat und das man sich jederzeit gerne anschaut.
Beim Thema Haptik darf natürlich die Ergonomie nicht fehlen:
- Ein Großteil der Kameras (nicht alle) sind sehr ergonomisch gestaltet und liegen beim Fotografieren besser in der Hand als Smartphones.
- Darüber hinaus sind einige Kameras mit einem Klapp-, Schwenk- oder sogar Klapp-Schwenk-Display ausgestattet. Die Vorteile dieser Bildschirme sind unterschiedlich.
- Ich bevorzuge ein Schwenkdisplay, um mich selbst zu filmen und bodennahe (hochkant) Aufnahmen zu machen.
Ein Klapp-Schwenk-Display wird von den Herstellern in die teuren Flaggschiffe eingebaut. Hier kommt es ohnehin ein Stück weit auf den eigenen Geschmack an.
Zudem lassen sich bei den Kameras einige Knöpfe an der Kamera (und den Objektiven) nach eigenen Wünschen umbelegen, um die am häufigsten genutzten Funktionen buchstäblich griffbereit zu haben. Viele Modelle bieten sogar individuelle Profile an, die man an verschiedene Situationen anpassen kann.
Positive Erinnerungen
Die beiden oben genannten Gründe für eine Kamera laufen für mich auf den letzten Punkt hinaus: positive Erinnerungen.
- Erinnerungen daran, ein Bild gemacht zu haben, das man sich »genau so« vorgestellt hat.
- Oder ein »Glücksknipser«, wie ich es nenne. Man war einfach zur richtigen Zeit mit dem richtigen Objektiv am richtigen Ort, wie unten im Bild.
- Erinnerungen daran, wie man im Urlaub mit einem vollgepackten Rucksack sehr früh an den See ging, um das eine Foto zu machen. Nur um dann festzustellen, dass das Wetter leider doch nicht mitspielt. Dann suche ich mir eben andere Motive.
Im Laufe der Zeit haben sich schöne, aber auch frustrierende Momente mit der Kamera angesammelt, an die ich mich sehr gerne erinnere und die direkt mit der Kamera verbunden sind.
Einige dieser Momente lasse ich seit letztem Jahr ausdrucken und hänge sie mir an die Wand – nur für mich. Die Bilder müssen nicht perfekt sein, aber sie müssen gefallen und genau diese Erinnerungen in mir wecken.
Ein weiterer Grund war, den langweiligen Büroraum aufzuwerten. Wusstet ihr, dass Naturfotos entspannend wirken (Studie, via soul-art.org)? Warum also nicht die eigenen Fotos aufhängen?
Smartphone oder Kamera? Die Wahl liegt bei euch
Mit Smartphones sind heutzutage tolle Fotos möglich. Das lässt sich nicht schlecht reden. Ab und zu greife ich selbst zum Handy und halte den Moment fest – besser als gar kein Bild.
Die Handys erlauben mittlerweile einige professionelle Einstellungen, wie zum Beispiel das RAW-Format. Je nach App lassen sich zudem Schnelleinstellungen auf verschiedene Bereiche des Bildschirms legen.
Für mich musste ich feststellen, dass ich mir beim Fotografieren mit dem Smartphone viel weniger Mühe gebe, weil es mir schlicht weniger Spaß macht. Das muss natürlich nicht für euch gelten.
- Mittlerweile gibt es außerdem (teure) Kameragriffe für Smartphones zu kaufen. Hier fehlen mir allerdings die Erfahrungswerte.
- In den App Stores tummeln sich außerdem einige Apps von Drittanbietern, die meinen Spaßregler zwar nach oben treiben, aber meine Kamera nicht madig machen.
Es ist schwer zu sagen, ob Smartphone-Kameras – oder ihre Software – herkömmliche Kameras eines Tages qualitativ übertreffen werden. Wenn ja, in welchen Bereichen der Fotografie? Und bleibt es bei Kameras oder werden die Objektive irgendwann in Brillen oder anderen Gadgets stecken?
Mir ist das vollkommen Schnuppe. Meine Wahl würde ohnehin auf einen Apparat fallen, den ich mir um den Hals hänge, weil der Spaß bei mir im Vordergrund steht.
Bis jetzt sehe ich nichtmal im Ansatz, welche Neuheiten gegen den Spaßfaktor einer Kamera anstinken sollen, im Gegenteil. Wohin der Trend derzeit geht, zeigen die Verkaufszahlen verschiedener Hersteller. Fujifilm fährt mit seinen Retro-angelehnten Kompaktkameras Rekordgewinne ein – und das wohl nicht ohne Grund
Wie fotografiert ihr? Fotografiert ihr mit einer Kamera oder mit eurem Smartphone? Mit welchem Modell fotografiert ihr? Schreibt es unten in die Kommentare!



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