Eine Überraschung, die eigentlich keine ist: YouTube Premium wird teurer; wir berichteten bereits im April. Zuerst in den USA, aber über kurz oder lang werden auch wir wohl davon betroffen sein.
Jetzt kochte die Preiserhöhung von bis 4 US-Dollar pro Monat jenseits des Teichs wieder hoch, da sie vollumfänglich erst im Juni griff. Natürlich gibt’s wieder neue Features …
… doch sind das wirklich welche?
- Auto-Speed soll auf Android-Handys und iPhones die Wiedergabegeschwindigkeit nun automatisch anpassen. Wichtige Passagen sollen langsamer laufen, wenn jemand indes langsam spricht, erhöht sich die Geschwindigkeit.
- Der On-the-go-Mode zielt auf audiofokussierte Inhalte wie Podcasts oder Talkshows ab. Ablenkende Elemente wie Kommentare sollen bei entsprechenden Videos reduziert werden.
- »Ask Music« soll Podcasts finden, die zu dem passen, was man bereits mag – auf Basis von Podcasts, die man bereits hört. Das soll unter anderem auch für Playlists möglich sein.
Ich kann nur für mich sprechen, aber keines dieser Features ist für mich einen Aufpreis wert. Ich würde mich sogar bevormundet fühlen, weil ich beispielsweise selbst darüber bestimmen möchte, in welcher Geschwindigkeit ich ein Video schaue. Und ist das Letzte nicht das, was der Algorithmus ohnehin macht?
Diese »Non-Features« nehme ich mir zum Anlass, alle Funktionen, die im Laufe der Jahre hinzugekommen sind, unter die Lupe zu nehmen. Außerdem verrate ich euch, welche drei Features ich mir wünsche.
YouTube Premium: Für mich lohnt sich praktisch kein Feature nach 2018
Achtung, ihr werdet euch kurz alt fühlen: YouTubes Bezahlversion startete 2015 als YouTube Red. 2018 bekamen wir in Deutschland direkt das neu benannte Premium für 11,99 Euro im Monat. Die Funktionen zum Start waren meiner Meinung nach gute Gründe, den Preis zu bezahlen:
- Werbefreie Videos
- Hintergrundwiedergabe auf Handys und Tablets
- Offline-Downloads
- YouTube Music
Das sind vier bockstarke Funktionen, um 12 Euro im Monat zu blechen – sieht man mal davon ab, dass YouTube in seinen frühen Zeiten werbefrei war.
Im Laufe der Zeit kamen weitere Features hinzu, die sich zumindest für mich nicht lohnen. Zu den größten gehören:
- »Weiter ansehen«: Ich kann am Rechner ein Video starten und am Handy an derselben Stelle weitergucken. Vielleicht oute ich mich da jetzt als verkalkt, aber wenn diese Situation auftreten sollte, merke ich mir bei langen Videos das Kapitel oder die Zeit, bei der ich gestoppt habe, und springe manuell hin.
- Picture-in-Picture auf Mobilgeräten: Möglicherweise wäre das auf dem Tablet manchmal praktisch, aber mir reicht da auch die Hintergrundwiedergabe. Wenn ich ein Video zur Hintergrundbeschallung laufen lasse, nimmt mir das Bild im Bild auf einem kleinen Bildschirm eher noch Platz weg.
- SharePlay auf Mobilgeräten: Man kann zusammen dasselbe Video anschauen. Ich habe das nie genutzt, da wenn ich etwas gemeinsam mit jemandem übers Netz anschauen will, ich das am Rechner mache. Bei anderen mag das anders sein.
- Vierfache Wiedergabegeschwindigkeit: Bei zweifacher Geschwindigkeit muss ich mich schon anstrengen, etwas zu verstehen. Vierfach macht Videos für mich quasi unschaubar.
- Testzugänge zu neuen Funktionen: Ich gebe zu, dass das ganz nett ist. Ich spiele gern mal Betatester, aber sich dieses Privileg mit einem Monatsobolus zu erkaufen, hat ein Geschmäckle. Das hat keinen Mehrwert; ich darf halt ein Versuchskaninchen sein.
- KI-Funktionen: KI-Chat oder KI-Zusammenfassungen von Kommentaren will ich und brauche ich nicht. Ich schaue gerne in die Kommentare unter Videos, weil mich oft der allgemeine Tenor interessiert, aber dazu brauche ich keine Maschine. Und über die unsäglichen KI-Übersetzungen spreche ich hier gar nicht erst.
- Höhere Bitrate bei 1080p: Hier versteckt sich ein echter Mehrwert für diejenigen, die Wert auf die Bildqualität legen – trotzdem komme ich gut ohne klar. Bessere Bildqualität hinter eine Paywall zu stecken gehört mittlerweile ja zum guten Ton.
Fairerweise muss man sagen, dass der Einzelpreis bei uns seit 2018 nur um 1 Euro auf 12,99 Euro gestiegen ist. In den USA hingegen auf 15,99 US-Dollar (was sich bei uns vermutlich auf 15,99 Euro niederschlagen würde).
Und dennoch wirken die meisten Funktionen mehr wie ein Vorwand, um eine Preissteigerung zu rechtfertigen.
YouTube, wenn du wirklich sinnvolle Features suchst, für die ich einen höheren Preis zahlen würde, dann habe ich hier drei Vorschläge.
- Blockierfunktion. Im Zeitalter von gefühlt unendlicher KI-Grütze möchte ich ganze Channels blockieren können. Nicht nur als Signalwirkung, sondern um dem Algorithmus nicht immer wieder sagen zu müssen, was ich nicht mehr sehen mag. Damit könnte ich auch endlich spielend Reaction-Content und Channel, die andere Inhalte schlichtweg kopieren, abstrafen und ganze Kategorien, die ich nicht sehen will (wie Livestreams), ausblenden.
- Kanalorganisation. Wir haben 2026 und meine abonnierten Kanäle laufen einfach willkürlich in einer Liste zusammen, wahlweise am linken Rand (Browser-Ansicht) oder untereinander (TV-Ansicht). Ich würde gerne Ordner für bestimmte Themen erstellen, um Kanäle zu gruppieren. Seit Jahren abonniere ich kaum neue Channels, weil ich jetzt schon die Übersicht verliere, wem ich folge und wem nicht.
- Bessere Übersicht auf dem TV. Die Navigation in der TV-App ist ein Grauen. Klar, mit einer Fernbedienung ist die Bedienung umständlicher, aber wenn ich ein neues Video einer meiner abonnierten Channel nicht binnen von zwei Tagen schaue, verschwindet es im Nirwana. Einstellungen wie Wiedergabegeschwindigkeit sind außerdem tief im Einstellungsmenü versteckt – übrigens auch das Hinzufügen zur »Später ansehen«-Playlist.
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Der KI-Hype frisst sich selbst – Tech-Jahresrückblick 2025
Ich bin ein großer YouTube-Fan und wünsche mir (wie viele andere, siehe diesen Reddit-Thread zur aktuellen Preiserhöhung in den USA) eigentlich nur die Werbung weg.
Premium Lite hat genau das, was ich will.
Ja, das kostet mich gemäß YouTube auch 5,99 Euro im Monat (und wird in den USA von 7,99 auf 8,99 US-Dollar erhöht), aber es ist die einzige Möglichkeit, legal und ohne Grauzone die Werbung loszuwerden. Und bevor jetzt jemand schimpft: Gesponsorte Werbung von YouTubern ist mir allemal lieber, wenn es meinen Lieblingskanälen hilft, weiterhin hochwertige und unterhaltsame Videos zu produzieren. Wenn sie clever gemacht ist, schaue ich sie mir sogar an.
Freiwilligen Support gebe ich immer gerne; Features, die keine sind, um einen höheren Preis zu rechtfertigen, sind nicht mehr als die vielbeschriene Enshittification.
Schreibt doch mal in die Kommentare, welche Funktionen ihr euch bei YouTube wünscht!

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