Mein neuer Lieblingsbrowser heißt Zen. Kennt ihr nicht? Kein Wunder: Der Browser ist noch ziemlich neu, befindet sich noch in der Entwicklung und stammt von keinem der großen Tech-Player. Trotzdem (und teilweise gerade deswegen) hat er sich schon jetzt in mein Herz gesurft.
Kern des Browsers sind dabei drei Punkte:
- Eine minimalistische Arbeitsumgebung, die nicht vom Wesentlichen ablenkt
- Trotzdem eine Menge Funktionen, die effizientes Arbeiten erlauben
- Privatsphäre und Open Source als Kernwerte, die der Entwicklung zugrunde liegen
Bevor ich euch aber ausführlich von den Stärken (und Schwächen) des Zen-Browsers erzählen kann, muss ich erst ausholen und von meiner letzten Browser-Liebe berichten – und wie sie mich im Stich ließ.
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Arc: Die verflossene Browser-Hoffnung
Ende 2023 erschien für Windows endlich auch ein Browser, der davor bereits auf macOS hohe Wellen mit seinem radikalen neuen Ansatz geschlagen hatte: Arc Browser.
Der auf Chromium basierende Browser kombinierte Tabs und Lesezeichen in einer Seitenleiste, sortierte die für fokussiertes Arbeiten in verschiedene Spaces
, ließ sich blitzschnell per Shorcuts bedienen. Er stellte die Nutzungsoberfläche in den Hintergrund für fokussierteres Arbeiten und packte so viele nützliche, kleine Feature-Kirschen darauf, dass die Sahne darunter verschwand.
Update-Hinweis: Zens großes Vorbild, der Arc-Browser, ist Geschichte. In einem Blogbeitrag erklären die Entwickler, woran der Browser scheiterte und wie sie jetzt weitermachen. Wir haben das als Anlass genommen, diesen Artikel über den wohl besten (und einzigen?) Nachfolger noch einmal neu hochzuziehen.
Dann ... begannen die schlechten Nachrichten. Die Firma hinter dem Browser tat sich offensichtlich schwer damit, den Browser zu monetarisieren und spekulierte im September 2024 etwa über eine Bezahlversion.
Etwa zur gleichen Zeit kam die erste große Sicherheitslücke des Browsers ans Licht. Der Browser bekam seinen Akku- und RAM-Hunger nie wirklich in den Griff und dann ... stellte der Entwickler den Browser im Oktober aufs Abstellgleis.
Laut CEO Josh Miller hätte man erkannt, dass aus dem Browser aufgrund seiner Komplexität nie ein Massenprodukt werden würde. Man wolle einen neuen Browser mit KI-Fokus namens Dia entwickeln (der Alpha-Test hat Anfang April begonnen, mich aber bisher ziemlich kaltgelassen).
Arc würde nur noch weiterverwaltet werden, statt neue Funktionen zu erhalten. Für mich war das damals das klare Signal: Zeit, sich nach einer Alternative zum Arc-Browser umzusehen.
Bloß: Eigentlich war ich noch immer ein riesiger Fan von Arcs Funktionsweise und bei den großen Anbietern hat man zwar versucht, einige der Funktionen von Arc zu übernehmen. Geschafft hat es aus meiner Sicht aber keiner.
Also einfach mit dem Verlust abfinden und den bestmöglichen Kompromiss eingehen?
Zen ist das sympathischere Arc
Zum Glück blieb mir der Kompromiss erspart und ich habe sogar den Browser gefunden, den ich mir auf einer grünen Wiese genau so ausmalen würde. Der Elevator Pitch: Zen soll wie Arc sein, nur als Open-Source-Projekt, auf Firefox-Basis und mit Fokus auf Datenschutz und Privatsphäre.
Firefox ist verglichen mit etwa Edge bereits ziemlich minimalistisch. Zen finde ich mit seiner Seitenleiste noch eine Spur aufgeräumter.
Ab Juli 2024 wird der Browser aktiv entwickelt, ich nutze Zen seit Anfang 2025 als meinen Hauptbrowser.
Seit seiner Ankündigung ist das Haupt-Entwicklerteam von einer auf zwölf Personen angewachsen und viele der Kernfunktionen von Arc befinden sich bereits im Browser:
- Verschiedene Workspaces: Damit unterteile ich den Browser zum Beispiel in Privat und Arbeit. Außerdem habe ich noch einmal einen eigenen Workspace für Dungeons and Dragons – als Spielleiterin sammeln sich da nach und nach einfach eine Menge Online-Tools und Notizen an.
- Kompakte Oberfläche: Der Browser besteht nach ein paar angepassten Einstellungen nur aus den beiden Bereichen Hauptfenster und Seitenleiste. Die kann auf Wunsch auch noch eingeklappt werden. Dadurch arbeitet es sich unfassbar fokussiert, weil sich viel weniger Ablenkungen auf dem Bildschirm befinden.
- Glance: Mit der Vorschaufunktion lassen sich Links als Bild im Bild öffnen. Das ist immer dann super, wenn man nur in einen Link hineinspitzeln und danach wieder zur eigentlichen Webseite zurückkehren möchte. Mit einem Klick wird aus der Bild-im-Bild-Vorschau ein eigener, vollwertiger Browsertab.
- Split View: Mehrere Tabs lassen sich in einem Fenster anordnen und verschieben. Ich liebe die Funktion vor allem beim Schreiben: Das Artikel-Dokument und mein Recherche-Fenster habe ich so immer direkt nebeneinander, was mir eine Menge Springen zwischen Tabs erspart.
Was mich außerdem freut: Der Zen-Browser hat schon jetzt eine Reihe von Add-ons und Community-Designs, die zusätzlich installiert werden können. Obendrein funktionieren die meisten Add-ons für Firefox, in meinem Fall etwa Passwort-Manager oder das Lesezeichen-Add-on von Inoreader.
Privatsphäre im Fokus
Als von der Community entwickeltes Open-Source-Projekt hat der Zen-Browser anders als Arc keine Gewinnabsicht. Das erlaubt deutlich mehr Fokus auf Datenschutz.
Auf der Webseite des Browsers gibt das Zen-Team an, keine eigene Telemetrie zu erheben: Wir verkaufen keine Daten - Wir sammeln keine Daten - Wir tracken euch nicht.
Man habe lediglich die Möglichkeit, Daten mit Firefox zu teilen. Auch hätten die Entwickler keinen Zugriff auf die Daten, die bei Firefox Synchronisations-Funktion über mehrere Geräte geteilt werden.
Wo Zen noch besser werden muss
Alles in allem bin ich aktuell sehr glücklich mit dem Zen-Browser. Klar ist aber auch mir: Der noch sehr junge Browser von einem kleinen Team muss noch einiges leisten, bevor ich ihn uneingeschränkt weiterempfehlen kann.
So fehlt beispielsweise noch eine Kernfunktion, die ich bei Arc und vielen anderen Browsern schätze: Tab-Ordner. Die Entwickler haben bereits angedeutet, daran als nächstes großes Feature zu arbeiten. Bislang lassen sich Tabs jedoch noch nicht in Ordner packen und minimieren.
Gerade, wenn man viele Tabs offen hat und diese auch als Lesezeichen verwendet, kann es da schnell unübersichtlich werden – genau das soll der Zen-Browser mit seinem Fokus auf ... Fokus ja eigentlich verhindern.
Außerdem merke ich dem Browser beim Verbrauch seinen Firefox-Unterbau an. Beim Blick in den Task-Manager sind Werte ein gutes Stück jenseits der 4 GB RAM eher die Norm und keine Seltenheit.
Und zu guter Letzt bleibt eine gewisse Unsicherheit: Wie sicher ist ein Browser, bei dem die Entwicklung im Kern in der Hand eines zwölfköpfigen Teams liegt? Von Außen schwer einschätzbar, auch wenn ein Großteil der Sicherheitsfeatures direkt von Firefox kommt und man dem Team bisher nichts Negatives nachsagen kann.
Wem ich einen genaueren Blick auf den Zen-Browser empfehle
Wer also sollte den Zen-Browser meiner Meinung nach schon jetzt einmal ausprobieren? In erster Linie: Alle, die dem Arc-Browser hinterher trauern oder ihn noch nutzen, aber auf der Suche nach einer Alternative sind.
Aber auch, wenn ihr bisher keine Berührungspunkte mit Arc hattet, könnte Zen genau das Richtige für euch sein, wenn:
- euch maximalistische KI-Ansätze bei Browsern eher ablenken und ihr gerne mehr Fokus hättet
- euch Privatsphäre, Open Source und communitynahe Entwicklung wichtig sind
- ihr bereit seid, mit der ein oder anderen Kinderkrankheit zu leben
- ihr kein Problem damit habt, am Anfang mehr Zeit in einen Browser zu investieren, um ihn dann umso effektiver nutzen zu können
Im Zweifel rate ich euch aber: Ladet euch Zen einfach herunter und gebt dem Browser eine Chance. Immerhin ist das ganze Projekt kostenlos und deinstalliert ist Software im Nachhinein immer schnell. Und wer weiß: Vielleicht wird aus meinem neuen Lieblingsbrowser in absehbarer Zeit dann auch euer neuer Lieblingsbrowser?
Habt ihr Zen bereits ausprobiert? Bleibt ihr Arc weiter treu? Oder habt ihr noch einen anderen Browser-Geheimtipp, der unter dem Radar schwimmt? Schreibt es mir gerne in den Kommentaren!

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