Als Agenten noch Säufer und böse Genies noch reich waren

Wer kennt die Szene nicht? Ein Hochleistungsindustrielaser nähert sich den Kronjuwelen von James Bond und Goldfinger sagt diesen berühmten Satz...

von Tsabotavoc am: 28.06.2020

Der Sager "I expect you to die" schrieb Filmgeschichte und Schell Games versuchte genau diesen Zauber der alten Bond-Filme in ihrem VR-Puzzlegame einzufangen. Und wie ist es gelungen? Bewegt sich der Spielwitz auf dem James Bond Niveau eines Sean Connery? Oder ist es ungefähr so intelligent und charmant wie Daniel Craig? Das erfahrt ihr hier im Test!

 

Ein Plot der auf einen Bierdeckel passt

Im Spiel verkörpern wir einen namenlosen Geheimagenten der eigentlich nur in den Urlaub will und stattdessen in einer Reihe von aberwitzigen Missionen und Situationen den fiesen Oberbösewicht Dr. Zor daran hindern muss die Welt zu vernichten. Warum genau Bösewichte den Planeten auf dem sie ja doch irgendwie leben nachhaltig schädigen wollen erschließt sich mir nicht. Aber wenn sie rationell wären, wären sie ja nicht irre.

Wer nun denkt als Story sei das etwas dünn: Wurscht. Denn das Spiel zieht seinen Reiz aus den Umgebungen in die es uns schickt und die Rätsel die wir mit einigem Querdenken, Physikspielereien und auch teils unter Zeitdruck lösen müssen. 

Wie der Titel des Spiels schon sagt: Der Tod ist dabei vorprogrammiert...

Autos können natürlich nicht einfach so explodieren. Die größte Explosion in einem James Bond Film kam übrigens im Film "Spectre" vor bei der über 6000 Liter Treibstoff ihr feuriges Ende fanden.

 

Und dann saß ich auf einmal unter Wasser in einer Rettungskapsel...

Auf einen Nenner runtergebrochen handelt es sich bei I expect you to die um eine Aneinanderreihung kleiner, liebevoll gemachter, Escaperooms. Man sitzt oder steht dabei meist auf einem sehr begrenzten Raum, herumhampeln muss man also nicht. In diesen kleinen Puzzleräumen sind nun einige Rätsel zu lösen, oft auch unter Zeitdruck. Dabei stehen einem immer wieder auch verschiedene Lösungsmöglichkeiten zur Verfügung. Wie man an diese Ort kommt? Die Erklärung bleibt einem das Spiel gerne schuldig und entsprechend sitzen wir schon mal gerne in einem Superauto das uns umbringen will, einer kleinen Raumkapsel oder am Grunde des Ozeans.

Einen großen Teil des Spielspaßes zieht man dabei aus dem Herumprobieren und Interagieren mit der Umgebung.

Ein Beispiel: In besagtem Unterwasserlevel öffnet man ein kleines Schränkchen und findet darin ein Sandwich, eine Flasche Cola und einen Flasche Cola. Das Sandwich könnte man sich reinpfeifen indem man es mit der Hand nimmt und zum Mund führt. Das klappte zumindest bei meiner Oculus Quest ausgesprochen gut. Die Flasche? Die Flasche kann man austrinken und mit Wasser füllen um es später als Kühlwasserbehältnis einzusetzen. Man kann sie aber auch verwenden um Treibstoff in den Tank eines Motors zu füllen. Oder man kann sie auch einfach austrinken und anschließend schwungvoll auf den Boden knallen und das Problem Treibstoff und Kühlwasser für den Motor zu haben anders lösen. Man muss dieses Schränkchen nie öffnen und kann das Level trotzdem lösen. Leichter ist es aber mit dem Inhalt aus dem Schrank. Was man mit dem Flaschenöffner machen kann? Das soll an dieser Stelle ein Geheimnis bleiben.

Wir sind in Dr. Zors Zentrale des Bösen und wie es aussieht landen Mitarbeiter die versagen hier gerne mal auf dem heißen Stuhl... In den Filmen gibt es nur einen Handlanger der gleich in mehreren Filmen teilnahm und für den die Sache gut ausging: Jaws.

Die Rätsel sind durch die Bank lustig und kreativ gemacht. Langweilig wurde mir während dem Spielen nie. Auch die Logik, die ja bei Adventures gerne mal auf der Strecke bleibt, kommt nicht zu kurz. Jedes Rätsel lässt sich tatsächlich durch etwas nachdenken auf sinnvolle Art lösen. Vor allem Fans von Escape Rooms dürften hier voll auf ihre Kosten kommen. 

 

Das Leben eines Agenten ist kurz - aber es hat Stil!

Verbrechen zahlt sich zwar nicht aus aber man lebt ganz gut davon. Stilecht saufen wir dem guten Dr. Zor erst mal den 500 Dollar Whiskey leer bevor wir ihm die Bude abfackeln. Er hat es verdient! Apropos Alkohol: James Bonds Markendrink wird NIE geschüttelt und immer gerührt! Zumindest wenn der Barkeeper seine Ausbildung nicht auf einer Burgerbude gemacht hat.  

Eines muss von vornherein klar sein: Wenn man weiß wie die Rätsel zu lösen sind, dann kann man das ganze Spiel in unter einer Stunde durchspielen. Das man sich nicht so schnell durch die 7 Level hangelt liegt primär an drei Dingen:

  • Es macht Spaß mit den Dingen im Raum zu interagieren und zu hören was der Supervisor uns so über Funk sagt. Meistens was Sarkastisches.
  • Wir müssen rausfinden wie wir das Rätsel überhaupt lösen und...
  • Weniger schön: Wenn wir scheitern, was in der Regel den Tod bedeutet, müssen wir das ganze Level von vorne spiele

Letzteres dauert zwar nicht lang aber wenn man, so wie ich zB. im zweiten Level, daran scheitert einen Kanister unter Zeitdruck in eine Öffnung zu kippen dann nervt das. Denn ihr spielt das selbe Level immer wieder und wieder und wieder bis ihr diese geistig nicht besonders fordernde Tätigkeit unter Zeitdruck hinkriegt.

Für das zweite Level, und ja ich stelle mich nicht immer geschickt an mit den Controllern, habe ich 15 Anläufe gebraucht. Würde es im Spiel Speicherpunkte geben wäre es wohl entsprechend noch kürzer als die realistischen 3-4 Stunden die man mit dem Spiel verbringt wenn.

 

Fazit: Ein kurzes Vergnügen

Ich hatte sehr viel Spaß mit meinem Ausflug in die 1960er. Wer eine VR-Brille sein eigen nennt kommt um I expect you to die kaum herum. Ob man dafür wirklich den vollen Preis von 20 Euro blechen soll muss jeder selbst entscheiden. Die 10 Euro aus dem Sale ist es meiner Meinung nach aber auf jeden Fall wert. Also: Besorgt euch einen bequemen Stuhl und genießt es einen Abend lang ein Geheimagent der 1960er zu sein. Holt euch virtuellen Lungenkrebs mit Zigarren und schüttet euch mit Lagavulin zu ohne die lästigen Kopfschmerzen am Tag danach. Denn: In den 1960ern war Saufen und Rauchen eben doch noch irgendwie cool!

 

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Wertung
Pro und Kontra
  • Stimmungsvolle, interessante Szenarien
  • Sehr gute Steuerung
  • Logische Rätsel
  • Sehr kurze Spielzeit
  • Bei einem Tod kurz vor Ende eines Szenarios muss man das ganze Szenario neu spielen
  • Nur auf Englisch

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher leicht

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Weniger als 5 Stunden



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