Copy und Paste

Der Tourist Bus Simulator leidet an den selben Problemen wie der Fernbus Simulator, bringt aber auch ganz neue Änderungen an den virtuellen Tisch. Zumindest...

von Company_5501 am: 02.07.2020

Life is a highway

Und genauso starten wir unser Abenteuer auf Fuerteventura. Auf der Autobahn, weg vom Flughafen in den nächsten Ort, wo unser Hauptquartier der Busfirma"Reid Travel" liegt. Und dort bringt uns das Spiel alles was es zu bieten hat. Denn nach dem Tutorial, welches noch "Quests" beinhaltet, gibt es keine regulären Quests mehr, nur noch die Aufträge mit denen wir unser Reiseunternehmen am Laufen halten.

Die drei Arten von Aufträgen sind folgende:

  1. Trips
    • Trips sind die Standartaufträge, im Stil gehalten von "Geh zu Punkt A, dann zu Punkt B und schlussendlich zu Punkt C".
  2. Shuttle Service
    • Das klassische Abholen von Passagieren und Abliefern am Flughafen. Diese Art der Aufträge schaltet man erst frei wenn man genügend Hotels, Bars, Cafe's oder ähnliches freigeschaltet hat.
  3. Sightseeing-Tour
    • Hier fährt man von einer Sehenswürdigkeit zur anderen. Für diese Reisen braucht man einen eigenen Reiseführer.

 

Das Settings des Spiels, die Gründung eines eigenen Busunternehmens auf einer Ferieninsel ist erfrischend neu und gibt dem Spieler einen anderen Sinn zu fahren, als das die etablierten Settings in dem Genre machen. Dieses Setting ist einer der meist motivierenden Faktoren im Spiel!

 

Gameplay

translate: Guten Tag! - Dialog

Der einzige Dialog den man im Spiel zu hören bekommt sind die Begrüßungen der einsteigenden Passagiere. Diese Begrüßungen aber sind nicht unbedingt gut gemacht. Erwartet man hier eine kurze, eingesprochene Sequenz, liegt man weit daneben! Klingen tut der ganze Spaß eher als haben die Entwickler eine Phrase in den Google Translater eingetippt und diese dann im Vorlesen aufgenommen. Ordentlich gemacht wäre das sicherlich ein nettes Feature gewesen...

 

Arbeiten wo andere Urlaub machen - Exploration

Das Explorationssystem ist eigentlich ganz gut, vorallem das neue und sehr unverbrauchte Setting auf der Ferieninsel Fuerteventura.

Um spezielle neue Touren freizuschalten, muss man einfach an die unentdeckte Bar (als Beispiel) fahren, parken, rangehen und den "hübschen" Kreis inmitten der Spielwelt anklicken. Danach ist das Etablissement freigeschalten und kann Aufträge geben.

Dieses System ist zwar ganz nett, aber etwas ungut umgesetzt. Warum muss man während der Tour stehen bleiben, aussteigen, rangehen und so ein neues Hotel freischalten? "Nimm doch einfach das Auto und mach keine Tour!" höre ich schon die Kritik. "Aber wer verdient dann Geld? Die nahezu inkompetenten Fahrer die ich anstellen musste? Ich glaube kaum!" ist hier meine Antwort. Und obwohl ich ein Completionist bin, freut mich die Idee auf eine Inselrundfahrt mit dem Bus eher wenig. Den Bus zu fahren und so auch Geld zu verdienen klingt doch viel besser. Sollen diese Passagiere doch einfach im Bus warten. Selbst schuld wenn man den Bus nimmt!

Aber warum darf ich nicht einfach im Internet schauen und so Kontakt herstellen? Meine Dienste anbieten und mal eine Testfahrt für die netten Herrschaften machen. Wenns gut läuft, geben die beim nächsten Mal auch mal Bares.

Anscheinend ist man auch der einzige Anbieter von Bussen auf der Insel, denn im Verkehr findet man keine Spur von Konkurrenten oder Kollegen, sondern nur immer wieder die selben 5 Fahrzeugtypen. Die sich dann auch nicht an irgendwelche Gesetze halten.

 

Da Baws! - Unterstützungssysteme

Der Chef zu sein ist das Unterstützungssystem dieses Spiels. Wir verbringen viel Zeit in verschiedenen Menüs, laufen von Computer zu Computer um neue Fahrer einzustellen, neue Busse zu kaufen, neue Versicherungen für die Busse zu kaufen für den Fall dass die Fahrer diese versuchen zu schrotten (was sie bereits beim Ausparken versuchen!) und zum Ende kaufen wir dann noch die Ersatzteile um den Mechaniker die Kübel wieder zusammenschrauben zu lassen.

Danach kaufen wir noch neue Touren, Snacks und natürlich eine Internet Flat-Rate um den verwöhnten Passagieren gratis WLAN anzubieten. Welche Utopie!

Dieses System ist ein gutes Stück mehr als was man von etablierten Spielen gewohnt ist. Ja, Mitarbeiter einzustellen kennen wir schon, aber eine Wohnung für meine Fahrer zu suchen ist mir neu. Aber auch unrealistisch. Ich zahle deren Wohnungen, aber auch normales Gehalt?!

Die Mechanik wäre um so viel besser wenn man nur die Wohnungen finden muss indem man nur vorbeifährt und den Mitarbeitern das Objekt später empfehlen kann. Sollen die das doch selbst mieten, das faule Pack!

 

Naja, jetzt wo die Wohnungsfrage gelöst ist, haben wir uns als netter CEO bereiterklärt die Wohnung auch mit Möbeln zu bestücken. Wer will auch schon in einer Wohnung leben ohne großen Fernseher und einem Kingsize-Bett? Unsere Fahrer sicherlich nicht!

 

Ok, Wohnung und Möbel sind vorhanden? Sehr gut, dann können wir ja jetzt, wie im Vertrag versprochen, den Mitarbeitern Hobbys suchen. Also, hopp, ins Auto und anfangen zu suchen. Und wenn wir schon dabei sind sollten wir auch diesen Vertrag mal ändern...

 

Technik

MEINE AUGEN! - Grafik

Die Grafik ist, wieder verglichen mit neueren Spielen, relativ schlecht. Das Amaturenbrett ist kaum lesbar, alles in der Distanz sieht aus wie mit Wasserfarben gemalt, obwohl ich zugeben muss das die Insel ansich sehr hübsch anzusehen ist. Sie erinnert mich an frühere Urlaube in Spanien, wo man mit dem Bus vom Flughafen zum Hotel gefahren ist. Das Spiel macht recht gute Arbeit darin, den Spieler in die Arbeit als Busfahrer auf der Ferieninsel zu immersieren. Traurigerweise ist es nötig immer wieder auf das Navi im HUD zu schauen, denn die nötigen Informationen bekommt man nicht aus dem Navi in der Amatur. Dies bricht die Immersion leider sehr schnell wieder.

Die Details sind, sobald sich der Bus in Bewegung setzt, ausgewaschen, die Schilder verschwimmen und sind relativ unlesbar, die Spiegel haben einen merkwürdigen Soft-Effekt, man kann zwar die Autos als Fleck im Spiegel ausmachen, es funktioniert also prinzipiell, wenn auch nicht gut. Vom Armaturenbrett ganz zu schweigen.

Anhand der verwendeten Texturen erkennt man sofort den geistigen Zwillingsbruder, den Fernbus Simulator. Wo liegt Fuerteventura? Unterhalb von Spanien. Warum also, gibt es hier Mülltonnen mit der Aufschrift „Restmüll“ oder „Biomüll“. Spanien ist nicht Deutschland!

Zusammengefasst ist die Grafik erträglich, wenn auch nicht sehr angenehm erträglich.

Die Passagiere (oder allgemein die Fußgänger) sehen hässlich aus, haben einen Haufen an Zwillingen (KLONE!) und sind horrend animiert. Verbindet man das mit den schrecklichen Stimmen und dem plötzlichen Despawn der aussteigenden Passagiere direkt vor der Nase des Fahrers und, et voilà, man bekommt ein Rezept für ein Desaster.

 

Sound und Musik

Diesen Punkt realisiert man beim Spielen eigentlich gar nicht. Der Motorensound ist so generisch, dass dieser locker als real durchgeht. Das einzige Manko sind hier die Blinkergeräusche, welche asynchron zum Aufleuchten des Blinkers ertönen.

Der Radio hat zwei Radiosender, beide spielen House-ähnliche Tracks, gemischt mit einigen 80er-Covern, die manchmal gut sind, größtenteils aber nicht. Es wirkt auch, beim Auf- und Abdrehen des Radios, als seien beide Stationen nur Playlists, die jedes Mal von vorne gestartet werden. Schade.

 

Ärgernis über Ärgernis – Steuerung

Das Fahrerlebnis ist, verglichen zu guten Spielen wie Euro Truck Simulator oder dem Bus Simulator 18, schwach. Es existiert kein Gefühl für das Gewicht des Busses oder des Autos, der einzige Unterschied zwischen den beiden ist der Radius den man das Lenkrad drehen muss um nicht aus der Kurve zu fliegen. Der Bus fühlt sich beim Fahren sehr wackelig an, die Bremsempfindlichkeit ist viel zu hoch und man kann diese nicht senken. Wenn wir schon dabei sind, man kann generell nicht viel anpassen.

Was man anpassen kann, wie die grundlegende Steuerung, ist einfach nur furchtbar. Zum Beispiel: Wir stellen einen Knopf auf dem Lenkrad als Startknopf für den Motor. Also zurück in den Bus, wir setzten uns hin, drücken eben jenen Knopf und… nichts passiert. Also checken wir noch einmal ob der Knopf auf übernommen worden ist. Ist er. Nur leider nicht für den gewünschten Bus, sondern für das Auto. Also müssen wir jeden Bus einzeln einstellen, obwohl es auch die Option gibt die Einstellungen zu übernehmen, denn die funktioniert auch nur so halb. Denn Knöpfe die es in der Vorlage nicht gibt, müssen wir uns selbst mappen. Und das sind leider meist sehr viele…

 

Auch sehr interessant ist das Sounddesign bei ca. 100 km/h. Denn ab 100 km/h klingt der Bus nicht mehr nach Bus, sondern eher nach Militärjet. Der Wind dröhnt in den Ohren, der Motorensound verstummt beinahe und wird von eben jenen Wind weit übertönt und all das stoppt abrupt, wenn man nur kurz die Bremse antippt. Solange bis man wieder ein wenig beschleunigt.

 

Empfehlung

Completionist:

Dieses Spiel war erstaunlich schnell zu vollenden, denn der einzige Teil des Spiel wofür es Achievements gibt, ist das Tutorial. Und das ist nach 2 Stunden durch. Danach ist es (praktisch gesehen) „completed“.

 

Erwartungen:

Ehrlich gesagt habe ich nicht eine Copy-und-Paste-Version vom Fernbus Simulator erwartet. Mülltonnen mit deutscher Aufschrift, Rechtschreibfehler im Tutorial, verschwindenden Passanten oder die katastrophalen Stimmen der Passagiere. Nach nur einer Stunde fragt man sich ernsthaft ob dieses Spiel in irgendeiner Richtung auf die Qualität geprüft worden ist. Auf keinem Fall jedoch erwartet man ein Dashboard, welches nicht lesbar ist! Dieser Punkt ist für mich ein Game-Killer, denn wie soll ich wissen wie schnell ich fahre oder fahren darf wenn ich weder das Dashboard noch die Schilder ordentlich lesen kann? Dann wird das Spiel wirklich zum Grand Theft Autobus!

 

Kaufempfehlung:

Ich würde niemanden empfehlen dieses Spiel zu kaufen. Wenn man unbedingt Bus fahren möchte, bietet sich hier der Bus Simulator 18 an. Der ist günstiger (Die Basisspiele kosten dasselbe, jedoch treiben die DLCs des Tourist Bus Sim den Endpreis hoch) und hat wenigstens ein funktionierendes Armaturenbrett!

 

Das Argument das TML und Aerosoft nicht den Hardcore-Simulations-Gamer bedienen, sondern eher den Feierabend-Casual-Gamer ist meiner Meinung nach Blödsinn! Niemand kann mir erzählen dass ein unlesbares Dashboard, ein aufgemaltes Regal an der Wand oder sonst irgendwas in diesem Spiel Spaß macht.

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Wertung
Pro und Kontra
  • Fuertaventura gut umgesetzt
  • Setting ist angenehm unverbraucht
  • Texturen sind schön anzusehen
  • Manchmal Grafikbus (zB Clipping)
  • Generell sehr braun- und grau-tönige Texturen
  • Dashboard ist nicht lesbar(!)
  • Schilder nur schwer lesbar
  • Kein wirkliches Gefühl für Breite und Schwere des Busses
  • Wiederverwendete Texturen
  • Jeder zweite oder dritte Passant sieht gleich aus

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Weniger als 5 Stunden



Kommentare(1)

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