Cyberpunk 2048

Konservatives Story-Gameply im futuristischen Cyberpunk-Berlin. Daedalic gelingt ein vor allem atmosphärisch beeindruckender Blick ins Jahr 2048

von D3nn15_M_10 am: 17.01.2021

Am ehesten ist es wohl mit den gefeierten David Cage Spielen zu vergleichen, oder auch Life is Strange. Und genau wie bei diesen Spielen wird eine wirklich einzigartige und verstrickte Geschichte erzählt. Schauplatz ist überraschenderweise: Berlin. Wohl auch, weil sich wiederum überraschenderweise die deutschen Entwickler Daedalic hinter diesem Spiel verbergen. Schön zu wissen, dass Deutsch abseits der unzähligen Browsergames und MMORPGs auch diese Spiele kann.

Die Gedanken sind frei ;aber es kommt darauf an
Im Grunde geht es um einen Journalisten, der im Cyberpunk Berlin mit dem generellen Fortschritt zu kämpfen hat. Dabei bewegt ihn vor allem der Gedanke, dass sich die Menschheit und sein Umfeld durch künstliche Intelligenz abschafft. Transhumanismus ist Stoff jedes Cyberpunk-Filmes/Spieles und wird auch hier detailliert und anschaulich behandelt. Die Grafik ist eigensinnig, da die Charaktere in einem seltsamen Dreiecksmuster gestaltet sind, während die Umgebung relativ gewöhnlich aussieht. Auch innerhalb der Welt wirkt das manchmal etwas deplatziert, insgesamt ist es aber schön anzusehen.

Gespielt wird in Third Person, was sich ebenfalls abzuschaffen droht. Im Verlauf der Story wechselt man immer wieder zwischen Charakteren, was mal gameplaytechnische Gründe hat und mal zur Vertiefung des Verständnisses beiträgt. Am Ende wird doch nur die Geschichte des Richard Nolan erzählt, der einen ebenso interessanten wie sympathischen Hauptcharakter abgibt und den man als Spieler gerne steuert. Antipathie oder fehlender Bezug zum Charakter sind häufig die Gründe, warum mir Spiele nicht ans Herz wachsen wollen. Umso besser, dass es hier mal wieder gelingt; es wurde auch Zeit.

Ecken und Kanten im Gameplay
Die Steuerung ist leider eine echte Zumutung, da man dauernd irgendwo hängenbleibt. Die steife Gangart tut da ihr Übriges. Gameplaytechnisch sollte man nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig erwarten. Es ist weder ein Walking Simulator noch ein Visual Novel. Man muss immer wieder selbstständig auf des Rätsels Lösung kommen und im Spielverlauf tun sich fortlaufend neue, wenn auch leichte Herausforderungen auf. Außerdem kann man sich in Dialogen die Antworten oftmals aussuchen und die Story gegen Ende direkt beeinflussen. Es ist insgesamt ein sehr rundes Spiel, dass als Gesamtpaket eine unterhaltsame Abwechslung zum modernen Spielemarkt ist.

Stimmung im Kontrast
State of Mind stellt sich - vor allem aber auch dem Spieler - die großen Fragen der Zukunft. Unter diesem Eindruck steht man beim Zocken dauerhaft. Der rote Faden nimmt einen wunderbar an die Hand und man erfährt Stück für Stück, was das hier alles soll und wo die Reise hingeht.

Währenddessen schafft es das Spiel, eine Atmosphäre zu schaffen, in der man sich abwechselnd geborgen und gefordert fühlt. Das gelingt durch die häufigen Charakterwechsel, durch die nach und nach ein spannender Kontrast deutlich wird; die immer passende Musik unterstützt das andauernd.

Hat der Tenor zu Beginn etwas von einer Lebenssimulation, entwickeln sich die Grundsatzfragen von "Was soll ich essen" irgendwann selbstständig zu "Warum und wer soll hier eigentlich essen". Auch stellt uns das Spiel selbst immer wieder entscheidende Fragen, die zu verschiedenen Zeitpunkten unterschiedlich wirken und wohl auch differenziert beantwortet werden können. Da hier Plot Twists an der Tagesordnung sind, kommt man gar nicht umhin, alles und jeden zu hinterfragen. Am Ende hat man seinen ganz persönlichen State of Mind, was dieses Spiel und das Ergebnis angeht.

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Wertung
Pro und Kontra
  • -spannende und komplizierte Geschichte
  • -atmosphärisch gelungener Kontrast
  • -sympathischer Hauptprotagonist
  • -realitätsnahe Dialoge
  • -Spieler hat Entscheidungsgewalt
  • -realistische und anschauliche Welt(en)
  • -hakelige Steuerung
  • -unnatürliches Charakterdesign

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

zu leicht

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Mehr als 5, weniger als 10 Stunden



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