Das achte Weltmeer birgt ein dunkles Geheimnis…

Da Bioshock 1 bei mir nicht starten will (der Geier weiß, warum) und ich von Bioshock 2 keine Ahnung habe, möchte ich mich gleich im Vornherein...

von Bakefish am: 18.12.2013

Da Bioshock 1 bei mir nicht starten will (der Geier weiß, warum) und ich von Bioshock 2 keine Ahnung habe, möchte ich mich gleich im Vornherein entschuldigen, wenn ich Features des Spiels hoch lobe, welche möglicherweise schon in den Vorgängern enthalten waren.

Tatsächlich hat Bioshock Infinite mir sehr gefallen und wird mir noch lang in Erinnerung bleiben, hauptsächlich wegen seiner Story. Perfekt ist Bioshock Infinite trotzdem noch lange nicht. Was genau es gut oder schlecht macht, erkläre ich nun in der Rezension.

 

Verworren

 

„Bring us the girl, and wipe away the debt.“ Dieser Satz wird dem Spieler, Booker DeWitt, am Anfang des Spiels und von da an immer wieder hinterhergeworfen. Anfangs kann man diesen Satz halt auch nur interpretieren: Booker hat anscheinend Mist gebaut und Schulden erlangt- und nun muss er diese zurückzahlen. Warum es gerade dieses Mädchen ist- keine Ahnung. Warum wir in der Anfangssequenz zu einem Leuchtturm fahren- keine Ahnung- vorerst. Denn kurz darauf werden wir mit einem Fahrstuhl hoch über die Wolken katapultiert. Und entdecken Columbia, die Stadt über den Wolken.

Auf der Suche nach jenem Mädchen, Name Elizabeth, begegnen wir anfangs überall fröhlichen Menschen, doch recht schnell wird deutlich, dass die Idylle trügt. Columbia wird von christlich-fundamentalistischen, rassistischen und teils auch patriotischen Vorstellungen regiert, welche sich im gesamten Leben der Menschen widerspiegeln. Und der Anführer, Father Comstock, ist der Schlimmste von allen.

Klingt einfach, zugegeben ist dies auch der einfachste Aspekt der gesamten Story. Fast eine halbe Stunde wird es dauern, bis wir die erste Waffe in die Hand nehmen, aber bis dahin fragt man sich einfach immer wieder „Hä?“. Was nicht daran liegt, dass die Story schlecht erzählt ist, nein, keineswegs. Irrational Games hat dies ganz bewusst so gemacht, und siehe da, die Rechnung geht auf- von der Begierde, mehr zu erfahren, ja eher zu wissen, was überhaupt los ist, sitzt der Spieler weiter am Computer, mit dem Drang, zu erfahren. Warum ist Booker dieser Welt schon bekannt, wenn er sie doch noch nie gesehen hat? Was genau hat es mit seiner Vergangenheit auf sich? Was ist das für eine Verbindung, die zwischen ihm und Elizabeth herrscht? Fragen, die alle nicht auf einmal erklärt werden, sondern langsam, fesselnd, den Spieler packend.

Im Laufe des Spiels lernen wir natürlich noch Elizabeth kennen, doch macht sie es uns nicht leicht. Booker will sie von Columbia wegbringen, doch sie will nicht. Und dazu kommt noch, dass Comstock, dessen Fanatismus mit fortschreitender Story immer stärker gezeigt wird, sie nicht gehen lassen will und alles daran setzt, die festzuhalten- denn Elizabeth verfügt über Kräfte, wie sie die ganze Welt nicht gesehen hat… doch diese Kräfte sind gefährlich und voll dunkler Geheimnisse.

Im Endeffekt? Die Story ist genial erzählt. Höhepunkte, an welchen es nicht mangelt, eine sehr detaillierte Beschreibung der Charaktere, Columbia allgemein machen die Story des Spiels zum Genuss. Dabei gibt es auch keine handlungsmäßige Schwäche, man fiebert mit den beiden Protagonisten mit, hasst Comstock, hofft, dieser merkwürdigen Stadt so bald wie möglich wieder zu entkommen. Und wird gleichzeitig in ein ganzes Universum eingespannt.

Was mich jedoch an der Story so fasziniert, ist, dass der Spieler selbst denken muss. Jeder Dialog, jeder gesprochene Satz lassen Interpretationsraum offen. Nachdem ich das Spiel abschloss, saß ich eine halbe Stunde da und telefonierte anschließend mit einem guten Freund, um über dieses Ende zu debattieren. Denn es fordert den Spieler auf, sich seinen Teil zu denken, er muss selbst verstehen, begreifen, das Ganze so vervollständigen. Was bei dieser Story auf verschiedenen Wegen getan werden kann/ könnte.

 

Unnatürlich natürlich

 

Bioshock Infinite setzt die Story hervorragend um, doch im Gameplay hinkt das Spiel etwas. Nicht, dass das Gameplay komplett unsauber ist, doch einige Dinge hätten nicht sein müssen. Ich erkläre das genauer.

Eine Besonderheit des Spiels liegt natürlich in den sogenannten „Vigors“. Das sind Kräfte, welche wir im Spiel nach und nach freischalten und welche jeweils immer zwei Funktionen haben. Starten wir mit einem Vigor, welcher Maschinen und sogar Menschen für uns kämpfen lässt, lassen wir bald schon Horden fleischhungriger Krähen auf unsere Gegner los, werfen sie für kurze Zeit in die Luft oder richten mit einer mörderischen Sturmattacke verheerenden Schaden an. Damit wir diese Fähigkeiten jedoch nicht unbegrenzt nutzen können, müssen wir im Spiel Salze sammeln, welche unsere Salzleiste wieder aufladen. Das Ganze kann man sich wie mit einer Manaleiste aus etlichen Rollenspielen vorstellen. Faustregel dabei ist, dass alle Kräfte dasselbe Salz benutzen, die mächtigeren dementsprechend mehr. Eines allerdings fällt auf- es reicht, sich im Spiel auf nur drei bis vier dieser Vigors zu konzentrieren- die meisten der insgesamt neun kann man zwar benutzen, doch sind sie eher unnötig. Trotzdem ist es ziemlich cool, im Kampf einfach mal etliche Vigors einzusetzen und zu kombinieren, wie es gerade Spaß macht.

Abseits davon dürfen wir uns wieder mit einem Haufen an Schießprügeln zur Wehr setzen. Startet man noch mit einer popeligen Pistole, erhält man im Spiel schon bald Schrotflinten, Maschinengewehre, ein Scharfschützengewehr und noch weitere teils ziemlich abgedreht aussehende Waffen- immerhin spielt Bioshock Infinite noch Anfang des 20. Jahrhunderts. Fakt ist, dass man immer nur zwei dieser Waffen mit sich rumschleppen darf, doch probieren und auch kombinieren geht über studieren- es gibt mehrere Kampfmethoden, man kann alle ausprobieren.

Vigors und Schießprügel dürfen wir an cool aussehenden Automaten upgraden. So verstärken wir den Schaden der Pistole, spendieren dem Scharfschützengewehr eine höhere Feuerrate, verringern die Salzkosten unserer Hypnose oder verdoppeln die Dauer der Krähenaktivität. Diese Upgrades kosten jedoch teilweise erhebliche Mengen an Geld, welches wir im Laufe des Spiels zu immer größeren Beträgen einsammeln. Nicht Dollar sind die Währung, sondern Silberadler.

Die Schlachtfelder sind zudem von zwei Dingen gezeichnet- einmal sind es die „Risse“ und Skylines. Risse sind Öffnungen in andere Dimensionen, welche Elizabeth mit ihren magischen Kräften zu öffnen vermag. Dadurch schalten wir beispielsweise einen Geschützturm frei, eine Wand zur Deckung oder einfach Waffen für mehr Munition. Die Skylines, welche wir im Spiel öfter mal vorfinden, sind Luftschienen, an welche wir uns heranhängen können, um so in Kampfsequenzen, welche aus mehreren Etagen bestehen, den Gegnern schneller den Garaus zu machen oder uns selbst einfach schwerer treffen zu lassen. Dieses System erfordert anfangs zwar etwas Einübung, man spielt sich aber recht schnell ein. Der Kampf kann so sehr hektisch und unübersichtlich werden, und auch Gegner sind in der Lage, diese Schienen zu benutzen. Vorsicht sei also geboten.

Auch gibt es im Spiel keine Gesundheitsregeneration. Wir erhalten bald schon einen Schild, welche eine gewisse Anzahl an Kugeln abfängt und sich, nachdem er Schaden genommen hat, nach kurzer Zeit wieder auflädt, und unsere eigentliche Gesundheit, welche wir mit Gesundheitspaketen oder Nahrung wiederaufladen. Manchmal finden wir auch Gegenstände wie Bier, die Salze geben, aber Gesundheit abziehen. Man muss also entscheiden, worauf man nun Wert legt.

Seltener finden wir Infusionen. Das sind leuchtende Flaschen, welche, wenn aufgenommen, entweder Gesundheit, Schild oder Salze dauerhaft erhöhen. Im Laufe des Spiels finden wir aber nur einige davon, alles erhöhen kann man also nicht.

Auch Kleidungsstücke sind zu finden. Diese geben uns ganz besondere Boni, je nachdem, welche wir gerade tragen. So laden Nahkampfangriffe unsere Gesundheit wieder auf, alle Waffen haben vergrößerte Magazine usw. usw. Je weiter wir im Spiel kommen, desto abgefahrener werden diese Boni.

Was mir ganz besonders gefallen hat, ist eine Schlüssel-Schloss-Suche. Manchmal treffen wir im Spiel auf verschlossene Türen, für welche wir einen Schlüssel suchen müssen, der irgendwo im Levelkomplex versteckt liegt. Haben wir diesen Schlüssel gefunden, werden wir dafür auch ordentlich belohnt. Alternativ kann man auch zuerst den Schlüssel finden.

 

So weit, so gut. Klingt ja alles hervorragend, doch weißt Bioshock Infinite in diesem Aspekt einige Schwachstellen auf. Die erste liegt im eindeutig zu niedrigen Schwierigkeitsgrad. Ich habe das Spiel auf schwer begonnen und war kaum gefordert. Auch die Bossgegner sind zu leicht geraten, sie schlucken nur deutlich mehr Kugeln als normale Gegner. Der schwerste Modus „1999“ lässt sich erst nach einmaligem Durchspielen freischalten. Keine Ahnung, was das sollte.

Auch verhalten sich die Gegner insgesamt höchstens mittelmäßig klug. Sie suchen zwar aktiv Deckung, das war´s aber auch schon. Gegen Vigors haben die meisten von ihnen keine Chance, und ziemlich oft laufen sie im völlig falschen Moment direkt vor unsere Mündung.

Schade ist halt, dass einige der Vigors, wie schon gesagt, eigentlich nicht nötig sind, sie wirken eher als „Lückenfüller“. Tolle Upgrades ändern daran auch nichts.

Ein Problem ist meiner Meinung nach auch die Steuerung. Das System, mit der mittleren Maustaste zu zielen und mit der rechten die Vigors abzulassen, halte ich für ziemlich gewöhnungsbedürftig, ich weiß nicht, wie es euch dabei ging.

Alles in allem sind die Ideen, die Bioshock Infinite mit sich bringt, sehr gut geraten, doch zieht vor allem der viel zu geringe Schwierigkeitsgrad und die Steuerung das Spielgefühl etwas herunter. Manchmal hatte ich das Gefühl, die Actionszenen einfach nur zu spielen, um zum nächsten Storyevent zu kommen. Liegt das jetzt an der Story oder am Gameplay? Keine Ahnung…

 

Dunkles Paradies

 

Atmosphärisch ist Bioshock Infinite eine Wucht geworden. Die trügende Idylle Columbias, die bösen Geheimnisse, die Hauptcharaktere, von welchen jeder seine Besonderheiten und Macken hat, werden hervorragend erzählt, und auch an der Gestaltung der recht offenen Level und der Musikuntermalung mangelt es nicht- Mag Columbia anfangs noch in einem hellen Locht liegen, ziehen bald schon dunkle Wolken auf. Hinzu kommt die für die Zeit des 20. Jahrhunderts wohl ziemlich außergewöhnliche Technik- Maschinen, Roboter, Wissenschaftler. Dazu kommt noch dieser mysteriöse Touch, welcher den Spieler ja auch schon in der Hauptgeschichte verwirrt. Ich habe diese Kulisse des dunklen Paradieses jedenfalls sehr genossen.

 

Unreal ist halt unreales.

 

Grafikmäßig kann ich nicht klagen. Auch, wenn Bioshock Infinite die mittlerweile schon 7 Jahre alte Unreal Engine 3 nutzt, hat das Team von Irrational Games nochmal alles rausgeholt, was möglich ist. Dazu zählen auch Erweiterungen, die DirectX-11 möglich machen. Zwar sind diese Effekte sowie die Texturen des Spiels nicht bahnbrechend, doch hübsch sieht das Ganze immer noch aus, vor allem die Farbtöne und Lichteffekte sowie die Charaktergestaltung. Gleichzeit ist das Spiel recht ressourcenschonend. Manchmal kam es jedoch vor, dass das Spiel an bestimmten Abschnitten immer kurz ruckelte, da anscheinend ein neuer Levelabschnitt oder so geladen wurde. Ein kleiner Schönheitsfehler halt.

 

Fazit

 

Alles in allem hat Bioshock Infinite mir sehr gut gefallen. Story und Atmosphäre sind hervorragend erzählt bzw. gestaltet und werden mir noch lange in Erinnerung bleiben, doch das Gameplay ist an einigen Stellen etwas verkorkst geraten. Schade, denn das Spiel hätte locker die 95 Punkte erreichen können, wenn man an diesen Baustellen noch etwas mehr getüftelt hätte. Daher vergebe ich dem Spiel (vor allem wegen des Gameplays) im Endeffekt 85 Punkte.

Jetzt eigenen Artikel veröffentlichen

Schreib Deinen eigenen Artikel auf GameStar und tausche Dich mit anderen Lesern aus.

Eigenen Artikel schreiben

Wertung
Pro und Kontra
  • Geniale Story
  • Schön umgesetzte Atmosphäre
  • Spieler muss mitdenken
  • Recht lange Spieldauer
  • Cool gestaltete Stadt
  • Vigors...
  • ... von welchen einige jedoch unnötig sind
  • viel zu einfach
  • Steuerung gewöhnungsbedürftig

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

zu leicht

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 10, weniger als 20 Stunden



Kommentare(0)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.