Der lange Weg...

Simulation in Reinkultur Wie alle Racing-Fans unter den Zockern warte auch ich auf Project C.A.R.S.. Weil ich jede Zeile und jedes Video darüber...

von - Gast - am: 13.04.2015

Simulation in Reinkultur

Wie alle Racing-Fans unter den Zockern warte auch ich auf "Project C.A.R.S.". Weil ich jede Zeile und jedes Video darüber verschlungen habe, konnte ich natürlich auch nicht verhindern, dass mir die verfügbaren "Alternativen" vorgestellt wurden. Eine davon kannte ich schon aus dem Early Access Programm von Steam, ich bin wegen der guten Ansätze sehr früh und billig eingestiegen, hatte dem Projekt aber keine weitere Aufmerksamkeit geschenkt. Das änderte sich aber nach diversen Berichten und "Let's Play"-Videos.

Nun, ich habe Assetto Corsa in unregelmäßigen Abständen immer wieder angespielt, und wenn ich eins sagen kann, dann das: es war frustrierend. Ich habe mir die Zeit mit Rennspielen wie GRID Autosport, NfS Rivals und DIRT vertrieben - der Umstieg auf das Schwergewicht Assetto Corsa war die Hölle auf Erden. Menschen ohne Geduld, ohne Gefühl in der Hand und ohne Interesse sich wirklich auf etwas einzulassen, in das sie sich reinarbeiten müssen, können an dieser Stelle aufhören, diese Rezension zu lesen. Auf höchsten Schwierigkeitsgrad mit Realismuseinstellung auf Anschlag ist dieses Game sowas wie das "Dark Souls" der Rennspiele.

Dann wollen wir mal...

Ah, weitergelesen? Dann sehen wir uns das mehr als gute Stück doch mal genauer an. Zuerst einmal fällt das puristische Design der Menüs auf - Schnickschnack wie bei NfS oder ähnlichen Spielen sucht man hier vergebens, auch wird man nicht von irgendwelchen hippen Tracks begrüßt. Das Spiel will deutlich ernst genommen werden als Simulation, und entsprechend nüchtern und geradlinig ist der Auftritt.

Im Startmenü - mir gefällt es sehr gut -  haben wir die Möglichkeit verschiedene Modi anzuwählen, ich empfehle allen Zockern, sich ausgiebig mit dem Training zu befassen. Es bringt absolut NICHTS, wenn man sich gleich auf Karriere oder schnelle Rennen stürzt - man sieht außer kurz den Rücklichtern der Konkurrenz nur noch den Aufschlag in der Bande - das Fahren will in diesem Spiel absolut gemeistert werden, einsteigen und gleich gewinnen ist schlicht nicht drin.

Also Training? Jupp...das Gameplay

Zum Zeitpunkt meiner Rezension wurde schon das DLC-Paket "Dream Pack 1" veröffentlicht, welches ich absolut empfehlen kann. Nicht nur, dass ein paar sehr coole Autos ihren Weg ins Spiel gefunden haben, der wahre Grund zum Zugreifen ist eine fantastische Nachbildung der Nordschleife, jenes legendären Kurses in der Eifel, der je nach "Variante" bis zu 25 Kilometer lang ist - pro Runde versteht sich.

Die Verfügbarkeit dieses Kurses hat den Wert des Spiels für mich und vor allem mein Interesse daran maximal erhöht. Es ist einfach was ganz Anderes, eine derart fordernde und auch sehenswerte Rennstrecke zu meistern. 

Aktuell stehen rund knapp 20 Marken zur Verfügung, innerhalb der Marken gibt es teilweise noch diverse verschiedene Modelle zur Auswahl. Die Autos reichen vom Fiat 500 Abarth über den KTM X-Bow bis hin zu Serienwagen von BMW und Mercedes. Auch richtige Rennfahrzeuge, Klassiker wie die Shelby Cobra und Traumautos von Ferrari oder Pagani kann man steuern. Es ist relativ egal, welches Auto man sich aussucht, sie sind ALLE nicht leicht auf der Strecke zu halten.

An Rennstrecken ist auch eine ganz nette Auswahl vorhanden, nicht übermäßig groß, aber dafür toll umgesetzt. Neben inzwischen 3 Varianten der Nordschleife waren auch Spa, Valalunga, Silverstone, Imola modern und klassisch und eine Strecke in den Alpen, bei der man schlicht von A nach B fahren muss - und das auf engsten Serpentinen. Natürlich sind noch ein paar weitere Kurse dabei, und Nachschub ist bereits angekündigt.

Hat man sich dann lange und ausgiebig damit beschäftigt, die Boliden nicht ständig in die Bande zu kleben, kann man sich auch mal an die Karriere wagen. Diese ist ebenso puristisch wie das Menü, wo man sie anwählen kann. Im Grunde bekommt man nur eine Reihe verschiedener Rennklassen serviert, die man der Reihe nach gewinnen soll/muss. Eine Story oder Ähnliches sollte man nicht erwarten. Das Spiel lebt davon, dem Spieler ein sehr authentisches, realistisches Renngefühl zu vermitteln - am Besten im Multiplayer. Hierzu muss ich dringend vor Idioten warnen, die ihren Frust über die Tatsache, dieses Spiel nicht zu beherrschen derart ausleben, dass sie bemühten Spielern deren Versuche ein gutes Rennen zu fahren kaputt machen. Geisterfahrten, querstellen oder einfach nur anrumpeln inklusive. Das Beste hierbei ist es, sich mit Leuten die man kennen lernt zusammen zu tun und dann im kleineren Kreis auf geschützten Servern tolle Rennen zu fahren - der Aufwand lohnt sich.

Wie sieht's aus? Die Technik...

Es sieht sehr gut aus, muss ich sagen. Die Grafik ist - entsprechende Hardware vorausgesetzt - absolut grandios gelungen, ich sehe in Assetto Corsa die bis zum Erscheinen von Projekt C.A.R.S. die schönste verfügbare Simulation. Die Fahrzeugmodelle sind allerliebst nachgebildet, die Strecken sehen realistisch aus, Licht und Schatten sorgen für gute Stimmung. Meckern könnte man über die Pappzuschauer am Rand und das nicht ganz ausgereifte Schadensmodell. Das ist aber dann schon Meckern auf krass hohem Niveau. 

Auch der Sound hält den extrem hohen Standard, die Motoren klingen absolut gut und realistisch, das Blubbern der dicken Blöcke ist ebenso cool umgesetzt wie Fehlzündungen und andere Soundeffekte.

Steuern kann man das Ganze per Tastatur (scheiß Idee), Pad (machbar, aber nicht einfach) und Lenkrad. Ich selbst habe zum Zweck dieser Rezension Pad und Lenkrad (G27) ausprobiert und kann sagen, dass das Lenkrad massiv zur Stimmung und mehr noch zur Spielbarkeit von Assetto Corsa beiträgt. Es ist mit dem Pad fast nicht möglich, Fahrfehler zu korrigieren - wenn man mal ins Schlingern gerät, geht's ab in die Büsche.

Man kann zwar lernen, auch mit dem Pad anständig zu beschleunigen, zu bremsen und nicht ruckartig zu lenken, dies stellt sich aber in der Praxis als relativ nachteilig heraus. Vor allem dann, wenn man gegen Leute spielt, die ein Lenkrad benutzen können.

Der zweite Blick...und ein Fazit

Assetto Corsa verdient eine Chance, absolut. Es sind eher Kleinigkeiten, die einen ärgern können. Sei es die (noch) etwas zu geringe Auswahl an Fahrzeugen und Strecken, sei es die umständliche Art, mit der man gemoddete Autos oder Tracks ins Spiel einflechten muss. Trotzdem, die Vorteile überwiegen. Wer ein Rennspiel will, dass wirklich als "Simulation" durchgehen soll, der kann mit Assetto Corsa viel kämpfen - und auch viel gewinnen. Project C.A.R.S. wird nochmal ein Stück besser aussehen als Assetto Corsa, wenn es dann endlich kommt - ob es ein ebenso großes Stück Simulation sein wird, wage ich noch zu bezweifeln. AC ist kein Spiel für den Casual Gamer, das ergibt sich schon einfach aus der Tatsache, dass Zeitaufwand und Hardware-Anforderungen für Top-Grafik einfach auf einem Niveau liegen, dass der Feierabend-Zocker nicht stemmen kann. Jedenfalls nicht in einer Weise, bei der er wirklich die Stärken dieses Spiels erleben wird.

Wären ein paar Kleinigkeiten ausgereifter, wären sicher mehr als 83 von 100 drin, ein Hit ist in greifbarer Nähe. Und da sich Assetto Corsa weiter entwickelt, kann das bei einem Nachtest durchaus noch geschehen. Von mir gibt's auf jeden Fall eine Kaufempfehlung für echte Racer, die nach einer Herausforderung suchen - NfS-Fans oder Leute ohne Frustresistenz sollten sich dagegen vorher mit Videos oder Probespielen eine festere Meinung zum Spiel bilden.

In jedem Fall gebe ich euch einen Tipp: HALTET DURCH !! Das Spiel ist es wert, den Frusthügel zu erklimmen. :)

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Wertung
Pro und Kontra
  • Eine echte Simulation, die sehr fordernd ist...
  • Hammerharte K.I.-Fahrer
  • Sehr gute Grafik
  • Grandioser Sound
  • Unterstützung von Racing-Hardware top
  • Modding wird unterstützt
  • ...aber auch für massiven Frust sorgen kann
  • Einstellungen für Anfänger faktisch nicht vorhanden
  • Auto-Auswahl könnte umfangreicher sein
  • Mod-Unterstützung vorhanden, aber sehr unpraktisch umgesetzt

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher schwer

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Mehr als 20, weniger als 40 Stunden



Kommentare(3)

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