Des eigenen Grabes

Crysis 2 bedeutete für viele eine Enttäuschung auf hohem Niveau. Daher versprach Crytek, mit dem dritten und letzten Teil einiges besser zu machen....

von Bakefish am: 20.10.2013

Crysis 2 bedeutete für viele eine Enttäuschung auf hohem Niveau. Daher versprach Crytek, mit dem dritten und letzten Teil einiges besser zu machen. Noch bessere Grafik, wieder offenere Level, der Nanobogen. Doch kann Teil 3 die Schwächen des Vorgängers wieder ausbügeln? Nach einem nicht zu langen Test des Einzelspielers ist die Antwort leider nein.

 

In den Tiefen der Kuppel

 

Teil 3 spielt 25 Jahre nach den Ereignissen des zweiten Teils in der völlig zerstörten und von der Natur überwucherten Stadt New York. Diesmal übernimmt der Spieler die Figur des Prophet, welcher alten Crysis-Veteranen bereits aus Teil 1 bekannt ist und im zweiten Teil Suizid begonnen hatte, aber auf eine völlig unerklärbare Art weitergelebt hat.

Soviel dazu, die böse Truppe um C.E.L.L. hat um New York eine riesige Kuppel, den Nanodome, gebaut, um das Virus der Ceph aus Teil 2 zu stoppen. Gleichzeitig streben sie die Weltherrschaft an, und da alle Menschen im Nanosuit diesen Plänen im Weg standen, hat man sie kurzerhand aus den Anzügen herausgepult. Darunter ist auch Psycho aus Teil 1, welcher damals noch ein Teamkollege war. Nun wird Prophet, bei welchem es noch nicht gelungen ist, ihn herauszuholen, kurzerhand von Psycho und seinen Kumpels befreit und muss sich nun in die innere Seite des Nanodomes begeben, um sich den Ceph und C.E.L.L. zu stellen.

So weit, so gut. Doch wer erwartet hat, dass wie hier eine meisterhaft erzählte Story vorgesetzt bekommen, wird enttäuscht. Auch die Geschichte des Trilogie-Abschlusses krankt unter etlichen Unlogiken und lässt Fragen offen. Problematisch ist, dass die Story, welche eigentlich Fragen der vorherigen Teile klären will, sie nur noch verstrickter macht. So wird auch dieses Mal eine Menge an Potenzial nicht genutzt.

Was dagegen wirklich gut gelungen ist, wird an Psycho deutlich- der Gute leidet, nachdem er aus seinem Nanosuit herausgeholt wurde, unter Minderwertigkeitskomplexen und ist neidisch auf Prophet, welcher für Psychos Probleme wiederum kein Verständnis hat, da er seinen eigenen Anzug langsam beginnt zu hassen. Dieser Konflikt wird im gesamten Spiel hervorragend dargestellt. An dieser Stelle empfehle ich allerdings die englische Sprachausgabe, da Psycho hier nochmal eine ganze Spur besser klingt, und wenn ich hingegen höre, dass Prophet in der deutschen Fassung von Kater Karlo synchronisiert wird, muss ich einfach lachen.

 

Symbol perfekter Kriegstechnik

 

Gameplaytechnisch hat sich vom zweiten zum dritten Teil so gut wie nichts verändert. Weiterhin bietet der Nanosuit den Panzer- und Tarnmodus an sowie den Visor und die Wärmesichtkamera, welche sich alle genauso bedienen lassen wie im Vorgänger. Es gibt nur sehr wenige Neuerungen, beispielsweise kann man mithilfe des Visors nun feindliche MGs hacken und so auf ihre ehemaligen Verbündeten „loshetzen“ oder selbst feindliche Türschlösser und –mechanismen hacken, dieses „hacken“ ist jedoch nichts weiteres als ein Minispiel. Somit wirkt der Anzug auf Serienveteranen immer noch wie eine kastrierte Version des allerersten Nanosuits, welche einiges an Potenzial einbüßt.

Die insgesamt 7 Level sind bei weitem offener als noch im Vorgänger. So ist es nun an einigen Stellen sogar möglich, mit Fahrzeugen die größeren Strecken hinter sich zu bringen. Mit den kilometergroßen Arealen des ersten Teils kann Crysis 3 allerdings immer noch nicht mithalten. Immer noch sind die die Kampfabschnitte zu berechenbar und von der Grundstruktur her zu gleich. Lediglich die wechselnden Schauplätze sorgen für etwas Abwehslung.

Neue Waffen gibt es nur recht wenige, die alten wurden nur neu designed. Nachladeanimationen sind gleich geblieben, auch einige Sounds. Eine besondere Waffe ist jedoch der Nanobogen, welcher ja schon vor Release des Spiels diskutiert wurde. Ich persönlich finde diese Waffe richtig cool, da sie sich mit Prophets Anzug wunderbar vereinen lässt. Für dieses Ding gibt es mehrere Munitionstypen, normale Pfeile, Explosivpfeile (vor allem gegen gepanzerte Gegner mehr als effektiv) und Elektropfeile, welche besonders fies gegen im Wasser stehende Feinde sind. Auch kann man die Schusskraft des Bogens nach Belieben einstellen- schnellere Pfeile setzen zwar mehr Schaden durch, können aber nur in längeren Abständen abgeschossen werde, da das Spannen des Bogens hierfür länger dauert.

Auch wenn die Munition für diesen Bogen recht rar gesät ist, kann man einige der Pfeile wieder aufsammeln, und da ein getarnt verschossener Pfeil das Tarnfeld nicht beendet, ist der Bogen eine fast schon übermächtige Waffe.

Auch kann Prophet aufgrund seines Anzugs jetzt Alien-Waffen benutzen, was aber nur in einigen Fällen wirklich nötig ist.

Weiterhin sind auch wieder Upgrades möglich, welche sich zwar nun über ein neues Menü steuern lassen, im Grunde aber noch genauso funktionieren wie im Vorgänger- es gibt sechzehn auf vier Gruppen aufgeteilte Möglichkeiten, von jeder dieser Gruppen darf man eine Möglichkeit auswählen. Zwar sind diese Upgrades anders aufgebaut, das Spielgefühl ist davon jedoch nur in geringer Art und Weise betroffen.

Von diesen Neuerungen abgesehen bleibt das Gameplay aber komplett gleich, und das ist mein größter Kritikpunkt an Teil 3- Gegner sind immer noch genauso blöd wie im Vorgänger, die Waffen spielen sich fast alle noch genauso wie vorher und es gibt einfach zu wenige Kombinationen des Nanosuits. Dadurch spielt Crysis 3 sich fast genauso wie sein Vorgänger. Fans satter Action wird das nicht stören (zumal es immer noch deutlich besser ist als beispielsweise CoD), doch bei denjenigen, welche sich große Neuerungen im Spielgefühl erhofft haben, wird das Spiel für Enttäuschung sorgen. Das maue Ende, in welchem man einfach nur minutelang den Alphaceph beschießt sowie  die allgemein wenigen Bossgegner verschlimmern das Ganze noch.

 

Urbaner Urwald. Großstadtdschungel klingt mittlerweile ausgelutscht.

 

Wie die meisten mittlerweile wissen dürften, wirkt die Grafik des dritten Teils sehr opulent. Knackscharfe Texturen, wunderschöne Pflanzen sowie Psychos hervorragend animierte Gesichtszüge machen das Spiel zu einem wahren Augenschmaus… allerdings hat das auch seine Kosten. Wer Crysis 3 wirklich ohne den kleinsten Abstrich in HD genießen möchte, braucht einen absoluten High-End-PC. Auch auf den niedrigeren Grafikstufen ist das Spiel immer noch recht fordernd, was gepaart mit gelegentlichen Leistungseinbrüchen immer mal wieder für Frust sorgen kann.

 

Fazit

 

Insgesamt betrachtet wage ich es, Crysis 3 als den schlechtesten aller 3 Teile zu betrachten. Warum? Weil sich mit Ausnahme der Grafik nichts getan hat. Nanosuit und Spiel allgemein spielen sich (mit Ausnahme des Nanobogens) immer noch genauso wie vorher. Gepaart mit der teils chaotischen Story und insgesamt viel zu kurzen Spielzeit von sechs (!!!) Stunden kann man getrost sagen, dass die Serie sich ihr eigenes Grab geschaufelt hat. Die Krisengeschichte geht zu Ende. Das wurde aber auch langsam Zeit.


Wertung
Pro und Kontra
  • Actionreich
  • Nanobogen
  • Konflikt zwischen Psycho und Prophet wird super dargestellt
  • auf höheren Schwierigkeitsgraden auch für erfahrenere Spieler fordernd
  • Fantastische Grafik...
  • ... mit viel zu hohen Anforderungen
  • insgesamt dasselbe Gameplay wie Crysis 2
  • doofe Story
  • viel zu kurz

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Mehr als 5, weniger als 10 Stunden



Kommentare(3)

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