Ein mässiger Nachfolger

Bald kommen Diablo II Remastered und Diablo IV. Grund noch einmal einen Blick auf D3 zu werfen...

von Armageddon2021 am: 15.04.2021

Optisch grandios

Das "Drumherum" hat Blizzard mal wieder super hinbekommen: die Filmsequenzen lassen die Konkurrenz weit hinter sich - auch 9 Jahre nach Erscheinen. Hier glänzt Blizzard's "neustes" Diablo. Auch an der Grafik gibt es nichts zu meckern: hochauflösend und im Comic Stil gehalten, teilweise auch etwas (zu) bunt, aber das ist Geschmackssache. Sauber vertont wurde auch, und der gute alte Deckard Caine hört sich noch genauso an wie man ihn aus Teil 1 in Erinnerung hat.

So stapft man fröhlich drauf los, trifft alte Bekannte, sieht sich die Ruinen von Old Tristram an uns schwelgt ein wenig in Nostalgie. Ja, der Anfang ist gut gelungen. Erstmal. Saubere Animationen, gutes Trefferfeedback, alles fein.

 

Spielerisch ein Schritt zurück

Doch bald schon die Ernüchterung: war Diablo 1 noch relativ einfach gestrickt, die Außenwelt beschränkte sich auf das Dörflein Tristram, es gab "nur" einen Mega-Dungeon und auf Skills musste man verzichten (man steigerte nur die Attribute wie Stärke und Geschick), machte das grandiose Diablo 2 alles besser: gigantische Außenareale, mehr Dungeons, und Skillbäume die verschiedene Builds zuließen.

Diablo 3 behält den Schwerpunkt auf die Außenwelt bei, auf Skillbäume muß man jetzt aber verzichten: stattdessen erhält jeden neuen Level automatisch einen neuen Skill den man in den vorgesehenen Slot stecken kann und jederzeit mit einem neuen oder alten Skill tauschen kann. Dieses stark vereinfachte System macht ein "Verskillen" zwar unmöglich, aber unterschiedliche Builds sind auch nicht mehr möglich. Auch ist jede Klasse auf ein oder zwei Waffen spezialisiert und kann die andern Waffen nicht benutzen. Das ist leider ein Riesenrückschritt und wurde vollkommen zu Recht von Fans kritisiert.

Auch der Schwierigkeitsgrad wurde deutlich gesenkt: während D1 und D2 auf der "normalen" Einstellung schon fordernd waren, so musste ich hier 2x nach oben korrigieren um nicht einfach durch die Level zu rasen. Man hat D3 nicht für die Fans gemacht, sondern für die Generation danach. Und das merkt man.

 

Atmosphäre? Wo steckst du?

Auch in Punkto Atmosphäre ist Diablo seinen Vorgängern haushoch unterlegen: die Spielwelt wirkt recht steril. Die düsteren Korridore mit den Schaschlik-Leichen mussten weichen, wo früher der Butcher noch für Grusel sorgte, kann man jetzt nur noch müde lächeln. Auch die "Cameos" mit ein paar alten Bekannten wurden einfach nur lächerlich und vergesslich inszeniert, so geht Fan-Service nicht!

 

Copy & Paste?

So wirkt der gesamt 2. Akt, der sich von dem gotischen Setting des 1. Aktes verabschiedet und uns in die Wüste schickt - so wie Diablo 2 es seinerzeit ebenfalls mit Akt 2 tat. Warum nur? Das Wüstensetting fand ich damals schon kaum erträglich und zäh wie Kaugummi, hier dasselbe nochmal aus dem Hut zu zaubern ist eher als Faulheit zu werten. Dieses Wüstensetting passt schon damals nicht zu Diablo 2, es passt auch nicht zu Diablo 3. Leider findet sich in so ziemlich jedem dieser Spiele eine Wüste: Grim Dawn tat es mit dem 2. DLC und Path of Exile 2 wird uns auch wieder in die Wüste schicken... viele Schauplätze in Diablo 3 wirken sehr vertraut.

Ebenso die Gegner, hier hat man sich auch nichts Neues einfallen lassen. Sicher, sie sind schöner gezeichnet in "echtem" 3D (warte nur bis Diablo 2 Remastered rauskommt, das wischt mit Diablo 3 den Boden).

 

Von Zufallsdungeons und Schlauchleveln

Auch Diablo 3 setzt wieder auf die Krankheit dieses Hack'n Slash Genres" die zufallsgenerierten Dungeons, das gilt sowohl für Außenareale als auch für die zahlreichen Innenlevel. Das ist ein "Feature", aber ein schlechtes. Vergleiche ich die Spielwelt von Diablo 3 (oder 2) mit Grim Dawn wird dieser Mangel offensichtlich: die Spielwelt von Grim Dawn wirkt realistischer, es gibt viel mehr Details die mit dem System des zufallsgenerierten Dungeons nicht möglich sind, stattdessen werden einfach nur Dungeonvorsatzstücke zusammengesteckt. Das soll den Wiederspielwert erhöhen, allerdings muss ich sagen, während ich bei Grim Dawn schon zahlreiche Durchläufe getätigt habe wird es bei Diablo 3 bei einem einzigen bleiben: schon in der Mitte der Kampagne war bei mir schon die Luft draußen. Da laufe ich lieber durch eine Welt, die zwar beim erneuten Durchgang dasselbe Layout hat, dafür aber wesentlich mehr Details bieten und einfach "echter" wirkt.

Die anfänglichen Levels sind lineare Schlauchlevel bei denen es ohne große Umwege von A nach B geht. Betritt man die Kathedrale geht es aber schon los: verzweigt in alle Himmelsrichtungen, aber nur ein Weg führt - über Umwege - zum Ausgang. Immer wieder erkennt man dieselben Teile, diesselben Nischen und diesselben Treppen. Ist die gesamt Karte aufgedeckt wird sehr schnell klar: so sieht keine Kathedrale aus!

 

Langzeitmotivation oder Monotonie?

Eines vorab: diese Action-Rollenspiele, auch Hack'n Slash genannt, oder eben Diablo-Klone, haben einen Schwachpunkt: Repetitives Gameplay. Die Loot-Spirale muss als Motivation ausreichen. Was anno 1997 noch neu war ist 2021 leider ausgelutscht: Innovationen such man bei Diablo 3 vergeblich. Es ist eben nur ein Technik-Update, spielerisch aber eher ein Rückschritt.

Ablaufen tut es so: massenweise Monster schnetzeln, Beute einsammeln bis das beschränkte Inventar überquillt, ins Dorf teleportieren, Rammsch verkaufen, bessere Items gegen die im Einsatz befindlichen austauschen. Zwischendurch levelt man auf und tauscht einen Skill gegen den anderen aus. Repeat. Repeat. Repeat.

Generell muss ich sagen, diese Spiele sind kurzweilig - wenn sie gut gemacht sind - haben aber eine eher geringe Halbwertzeit. Selbst bei meinem persönlichen Hack & Slay Favoriten Grim Dawn ist immer eine laaaaaange Pause nötig, bevor ich eine neue Partie beginnen kann.

 

Fazit

Eine Genre-Referenz ist Blizzard mit Diablo 3 wahrlich nicht gelungen. Einzig ein grafisches Update ist einfach zu wenig um in diesem Genre noch überzeugen zu können, im Gegenteil, durch die Vereinfachung der Rollenspielelemente schneidet das Programm sogar noch schlechter ab als seine beiden Vorgänger und die Konkurrenz. Da reissen auch die aufwändigen Zwischensequenzen nichts mehr. Was bleibt ist ein durchschnittlicher Vertreter des Genres, nicht mehr und auch nicht weniger.

Jetzt eigenen Artikel veröffentlichen

Schreib Deinen eigenen Artikel auf GameStar und tausche Dich mit anderen Lesern aus.

Eigenen Artikel schreiben

Wertung
Pro und Kontra
  • schöne Zwischensequenzen
  • grafisch hübsch
  • sehr repetitives Gameplay
  • lahme Zufalls-Dungeons
  • zuviel Areal und Gegner-Recycling
  • Handlung doch sehr vorhersehbar
  • Akt 2 ist fast 1:1 von Diablo 2 übernommen
  • Spielwelt wirkt steril, kaum Atmosphäre
  • sehr schnell durchgespielt

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

zu leicht

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Mehr als 10, weniger als 20 Stunden



Kommentare(0)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.