Ein neuer Blick...eine neue Rezension

Zurück in die Zukunft? Ich habe bereits eine Rezension zu Arma 3 geschrieben, diese habe ich vor wenigen Minuten einfach mal gelöscht. Der Grund ist...

von - Gast - am: 21.03.2014

Zurück in die Zukunft?

Ich habe bereits eine Rezension zu Arma 3 geschrieben, diese habe ich vor wenigen Minuten einfach mal gelöscht. Der Grund ist einfach: Inzwischen sind alle 3 Teile der Singleplayer-Kampagne veröffentlicht - und vor allem ist ein wesentlich umfangreicherer Blick auf die nun aktuell erhältlichen Mods möglich. Diese beiden Aspekte werde ich im Folgenden ein wenig genauer für Euch beleuchten. Vor allem die Mod-Sache muss entsprechend gewürdigt werden, sie ist und bleibt das Herz von Arma 3. Ich bin seit dem ersten "Early Access" dabei und bin noch begeistert wie am 1. Tag - momentan verbringe ich in keinem Spiel mehr Zeit als in Arma 3. Meine Spielzeit steht auf 250 Stunden auf dem Desktop-PC - und auf etwa nochmal soviel auf dem Notebook.

Die Technik zuerst

Entgegen meiner normalen Gewohnheit möchte ich in dieser Rezension die Technik des Spiels zuerst beleuchten, für mich mach in diesem Fall diese Reihenfolge einfach mehr Sinn. 

Arma 3 sieht grandios gut aus. Die Weitsicht ist überragend, Spieler- und Fahrzeugmodelle sind detailreich und mit viel Liebe zum Detail designed. Das Spiel läuft im Allgemeinen sehr stabil und hat - im Vergleich mit seinen Vorgängern - mit relativ wenigen Bugs zu kämpfen. Die Kehrseite der Medaille liegt hierbei auf der Hand: es dürfte aktuell nur wenige Spiele geben, die einen ähnlich großen Hardware-Hunger haben wie Arma 3. Um das Spiel in seiner vollen Pracht genießen zu können, ist ein relativ starker i7-Prozessor mit Highend-Grafik nötig. Zu AMD/ATi-Hardware kann ich persönlich keine Aussage machen, man darf aber davon ausgehen, dass es sich dort ganz genauso verhält.

Soundtechnisch wird hier auch 1. Liga geboten, allerdings muss man sich schon klar machen, dass man es hier mit einer Militärsimulation zu tun hat. Die meiste Zeit herrscht mehr oder weniger Stille, wenn man nicht grade im Gefecht ist oder aber mit Funksprüchen malträtiert wird. Motoren und Waffen klingen gut, die Sprecher wirken militärisch und passen genau ins Spiel.

Ab und an gibt es mal Probleme was die Kollisionsabfrage betrifft, dann kann man schon mal in einem Felsen oder einer Sandsackbarriere hängen bleiben. Solche Momente sind aber die absolute Ausnahme und trüben bei der schieren Größe der Welt nicht wirklich das Gesamtbild. Die Entwickler haben wesentlich mehr Wert auf Kleinigkeiten gelegt als noch in den beiden Vorgängern und einen entsprechend besseren Start hingelegt. Regelmäßige Updates sorgen weiter für eine stetige Verbesserung der Situation. Zusätzlich zu dieser wirklich sehr engmaschigen Weiterentwicklung des Spiels betreiben die Entwickler die wohl mod-freundlichste Produktpolitik in der aktuellen Spieleszene. Hier liegt die eigentliche Stärke dieses Spiels, für nahezu jeden Geschmack ist etwas dabei.

Das Gameplay und die Atmosphäre

Selbstverständlich bestehen zwischen Single- und Multiplayer bei Arma 3 massive Unterschiede, auf die ich nachfolgend in den jeweiligen Unterpunkten noch genau eingehen möchte. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass Arma 3 ein schweres Spiel ist, welches keine Fehler verzeiht. Im Gefecht muss man auf Entfernung seine Technik nutzen, Waffen genau einstellen, mit der "Flugkurve" der Kugel rechnen und stets Deckung suchen. Ein Vorgehen wie in Battlefield 4 oder Call of Duty beschert in egal welchem Modus schnell den Bildschirmtod. Dieser kommt nicht selten bereits nach einem einzigen Treffer des Gegners, sich selbst wieder füllende Gesundheitsbalken wie in "normalen" Shootern sucht man hier vergebens. Ist man verletzt, kann das die Zielfähigkeit und auch die Beweglichkeit des Protagonisten einschränken, die Palette reicht von total verschommener Sicht bis hin zu "nur noch kriechen können".

Wer nicht bereits ist, eine enorme Lernkurve und Rückschläge zu akzeptieren, kann die Finger von Arma 3 lassen. Hobby-Rambos machen hier keinen Stich.

Die Atmosphäre des Spiels ist dafür grandios, die Landschaft ist überwältigend, die Gefechte sind intensiv und bei Erfolgen spürt man wirklich, dass man etwas geleistet hat.

Singleplayer-Action...??

Die inzwischen komplett erhältliche Kampagne von Arma 3 wurde in 3 Teilen veröffentlicht und kann mit dem uncharmanten Wort "arschschwer" sehr gut beschrieben werden. Im Endeffekt geht es in der Geschichte darum, dass amerikanische und britische Truppen sich auf ihren Abzug von einer Mittelmeerinsel vorbereiten und während der letzten Vorbereitungen von den lokalen Truppen verraten und angegriffen werden. Ein britischer Offizier sammelt die verbleibenden Soldaten ein und leitet von einer geheimen Basis aus Widerstand - man ist als US-Soldat mit von der Partie und erledigt verschiedene Missionen, die sich relativ stark unterscheiden. Dabei ist die Schwierigkeit der Einsätze gleichbleibend auf sehr hohem Niveau. Ich persönlich kann den nicht geringen Realismus des Spiels in der Kampagne bestätigen - ich habe selbst als Soldat im Einsatz gedient, und die Aufträge sind näher an der Realität als an Hollywood.

Multiplayer -  Schlachten, die man schlagen muss

Es gibt in Arma 3 diverse Möglichkeiten, seine Zeit mit anderen Spielern zu verbringen. Es gibt Zombiemods die an DayZ erinnern, welches ja selbst ein Arma 2-Mod war zu Beginn.  Es gibt Rollenspiel-Mods, bei denen man schon fast an "Second Life" erinnert ist - und es gibt auch diverse Modifikationen, die militärische Konflikte darstellen. Besonders beliebt sind hier die verschiedenen Varianten des aus den Vorgängen bekannten Mods "Wasteland". Für meine Rezension möchte ich dabei auf meine tiefgreifenden Erfahrungen aus der Mod "A3Wasteland" zurückgreifen, die ich aktuell in der Version 0.9f spiele.

In Wasteland kämpfen 3 Parteien um die Vorherrschaft auf der Insel Stratis (Altis spiele ich nicht, ist zu groß). Diese Parteien sind "Blufor" (Nato), "Opfor" (naher Osten) und die lokalen Truppen des "Widerstandes". Während Blufor und Opfor die eigenen Mitspieler nicht angreifen (dürfen/sollen), können die Spieler des Widerstandes jeden anderen menschlichen Spieler angreifen, auch die der eigenen Fraktion. Zusätzlich zu den menschlichen Gegnern sind in regelmäßigen Abständen auch K.I.-Einheiten auf der Karte unterwegs, die man in Missionen angreifen und besiegen kann. Dann warten dicke Waffen, Verbesserungen, Fahrzeuge und manchmal sogar Panzer als Belohnung. Diese Missionen sind auf der Karte verzeichnet, deswegen kommt es bei den Brennpunkten oft zu Feuergefechten mit anderen Spielern. Achtung: die K.I.-Spieler sind entweder ziemlich doof und treffen nichts - oder sie schießen einer Fliege auf 1200 Meter das linke Ei weg. Man sollte also mit Verstand vorgehen.

Die Spieler können zusammen Squads bilden und innerhalb dieser Squads verschiedene Klassen spielen wie Sanitäter oder Pionier. Diese haben dann auch verschiedene Fähigkeiten, welche auf dem Schlachtfeld gebraucht werden. So sind Sanitäter als einzige Klasse in der Lage, einen Spieler wieder auf 100% zu heilen, während ein Ingenieur ein liegengebliebenes Auto wieder fahrbar machen kann.

Zusätzlich zu all diesen Aspekten kommt noch ein Survival-Faktor: man startet faktisch unausgerüstet (aber schon als Soldat mit Rucksack) und nur mit einer Pistole bewaffnet. Wie bei DayZ auch muss man sich seine Sachen zusammensuchen, was aber wesentlich schneller geht in Wasteland. Hier ist man relativ schnell mit brauchbaren Waffen unterwegs. Sehr gute Ausrüstung ist allerdings aufwändig und muss auch verdient werden. Hier ist Teamplay Trumpf, allein kann man sich gegnerischen Spielern kaum stellen, wenn man wirklich etwas erreichen möchte.

Ganz nebenbei muss man sich auch noch mit Nahrung und Wasser versorgen. Auch hier besteht also eine massive Parallele zu DayZ. Nur fehlen hier die Zombies - dafür sieht Arma 3 aber wesentlich besser aus...

Getötete Spieler lassen Geld fallen (wenn sie noch welches haben), auch in bestimmen "Money Objectives" kann man sich im Kampf gegen die K.I. welches verdienen. Die Knete kann man dann in super Waffen investieren oder auch Thermal-Visiere kaufen. Natürlich ist es auch möglich, Kleidung und Rucksäcke und anderes zu erwerben. Zu diesem Zweck sind Gun- und Generalstores auf der Karte verteilt - auch diese stellen Brennpunkte dar, bei denen man ganz gerne mal auf andere Spieler treffen kann.

Alles in Allem stellen die Entwickler den Moddern manigfaltige Möglichkeiten zur Verfügung, die auch in entsprechendem Umfang genutzt werden. Das Ergebnis sind durchdachte und extrem ausufernde Mods, die sich wie im Falle von A3Wasteland vor keinem "Vollpreisspiel" verstecken müssen.

Alles gut?

Nein, so blauäugig kann man das nicht sehen. Es ist immer noch Raum für Verbesserungen, mehr als genug sogar. Sowohl das originale Spiel als auch diverese Mods leiden noch unter Bugs, wenn auch - wie oben erwähnt - in wesentlich geringerem Umfang als noch Arma 2. Für Neulinge ist der Frustfaktor sehr hoch, sowohl im Single- als auch im Multiplayer muss man schon ein relativ dickes Fell haben, um die nicht sehr einfache Anfangszeit zu überstehen. Auch in meinem Freundeskreis haben einige Jungs aufgegeben. 

Die Anforderungen an die Hardware sind enorm, um das Spiel in voller Pracht genießen zu können ist Highend-Hardware nötig. Mittelklasse-Rechner bezahlen die Spielbarkeit mit wirklichen Einbußen, was die optische Qualität angeht. Zusätzlich gibt es noch ein paar Probleme was den Sound angeht. Dessen Qualität ist zwar hoch, leider stimmt die Lautstärke nicht immer. So ist es teilweise schwer bis unmöglich, die reale Entfernung zur Quelle zu bestimmen. Ein Schuss kann also klingen wie "um die Ecke", dabei ist der Schütze noch ziemlich weit weg. Dieses Problem wurde erkannt und die Situation wurde auch bereits verbessert - Luft nach oben ist aber immer noch.

Außerdem gibt es auch noch einige Lücken in der Logik. So ist es möglich einen Panzer zu zerstören, in dem man ihn Vollgas mit einem Quad rammt. Diese Kamikaze-Aktion ist frei jeglicher Realitätsnähe, führt aber (noch) zum Ziel in Multiplayerpartien.

Das Fazit

Keins der von mir im letzten Abschnitt beschriebenen Probleme ist aber wirklich in der Lage, den hervorragenden Gesamteindruck des Spiels zu trüben. Ja, Arma 3 ist schwer. Und? Es gibt so viele Spiele, die einfach zu erlernen sind und die auch  genau so schnell wieder langweilig werden. Battlefield 4 und seine Vorgängerklone machen Spaß, keine Frage. Den Tiefgang und vor allem die tiefe Befriedigung bei Erfolgserlebnissen eines Arma 3 erreichen sie niemals. Mit 5 Freunden zusammen über die Insel zu ziehen und die feindlichen Parteien mit hart verdienten Fahrzeugen, Helikoptern und Waffen anzugreifen ist ein unvergleichliches und absolut unterhaltsames Erlebnis. Einzig ein DayZ kann sich hier auf derselben Stufe wähnen - muss aber in Sachen Bugs und vor allem moderner Technik (wegen Arma 2-Engine) klare Nachteile in Kauf nehmen.

Spieler mit Lernwillen, die eine wirkliche Herausforderung suchen, sollten sich auf jeden Fall mal reinspielen in Arma 3. Es lohnt sich, besonders wenn man einen realen Bezug zum Militär hat. Casual Spieler können auch probespielen, auch in dem Segment gibt es nicht wenige Zocker, die mal was Neues und "Anderes" erleben wollen. Einzig chronisch egoistischen Spielern und/oder Leute ohne Geduld bzw. mit niedriger Frusttoleranz rate ich klar ab - diese werden hier nicht glücklich und können ihr Geld sicher wesentlich besser anlegen. 

Lasst euch nicht von der tollen Grafik verführen. Arma 3 ist "Krieg" - und jeder Erfolg will verdient sein.

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Wertung
Pro und Kontra
  • Technik überragend...
  • Schwierigkeitsgrad fordernd
  • Mods en masse verfügbar
  • Teamspiel ist nötig
  • ...wenn man einen sehr starken Rechner hat
  • immer noch Bugs im Spiel
  • Lernkurve ist steil, Frust für Einsteiger vorprogrammiert

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher schwer

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 100 Stunden



Kommentare(1)

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