Ein würdiger Nachfolger mit Schwächen

Metro Exodus ist ein würdiger Nachfolger mit einer wunderschönen Welt. Die Story ist in sich glaubwürdig und auch spannend. Die zwischenmenschlichen...

von kazzig am: 10.11.2020

2010, ja das ist das Jahr gewesen, an dem Metro 2033 veröffentlicht wurde. Ich weiß heute noch ganz genau, wie ich wie ein kleines Kind, das sein Geschenk an Weihnachten öffnen möchte und alles andere ausblendet, vor dem Rechner saß und den Release im März abgewartet habe.

Kennt ihr das Gefühl, wenn etwas, was ihr unbedingt haben wollt, angekündigt wird und es dann eine halbe Ewigkeit dauert, ihr inzwischen den ersehnten Titel vergesst, 1-2 Monate davor wieder von der Veröffentlichung hört und dann komplett gehyped seid? Genau so gings mir Ok, aber nun wirklich zurück zum eigentlichen Beitrag und dem Protagonist: Metro Exodus. Zugegeben, ich habe 2019 Metro Exodus nicht direkt zum Release gespielt, da meine Pile of Shame wegen anderen Projekten mit höherer Priorität im Real Life „HUST Wohnmobilausbau HUUUST“ deutliche Vorzüge genießen durfte. Nun, was ein Projekt im klassischen Sinn? Genau, ein Anfang und ein Ende. Und so endete Ende 2019 das Projekt und meine Zeit zum Zocken war ENDLICH wieder da – jamann!

Story

In Metro Exodus übernehmen wir, wie bei den Vorgängern Metro 2033 und Metro: Last Light die Rolle des Artjom, des Romanhelden und Protagonisten. Anders als bei Metro 2033 und Metro: Last Light findet das Spiel, abgesehen von der Eröffnung jedoch nicht mehr in der Moskauer Metro statt.

Wir sind mit einer Eliteeinheit, der Spartaner, und Artjoms Frau Anna auf einer Reise Richtung Osten, an Bord der Dampflokomotive Aurora. Denn nachdem Artjom und Anna bei einer Erkundungstour an der Oberfläche das Geheimnis der in Metro 2035 erwähnten, rund um Moskau errichteten Störsender entdeckt haben, ist eine Rückkehr in die Metro nicht mehr möglich, da diese Entdeckung das gesamte politische System der Metro gefährdet. Das bedeutet für uns eine lange Reise auf der Aurora. Uns wird relativ schnell klar: Die Lügen darüber, dass die Welt um die Metro tot sei, wie in der Metro allgemein behauptet wird, werden immer greifbarer. Auch andere Annahmen sind falsch oder weit hergeholt, aber an dieser Stelle keine Spoiler! Artjom begegnet auf seiner Reise Richtung Osten und der Suche nach einem neuen zu Hause auf verschiedene Gruppe von Überlebenden des Atomkriegs, die entweder kooperieren oder sich gegen ihn stellen.

Grafik & Sound

Eins muss man Metro Exodus lassen: Die Landschaften sehen einfach fantastisch aus! Die Welt ist ausreichend mit Leben gefüllt. Wir bewegen uns aber definitiv in keiner open world oder Ähnliches. Die einzelnen Gebiete sind durchaus relativ einladend groß gestaltet, man wird als Spieler jedoch schon in einer Art „Schlauch“ an das Ziel geführt. Gestört hat es mich aber im Großen und Ganzen nicht.

Die NPCs in der Welt scheinen aber besonders auf eine Sache großen Wert zu legen: Die Shisha Ja, ich achte auf sowas, da ich selber leidenschaftlicher Raucher bin. Ich habe tatsächlich über das gesamte Spiel an den unmöglichsten Orten die Wasserpfeifen entdeckt – ein sehr rauchfreudiges Völkchen. Das mal nebenbei als unnützes Wissen, achtet aber mal drauf, wenn ihr das Spiel durchspielt.

Im gesamten Spiel hatte ich mit der Sapphire Nitro+ 5700 XT durchgehend 60 FPS+ auf WQHD. Bei der Grafik muss ich jedoch schon gleich leider zu einem kleinen Negativpunkt kommen, bei dem ich auch später in der Wertung Punkte abziehen werde. Über das gesamte Spiel hatte ich oft Gegner, die einfach durch geschlossene Türen gelaufen sind. Solche eher kleinen Fehler machen für mich das Spielerlebnis kaputt – ich bin dann genervt von diesen Eigenheiten. Ansonsten hatte ich aber keinen einzigen Grafikfehler im Spiel.

Auch das akustische greift Metro Exodus hervorragend auf. Dem Spieler wird in den weiten und verlassenen Welten das Gefühl vermittelt: Du befindest dich in einer völlig verlorenen, skurrilen und gefährlichen Welt. Dieses Gefühl bekommen wir ständig durch Hintergrundgeräusche der Landschaft oder durch Mutanten zu spüren, die uns einen ordentlich kalten Schauder laufen lassen.

Gameplay

Am Gameplay hat sich relativ wenig geändert. Wir müssen draußen in der Welt in verschiedenen Arealen unsere Maske tragen, da wir sonst krepieren. Die Sicht auf unseren Charakter bleibt in der ersten Person. Als Novum führt aber Metro Exodus das Crafting System ein, bei dem wir die unterschiedlichsten Sachen herstellen können, von der Munition bis hin zu nützlichen Helfern wie Granaten. Dazu sammeln wir in der Welt eine handvoll an verschiedenen Ressourcen und können dann Diese an „Werkbänken“ zu wertvollen Gegenständen craften. Ganz ehrlich? Nach meiner Ansicht hätten die Entwickler komplett auf dieses „Feature“ verzichten können, da es doch einen gehörigen Anteil vom Spielfluss wegnimmt. Warum muss seit einigen Jahren alles immer auf Survival und Crafting getrimmt werden? Es gibt ja schon genug exklusive Titel, die genau diese Thematik als Hauptbestandteil beinhalten, aber in Metro Exodus fühlt es sich so, als hätte man mit aller Gewalt versucht das Thema „Crafting“ irgendwie reinzuarbeiten. Mir gefällt es nicht.

Fazit

Wenn ich mein Fazit auf wenige Sätze kürzen müsste, käme heraus: Metro Exodus möchte vieles, bleibt aber trotz allem etwas hinter Metro 2033 zurück.

Die Welt außerhalb ist wunderschön gestaltet und lädt zum Erkunden ein. Der Schwierigkeitsgrad ist normal und die Story steht im Vordergrund. Achja, eine Sache mit der Story habe ich vergessen, da ich nicht so viel Spoilern wollte. Ich sage aber nur so viel: Die Leute im Zug nerven und meine Frau Anna nervt…ja…auch ein bisschen zu viel.

Die Dialoge in Metro Exodus haben einen relativ seichten Tiefgang, worum ich auch selten so intensiv bei den Gesprächen zugehört habe. Es wird erzählt, aber emotionslos und so eine richtige Bindung zu den anderen NPCs kann ich irgendwie nicht aufbauen.

Am Ende bleibt Metro Exodus ein guter Nachfolger und sicher ein Pflichttitel für alle Metro Fans!

Motivationskurve

Der Grund für die 90er Motivation rührt natürlich durch die Vorgänger. Ich bin richtig heiß auf die Story und die Welt und möchte wissen, wie es mit Artjom weitergeht. Mir geht jedoch gleich von Anfang an dieses bescheuerte Crafting-System so auf den Senkel, dass es mich maßgeblich beeinflusst. Das Crafting zieht sich wie ein abgefahrener Winterreifen durch das ganze Spiel und trägt nicht sonderlich zur Motivation bei. Die Jagd auf die Gegner macht jedoch Spaß, die Welt ist wunderschön zu erkunden und es gibt neben der Hauptstory viel zu tun. Wir sind oft auf der Aurora und in so einem Zug ist es eng. Da gehen einem die NPCs schon hier und da auf die Nerven – gefühlt jeder hat etwas mitzuteilen und möchte mit uns reden. Aber wir wollen das nicht!? Hinzu kommt, dass die Gespräche wirklich keinen echten Mehrwert haben und das wiegt bei mir doppelt im Negativen Sinne, weil ich ungewollt entnervt die Kommentare und Sorgen der Charaktere ignoriere. Am Ende landen wir aber trotz allem bei einer soliden 81er Wertung für den gesamten Durchgang in knapp 10 Stunden.

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Wertung
Pro und Kontra
  • Schön gestaltete Welt (kein open world)
  • glaubhafte und spannende Hauptstory
  • tolle Soundkulisse
  • Gegner rennen teils durch Türen durch
  • Nervige NPCs
  • Crafting-System

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher leicht

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 10, weniger als 20 Stunden



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