Eine unpopuläre Meinung

Rezension: „Stronghold: Crusader“ (HD Edition) – Version 1.41 – Plattform: Steam

von ModuGames am: 06.02.2022

Hinweis: Ich empfehle, dass Sie zuerst meine Rezension zum Grundspiel lesen.

Sechs Jahre. So lange ist es her, dass ich meine erste Rezension hier auf GameStar.de veröffentlicht habe. Das Thema meines Autoren-Debüts war das erste Stronghold, welches ich bis heute für ein sehr gutes Echtzeitstrategiespiel halte. Zu den späteren Serienteilen habe ich jedoch nie Rezensionen verfasst. Das lag daran, dass sich mir die Faszination hinter dem hochgelobten Crusader nie erschlossen hat und ich befürchtete, dem Spiel Unrecht zu tun. Nun habe ich mich endlich dazu durchgerungen, dem Spiel eine Wertung zu verpassen und zu erklären, warum es mich so kaltlässt.

Die positive Seite

Wie man anhand des Untertitels bereits erkennen kann, verfrachtet Crusader das Spielprinzip von Stronghold in die Zeit der Kreuzzüge. Dementsprechend verlagert sich auch das Setting weg von Mitteleuropa hin zu Vorderasien, vor allem in die Gebiete der heutigen Türkei, Syriens und Jordaniens. Im Endeffekt sind wir also viel in der Wüste unterwegs, was sich auch spielerisch auswirkt. Die wenigen fruchtbaren Oasen sind hart umkämpft, weil man nur hier Felder, Plantagen und Co. anlegen kann. Das spielt sich tatsächlich auch ganz interessant. Als weitere große Neuerung dürfen wir nun in einem Söldnerposten arabische Einheiten rekrutieren. Im Gegensatz zu normalen Truppen müssen wir für diese keine Ausrüstung bereitstellen, wir kaufen sie einfach mit Gold. Dies wiederum führt dazu, dass quasi ab der ersten Minute Kämpfe entstehen und man daher kontinuierlich unter Druck gesetzt wird.

Der Söldnerposten gewährt uns Zugang zu sieben neuen Einheiten. Nebst Standard-Truppen wie Bogenschützen gibt es hier auch noch Meuchelmörder, die ganz neue Strategien ermöglichen.

Unter den arabischen Truppen finden sich auch noch einige Einheiten, die mit echt coolen Fähigkeiten aufwarten: Meuchelmörder erklimmen mit ihrem Seil unbemerkt Burgmauern, Sklaven können feindliche Gebäude anzünden. Diese Feuer können sich innerhalb einer Burg ausbreiten, weshalb wir stets Wasserkessel zum Löschen aufstellen sollten. Generell sollten Brände aber auch im Burgdesign bedacht werden, Gebäude dürfen also nicht zu nahe nebeneinander stehen. Spannend! Crusader kommt mit vier Spielmodi daher: „Burgenbau“ eignet sich für friedliebende Naturen, die einfach nur die Festung ihrer Träume bauen wollen. Außerdem können wir vier historische Kampagnen mit jeweils fünf Missionen bestreiten. Mit diesem Modus hatte ich mit Abstand am meisten Spaß, da die Aufgabenziele schön abwechslungsreich sind.

Mein Problem mit Crusader

Weniger schön ist hingegen der dritte Modus, die sogenannten „Kreuzzüge“. Dabei handelt es sich um reguläre Gefechte gegen die KI, manchmal müssen wir aber mit zwei Gegnern gleichzeitig werden werden, manchmal haben wir einen KI-Verbündeten usw. Der Anspruch wächst natürlich kontinuierlich. Die Kreuzzüge werden aber schnell repetitiv, auch eine Geschichte braucht man hier nicht zu erwarten. Und es gibt insgesamt 80 dieser Missionen im Spiel. 80! Ich habe insgesamt nur eine Handvoll dieser Kreuzzüge abgeschlossen, weil sie mir schnell zu langweilig wurden. Man muss schon wirklich ein riesiger Fan der reinen Stronghold-Spielmechanik sein und wirklich herausforderndes Gameplay mögen, um mit diesem Modus Spaß zu haben.

In der letzten Mission der ersten Kampagne müssen wir Jerusalem einnehmen. Hier zeigt sich auch die sehr eintönige Grafik des Spiels. 

Das ist mein größter Kritikpunkt an Crusader: Es bietet zu wenig für Einzelspieler-Fans wie mich. Selbst die historischen Kampagnen, die ich eben noch gelobt habe, sind ein Rückschritt gegenüber der Kampagne des Vorgängers: keine Zwischensequenzen, keine übergreifende Geschichte, keine echten Persönlichkeiten. Crusader legt deutlich mehr Wert auf seinen Mehrspielermodus. Wer gerne kompetitiv im Multiplayer spielt, wird hier auch seine helle Freude haben, vor allem aufgrund des erhöhten Spieltempos durch die arabischen Einheiten. Auf meiner Liste von Dingen, die mich nicht interessieren, steht „Multiplayer in Echtzeitstrategiespielen“ aber ganz oben, insofern ist das nicht wirklich ein Pluspunkt für mich. Dazu kommt noch, dass ich mit dem Setting auch einfach nicht viel anfangen kann. Wir bauen hier gelb-braune Burgen auf gelb-braunem Untergrund – das sieht langweilig aus. Auch der Soundtrack wurde geändert, um besser zu den Schauplätzen zu passen. Die neuen Stücke können aber keine solch idyllische Atmosphäre erzeugen, wie es im Ur-Stronghold noch der Fall war.

Fazit

Crusader gilt unter vielen Fans als der beste Teil der Stronghold-Reihe. In der Theorie verstehe ich auch die Gründe dafür. Wer Stronghold vor allem wegen seiner Mechanik spielt, wird sich über die neuen arabischen Truppen, einige ausgebaute Spielsysteme und die umfangreichen Kreuzzüge freuen. Das Problem daran: Mir als Story-Liebhaber bietet der Einzelspieler zu wenig Substanz, die Grafik ist ziemlich trist und auch der Soundtrack ist deutlich schwächer. Das macht Crusader nicht zu einem schlechten Spiel, denn das grundsätzliche Spielprinzip ist unverwüstlich. Ich gehöre wohl einfach nicht zur Zielgruppe – der erste Teil hat meine persönlichen Bedürfnisse einfach deutlich besser bedient.


Wertung
Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher schwer

Bugs:

Nein

Spielzeit:

Mehr als 20, weniger als 40 Stunden



Kommentare(1)

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