Faszinierender MMO-Shooter

Rezension: „PlanetSide 2“ – Plattform: Steam

von ModuGames am: 29.10.2021

Gewaltige Schlachten mit hunderten von Spielern, strategisches Vorgehen auf riesigen Karten, eine persistente Welt, die mit Fahr- und Flugzeugen durchquert werden kann – das alles verspricht der Free2Play-Shooter PlanetSide 2. Dieses eigentlich tolle Konzept kann aufgrund von vermeidbaren Fehlern allerdings nicht sein volles Potenzial entfalten.

TR, VS, NK, WTF?

Der Planet Auraxis ist Schauplatz eines ewig andauernden Krieges zwischen drei Imperien: der Terranischen Republik, der Vanu-Souveränität und dem Neuen Konglomerat. Warum die sich auf den Tod nicht ausstehen können? Das müssen Sie sich entweder selbst zusammenreimen oder online nachlesen. PlanetSide 2 geht mit Hintergrundinformationen sehr, sehr sparsam um, selbst für ein reines Online-Spiel. Wir kennen zwar einige der politischen Eigenschaften der Konfliktparteien, so handelt es sich bei der TR um eine autoritär-militaristische Regierung, während das NK aus Freiheitskämpfern besteht. Die VS setzt auf Alien-Technologie, welche für sie zur Religion geworden ist. Letztlich wird man sich aber eher aufgrund der Optik für ein Imperium entscheiden, mir war das Neue Konglomerat sehr sympathisch. Es gibt auch minimale spielerische Unterschiede (TR-Waffen feuern sehr schnell, NK-Bleispritzen richten viel Schaden an, Vanu-Gewehre sind sehr präzise), davon weiß man anfangs allerdings noch nichts.

Die Freiheitskämpfer des Neuen Konglomerats setzen auf klobige Rüstungen mit einem blau-gelben Farbschema (hier zu sehen: eine MAX-Einheit). Auch der Rock-Soundtrack der Fraktion geht ins Ohr.

Die Fraktionen kämpfen um fünf Kontinente. Indar ist eine Wüstenlandschaft, Esamir ist von Eis überzogen, Amerish besticht durch Wiesen und hohe Berge, bei Hossin handelt es sich um einen Sumpf. Den fünften im Bunde, Koltyr, werde ich später noch gesondert behandeln. Jede der drei Fraktionen besitzt ein Warptor, das als Ausgangspunkt für die Eroberung des Kontinents dient. Zwischen den Warptoren befindet sich eine Vielzahl von Einrichtungen, die von den Imperien eingenommen werden können. Zu beachten ist, dass die Basen einen Anschluss an das eigene Territorium haben müssen, man kann also nicht einfach ein Gebiet mittem im Feindesland einnehmen. In jeder Basis befinden sich ein oder mehrere Kontrollpunkte. Hält man diesen oder die Mehrzahl der Kontrollpunkte für eine bestimmte Zeit, geht die Basis in den eigenen Besitz über.

Wenn sich zwei streiten, freut sich der dritte

Das ganze geht so lange, bis eine Operation startet. Dann läuft ein Timer, bis der Kontinent gesperrt wird. Jedes Imperium möchte nun die Mehrzahl der Einrichtungen erobern, um am Ende des Timers den Kontinent für sich zu beanspruchen. Als Belohnung winkt viel Ingame-Währung. Durch die schiere Größe der Karte finden viele Scharmützel an an unterschiedlichen Orten statt. Wer einen Kampf nicht mag, kann sich problemlos zu einer anderen Basis verlegen lassen, da es in jeder freundlichen Einrichtung einen Spawnraum gibt. Insgesamt sind die strategischen Möglichkeiten dieses Systems fantastisch. Wenn zwei Imperien in harte Kämpfe miteinander verwickelt sind, kann die dritte Fraktion diese Zeit nutzen, um ohne großen Widerstand ihr Territorium auszuweiten.

Auf Indar dominiert gerade die Vanu-Souveränit (violett). Dabei muss es aber nicht bleiben: Ein gezielter Vorstoß eines gut organisierten Teams kann oft die Situation wenden. Wichtig: Alle Screenshots in diesem Artikel sind veraltet und geben nicht das aktuelle Interface wider. 

Oder noch besser: die drei Fraktionen treffen aufeinander, denn dann fängt das wirkliche Spektakel erst an. Wenn ein Kontinent erobert wurde, wird der nächste wieder freigeschaltet. In der Regel sind nur ein bis zwei Kontinente gleichzeitig aktiv. Vermutlich will man damit dafür sorgen, dass auf den aktiven Kontinenten eine hohe Spielerdichte herrscht. Mit der Spielerdichte lässt sich wohl auch erklären, warum manchmal nicht alle Basen eines Kontinents aktiv sind, also nicht erobert werden können. Man wird in diesem Fall von den Entwicklern also in eine bestimmte Richtung geschickt. Die Konsequenz: Es entbrennen meistens Kämpfe an ein, vielleicht zwei Stellen. Wenn die einem nicht zusagen, hat man Pech, denn wer auf einen anderen Kontinent wechseln will, wird oft in lange Warteschlangen geschickt. Es scheint stellenweise so, als würde sich das Spiel selbst untergraben.

Koltyr, das Sorgenkind

Apropos: Wir müssen noch über den fünften Kontinent, Koltyr, reden. Koltyr wird in der Regel aktiviert, wenn die Spielerzahlen niedrig sind. Hierbei handelt es sich um einen sehr kleinen Kontinent, auf dem alle Fraktionen in der Mitte aufeinander treffen. Die Auswahl an Fahr- und Flugzeugen ist außerdem begrenzt. In der Regel ist es so, dass sich die kriegerischen Parteien in der Mitte festfahren und folglich auch niemand den Kontinent erobern kann, weil jede Fraktion genau denselben Prozentanteil des Territoriums besitzt. Also hängt man ewig auf Koltyr herum und hofft, dass eine Seite endlich die Oberhand gewinnen, denn der Kontinent bereitet keinen Spaß. Nicht zuletzt auch deshalb, weil er mit Lags und hohen Latenzen zu kämpfen hat. Kurzum: Jeder hasst Koltyr. Und weil das so ist, loggt sich auch jeder direkt wieder aus, wenn man sieht, dass nur der ungeliebte Kontinent aktiv ist. Ein Teufelskreis.

Stramme MAX

Nun wollen wir uns den Spielsystemen von PlanetSide 2 im Detail widmen. Es gibt fünf reguläre Klassen: Der „Spion“ ist mit einem Scharfschützengewehr ausgerüstet und kann sich kurzzeitig annähernd unsichtbar machen. Perfekt für Infiltrationen und um Gegner auf große Distanz auszuschalten. Die „Leichte Angriffseinheit“ kann per Jetpack selbst das schwierigste Terrain passieren und eignet sich hervorragend für Flankenangriffe. Der „Sanitäter“ kann verbündete Soldaten heilen und wiederleben und nimmt somit die wichtigste Rolle im Spiel ein. Der „Ingenieur“ wiederum repariert Fahrzeuge und kann die Munitionsreserven anderer Spieler wieder auffüllen. Die letzte reguläre Klasse, die „Schwere Angriffseinheit“, kann mit ihrem Raketenwerfer nicht nur Fahrzeugen gefährlich werden, sondern dank ihres zusätzlichen Schutzschilds auch noch richtig viel einstecken.

Sanitäter sind durch ihre Fähigkeit zum Wiederbeleben gefallener Soldaten unerlässlich für jede Armee. Der Getötete kann die Wiederbelebung allerdings auch ablehnen, wenn er lieber an einem anderen Spawnpunkt einsteigen möchte. 

Weiterhin gibt es auch noch die sogenannte „MAX-Einheit“. Dabei handelt es sich um einen Anzug, der extrem viel aushält und ganze Gegnerhorden niedermähen kann. Die MAX-Einheit wird jedoch wie Fahrzeuge mit der Währung „Naniten“ gekauft. Diese regeneriert sich automatisch und dient dazu, Einheitenspam zu vermeiden. Apropos: Es gibt insgesamt fünf Bodenfahrzeuge und vier Flugzeuge, die man an bestimmten Terminals spawnen kann. Diese sind in den Händen eines erfahrenen Spielers ausgesprochen mächtig, Neueinsteiger hingegen werden mit einer steilen Lernkurve konfrontiert.

Wie steht es mit der Langzeitmotivation?

Generell wird man am Anfang von PlanetSide nur wenig Land sehen. Das reine Shootergameplay unterscheidet sich im Kern zwar nicht allzu sehr von anderen Genrevertretern – wir besitzen eine Primär- sowie eine Sekundärwaffe, können Granaten werfen, uns ducken, sprinten etc. –, aber schon bei der Gesundheit kommen leichte Unterschiede auf. Wir verfügen nämlich neben unserem normalen Gesundheitspool, der sich nicht automatisch regeneriert, noch über einen Körperschild, der eben genau dies tut. Folglich halten wir mehr aus als in herkömmlichen Shootern, die time to kill ist sehr lang. Daher ist es von großer Wichtigkeit, auf die Köpfe der Feinde zu zielen, da es starke Schadensmultiplikatoren gibt. Diese Präzision hat man als neuer Spieler aber einfach noch nicht, gerade über längere Distanzen. Veteranen freuen sich aus diesem Grund auch immer über Neulinge, da sie gefundenes Fressen sind. Die bereits angesprochene Lernkurve ist zwar nicht einfach zu bewältigen, aber es ist gleichzeitig sehr befriedigend, die eigenen Fortschritte zu beobachten.

Mit Zertifizierungspunkten schalten wir neue Waffen frei. Alternativ können wir sie uns auch mit Echtgeld erkaufen. Ob in diesem Spiel Pay2Win vorliegt, ist definitionsabhängig. So gibt es etwa Booster, die zahlenden Spielern mehr Erfahrungspunkte einbringen, man kann aber alle relevanten Inhalte durch grinding freischalten.

Ich habe seit Veröffentlichung des Spiels mehrere hundert Stunden in PlanetSide 2 verbracht, in den letzten Monaten immerhin ein paar Dutzend. Nun bin ich allerdings an dem Punkt, wo mir langsam die Motivation ausgeht. Dazu müssen Sie wissen, dass der Fortschritt in PlanetSide hauptsächlich über Zertifizierungspunkte abläuft, die wir durch das Sammeln von Erfahrungspunkten anhäufen. Zertifizierungspunkte können wir dann in neue Waffen, Aufsätze oder Upgrades für unsere Fahrzeuge oder unseren Soldaten investieren. Am Anfang macht es richtig viel Spaß, die Zert-Punkte zu ergattern, denn wir haben klare Ziele vor der Nase. So wollte ich am Anfang unbedingt das Heilgerät des Sanitäters auf die Maximalstufe bringen und mir ein paar neue Bleispritzen zulegen. Nachdem dies erledigt war, kamen mir die restlichen Upgrades und Neuanschaffungen jedoch eher zweitrangig vor. Warum sollte ich mir noch eine neue Waffe kaufen, wenn die auch nicht besser ist als meine aktuelle?

So geht Teamplay!

PlanetSide 2 hat ein Problem mit seiner Spielerbindung. Nach jedem großen Update kommen zwar viele Spieler zurück auf die Server, jedoch immer nur für kurze Zeit. Man hat einfach zu schnell alles gesehen. Die anfängliche Euphorie flaut ab, stattdessen bemerkt man mit zunehmender Erfahrung eher den oft auftretenden Leerlauf des Spiels. Etwa wenn man eine Basis einnimmt und partout kein Gegner auftauchen will. Dann wartet man eben minutenlang am Kontrollpunkt, bis die Einrichtung in den eigenen Besitz übergeht. PlanetSide stellt sich auch oft bei einfachen Dingen selbst ein Bein, nehmen wir einmal den Aufbau der Basen. Stellenweise ist der Spawnpunkt so angeordnet, dass ihn das feindliche Team mit Panzern, Flugzeugen und Infanterie gleichzeitig unter Beschuss nehmen kann. Die Verteidiger hocken dann zwar einigermaßen sicher im Spawnhaus, aber kommen dort auch nicht mehr heraus, weil sie sofort pulverisiert werden, sobald sie einen Schritt vor die Tür machen. Fast noch schlimmer: Die sogenannten „Eindämmungsanlagen“ auf Esamir, unter denen jeweils ein riesiger Untergrundkomplex verläuft, in dem sich die Kontrollpunkte befinden. Klingt erst einmal cool, allerdings ist es enorm schwer, sich in den Eindämmungsanlagen zurechtzufinden, geschweige denn auf Gegner zu stoßen.

Natürlich kann man auch als einsamer Wolf spielen, maximale Effektivität erreicht man aber nur mit einem Trupp. Wehe dem, der gegen ein eingespieltes Team antreten muss. 

Ich möchte jedoch auf einer positiven Note enden und einen der besten Aspekte von PlanetSide 2 ansprechen: sein Teamspiel. Damit es nicht in einem kompletten Chaos endet, wenn hunderte Spieler aufeinander treffen, gibt es die Möglichkeit, Trupps und übergeordnete Platoons zu formen. Die Anführer können dann den Truppmitgliedern per Markierungen und Rauchgranaten Anweisungen geben. Doch auch im kleineren Maßstab wird das Zusammenspielen belohnt. So ist der Sanitäter die beste Klasse, um Zertifizierungspunkte zu sammeln, weil er sich aus den eigentlichen Kämpfen heraushalten und einfach nur die Verbündeten wiederbeleben kann, was so viele Erfahrungspunkte gibt wie ein Kill. Ein weiterer integraler Bestandteil des Spiels ist das Fahrzeug namens „Sunderer“, welches als mobiler Spawnpunkt für freundliche Spieler dient. Für jeden Spawn bekommt der Fahrzeugführer XP. Generell sind Fahrzeuge die Manifestation des Zusammenspielens. Wenn man einmal das Glück hat, in einem Flugzeug mit fähigen Piloten und Kanonieren zu sitzen, weiß, wie wichtig und spaßig Teamplay sein kann.

Fazit

PlanetSide 2 sticht mit seinem innovativen Ansatz angenehm aus der Masse der Online-Shooter hervor. Was hier an optischem und spielerischem Spektakel geboten wird, ist in dieser Form noch unerreicht. Die Möglichkeiten zum Teamspiel sind hervorragend, die strategische Komponente ist interessant und die vielschichtigen Kämpfe (Infanterie, Fahrzeuge und Flugzeuge) sind sowieso unheimlich cool. Da ist es extrem schade, wenn das Spiel durch solch unnötige Probleme wie die Rotation der Kontinente oder den Aufbau der Basen heruntergezogen wird. Auch bei der Motivation im Mid- und Lategame hapert es, weshalb viele Spieler nach einigen Wochen wieder abspringen. PlanetSide 2 hat das Zeug, ein wirklich, wirklich gutes Spiel zu werden, aber so reicht es nur gerade noch für eine 80.

Jetzt eigenen Artikel veröffentlichen

Schreib Deinen eigenen Artikel auf GameStar und tausche Dich mit anderen Lesern aus.

Eigenen Artikel schreiben

Wertung
Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher schwer

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 100 Stunden



Kommentare(0)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.