Filmreife Geschichte mit Shooter-Elemten

Bioshock Infinite, Hauptspiel Story: Der ehemalige Pinkerton-Agent und Kriegsveteran Booker DeWitt wird engagiert, um ein junges Mädchen namens Elizabeth...

von ck001 am: 01.07.2014

Bioshock Infinite, Hauptspiel

Story:

Der ehemalige Pinkerton-Agent und Kriegsveteran Booker DeWitt wird engagiert, um ein junges Mädchen namens Elizabeth aus einer Stadt in den Wolken zu holen. Im Laufe der Geschichte wird deutlich, dass die Stadt, Columbia genannt, nur auf dem ersten Blick ein Garten Eden zu sein scheint, in dem alle Menschen glücklich sind; der Wohlstand basiert auf einer einfachen Regel, diejenigen mit weißer Hautfarbe dürfen sich an ihrem Leben erfreuen, alle anderen bestenfalls arbeiten, bis sie sterben. Zudem scheint auch der Gründer dieses Utopias, ein alter Mann namens Comstock, sehr darauf bedacht zu sein, seine Geheimnisse und sein Kind Elizabeth vor Booker zu schützen. Und dann wäre dann auch noch eine monströse geflügelte Kreatur, die ebenfalls alles unternimmt, um Bookers Pläne zu verhindern.

Im Endeffekt könnte man die Geschichte noch weiter ausführen, denn etliche Handlungsstränge tauchen während des Spieles auf und werden in alter Bioshock-Manier auch mittels Tonbandaufzeichnungen weitergeführt.

Missionen:

Diese sind eng mit der Story verbunden, mal gilt es, aus einem Bereich zu entkommen, mal wieder eine Person zu finden, nachdem diese allerdings nicht am vereinbarten Platz angetroffen werden kann, begibt man sich auf die Suche nach ihr und und und. Irgendwie hatte ich mitunter nicht das Gefühl, tatsächlich fertig werden zu können, da sich immer wieder ein neues Problem auftat, das behoben werden musste. Auch hier folgen die Missionen bekanntem Design, anfangs noch eine "gewöhnliche" Reise, entwickeln sich die Missionen wie auch die Geschichte wie ein Abstieg in die Abgründe des Wahnsinns, so tauchen in der zweiten Hälfte vermehrt auch geisthafte Wesen auf.

Jedenfalls ist das Design fast streng linear, einmal besuchte Orte werden im Verlauf der Geschichte nicht wieder besucht, dafür bieten die Orte auch versteckte Räume mit zahlreichen Goodies, Hintergrundinfos und Achievements und laden somit zum Erkunden ein.

Gameplay:

Im Herzen bleibt Infinite ein Shooter mit der damit einhergehenden Steuerung. Eine temporeiche Abwechslung bieten die sogenannten "Skylines", in denen sich Booker (und auch Elizabeth) einhaken können, um voranzukommen oder auch Feinde bekämpfen zu können. Was am ersten Blick unübersichtlich und kompliziert wirkt, wurde im Spiel mit einem einfachen Druck auf die Leertaste gelöst, was sich auch recht flott spielt.

Die aus Bioshock bekannten Plasmide heißen anders (Vigors), funktionieren aber nach dem selben Prinzip (man kann sowohl Waffe als auch Vigor gleichzeitig einsetzen), verschießen also ebenso Blitze (kann durch Wasserpfützen verstärkt werden), heben die Feinde in die Luft und machen sie somit wehrlos usw. Effektiv ist auch die Kraft, bei der ein Feind umgepolt wird und für kurze Zeit auf Bookers Seite steht, aufgewertet begeht ein menschlicher Widersacher (Bossgegner ausgenommen) nach Ablauf der Zeit Selbstmord, auch gegen Ende hin konnte ich somit ganze Gegnergruppen auslöschen, ohne einen Schuss abzufeuern. Ja, Infinite ist wie auch der erste Teil auf der Stufe "normal" nicht allzu schwer (dafür recht brutal), zumal Elizabeth Booker im Kampf mit Toniken und Munition versorgt und in ruhigeren Momenten auch immer wieder mal Geld zuwirft und auf besondere Gegenstände hinweist.

Durch ihre Begleitung wird das Spielerlebnis nicht nur einfacher, es fühlt sich auch lebendiger an, die Konversationen zwischen Elizabeth und Booker heben das Erlebnis auf eine neue Stufe. Ich muss auch sagen, dass ich zu denjenigen zähle, die es schätzen, wenn die Spielfigur immer wieder mal etwas von sich gibt und somit auch die Geschichte und Charakterentwicklung vorantreibt, schweigsame Helden stellen für mich ein Relikt aus grauer Videospielvorzeit dar und sagen mir so gar nicht zu (sofern es nicht grad zur Figur passt). Apropos, dem streng linearen Charakter entsprechend gibt es auch keine Entscheidungsmöglichkeiten, zumindest könnte ich mich nicht daran erinnern.

Meine Spieldauer beträgt laut Steam 12 Stunden, habe sehr wohl nach Secrets gesucht, aber dennoch nicht alle gefunden (bspw. Audiodateien, was ich besonders hinsichtlich des Endes bedaure, bieten sie doch relevante Informationen zur Geschichte).

Technik:

Mein Computer stammt aus dem Jahre 2009, zum Glück ist das verwendete Grafikgerüst in seinen Grundzügen ebenfalls so alt (oder sogar älter?). Die Konfiguration aus Win 7/64, Intel i5-750, Radeon HD5770 und 4 GB konnte das Spiel auf mittlerem Niveau ohne Ruckler stemmen, denke auch, dass da noch mehr drin gewesen wäre. Die Grafik fand ich aber auch so sehr schön anzusehen, dass die Figuren und Farbgebung comichaft wirken ist eine Eigenheit der Serie und am ersten Blick gewöhnungsbedürftig, immerhin wirkt Elizabeth nicht ganz so deformiert wie noch die Little Sisters. Ein Crysis sollte man nicht erwarten.

Anm.: Bei Burial At Sea (Test siehe weiter unten) habe ich die Qualität auf "Hoch" gestellt, einige wenige Ruckler traten auf, aber sonst lief alles flüssig. Ich muss aber auch sagen, dass ich während des Spiels keinen nennenswerten Unterschiede feststellen konnte.

Abschluss:

Mindfuck. So würde ich das Ende beschreiben. Es hat mich auch Stunden später noch beschäftigt und ich muss zugeben, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich es tatsächlich verstanden habe, meine aber auch, dass es Raum für Interpretationen lässt, zumal auch viele Fragen nicht vollständig geklärt werden (bspw. die Herkunft des Songbirds, aber wie bereits bemerkt fehlen mir auch einige Audiologs). Den Machern ist es abermals gelungen, den Spieler über vieles im Verlauf der Story im Unklaren zu lassen und erst gegen Ende hin die Fäden zu verknüpfen, wenn auch nicht alle Unklarheiten und Mysterien aufgeklärt werden - und das gefällt mir, sehr sogar. Auch ein vermeintliches Easter-Egg (eine Melodie an einem Strand und später auch weitere) entpuppte sich als Teil der Geschichte, immerhin wollen manche Mädchen nur ihren Spaß haben ...

Der einzige Wehrmutstropfen: Die Genialität des Twists des ersten Bioshock wurde meines Erachtens nicht erreicht, dafür fallen emotionale Bindung und auch Spielgefühl erheblich besser aus, somit stufe ich Infinite höher ein als noch den ersten Teil - und auch der Untertitel bekommt mit dem Ende Gewicht und Bedeutung.

 

Burial At Sea Episode 1 und 2

Anscheinend kann man für die DLC keinen eigenen Eintrag machen, möchte aber doch zwischen dem Hauptspiel und dem Story-Content unterscheiden. Das betrifft weniger Episode 1, denn die gleicht punkto Gameplay dem Hauptspiel wie ein Ei dem anderen, mal davon abgesehen, dass es in Rapture spielt und weiterer variabler Elemente.

Episode 2 hingegen vollzieht einen Wandel, nicht nur, was die Spielfigur anbelangt, auch liegt hier spielerisch der Fokus eindeutig auf Schleichen, in Kombination mit dem, nach Upgrade auch Eve-frei funktionierendem Plasmid, das dem Spieler erlaubt, durch Wände zu sehen. Das Spielgefühl erinnert hierbei stark an die Arkham-Teile, nicht zuletzt aufgrund der Möglichkeit, sich an Haken an der Decke festzuhalten und Gegner auszuspionieren, was dazu führt, dass man anhand eines Screenshots nicht zu sagen vermag, welches Spiel hier vorliegt; bedauerlicherweise vermittelt BAS nicht dessen Spielbarkeit.

Zum einen fehlen Elizabeth die anderen Gadgets, um Feinde zu überrumpeln, zum anderen sind ihre Möglichkeiten betreffend alternativer Routen eingeschränkt. Zum anderen - und das hat mich wirklich genervt - werden Gegner recycled, einmal geräumte Bereiche werden zuverlässig wieder mit Feinden gefüllt - gut, das kam auch bei Batman vor, aber dort konnte man die Burschen auch stylish, unterhaltsam und mit guten Erfolgsaussichten verkloppen, für Elizabeth reichen zwei Schläge, dass sie vorzeitig ihrer eigenen Seebestattung beiwohnt. Zu Gute halte ich, dass Geräusche eine größere Rolle spielen, Teppiche dämpfen Geräusche, während man sich bei Laufen und Betreten von Glasscherben und Wasser (?) und zu langem Verweilen an zuvor erwähnten Haken gleich eine Zielscheibe aufmalen könnte. Alternativ kann man die Goons mit Revolver, etc. ausschalten oder mittels der neuen Armbrust und diversen Pfeilen betäuben. Hinsichtlich der Geschichte wird der Grund für den gewaltloseren Ansatz plausibel vermittelt und den habe ich mit Ausnahme weniger umgepolter Gegner und Geschütztürme auch verfolgt - anders wäre es unter Umständen leichter gewesen.

Sonstiges: Spieldauer für beide Episoden 6 Stunden. Ein spielstoppender Bug (nicht öffnende Tür) war nach Neuladen behoben. 

Überhaupt scheint mir die Fortführung der Geschichte und die Verknüpfung zweier Utopien der einzige Grund zu sein, die DLCs zu spielen. Ich muss dem Test von Gamestar aber entgegenhalten: Ich fand das ursprüngliche Ende, obwohl ich mit Fragen zurückgelassen wurde, besser, ergreifender und ja, Burial At Sea klärt viele offene Fragen und das Finale ist auch gut, zweifellos - aus meiner Sicht eben schlechter, aber das auf hohem Niveau.

Abschließend würde ich Burial At Sea mit 85 Punkten bewerten. Episode 1 baut nicht genug Spannung auf und die Spielmechanik von Episode 2, auch wenn sie durchaus zum Setting passt, spielt sich nicht flüssig genug. Aber, und hier stimme ich dem GS-Test zu, wer sich vorrangig für die Geschichte der Serie interessiert, kommt um diesen DLC nicht herum. 

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Wertung
Pro und Kontra
  • Geschichte und Erzählung
  • stimmiger und ressourcenschonender Grafikstil
  • flotte Kämpfe, gute Bedienung
  • wenig Level-Recycling
  • angemessene Spielzeit ohne längeren Leerlauf ...
  • ... sofern man automatisch ablaufende Dialoge mit damit einhergehenden Ruhepausen vom Kämpfen mag
  • lineare Levels, künstliche und unsichtbare Grenzen
  • keine Entscheidungsmöglichkeiten
  • kaum Wiederspielwert

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 10, weniger als 20 Stunden



Kommentare(2)

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