Großartiger, aber teils unausgereifter Rollenspielgigant !

Viele sind bezüglich des neuesten Rollenspielflaggschiffes Gothic 4 nicht ganz zweifellos, was die alten Tugenden und die Qualität der Serie anbelangt.Kein...

von - Gast - am: 25.06.2008


Viele sind bezüglich des neuesten Rollenspielflaggschiffes Gothic 4 nicht ganz zweifellos, was die alten Tugenden und die Qualität der Serie anbelangt.
Kein Wunder, Skepsis ist beim Entwickler Spellbound selbst nicht unbedingt nötig, begründet wird sie aber eher durch die Genrespezialisierung des Teams : Strategiespiele !
Doch dass das nicht zwangsläufig bedeutet, dass es kein vernünftiges Rollenspiel werden kann, hat der Entwickler Reality Pump 2007 schon mit diesem
Mammutprojekt bewiesen :

Two Worlds

Gold, Silber oder Bronze ?


Dass viele Leute auf das Thema 'Fremdgehen' nicht gut zu sprechen sind, ist allgemein bekannt, doch wie soll man sich erst verhalten, wenn die eigene Schwester von mysteriösen, mantelbewehrten Gestalten entführt wird ?
Richtig, man sucht sich ein fettes Schwert und haut den Enführern auf´s Maul ! So in etwa geht´s in der sehr 'gewaltbeherrschten' Welt von Gothic zu, wer frech wird, muss dran Glauben !
In Two Worlds allerdings ist es eher ein Wechselbad, denn mal metzelt man riesige Feindgruppen ohne einen einzigen Heiltrank nieder, später wiederum muss man vor einem einzigen Wolf flüchten - so viel zur Balance des Spiels.
Dennoch, durch die fleißige Nachreiche wirkungsvoller Patches seitens Reality Pump und dem offenbar sehr großzügigen Publishers Zuxxez, hat sich die maue Balance deutlich gebessert und ist auf Normalniveau einzuordnen.
Mit der Beschreibung von eben ist im Endeffekt alles gesagt, was die früher grottige Balance des Spiels angeht. Im Wertungsbereich muss sich ein Tester natürlich auf die Verkaufsfassung
des Spiels beziehen, im Testtext selbst werden natürlich negative Aspekte der früheren Balance, und deren Verbesserungen genannt, schließlich hat sich Two Worlds durch den löblichen Patch-Support deutlich verbessert.

Die zuvor beschriebene Vorgehensweise ist rollenspieltypisch eine Sache der Unmöglichkeit.
Also bleibt nur eine Option : Training
Und weil das ewige Herumbolzen auf Monsterklonen selbst in Diablo irgendwann langweilig wird, braucht der Spieler etwas, was ihn beschäftigt hält !
Dazu breiten Entwickler und Hersteller eine riesige, hübsche Spielwelt, satte 350 Quests, unzählige Waffen, Rüstungen und Items, sowie unglaublich viele Orte, wo es was zu entdecken gibt, vor den Füßen der Spieler aus.
Erfreulich ist dabei die Tatsache, dass Two Worlds viele andere Wege geht als die Genre-Konkurrenten a´la Gothic 3 und Oblivion.
Es beginnt bereits beim fantastischen, optisch sehr hübschen Inventar des Spiels.
Es erinnert farblich an das aus Oblivion, und vom Aufbau her, an das aus Gothic 3.
Auch mit dem Itemstandard des typischen Rollenspielregelwerks, anhand dessen man eigene Waffen verzaubern und verbessern (lassen) kann, bricht Two Worlds - hier lassen sich sogar die Waffen selbst untereinander sockeln, das heißt, dass man 2 Waffen des exakt gleichen Typs im Inventar übereinanderziehen und somit vereinen kann.
Dadurch verbessern sich die Attribute der Waffe zwar nur geringfügig, es können aber beliebig viele gleiche Exemplare gesockelt, und auf diese Weise zum übereffektiven Prügelwerkzeug gemacht werden, da das auch für das Verzaubern mit Zaubersteinen gilt, die magischen Schaden dazuaddieren, ist das ein leichter Weg, den fetten und übermächtigen Bären auf der folgenden Straßenkreuzung zu vernichten, gegen den die gleiche Waffe einige Minuten zuvor noch fast vollkommen nutzlos war.
Diese extremen Tuningmaßnahmen, sind durch das häufige Auffinden der oftmals gleich aufgebauten Lager eines bestimmten Gegnertyps mit der gewünschten Waffe, auch zu leicht durchzuführen - ein weiterhin bestehendes Balancingproblem !

Geh arbeiten, Mann !!!

Wer nach maximal 200 Spielstunden mit einem durchtrainierten, mit gutaussehenden Rüstungen gerüsteten und mit einer mächtigen Klinge bewaffneten Level 100-Helden seine Dominanz genießen will, muss sich allerdings in der vor Problemen überquellenden Fantasywelt Antaloornützlich machen und sich einen Namen in der Bürgerschaft verschaffen.
Reality Pump hat keinen Mühen gescheut und beeindruckende Zahlenfakten geschaffen :

- ca. 30 Quadratkilometer große Spielwelt ( Oblivion : 40 Quadratkilometer )
- 350 Quests
- knapp 100 Zauber
- etwa 300 verschiedene Items

Um sich bei diesen beeindruckenden Ausmaßen auch zurecht zu finden, haben die Entwickler eine fantastische Karte mit Anzeigefilter, Zoomfunktion und Questsymbolen in das Spiel integriert.
Die Spielwelt ist wie in Oblivion und Gothic 3 von Beginn des Spiels an absolut frei begehbar, in den geschichtlich erst später bekannten Gebieten schieben die übermächtigen Monster dem Spieler allerdings schnell einen Riegel vor !
Demnach ist es ratsam sich anfangs im Wald rund um den Anfangsdungeon aufzuhalten, doch selbst hier gibt es wahre Übermächte - die Bären, Wildschwein-/ und Wolfsrudel !
Hier versagt die auch hier verbesserte Balance in der Verkaufsversion völlig - viel zu oft wird man von den genannten Gegnern über den Jordan geprügelt.
Dazu trägt das unpräzise Klickorgien-Kampfsystem, das allerdings teils hübsch animiert ist, leider seinen Teil bei !
Gegen diesen Frustauslöser hat sich Reality Pump allerdings einen kleinen, genialen Kniff einfallen lassen:
Wer im Kampf zu boden geht, wird am nächsten der in der Spielwelt zahlreich vorhandenen Gräber wiedergeboren.
Das spart Frust und Ladezeiten - dabei fallen die zwar recht häufig in den hübschen Städten des Spiels an, sind dank ihrer Kürze aber kein Motivations-/ und Athmosphärekiller. Wobei wir bereits bei einem der wichtigsten Qualitätsfaktoren eines solchen Spiels angekommen währen - der Athmosphäre !

Am I walking on sunshine ?

Für alle, die mit dem Wort 'Athmosphäre' nichts anfangen können : Es ist die Glaubwürdigkeit, die realistische Glaubwürdigkeit des Szenarios, das das Spiel zu simulieren versucht, und das ist ein wunder Punkt von Two Worlds.
Ich war von der geringen Vielfalt der einzelnen Wildniszonen zum Beispiel sehr enttäuscht.
Die Welt und deren Abschnitte an sich sind sehr abwechslungsreich und gestalterisch gut gelungen.
In den Zonen der besonders im Norden der Welt sehr ausgeprägten Wildnis selbst herrscht Wiederholungs-/ und Klonalarm.
Weder Flora noch Fauna bieten genug Abwechslung um glaubhafte Wälder zu simulieren, denn ständig rennt man an schnurgeraden, papierdünnen Gräsern vorbei, dessen Halme sich im Gegensatz zur Konkurrenz nicht einmal in verschieden Richtungen ausbreiten.
Zudem sieht man der 'Two Worlds-Engine' (tatsächlicher Name) einfach zu deutlich an, das sie mit dem verwendeten Speed Tree-Tool, das in der Welt zahlreiche Bäume und ähnliche Pflanzen verteilt, nicht gut harmoniert.
Die gesamte Vegetation baut sich maximal 20 Meter vor dem Spielcharakter, den man übrigens optisch frei gestalten kann, komplett sichbar auf - Realismus sieht anders aus, wobei es die beiden großen Konkurrenten (ebenfalls mit dem Speed Tree-Toll gestaltet) sehr gut vorgemacht haben.
Auch die Figuren leiden unter (durch Patches stark eingedämmten) KI-Problemen. Sie betreten ein Haus oder eine Hütte, drehen sofort kehrt und verlassen sie nach einer Sekunde wieder. Zudem leiden die Grenzbereiche der Spielwelt und jene die sich um Städte und Dörfer herum befinden, unter häufigen Grafikfehlern.
Oftmals verschwinden Texturen und ganze Mauern hängen in der Luft - da hat der starke Patch 1.4 allerdings schon viel Abhilfe geschafft.
Dennoch ist die Spielwelt insgesamt sehr abwechslungsreich und idyllisch gestaltet.
Zur Freude des Entdeckers wird man in der anfangs starken, später aber deutlich müderen Hauptquest durch nahezu alle Zonen der Spielwelt geschickt - das ist bei den beiden großen Konkurrenten lange nicht so konsequent der Fall.
Auch die Nebenquests, die in Anspruch und qualität zwar schwanken, aber sich deutlich über den Nebenaufträgen aus Gothic 3 absetzen, sind sehr gut gelungen und ideenreich.
Auch wenn sie nicht das fantastische Niveau eines Oblivion erreichen, sind sie sehr unterhaltsam.
In einem Auftrag fordern ein paar jüngere Soldaten, die Unterwäsche des Oberlegionärs zu klauen und am Flaggenmast aufzuziehen - sehr unterhaltsam und originell !

Nur das Beste für meine Kinder !

Kann sich Two Worlds als dritter in die Riege der 'großen' einordnen ?
Ja, es kann !
Wenn auch mit zahlreichen Macken, Bugs und Grafik-/ beziehungsweise Logikfehlern, aber dass Two Worlds ein fast rundum gelungenes Rollenspiel geworden ist liegt auf der Hand - eine riesige, hübsche Welt, zahlreiche Quests, eine insgesamt dennoch nette Geschichte und haufenweise Abwechslung im Spiel machen es zu einer tollen Alternative zu Oblivion und Gothic 3 !
Wer sich an den ganannten und anderen Macken nicht sonderlich stört, sollte zuschlagen !

Für alle, die sich nicht auf ein zweites, wenn auch lange nicht so umfangreiches Bug-/ und Mackenspektakel wie in Gothic 3 einlassen wollen, hier die Links zu den Patches 1.1 - 1.6 :

Version 1.1 :

http://rapidshare.com/files/40365525/1.1_tw.rar (eventuelles Passwort : john )

Version 1.2 :

http://rapidshare.com/files/40366051/1.2_tw.rar (eventuelles Passwort : john )

Version 1.3 :

http://rapidshare.com/files/40372587/1.3_tw.rar (eventuelles Passwort : john )

Version 1.4 :

http://rapidshare.com/files/40423975/1.4_tw.part1.rar (eventuelles Passwort : john )

http://rapidshare.com/files/40432605/1.4_tw.part2.rar (eventuelles Passwort : john )

Version 1.6 :

http://www.gamershell.com/download_22073.shtml

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Wertung
Pro und Kontra
  • Grafik: Gewaltige Kulisse, gute Monstermodelle, Weitsicht
  • Sound: Musik insgesamt passend, teils sehr gute Sprecher
  • Balance: Wiederbelebung an Schreingräbern
  • Atmosphäre: Gute Umgebungssounds im Wald, glaubhafte Synchro
  • Bedienung: Quicksave, Teleport, tolle Karte, eig. Teleporter
  • Umfang: Riesiges Antaloor, 350 Quests, sehr viele Items
  • Quests / Handlung: Überall verteilt, oft sehr originell, Abwechslung
  • Charaktersystem: Individuell stark anpassbar, kein Schlauchsystem
  • Kampfsystem: Nett animiert, Skills wie Zweithandwaffen mögl.
  • Items: Viele Items, Sockelsystem, gutes Alchemiesystem...
  • Grafik: Enormer Grafikaufbau, Vegetation, viele Grafikbugs
  • Sound: Musik auf Dauer abwechslungsarm und öde
  • Balance: Monster zu stark o. zu schwach, nie gleichwertig
  • Atmosphäre: Teils üble Vegetation, Grafikaufbau, KI-Bugs
  • Bedienung: Oft lange Questlaufw., üble Pferdekollisionsabfra.
  • Umfang: Seltene Such & Sammel-Quests sehr generisch
  • Quests / Handlung: Storyquest motiviert später kaum, Nivaeu schwankt
  • Charaktersystem: Manche Fähigkeiten sind sinnlos
  • Kampfsystem: Unpräzises, wüstes Gekloppe, null Taktik möglich
  • Items: Variation nur durch Zahlen, viele sinnlose Zutaten

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher leicht

Bugs:

Oft, regelmäßig

Spielzeit:

Mehr als 100 Stunden



Kommentare(3)

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