Großes Rollenspiel mit kleinen Schwächen

Man kombiniere die Epik von Herr der Ringe mit den Intrigen von Game of Thrones und einigen der besten Charaktere, die BioWare je erschaffen hat, und...

von Richard S. am: 27.07.2014

Man kombiniere die Epik von Herr der Ringe mit den Intrigen von Game of Thrones und einigen der besten Charaktere, die BioWare je erschaffen hat, und heraus kommt eines der besten Rollenspiele der letzten Jahre. Wenn auch leider nicht das Beste.

Wo komme ich her?

Rollenspielüblich beginnt Dragon Age mit der Charaktererstellung; heißt, Geschlecht, Rasse (Menschen, Elfen Zwerge) und Klasse (Krieger, Magier, Schurke) auswählen. Dann geht es daran, eine von sechs Herkunftsgeschichten auszuwählen (die namensgebenden "Origins"). Diese genialen, kleinen Geschichten, die die Herkunft des erstellten Charakters sowie dessen Beweggründe beleuchten, dienen als Tutorial und ziehen den Spieler in die Geschichte. Jede Herkunftsgeschichte erzählt eine eigene, kleine Handlung, die je nach gewählter Herkunft im späteren Spielverlauf entweder regelmäßig erwähnt wird oder sogar einzelne Hauptmissionen in einem neuen Blickwinkel beleuchtet. Nach etwa 30 bis 60 Minuten geht es dann an der Seite des Grauen Wächters Duncan in Richtung der Festung Ostagars und des eigentlichen Beginns der Handlung.

Wo gehe ich hin?

Im weiteren Spielverlauf besucht man dann mit bis zu drei Begleitern (dazu später mehr) unterschiedlichste Schauplätze, von verfallenen Ruinen über dichte Wälder bis hin zu verschneiten Bergdörfern; selbst ein, zwei Ausflüge ins "Nichts" (Dragon Ages Version von Traumwelt/Jenseits) sind dabei. Letztere werden aber schnell langweilig, vor allem, da das Nichts sehr eintönig ist und der wohl längste Ausflug mehrere Stunden in Anspruch nimmt, in denen der Hauptcharakter alleine unterwegs ist.

Was mache ich dort?

BioWare-typisch gilt es im Spielverlauf diverse Probleme auf unterschiedliche Arten zu lösen - von einer Untoten-Invasion bis hin zur Klärung der Königsnachfolge. Während sich einige Situationen durch Gespräche (und Einsatz der Überreden-Fähigkeit) lösen lassen, muss man doch häufiger kämpfen. Der Kampf läuft hintergründig rundenweise ab, heißt, die Kämpfer schlagen abwechselnd zu (ähnlich wie beispielsweise in SW:KotOR). Während Magier entweder Standardgeschosse aus ihrem Zauberstab abfeuern oder aber Zauber, wie Feuerbälle, Eiszauber, Unterstützungszauber oder Heilzauber einsetzen; schlagen Krieger mit Schwert und Schild, zweihändigen Waffen, zwei Waffen (eine pro Hand) im Nahkampf zu oder greifen mit Bogen oder Armbrust aus der Entfernung in den Kampf ein; wobei sie Spezialfähigkeiten einsetzen, von denen die meisten vom ausgewählten Waffentyp abhängen. Schurken dagegen stehen lediglich Zwei Waffen oder Bogen/Armbrust zur Verfügung, dafür verfügen sie über mehr Spezialfähigkeiten.
Im späteren Spielverlauf können sowohl der Held als auch seine Begleiter bis zu zwei Spezialisierungen erlernen (sofern diese freigeschaltet wurden), welche weitere Spezialfähigkeiten zur Verfügung stellen.

Wer kommt mit?

Im Verlaufe des Spiels sammelt man bis zu acht Begleiter um sich, von denen maximal drei zugleich den Helden begleiten; darunter der humorvolle Templer Alistair, die zynische Hexe Morrigan oder die religiöse Schurkin Leliana. Jeder Begleiter hat seine eigenen Ansichten, und falls der Spieler zu sehr gegen die Ansichten der Begleiter verstößt, kann es gar zu Trennungen oder tödlichen Auseinandersetzungen kommen. Auch mischen sich die Begleiter in Dialogen mit anderen Charakteren ein, um gegen einzelne Entscheidungen des Spielers zu protestieren.
Bioware-typisch kann man sich mit den Begleitern anfreunden oder auch Liebesbeziehungen aufzubauen; letztere werden auch von anderen Charakteren kommentiert.

Wie sieht es aus?

Die Grafik von Dragon Age: Origins ist stilsicher und hübsch; war jedoch schon bei Erscheinen etwas veraltet. Auch sind die Gesichtsanimationen nicht besonders ausdrucksstark (so kann man im Prinzip drei Gesichtsausdrücke feststellen: glücklich, neutral, traurig). Das fällt besonders in eigentlich dramatischen Momenten auf; wenn etwa ein Racheschwur mit neutralem Gesichtsausdruck abgegeben wird. Die gute Arbeit der Synchronsprecher kann zwar teilweise darüber hinwegtäuschen, reicht aber oft nicht aus, um auszugleichen.
Auch gibt es regelmäßig störende Grafikbugs, etwa schwebende Blutlachen oder festhängende Animationen.

Und wie finde ich das? (Fazit)

Großartige Charaktere, eine motivierende, wenn auch wenig einfallsreiche Handlung, tolle Nebenquests ... Dragon Age: Origins hat sehr viel Potenzial, nutzt dieses aber nicht vollständig aus. Der Wiederspielwert ist durch unterschiedliche Lösungswege und auch durch die genialen Origins sehr hoch; allerdings trüben die altbackene Grafik, diverse Bugs und der schwankende Schwierigkeitsgrad das Vergnügen. Wer gute Rollenspiele, intelligentes Storytelling oder großartige Nebencharaktere mag, kommt an Dragon Age aber trotzdem nicht vorbei.

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Wertung
Pro und Kontra
  • Story: großartige Charaktere, mehrere Lösungsmöglichkeiten, vier Enden
  • Atmosphäre: großteils großartig
  • Grafik: stilsicher
  • Sound: toller Soundtrack, großartige Sprecher
  • Umfang: hoher Wiederspielwert, viele Nebenquests
  • Gameplay: taktisch, generell gut gebalanced
  • Story: teils einfallslos
  • Atmosphäre: störende Bugs
  • Grafik: altbacken, Bugs
  • Sound: -
  • Umfang: -
  • Gameplay: vereinzelt übermächtige Zauber

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Häufiger, unregelmäßig

Spielzeit:

Mehr als 40, weniger als 100 Stunden



Kommentare(1)

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