Gute Rätsel und Bosskämpfe stehen diversen Schwächen gegenüber

Sudeki ist wirklich ein überraschendes Spiel. Was ziemlich früh auffällt ist neben dem nichts sagendem Titel der hohe Gewaltgrad für ein Spiel, das ab 12 Jahren...

von - Gast - am: 24.10.2009

Sudeki ist wirklich ein überraschendes Spiel. Was ziemlich früh auffällt ist neben dem nichts sagendem Titel der hohe Gewaltgrad für ein Spiel, das ab 12 Jahren freigegeben ist. Hier platzen Gegner an allen Ecken und Enden, wenn man es richtig anstellt und es bleiben dabei, nun ja, Bröckchen übrig. Dafür wurde das Spiel in der deutschen Version um eine Zwischensequenz gekürzt: Ausgerechnet der Film, der das große Finale einläutet, fehlt ganz, sodass es zu einem Anschlussfehler kommt, für den ein Regieassistent beim Film gefeuert gehört. Aber das ist nicht die einzige Ungereimtheit in diesem Japano-Rollenspiel.

Story? – Nebensache.

Kurz zur Geschichte: Die Welt Illumina wird aus der Parallelwelt Akloria angegriffen. Um die Angriffe zu stoppen, soll eine Abwehr errichtet werden, welche nur durch Kristalle aktiviert werden kann. So macht sich also eine Heldentruppe auf, um die Kristalle in Illumina und später auch in Akloria zu finden. Soweit zur Geschichte, ohne zu weit vorgreifen zu wollen.
Zwar ist die Handlung in Zwischensequenzen erzählt, aber die sind meist langweilig, da hier oft nur Gespräche zwischen den Charakteren gezeigt werden (manche Gespräche sind sogar so nebensächlich, dass man sie auch gleich hätte weglassen können, z.B. einen Streit zwischen Tal und seinem Vater am Anfang des Spiels). Dazu sind auch die Hintergründe, wie es zu der Situation kommen konnte, dass Illumina angegriffen wird, ziemlich verworren, sodass die Namen der Götter und Charaktere (typischerweise schlecht zu merken, da japanisch) einen ganz aussteigen lassen.

Kampfsystem? – Ganz nett.

Zu Ihrer Heldentruppe gehören die meiste Zeit des Spiels über die Charaktere Tal (der „eigentliche“ Hauptcharakter des Spiels), Ailish (Tochter der Königin von Illumina), Buki (Bewohnerin des Dorfes Shadani-Mo) und Elco (Wissenschaftler der Königin), jedoch sind Sie auch öfters mit einem Teil oder auch nur mit einem einzigen Charakter unterwegs. Direkt steuern Sie aber stets nur einen Charakter, während die anderen von der KI übernommen werden, wobei man aber auch meistens per Tastendruck den Charakter wechseln kann, praktischerweise funktioniert das auch in Kämpfen.
Wo Kämpfe stattfinden, ist eigentlich immer gut schon im Vorhinein einsehbar. Wo viel Platz ist, wird auch gekämpft. Betreten Sie dieses Areal, werden die Ausgänge verschlossen und der Kampf geht los. Nun kommt es darauf an, ob Sie Fernkämpfer oder Nahkämpfer spielen, denn hier entpuppt sich das Spiel als Zwitter. Bei Elco und Ailish schaltet das Spiel in die Egoperspektive (der Rest des Spiels aus der 3rd-Person-Ansicht gespielt wird), sodass Sie nun mit Pistolen (Elco) oder Zauberstäben (Ailish) auf die Gegner aktiv zielen und schießen.
Tal und Buki gehen hingegen auf Tuchfühlung mit Schwertern (Tal) bzw. Klauen (Buki). Hier ist vor allem das Combosystem erwähnenswert. Mit linker und rechter Maustaste führt man Schläge aus, von denen man drei beim richtigen Timing zu einer Combo zusammenziehen kann, sodass der dritte Schlag besonders heftig ausfällt.
Das System krankt jedoch daran, dass man es als Fernkämpfer in den Kämpfen deutlich leichter hat, da man in der Bewegung schießen kann und dadurch auch rückwärts stets vor den Gegnern weglaufen kann. Als Nahkämpfer ist der Feindkontakt hingegen unvermeidbar. Ihr übrigstes tut auch noch die KI dazu, denn während die Nahkämpfer noch halbwegs intelligent sind und den gegnerischen Attacken ganz gut ausweichen, sterben die Fernkämpfer schnell weg, da sie sich zu leicht in Kämpfe verwickeln lassen.

Steuerung? – Konsolenartig.

Generell ist die Steuerung recht eingängig. Mit WASD laufen und mit der Maus die Aktionen durchführen. Hakelig wird es, wenn man den Menüs ausgeliefert ist, was etwas häufig passiert. Hier merkt man dem Spiel an, dass es auch auf der Xbox erschienen ist. Alleine im Hauptmenü gibt es keinen Unterpunkt für die technischen Optionen, da man Grafikeinstellungen vor Spielstart anwählen muss.
Innerhalb des eigentlichen Spiels gibt es dann noch das allgemeine Menü und das Schnellmenü. Im ersteren werden alle Menüs zusammengefasst, die man sonst aus Rollenspielen kennt wie Karte, Inventar, Questlog und die Charaktereigenschaften und das Anwählen der Bereiche funktioniert über Buttons am unteren Bildschirmrand ähnlich wie in Oblivion. Jedoch fehlt hier die Maussteuerung, sodass das Anwählen eines bestimmten Punktes sehr umständlich ist.
Im Schnellmenü, das Sie im Kampf aufrufen können (im Gegensatz zum allgemeinen Menü), können Sie die Dinge auswählen, die Sie auch im Kampf benötigen wie Waffenwechsel, Spezialattacken oder Heiltränke. Dabei bleibt der Rest des Geschehens (das ansonsten in Echtzeit abläuft) nahezu stehen, damit Sie nicht unnötig rumtrödeln, aber dennoch genug Zeit haben, um Ihre Aktionen durchzuführen.
Blöd: Durch das Kurzmenü entfallen die meisten Hotkeys, nur für Tränke bleiben insgesamt vier Slots übrig (hat das wer Konsolenumsetzung gehustet?). Sie sind also gezwungen, sich mit der Menüsteuerung auseinanderzusetzen.

Charaktersystem? – Unausgegoren.

In Kämpfen erhält man pro Gegner Erfahrung und steigt im Level auf. Soweit, so Rollenspiel. In Sudeki können Sie pro Level punkte auf verschiedene Attribute und Spezialattacken, die dadurch verbessert werden. Jedoch kann man sich hier extrem leicht verskillen bzw. einige Skills sind deutlich nützlicher als andere. Wer seine Helden recht ausgeglichen entwickeln lässt, der ist deutlich im Hintertreffen, da die Gegner im Kampf recht viel Lebensenergie abziehen können und Ihre Kameraden nur dann Spezialattacken durchführen, wenn Sie zu diesem Charakter wechseln und sie manuell ausführen. Deutlich einfacher hat man es, wenn man möglichst viele Punkte auf Lebensenergie packt, sodass man sich nicht ständig darum kümmern muss, dass die Truppe ständig mit Heiltränken versorgt ist (die KI nimmt nämlich bis zum bitteren Ende keinerlei Heiltränke von alleine).
Umso ärgerlicher ist es dann, dass nach etwa acht Stunden bei einer Hauptquest drei Ihrer Helden ausgetauscht werden. Die neuen Helden sind aber natürlich anders entwickelt, sodass sie zwar auf einem ähnlichen Level sind wie Ihre eigenen Helden, aber im Kampf weniger aushalten.
Zu allem Überfluss hat Sudeki eine sinnlose Beschränkung bei Tränken, sie dürfen nämlich je nach Trank nur eine bestimmte Anzahl mitnehmen (vom schwächsten Heiltrank etwa nur zwölf). Umso dämlicher ist dieses Limit, weil es unabhängig davon ist, ob man nun alleine unterwegs ist oder mit allen vier Helden.
Mal davon abgesehen verhalten sich die Charaktere in den Zwischensequenzen sehr klischeehaft: Tal spielt sich als großer Held auf, Elco zweifelt an allem Übernatürlichem und traut nur seiner Wissenschaft, Buki tut alles um ihr Dorf zu retten und Ailish ist die verwöhnte Prinzessinnengöre. Identifikation gleich null.

Inventar? – Mittelmäßig.

Neben der unlogischen Beschränkung im Inventar gibt es hier noch weitere Schwachpunkte. Es gibt etwa nur eine handvoll Waffen und Rüstungen. Gerade bei den Nahkampfwaffen hätte man mehr draus machen können, denn die unterscheiden sich nur im Stärkewert und in der Wahrscheinlichkeit für einen kritischen Treffer (beide Werte sind übrigens unsinnig bezeichnet). Im Gegensatz dazu muss man bei den Fernkampfwaffen beachten, wie lange die Aufladezeit ist und ob die Waffe auch durch mehrere Gegner durch schießen kann. So kann man also Waffen einsetzen, die eher schwach sind, aber so schnell wie ein Maschinengewehr oder welche, die langsam schießen, aber dafür auch zwei oder drei Gegner auf einmal stark verletzen.
Nett: Jede Waffe und Rüstung lässt sich beim Schmied verstärken, wodurch man Boni erhält wie höheren Schaden oder einen Gesundheitsbonus pro Treffer, wobei auch hier gilt, dass eine Sockelungen deutlich nützlicher sind als andere, was nicht unbedingt mit den Preisen der verschiedenen Boni zusammenhängt.
Wenn man Gegner besiegt, lassen diese teilweise auch recht nützliche Gegenstände fallen wie etwa Heiltränke, dabei sind aber auch Felle und Edelsteine, die man aber nicht weiterbenutzen kann. Stattdessen können Sie diese Gegenstände nur verkaufen oder bei Quests einlösen.

Quests? – Wechselbad.

Die Qualitätsunterschiede zwischen Haupt- und Nebenquests sind enorm. Die Hauptaufgaben führen Sie in alle Bereiche der insgesamt drei Welten, die allesamt jedoch recht klein ausfallen, wobei Sie jedoch oft den gleichen Aufbau haben: Gehe zu jenem Punkt und hole bestimmten Gegenstand. Aufgelockert wird dies jedoch durch nette, aber doch recht simple Rätsel. Hierbei kommen die verschiedenen Fähigkeiten der Charaktere zum Einsatz. Tal kann Kisten verschieben, Ailish kann Verzauberungen auflösen, Buki klettert an Wänden hoch und Elco fliegt mit seinem Jetpack zwischen Plattformen hin und her. Zwar ist oft nur ein Charakter nötig für die Lösung, dennoch ist es eine schöne Abwechslung, zumal das Spiel die Lösung der Rätsel ebenfalls mit Erfahrungspunkten belohnt.
In manchen Dungeons erwartet Sie am Ende noch ein Bossgegner, den Sie oft nur mit einem einzigen Charakter besiegen dürfen. Hierbei müssen Sie eine Schwachstelle Ihres Gegners herausfinden und diese ausnutzen. Die Kämpfe bereichern das Spiel ungemein, da sie meist recht spannend inszeniert sind. Noch besser wäre es aber noch gewesen, wenn die Bosse öfters Ihre Angriffsstrategie wechseln würden.
Im Gegensatz dazu stehen die wenigen und langweiligen Nebenquests. Bei den besseren müssen ebenfalls Rätsel gelöst werden, deutlich häufiger kommen jedoch Sammelquests vor, die kaum langweiliger sein könnten. Generell brauchen Sie die Nebenquests aber nicht unbedingt. Das Spiel ist vom Balancing her in der Beziehung doch recht großzügig gestaltet, sodass man nach etwas Eingewöhnung zwar generell gefordert, aber nicht überfordert wird.
Zwei Nebeninfos noch. Erstens: Auch wenn Sie die Hauptquest ziemlich hetzt, meistens können Sie sich doch so viel Zeit nehmen wie Sie möchten. Deshalb sollten Sie sich vor vielen Aufgaben erstmal ein bisschen vorbereiten. Zweitens: Die Soundqualität ist in den Gesprächen absurderweise extrem schlecht, ständig rauscht es im Hintergrund. Dazu ist die Sprecherqualität alles andere als berauschend und an manchen Stellen ist das Soundmixing in die Hose gegangen, sodass Sie in einem Dialog etwa nur das Rauschen des Windes hören, aber kaum das Gespräch selbst. Ansonsten ist die Hintergrundmusik aber ganz gut gelungen.

Und sonst? – OK.

Mittlerweile ist Sudeki viereinhalb Jahre alt…und dementsprechend sieht das Spiel aus. Die Texturen sind matschig, die Gesichter sind schlecht animiert und die Umgebungen sind kantig. Zusätzlich dazu ist die Welt sehr bunt geraten, eben typisch Japano-Rollenspiel. Das wirkt aber alles andere als unstimmig, sondern das Spiel bietet in der Beziehung ganz ordentliche Abwechslung. Des Weiteren sind die Kämpfe gut animiert und die Effekte knallen noch recht ordentlich.
Die Stimmigkeit der Welt wird aber ein Stück weit dadurch zerstört, dass das Spiel in mehr oder weniger kleine Abschnitte unterteilt ist. Wenn man in Häuser geht, wird sowieso neu geladen, aber auch innerhalb eines Außenabschnitts gibt es immer wieder Tore, die eine Abschnittgrenze anzeigen. Wohl eine Altlast von der Konsole.
Übrigens hat das Spiel keinen Koop-Modus, auch wenn es sich durchaus anbieten würde, aber ein Multiplayerpart fehlt komplett. Freies Speichern entfällt übrigens auch, stattdessen gibt es fair verteilte Speicherpunkte. Und wo wir grad noch beim Umfang waren: Das Spiel stellt sich als absoluter Rollenspielsnack heraus. Wer sich auf die Hauptquests konzentriert, bekommt das Spiel in rund zehn Stunden durch. Für ein Rollenspiel ist das deutlich zu wenig.

Fazit

Sudeki erinnert mich sehr stark an Fable oder Jade Empire, nur halt in etwas schlechter. Während Fable noch ein halbwegs interessantes Charaktersystem bot, ist Sudeki hier zu oberflächlich und unausbalanciert. Das Kampfsystem ist nett, aber warum hat man es als Fernkämpfer so viel einfacher denn als Nahkämpfer? Warum hat man die Menüsteuerung nicht besser an den PC angepasst? Warum ist die Handlung zuerst oberflächlich und dann verwirrend? Dennoch gibt es Passagen, in denen Sudeki es schafft, einen in den Bann zu ziehen. In den Bosskämpfen, bei den Rätseln und auch in den normalen Kämpfen liegen die Stärken von Sudeki. Trotzdem: Wer ein actionreiches Rollenspiel sucht, der sollte sich besser Jade Empire oder Fable ansehen, denn die sind noch mal eine ganze Ecke besser.

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Wertung
Pro und Kontra
  • Grafik: abwechslungsreich, Effekte im Kampf
  • Sound: nette Hintergrundmusik
  • Balance: gute Lernkurve, gute balancierte Bosskämpfe
  • Atmosphäre: japanischer Stil, Mischung aus bunt und düster
  • Bedienung: Charaktersteuerung eingängig
  • Umfang: verschiedene Welten
  • Quests und Handlung: Hauptquests mit Bosskämpfen und Rätseln
  • Charakter / Teamwork: unterschiedliche Ausrichtung der Charaktere
  • Kampfsystem / Dialoge: taktische Kämpfe in Echtzeit, Fern-/Nahkampf
  • Items / Rätsel: sehr schöne Rätsel, Sockelungssystem
  • Grafik: matschige Texturen, Gesichtsanimationen, veraltet
  • Sound: Soundqualität, Lautstärke, mäßige Sprecher
  • Balance: Charakterwerte, Unterschiede bei Fern-/Nahkampf
  • Atmosphäre: zerstückelte Welt, keine Identifikation mit Helden
  • Bedienung: Menüsteuerung sehr konsolenartig
  • Umfang: kein Koop, gerade Mal zehn Stunden lang
  • Quests und Handlung: oberflächliche Handlung, Nebenquests
  • Charakter / Teamwork: oberflächliche Charakterentwicklung
  • Kampfsystem / Dialoge: belanglose Dialoge, Fernkampf zu leicht
  • Items / Rätsel: wenige nützliche Dinge, Begrenzung bei Tränken

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 10, weniger als 20 Stunden



Kommentare(4)

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