Halber Freund oder ganzer Feind?

Es ist wieder einmal soweit - Der nunmehr ein wenig in die Jahre gekommene aber durchaus noch agile Third-Echelon-Agent Sam Fisher wird auf eine harte Probe...

von Silvershadow am: 16.08.2008

Es ist wieder einmal soweit - Der nunmehr ein wenig in die Jahre gekommene aber durchaus noch agile Third-Echelon-Agent Sam Fisher wird auf eine harte Probe gestellt. Die härteste seines bisherigen Lebens, wie sich gleich zu Anfang herauskristallisiert.

*** Plot ***

Während eines zunächst mehr oder weniger gewöhnlich erscheinenden Infiltrations- und Aufklärungseinsatzes in einem isländischen Gießereikomplex erhält Fisher die tragische Nachricht vom Tod seiner blutjungen Tochter.
Sarah Fisher wurde als 23-jährige von einem betrunkenen Autofahrer getötet.
Vater Sam knabbert schwer daran und stürzt in einen Strudel der Depressionen, die ihn monatelang daran hindern, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen.
Überzeugt von dem Gedanken, nichts mehr zu verlieren zu haben, nimmt Fisher einen kreuzgefährlichen Auftrag seines Chefs und Freundes Colonel Irving Lambert an: Er soll als Doppelagent in die terroristische Gruppierung 'John Browns Army' (JBA) eingeschleust werden, um sie von innen auszuspionieren und deren Anschlagspläne zu vereiteln.
Um die Gruppe zu unterwandern, wird Fisher in dasselbe Gefängnis als Beschuldigter eines von der NSA inszenierten Bankraubes inhaftiert, in dem sich auch ein Mitglied der JBA befindet, über das er laut Plan in die Bande hineinkommen soll.
Nur wenige Zeit nach der Einknastung Fishers erhalten andere Splinter-Cell-Einheiten den Auftag, ihn und seinem neuen JBA-'Freund' Jamie Washington durch eine provozierte Revolte zur Flucht zu verhelfen.
Nach dem Ausbruch steht Fisher nun auf beiden Seiten und muss gezwungenermaßen Aufträge der JBA und der NSA ausführen, um deren Misstrauen ihm gegenüber nicht zu schüren. Der innere Konflikt Fishers verlagert sich also auf einen äußeren, der Ausweglosigkeit seiner Handlungen.

*** Grafik ***

In Sachen Grafik hat sich im Vergleich zum direkten Vorgänger 'Chaos Theory' nicht sonderlich viel verändert.
Ausnahmen stellen hervorstechende Umgebungsdetails dar. Schneestürme und verbesserte Lichteffekte sind ein Augenschmaus. Auch die vielseitige äußerliche Erscheinungsform Fishers, mal mit Gefängnisfrisur (also gar keiner), dann wieder mit dem altbekannten Drei-Wetter-Taft-Dauerstandhaarschnitt und die verschiedenen Uniformenmodelle in Spezialanpassungen sowie die Animationen der Bewegungsabläufe können sich wahrlich sehen lassen!

*** Sound ***

Hier wurde wie schon bei den Teilen zuvor viel Liebe hineingesteckt. Denn Splinter Cell ist nicht nur ein optisches, sondern auch ein akustisches Spielerlebnis. Umgebungsgeräusche allein schaffen keine wirkliche Atmosphäre. Dazugemischte Orchestermusik zu jeweiligen Schleich-und Anspannungssituationen dagegen schon. Sehr aufwändig und meiner Meinung nach sehr, sehr gelungen!

*** Gameplay ***

Der wohl größte Veränderungspunkt bei 'Double-Agent'.
Wie schon angedeutet (siehe Abschnitt 'Plot') erhält Fisher nicht mehr wie in gewohnter Schwarz-Weiß-Manier einseitige NSA - Befehle, die er gehorsam befolgt, sondern hat jetzt eine große Entscheidungsgewalt.
Zwar besteht die Hauptmission darin, die JBA zu zerschlagen.
Doch unklar ist permanent, ob und inwieweit Fisher loyal gegenüber den beiden Fraktionen ist. Selbst die NSA unter Assistant Director Williams kann nicht mit Garantie sagen, dass Fisher kein Überläufer sein könnte, obwohl Lambert die Hand dafür ins Feuer legt.
Genau da liegt der Knackpunkt des viertel Teils der SC-Reihe : Der Spieler muss es schaffen, das Vertrauen der JBA und der NSA gleichermaßen zu gewinnen, ohne es sich mit einem der beiden zu verscherzen.
Leider ist dies moralisch gesehen alles andere als einfach.
Ein Beispiel: Die JBA fordert von Fisher die Beihilfe zur Sprengung einer Bombe auf einem Kreuzfahrtschiff - Lambert hingegen befiehlt Sam, die Zündsequenz der Bombe zu manipulieren um so die Explosion zu verhindern.
Variante A würde 2000 Menschen töten, aber Vertrauen bei der JBA bringen. Variante B würde 2000 Menschen retten, doch die Terroristen stutzig machen und Fisher immens gefährden - und damit die Mission, einen weitaus massiveren Anschlag zu verhindern. Was also tun? Genau diese Vermischung von Recht und Unrecht und das Beieinanderliegen von Leben und Tod machen das ganze Spiel außergewöhnlich neuartig und spannend.

*** Fazit ***

'Splinter Cell - Double Agent' ist nicht nur der aktuellste, sondern auch definitiv kontroverseste Teil der Tom-Clancy Reihe. Denn er veranschaulicht, dass die Lösung politischer Konflikte und Gefahren in der heutigen Welt keine strikte Trennung von Gut und Schlecht zulassen. Egal, was man tut, Fisher gerät zwangsläufig in Situationen, deren Ausweg so oder so seine ungewissen Konsequenzen mit sich zieht. Welche das sind, und inwiefern sie für jeden individuell vertretbar sind, kann man selbst entscheiden. Man muss dann allerdings auch schwere Bürden tragen. Alles in allem eine gelungene Spielidee, das ist sicher. Schade ist jedoch die Vorhersehbarkeit mancher Handlungen für die Zukunft. In einigen Situationen kann man sich von der Logik ausgehend schon denken, welcher Weg der beste ist.
Nicht gefallen hat mir ebenso die Kürze des Spiels.
Schon nach wenigen Stunden waren alle Missionen abgeschlossen und ich bekam ein Ende zu sehen, bei dem ich mir das Lachen angesichts der Parallelen zu schlechten Hollywood-Plagiaten kaum verkneifen konnte - nur soviel: Es ist sehr schwülstig.
Alles in allem jedoch ein weiterer aufregender Splinter-Cell-Teil, der es geschafft hat, sich selbst neu zu erfinden.

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Wertung
Pro und Kontra
  • Grafik: Tolle Animationen
  • Sound: Aufwänidge Orchestermusik,gute Sprecher
  • Balance: Freies Speichern möglich
  • Atmosphäre: Viele tolle Schauplätze
  • Bedienung: Eingängige Bedienung
  • Leveldesign: Viele verschiedene Levels
  • KI: Geht gut in Deckung
  • Waffen & Extras: Gewohnte Spezial-Ausrüstung
  • Handlung: Interessante Handlung
  • Grafik: Aus meiner sicht ganz schön hardwarehungrig!
  • Sound: -
  • Balance: Für erfahrene Splinter Cell Spieler zu leicht
  • Atmosphäre: Konsole vs PC: Viele fehlende Spielelemente
  • Bedienung: Sehr lange Ladezeiten
  • Umfang: Vor allem für Profis viel zu kurz
  • Leveldesign: Wirkt teilweise unnatürlich
  • KI: Man kann sich durch Levels schießen...
  • Waffen & Extras: Paar Neuheiten wären nicht schlecht gewesen
  • Handlung: Viele Storylücken,schlechtes Ende

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 20, weniger als 40 Stunden



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