Horizon Zero Dawn - Eine verrostete Maschine oder moderne Hightech?

Ist Horizon Zero Dawn Gold oder glänzt es nur so? Wie rund laufen die Maschinen der Zukunft auf einem veralteten System? Erfahrt es in meiner Review! Achtung:...

von raven1386 am: 10.09.2020

Technik / Bugs: 

HZD lief bei mir auf folgendem System:

GPU: Gigabyte Aorus GTX 1080 Ti Xtreme Edition 11G

CPU: Intel Core i7 2600K (Standardtakt)

RAM: 16 GB DDR3

Crucial m4 SSD (SATA)

 

Einstellungen:

1920 x 1200

Alle Details auf Maximum

FOV: 80

Bewegungsunschärfe / Motion Blur: deaktiviert

 

HZD lief bei mir mit durchschnittlich 60 bis 70 fps, mit gelegentlichen Einbrüchen auf bis zu 30 fps, jedoch nur in Dörfern oder in der Stadt. Ansonsten lief es flüssig genug für ein gutes Spielgefühl.

 

Grafik 

Die Spielwelt sieht fantastisch aus, sowohl grafisch als auch designtechnisch. Frozen Wilds legt noch mal eine Schippe drauf und sieht atemberaubend aus. Dieser Schnee, diese Spuren, die sogar Tiere hinterlassen, und erst, wenn es schneit! Fantastische Atmosphäre! Im direkten Vergleich mit The Witcher 3 gibt es einiges, das in HZD besser aussieht, manches wiederum sieht in TW3 besser aus. Konkret sieht die Vegetation, vor allem aus nächster Nähe, in HZD wesentlich besser und schärfer aus. Auch beim Durchlaufen durch Gräser und Sträucher bewegen diese sich sehr ansprechend, was es so in TW3 nicht gibt. Auch die Beleuchtung in HZD wirkt stimmungsvoller, besser und realistischer als in TW3. Zudem werden die Wolken in HZD in 3D und Echtzeit berechnet, was fantastisch aussieht, wenn man den Himmel beobachtet. TW3 hat nur einen statischen 2D-Himmel, der zwar wunderschön aussieht, sich aber hinsichtlich der Wolken nicht verändert. Was außerdem in HZD besser aussieht, sind die Partikeleffekte wie Qualm oder Nebel, aber auch herumfliegende Insekten, Pollen und dergleichen. Auch Regen und Schnee sehen in HZD wesentlich besser aus. In HZD jedoch gibt es leider keine Gewitter, hier hat TW3 die Nase vorn. Wo TW3 auch besser aussieht, sind Wasser, Gesichtsanimationen und Texturenschärfe in den meisten Fällen. Alles in allem sind beide Spiele wunderschön und haben ihre eigenen Stärken und Schwächen.

Subjektive Bewertung: 5/5

 

Die Welt / das Weltdesign / die Open World

Fast typisch für Open Worlds, so ist auch die Welt von HZD zu groß und leider an vielen Stellen zu leer. Wunderschön zwar, aber leer und belanglos, bis auf die Städte, Orte und Dörfer. Es ist ähnlich wie bei TW3, Skyrim, Fallout 4 oder Dragon Age: Inquisition: Es gibt viel zu sehen, aber abseits von alten Audioaufnahmen oder Tagebucheinträgen wenig zu entdecken. Keine besonderen Geheimnisse, keine einzigartigen Items oder Verstecke, nichts davon. Mehr Schein als Sein. Es gibt Sammelobjekte wie Pflanzen oder Kelche, die nichts sinnvolles zur Story oder Lore beitragen. Sie dienen lediglich der künstlichen Spielzeitstreckung.

Das Weltdesign ist allerdings wunderschön. Felsen, Gebirge und Berge, überwucherte Ruinen, Höhlen oder verfallene Hütten, all das ist sehr atmosphärisch und schön anzusehen. Wäre sie doch nur sinnvoller mit Geheimnissen und mehr tollen Nebenquests gefüllt und hätte sie doch nur einen höheren Wiedererkennungswert, sodass man ohne Questmarker oder Map auskommen könnte.

Subjektive Bewertung: 3/5

Anmerkung:

Es gibt nur drei Open-World-Spiele, die bei mir die Höchstwertung im Bereich der Open World bekommen: Gothic 1, Gothic 2 + DNdR und Risen. Selbst The Witcher 3 wirkt dagegen leer und unbedeutend, wenn auch sehr atmosphärisch. Unsere Piranha Bytes sind einfach wahre Meister im Erschafften von Open Worlds, sofern sie es nicht mit der Größe übertreiben. Gothic 3 und Elex waren wieder einmal viel zu groß und leider auch wieder zu leer. Außerdem geht bei einer zu großen Welt der Wiedererkennungswert flöten. Gothic 2 + DNdR sind für mich heute noch absolute Referenz im Bereich des Welt- und Leveldisigns, sodass ich ohne Questmarker nur durch NPC_beschreibungen den Weg finden kann und mich nach und nach ohne Map orientieren kann, weil man überall mehrmals während des Spiels hingeht, nicht nur einmal zum Abgrasen.

 

Hauptgeschichte / Hintergrundgeschichte / Lore

Die Hauptstory ist von Anfang bis Ende extrem spannend und motiviert mich permanent, weiterzuspielen. Klar kann man teilweise vorhersehen, was so passieren wird, wenn man es denn versucht. Ich lass mich da jedoch eher gerne berieseln und genieße, was ich bekomme, anstatt meine innere Glaskugel zu befragen. Ich lass mich eben gerne unvoreingenommen überraschen, so ist das Erlebnis viel schöner. 

Auch die Hintergrundgeschichte (Lore / Vergangenheit / Apokalypse) ist extrem spannend und faszinierend. So sehr, dass sie mich voll in ihren Bann zieht und ich mir jede Audioaufnahme anhöre, jede Tagebuchaufzeichnung lese und jede noch so kleine Information über die Vergangenheit suche. Mich zieht diese Welt und Hintergrundgeschichte richtig mit ins Spiel rein, so dass ich schon das Gefühl habe, ich "lebe" in der Welt und fühle mit, was die Menschen durchmachen (mussten).

Subjektive Bewertung: 5/5

 

Charaktere (Protagonist / Antagonist / NPC / Synchronisation)

Achtung: ein paar kleinere Spoiler!

Aloy als Protagonistin ist mir direkt ans Herz gewachsen. Gerade auch, dass man sie von Baby an begleitet, trägt massiv dazu bei, dass ich mich gut mit ihr identifizieren kann.

Der Hauptantagonist bleibt leider etwas blass, vor allem seine Motive werden nie so richtig erläutert, aber darüber kann ich leicht hinwegsehen, weil andere Charaktere und die Story so verdammt gut sind.

Die wichtigen Nebencharaktere sind teilweise super geschrieben. Die wichtigen Nebencharaktere wie Rost, Sylens, Rost, Ourea, Aratak oder Erend sind mir alle im Gedächtnis geblieben. Gerade Rost mit seiner geheimnisvollen Vergangenheit, Sylens mit seiner Geheimnistuerei und seinen zwiespältigen Handlungsweisen, Ourea und Aratak und ihre Vergangenheit und ihre Probleme miteinander. Alles tolle Charaktere mit viel Hintergrund und nicht immer nur schwarz oder weiß. Und auch Charaktere aus der Vergangenheit wie Elisabeth Sobeck sind mir ans Herz gewachsen bzw. habe ich manche hassen gelernt, ohne sie persönlich zu kennen. Ich fühlte richtig mit ihnen, was sie durchmachen mussten oder was sie getan haben. Solche Gefühle bei mir als Spieler zu wecken, muss ein Spiel erst einmal schaffen.

Die deutsche Synchronisation ist absolut hervorragend. Es wurden prominente und erfahrene Sprecher engagiert. Es stimmt zwar, dass die Lippen sich in manchen Fällen nicht immer synchron zur Sprache bewegen, aber das ist eher die Ausnahme als die Regel. Meistens passt es. Mich stört das keineswegs, wenn sie manchmal asynchron sind. Die deutsche Vertonung ist jedenfalls grandios, ebenso der Inhalt der Dialoge (Dialogwriting).

Subjektive Bewertung: 5/5

 

Kampfsystem / Gegnervielfalt

Die Maschinenvielfalt ist groß und die Maschinen sind sehr abwechslungsreich. Auch die Art, wie man diese bekämpfen kann, ist klasse und motiviert mich auch spät im Spiel noch immer, zu experimentieren. Jede Maschine sieht fantastisch aus und hat ihre eigenen Fähigkeiten und Angriffsstrategien. Ich finde, dass bei über 20 verschiedenen Maschinen mit verschiedenen Angriffstechniken und Fähigkeiten und unterschiedlichen Schwachstellen mehr als genug Abwechslung herrscht. Zudem ist die Waffenauswahl abwechlsungsreich. Die Kampfsteuerung ist ebenfalls sehr flüssig und intuitiv. Der nahtlose Wechsel zwiscen Nah- und Fernkampf ist hervorragend und geht super von der Hand, auch mit Maus (mit genügend Tasten) und Tastatur.

 

Musikuntermalung / Sound

Die Musik ist zum Teil große Klasse und erzeugt bei mir oftmals eine Gänsehaut. Vor allem das Maintheme gefällt mir so gut, dass ich es mir oft einfach mal eine Weile lang nebenher anhöre. Dennoch habe ich auch schon besseres gehört, an das die Musik nicht heranreicht, z. B. Mass Effect 1-3, The Witcher 1-3 oder Deus Ex 1, HR und MD.

Auch die Soundqualität (mit gutem 5.1-Soundsystem und guter Soundkarte) ist klasse, ebenso wie die vielen verschiedenen Hintergrundgeräusche in der Welt und Wildnis, die stark zur schönen Atmosphäre beitragen.

Subjektive Bewertung: 4/5

 

Steuerung (Maus und Tastatur)

Die Steuerung mit Maus und Tastatur geht meistens gut von der Hand. Sogar Doppelbelegungen sind in den Einstellungen erlaubt, was heute leider eine echte Seltenheit ist! Manche Befehle kommen sich nicht in die Quere, sodass so manche Doppelbelegung ein Segen ist. Einzig die Menüsteuerung mit Maus ist etwas hakelig. Manchmal wird die Bewegung über verschiedene Menübuttons mit der Maus nicht richtig erkannt.

Subjektive Bewertung: 4/5

 

Charaktersystem / Items / Ausrüstung / Loot

Das Charakterskill-System ist leider sehr aufgesetzt, weil man am Ende wieder alles erlernen kann und sich nicht spezialisieren muss. Am Ende mit Höchstlevel ist man quasi Gott und kann einfach alles. Es fühlt sich unnötig an, weil es nur Zeit schindet, sich aber nicht optimal ins Spiel integriert, wie es ein gutes Charaktersystem bei einem echten Rollenspiel tut. Okay, zu Gute halten muss ich dem Spiel, dass es eben kein echtes RPG ist, sondern mehr ein Action-Adventure.

Was die Ausrüstung betrifft, so gibt es eine ordentliche Auswahl an Waffengattungen von Bögen über Schleudern, Seilwerfern, Stolperfallen bis hin zu Schnellschuss-Rasslern. Was mir daran weniger gut gefällt, ist, dass es für Elementpfeile einen anderen Bogen gibt als für z. B. normale Pfeile. Einen dritten Bogen gibt es wiederum für Resonanz-Pfeile oder Scharfschützenpfeile. Ebenso gibt es zwei Schleuderarten für Element-Bomben und für Sprengbomben. Das ist etwas zu nervig. Besser hätte mir gefallen, dass es verschiedene Bögen gibt und man jede Munitionsart mit jedem Bogen verschießen kann.

Beim Thema Munition gibt es leider auch einiges zu bemängeln: Jede Art von Munition hat einen eigenen „Beutel“, den man in vier Stufen vergrößern kann, wofür man wiederum verschiedenste Materialien von Maschinen, wilden Beutetieren und von Pflanzen benötigt. Diese Materialien müssen immer wieder gelootet und gesammelt werden. Das scheint heutzutage ein modernes Feature zu sein, das seinen Weg in wirklich jedes Action-Adventure findet, obwohl es eigentlich niemandem gefällt, außer scheinbar den Spiele-Entwicklern.

Was noch tierisch nervt, ist die maximale Größe der Munitionsbeutel: In späteren Kämpfen brauche ich oft mehr Munition, als ich tragen kann, also mitten im Kampf ins Menü gehen, Munition herstellen und dann weiterkämpfen. Im Menü zu sein heißt, dass das Spiel pausiert wird. Dadurch wird die Begrenzung ad absurdum geführt, weil man ohnehin jederzeit Munition herstellen kann, ebenso Tränke, vorausgesetzt, man hat immer genügend Material, welches wiederum mühselig gesammelt werden muss, oder man kauft es für Scherben, der Währung im Spiel. Habe ich erwähnt, dass das allgemeine Inventar für Material ebenfalls stark begrenzt ist und dass einzelne Materialtypen wie z. B. Holz oder Pflanzen eine begrenzte Stapelgröße haben, z. B. 25 oder 50? Dadurch benötigt man teilweise 6 Inventarslots nur für ein einziges Material. Leider kam ich somit ständig an die Grenze des Inventars. Es gibt leider auch keine Lagertruhe, sodass man das Material, das man mühselig zusammengesammelt hat, verkaufen oder zerstören muss, um Platz für anderes Material zu schaffen.

Hier muss bei einer Fortsetzung definitiv ein neues System her, vorzugsweise unbegrenzter Inventarplatz und die Möglichkeit, Munitionsbeutel beliebig zu vergrößern, auch wenn es Geld und Material kostet.

Subjektive Bewertung: 2/5

 

Spieldauer

Ich habe für meinen ersten Durchgang knapp 95 Stunden gebraucht, habe alle Nebenquests erledigt, jedes Sammelobjekt gesammelt, alle Lagerfeuer entfacht und das Add On „Frozen Wilds“ gespielt. Schwierigkeitsgrad: Schwer. Die Spielzeit wirkte stellenweise etwas gestreckt. 50 bis 60 Stunden hätten locker ausgereicht für ein tolles Spielerlebnis. Da es aber nicht über 100 Stunden liegt, ist es noch okay. TW3 mit 150 bis 200 Stunden ist mir entschieden zu lang. Spätestesn ab 100 Stunden langweilt mich das immer gleiche Spielprinzip, in jedem Spiel. Dann hält mich nur noch die Story bei Laune. Der Perfektionist in mir will jedoch immer gern alles mitnehmen, jede Nebenquest und jedes Sammelobjekt, um auch ja nichts besonderes zu verpassen.

Subjektive Bewertung: 3/5

 

Fazit:

HZD ist ein Spiel mit einer großartigen und spannenden Story, einigen tollen Charakteren, einer sympathischen Protagonistin und einer sehr interessanten Hintergrundgeschichte, die mich mit in die Welt hineinzieht. Das Kampfsystem macht Spaß und ist abwechslungsreich und die Gegnervielfalt ist groß. Das Skillsystem, das Inventarsystem und das Sammeln von Material jedoch nerven mehr, als dass sie nutzen. Die Welt ist etwas zu groß und zu leer geraten und die Spieldauer etwas zu gestreckt, wenn man, wie ich, alles zu nahezu 100 % machen will. Die Grafik ist wunderschön, ebenso die Atmosphäre. Auch der Sound wie auch die Musikuntermalung sind gut.

Gesamtwertung: 8,5/10

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Wertung
Pro und Kontra
  • - eine wunderschöne und atmosphärische Grafik
  • - eine großartige und spannende Mainstory
  • - eine sehr interessante Hintergrundgeschichte / Lore
  • - einige tolle Charakteren und eine sympathische Protagonistin
  • - ein leicht zu erlernendes, schwer zu meisterndes, spaßiges, herausforderndes und abwechslungsreiches Kampfsystem
  • - eine große und abwechlsungsreiche Gegnervielfalt
  • - ein toller 5.1-Sound
  • - teilweise wunderschöne Musik
  • - ein langweiliges Pseudo-Skillsystem
  • - man kann mit Maximallevel alles und ist quasi Gott
  • - das begrenzte Inventarsystem nervt
  • - das Sammeln von Material ist ein künstlicher Spielzeitstrecker
  • - Die Welt ist etwas zu groß und zu leer geraten
  • - die Spieldauer wirkt streckenweise etwas zu gestreckt

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 40, weniger als 100 Stunden



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