Im Rausch der Geschwindigkeit

Kaum ein Spiel hat mich in der letzten Zeit so gefesselt wie Race Driver Grid. Dabei bin noch nicht einmal ein Rennspieleprofi oder überhaupt ein Autofahrer....

von Horst_Sergio am: 04.03.2009

Kaum ein Spiel hat mich in der letzten Zeit so gefesselt wie Race Driver Grid. Dabei bin noch nicht einmal ein Rennspieleprofi oder überhaupt ein Autofahrer. Das Genre war nie so recht mein Steckenpferd, aber Grid hat mich kurzum überzeugt.

Schlußlichter

Die Fahrmechanik dieses Spiels bedarf etwas Einarbeitungs- und Eingewöhnungszeit, hat Race Driver Grid doch schon fast den Anspruch einer Simulation inne. Für Ungeübte und bestenfalls Action-Racing der Marke Flatout 2 Orientierte, wie ich es bin, kann der schnelle Start in eine neue Karriere bereits im ersten Rennen ein jähes Ende nehmen. Man wird sofort in eine Viper gesetzt und muß sich gegen ein Feld hitziger Rennanwerber durchsetzen. Dabei ist die Viper gleich eines der anspruchsvollsten Autos, was die stark unterschiedlichen Fahreigenschaften der einzelnen Wagen angeht.

Nach einigen Versuchen scheitere ich mit der Karriere und fahre mich in der Option Race Day mit einigen Autos ein. Dieser karriereunabhängige Schnellstart bietet mir als Genre-Neuling gleich alle Strecken, Autos und Disziplinen als Auswahl für ein Einzelrennen an, und sofort merke ich, daß diese Auswahl schier endlos zu sein scheint. Sofort finde ich Gefallen an dem Lamborghini und wähle als Strecke 'Le Mans', die recht einfach aussieht, und nach einiger Übung gelingt mir sogar das Absolvieren der Strecke, wenn auch als Letzter. Dennoch ein Triumph für mich.

Boxengasse

Nach einiger Zeit habe ich mich durch das Tutorial gedüst und darf ein eigenes Team aus der Taufe heben. Der Ernst des Rasens fängt nun also an. Als Chef meines Teams wird mir Gewinn-maximierendes Fahren auferlegt, geht es doch nicht nur darum, Lizenzen in Europa, Amerika und Japan zu gewinnen, die zu höheren Klassen und gleichzeitig besseren Autos führen, sondern auch bei Siegen das Konto meines Teams reich befüllen. Zusätzlich kann ich Sponsoren auswählen, die mich für Einhaltung besonderer Bedingungen entlohnen. Einige zahlen einen kleinen Betrag nur dafür, daß ich das Rennen absolviere, ein anderer greift tiefer in die Tasche, wenn ich mindestens auf dem dritten Platz lande und schadensfrei bleibe. Habe ich weitere Lizenzen zusammen, kann ich sogar einen Co-Fahrer mit ins Team holen, der mich je nach Können unterstützt und das Team schneller in der Weltranglise nach oben bringt.

Habe ich genug Geld zusammen kann ich mir jederzeit Autos nach meiner Wahl kaufen. Interessant ist der nicht nur wirtschaftliche Aspekt, sich einen Neuwagen zuzulegen oder einen gebrauchten Wagen zu ersteigern. Diese können unter Umständen genauso teuer wie Neuwagen sein, aber haben je nach Karriere, bessere oder schlechtere Fahreigenschaften. Ein Auto, das also nur als Siegerwagen durchgeht und nie geschrottet wurde, ist also teurer, aber besser eingefahren, als ein günstiges, das aber schon zig Chrashes hinter sich hat. Ebenso kann man auch eigene Autos wieder verkaufen oder versteigern.

Für groß angelegte Tuning Geschichten ist bei Grid allerdings kein Platz auf der Rückbank vorgesehen. Wer also meint, seine Karre in der Werkstatt zu einem prolligen Kraftprotz umrüsten zu können, der liegt hier falsch. Lediglich die Lackierung kann man als Teamchef selbst festlegen. Das Fehlen des Tunings könnte man bemängeln, ebenso wie das Fehlen von Reparaturen und Reifenwechsel während der Rennen. Allerdings tut es dem Fahrspaß keinen Abbruch. Eher im Gegenteil. Man wird zwar genötigt, möglichst ohne Schaden zu heizen, aber man kann jederzeit ein Instant Replay abspielen lassen, daß es einem erlaubt, sogenannte Flashbacks zu benutzen. Hat man also seinen Wagen in einen Klumpen Altmetall verwandelt, kann man im Replay genau zu der Stelle zurückspulen, in der man neu einsetzen möchte und so den Totalschaden vermeiden. Allerdings sind die Flashbacks in ihrer Anzahl begrenzt, und wer keine benötigt, bekommt nach Rennende einen weiteren Bonus auf dem Teamkonto gutgeschrieben.

Turbo-Boost

Die Rennen sind aufgrund der verschiedenen Meisterschaften überaus abwechslungsreich. So werden einem in Europa Tourenwagen- oder Formel-3-Rennen angeboten, in Japan gibt es Drift-Battles in verschiedenen Variationen, sowie One-On-One Straßenrennen mitsamt Gegenverkehr, und in Amerika sind es dann Muscle-Car und Tuningrennen. Gelegentlich gibt es auch etwas abwegigere Events wie ein Destruction Derby, Rennangebote von anderen Teams oder später die Prototypes. Dazu passend gibt es natürlich für jedes Race-Event verschiedene Autos, die wie bereits erwähnt, auch mit den unterschiedlichsten Fahreigenschaften ausgestattet sind. Nicht immer ist es also sinnvoll, das teuerste Auto einer Klasse zu kaufen. Auch wenn dieses vielleicht am schnellsten fährt, ist es mitunter umso schwieriger, die Kurven zu kriegen. Nervig: Hat man für ein Event das falsche Fahrzeug gewählt, kann man es nicht wechseln, auch wenn man noch weitere Fahrzeuge für dieses Event in der Garage stehen hat. Es bleibt einem entweder die Möglichkeit, dieses Event zu Ende zu fahren oder davon zurückzutreten.

Pro Saison kann man eine knappe handvoll verschiedener Events fahren, als Abschluss einer Saison stehen die berüchtigten '24 hrs of Le Mans' auf dem Plan, in denen die 24 Stunden auf 24 Minuten heruntergeschraubt werden. Hier treten verschiedene Klassen an, und es werden einige Saisons vergehen bis man endlich im 15 Millionen Dollar Audi der LMP1 Klasse sitzt und dieses Event als Erster beendet. Der Gewinn der einzelnen Championships besteht nicht nur aus Geld, sondern auch aus Reputations-Punkten, die beim Erreichen einer bestimmten Anzahl die nächst höhere Klasse des jeweiligen Landes freischalten und als Gesamtpunktzahl den Platz auf der Weltrangliste ausmachen. Ob man nun lediglich in einem Land die Klassen abarbeitet oder von Land zu Land wechselt ist dem Spieler freigestellt.

Die gegnerischen Fahrer sind teilweise recht aggressiv und fordern das eigene Können heraus. Vor allem in den späteren Events zeigen sie teils unmenschliche Stärken, machen aber auch gelegentlich Fehler, so daß man nicht ganz ohne Chancen dasteht. Mitunter schwankt das Balancing dadurch etwas, mal erreiche ich das Ziel mühelos als erster, mal fahren mich die Gegner zu Klump.

Motorheulen

Racedriver Grid glänzt mit einer schönen Optik, die Wagen sehen einfach prächtig aus, und die Strecken bieten schicke Texturen und sind mit allerlei Details angereichert, die aber nicht großartig vom Renngeschehen ablenken. Gerade die Nachtrennen in Japan überzeugen mit den vielen bunten Lichtern der Großstadt. Hübsch anzusehen ist auch der Qualm beim Bremsen, bei den Drift Rennen kann dies in der Außenperspektive allerdings sehr unübersichtlich werden. Die Partikeleffekte erschienen teils zwar spärlich eingesetzt, gehen insgesamt aber in Ordnung, wenn ich auch manchmal das Gefühl hatte, daß einige Gesetze der Physik etwas neu definiert wurden, wenn man ein Verkehrshütchen ummangelt und dann aus der Spur geschleudert wird.

Der Sound ist soweit auch OK. Die Motoren hätten vielleicht ein etwas tiefenlastigeres und lauteres Dröhnen vertragen können, dafür klingen selbst kleinste Rempler mitunter, als hätte man einen Totalschaden verursacht. Die in manchen Finals einsetzende Musik ist eher unspektakulär komponiert, steigert aber gekonnt den Stressfaktor. Während der Rennen werden einem vom Coach Informationen zur Rennsituation gegeben. Diese sind teils recht sinnvoll, wenn man vor einem Crash gewarnt wird oder motivierend, wenn wir Schaden genommen haben und er uns anspornt weiterzufahren. Hingegen nervig sind mitunter die Kommentare unseres Teamkameraden, wenn er sich freut, in weiter Ferne das Rennen anzuführen oder sich entschuldigt auf dem letzten Platz zu sein. Die Sprecher, in diesem Fall die englischen Originalstimmen, klingen aber vor allem über Sprechfunk sehr gut.

Bremsenquietschen

Das Optionsmenü von Race Driver Grid ist recht übersichtlich und trotzdem sehr umfassend. Der Entwickler meint es wirklich gnädig mit dem Spieler und läßt ihn sogar, neben dem allgemeinen Schwierigkeitsgrad, die Fahreigenschaften manipulieren. Wem die Lenkung zu träge erscheint, kann dies ebenso ändern, wie zum Beispiel die Liniarität zu erhöhen, wenn man Mühe hat, in der Spur zu bleiben. Das hat gerade dann deutliche Vorteile, wenn man mit der Tastatur spielt. Während des Rennens kann man die, für sich geeigneteste Kameraperspektive ebenso frei anwählen (im Gegensatz zu dem, was andererorts behauptet wurde).

Verbuchte Siege und allgemeines Fortkommen wird automatisch gespeichert. Man kann also selbst in ein angespieltes Rennevent wieder einsteigen ohne Verluste zu erleiden.

Die ungepatchte Version (nach dem Trubel um den ersten Patch, der dem Spiel angeblich eher Probleme machte, habe ich es nämlich nicht gepatcht) lief bei mir mit hohen Einstellungen und 4fach Kantenglättung bei ner 1600x1200er Auflösung extrem flüssig und führte nur selten im Menü zu Grafikfehlern und noch seltener zu Abstürzen, wobei letztere auch erst nach mehreren Stunden auftraten und keinen Speicherstand verlorengehen ließen.

Zielgerade

Racedriver Grid ist eines dieser leider viel zu wenigen Spiele, die jeder mit etwas Übung spielen kann, und es macht verdammt viel Laune mit den PS-Ungetümen über die Strecken zu jagen. Daher kann man Racedriver Grid wirklich jedem ans Herz legen und über klitzekleinste Detailmängel getrost hinwegsehen.

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Wertung
Pro und Kontra
  • Grafik: sehr schicke Autos, detailierte Strecken
  • Sound: sehr gute englische Sprecher, wirkungsvolle Musik
  • Balance: Anspruchsvolle Rennen, die alle gewinnbar sind...
  • Atmosphäre: super Rennen, tolles Geschwindigkeitsgefühl
  • Bedienung: Selbst mit Tastatur sehr gut spielbar
  • Umfang: zehn Lizenzen mit diversen Championships
  • Fahrverhalten: von Auto zu Auto unterschiedlich, einstellbar
  • KI: fordernd, aber nicht konsequent übermenschlich
  • Tuning: lediglich Team-Management und Fuhrpark orientiert
  • Streckendesign: vom Nürburgring bis Le Mans ist alles dabei
  • Grafik: -
  • Sound: Motoren könnten etwas satter klingen
  • Balance: ...bei der Wahl des Autos teils stark variieren.
  • Atmosphäre: Abseits der Rennen zählt nur das Konto
  • Bedienung: -
  • Umfang: -
  • Fahrverhalten: teilweise
  • KI: Teamkollege oft unter seinen Eigenschaften
  • Tuning: Werkstatt und Tuning bleibt aus
  • Streckendesign: manche Strecken etwas Frustbeladen

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 20, weniger als 40 Stunden



Kommentare(4)

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