Jagged Alliance 2 das beste Rundenstrategiespiel aller Zeiten

Schlicht und ergreifend eines der besten Spiele die je gemacht wurden. Was hier an Liebe, Details und durchdachten Spielideen drinsteckt, lässt immer noch die...

von Tom_82 am: 03.05.2008

Schlicht und ergreifend eines der besten Spiele die je gemacht wurden. Was hier an Liebe, Details und durchdachten Spielideen drinsteckt, lässt immer noch die meisten Spiele alt aussehen. Rundenstrategie, Rollenspiel oder Wirtschaftssimulation, Jagged Alliance 2 sollte man in keine Schublade stecken, sonder einfach nur installieren, spielen und genießen. Ich selbst rette bis heute immer mal wieder Arulco vor Deidranners Knechtschaft.

Von Arulco, BSE und AIM

Wie schon gesagt spielt Jagged Alliance 2 in der fiktiven Nation Arulco, die von der fiesen Diktatorin Deidranner regiert wird. Aufgabe des Spielers ist es das Land mit Hilfe einer selbst zusammengestellten Söldnertruppe das Land zu befreien. Man spielt allerdings keine linearen Missionen sondern kämpft in einem dynamischen Feldzug gegen das garstige Frauenzimmer. Das Flair und der Humor des Spiels werden einem gleich zu Beginn deutlich. Man landet auf einer Laptopoberfläche auf der man seine E-Mails und sonstigen Daten verwaltet. Eine E-Mail stammt von Enrico Chivaldori, unserem Auftraggeber. Er wünscht uns Erfolg und gibt uns den Hinweis wo wir die Rebellen treffen können. Eine weitere Mail im Postfach macht uns mit dem BSE bekannt und sendet gleich unser geheimes Passwort (XEP624) damit wir uns auf deren Homepage anmelden können. Hinter dem BSE verbirgt sich das Bundesinstitut für Söldnerevaluierung und bietet uns einen Persönlichkeitstest an. Dahinter verbirgt sich nichts weiter als die eigene Charakterentwicklung, denn bei JA2 ist man nicht nur ein anonymer Befehlshaber sondern nimmt aktiv am Kampfgeschehen teil. Der Persönlichkeitstest gestaltet sich in Form eines Multipel Choice Tests, anhand derer die Spezialfähigkeiten und das Persönlichkeitsbild definiert werden. Ist dies erledigt verfügt man schon mal über den ersten Söldner. Weitere Söldner rekrutiert man bei der Organisation AIM, der Association of International Mercenaries. Hier kann man aus einer großen Liste von Söldnern auswählen, alle mit unterschiedlichen Fähigkeiten und vor allem Persönlichkeiten. Je besser die Fähigkeiten, so teurer der Söldner. Da man nur ein begrenztes Startkapital von Enrico erhalten hat, muss man sich zu Beginn entscheiden ob man mit vielen billigeren Söldnern oder lieber mit wenigen starken Söldnern loszieht. Meine Favoriten am Anfang sind Ice und Lynx. Lynx ein präziser und ruhiger Scharfschütze und Ice eine eiskalte bewegliche Killermaschine. Man sollte allerdings dringend bei mehrfachen durchspielen andere Söldnerkombinationen ausprobieren, da die Söldner im Spielverlauf miteinander interagieren und so viel zur Stimmung beitragen.

Die Befreiung von Arulco

Arulco ist in 256 Felder mit 10 Ortschaften eingeteilt. Diese können auch aus mehreren Feldern bestehen. Grundsätzlich geht es darum an das andere Ende der Hauptkarte zu gelangen, um in der Hauptstadt Meduna Deidranner zu stellen. Da man am Anfang äußerst schlecht ausgerüstet ist, sollt man allerdings nicht auf direktem Weg nach Meduna vorrücken. Der typische Verlauf ist zuerst nach Drassen vorzurücken, da es dort einen Flugplatz mit Hubschrauber gibt. Betritt man einen Sektor mit Feinden, gelangt man von der Hauptkarte in den Kampfbildschirm. Dieser stellt das jeweilige Gebiet da. Solange man noch nicht von Feinden gesichtet wurde läuft das Spiel in Echtzeit. Man kann schleichend von Deckung zu Deckung vorrücken bis man einen Gegner findet. Sobald man Sichtkontakt hat, schaltet das Spiel in den Rundenmodus und alle weiteren Aktionen verbrauchen Aktionspunkte. Die Aktionsmöglichkeiten sind dabei sehr vielfältig. Man kann schleichen, in die Hocke, kriechen, auf Kopf, Torso oder Beine zielen, einen Feuerstoß abgeben auf Dächer klettern und noch einiges mehr. Ich persönlich bevorzuge es aus sicherer Deckung heraus den Gegner kommen zu lassen und ihn mit Scharfschützengewehren aufs Korn zu nehmen. Dafür brauch man gute Schützen mit vielen Aktionspunkten um pro Runde zwei gezielte Kopfschüsse abgeben zu können. Man merkt hier geht es nicht zimperlich zur Sache. Ein gezielter Treffer in den Kopf verursacht natürlich mehr Schaden als in den Torso. Mit einem Beinschuss kann man den Gegner auch zum fallen bringen. Vieles ist möglich und es gibt bestimmt dutzende von Taktiken die ich noch nicht ausprobiert habe. Doch das macht den spielerischen Reiz aus, immer wieder neue Taktiken auszuprobieren. Schleich ich mich von hinten mit dem Messer an, nutze ich die Sprengladung für die Truppe hinter der Wand, greife ich bei Nacht oder am Tag an? Alles wichtige Entscheidungen die sich durch den dynamischen Tag Nachtwechsel und dies zerstörbare Umgebung stellen. Sind dann alle Gegner in einem Gebiet erledigt, gilt der Sektor als erobert. Sind alles Sektoren einer Stadt erobert, folgen einem die Bewohner in den Freiheitskampf und man kann sie zu Milizen ausbilden die die Stadt bewachen. Dies ist notwendig, da Deidranner natürlich Truppen entsendet um die Gebiete zurück zu erobern. Dadurch kommt ein fantastisches Spielgefühl auf, da man sich in einer lebendigen Welt befindet, auf die die Aktionen des Spielers Einfluss haben. Nach einem Kampf kann man mit den unbeteiligten Zivilisten plaudern, die mitunter Tipps oder Aufträge für einen haben. In Drassen erzählt man uns z.B. das im Sumpf ein Pilot lebt der den Hubschrauber fliegen könnte. Findet man diesen kann man große Entfernungen in Windeseile überbrücken. Direkt nach Meduna geht es aber immer noch nicht. Flugabwehrstützpunkte wollen vorher erobert werden. So rückt man nach und nach vor und verbessert die eigene Situation. Mit den Minen in den Städten verdient man Geld um neue Söldner oder Ausrüstung zu bezahlen, in der anderen Stadt erobert man ein Krankenhaus und so weiter.

Ohne Ausrüstung kein Sieg

Wie schon gesagt ist man zu Beginn sehr spärlich ausgerüstet. In den einzelnen Gebieten kann man allerdings Waffen, neue Munition und Ausrüstungsgegenstände finden. Entsprechende Söldnerfähigkeiten vorausgesetzt kann man aus den Einzelteilen sogar neue zusammenbauen. Wie in einem Rollenspiel ist man so stets auf der Jagd nach neuen Gegenständen. Neue Waffen und Rüstungen lassen sich auch über das Internet bei Bobby Rays Waffen bestellen, dass dauert aber bis geliefert wird und dann auch nicht in den Sektor wo man sich gerade aufhält sondern natürlich zum Flugplatz. Bis man alle Söldner mit Compound verstärkten Spectra Westen, Helmen, Tarnfarbe, Nachtsichtgerät und Gewehr mit zusätzlich montierten Laserpointer samt Zielfernrohr ausgestattet hat vergeht einiges an Zeit. Bei ständigem Gebrauch unterliegen diese Gegenstände allerdings einem natürlichen Verschleiß und müssen Repariert werden. Gut wenn man einen Technikbegabten Söldner samt Werkzeugkoffer dabei hat. Sonst macht es beim nächsten Kampf KLICK und die Waffe klemmt mitten im Gefecht. Solche Detail tragen viel zur Atmosphäre bei, da sich aufgesetzt wirken sondern sich natürlich und harmonisch in den Spielverlauf einfügen.

Deidranner und Elliot

Neben all der Ernsthaftigkeit und den realistischen Spielelementen verfügt JA2 aber auch über gehörige Prise Humor. Einen Großteil machen die zwischendurch eingestreuten Sprachsamples der Söldner aus. Diese sind nämlich glänzend mit unterschiedlichen Akzenten gesprochen und entbehren nicht eines gewissen absurden Charmes. Fliegen Ice z.B. die Kugeln um die Ohren sagt der gerne mit amerikanischen Akzent: Wenn Ice hier ins Graas beißt, wer gibt dann deem Hund zu fressen? Von diesen Sprachsamples gibt es dutzende. Am besten sind allerdings die Zwischensequenzen in Spielegrafik im Palast von Deidranner. Ihr Lakai Elliot ist es der ihr stets von eurem Fortkommen berichten muss. Fällt eine Stadt muss Elliot dafür büßen. Obwohl in billiger Spargrafik mit wenigen Animationen, sind diese Einspieler besser als mancher Renderfilm in heutigen Spielen. Das ganze Spiel ist vollgestopft mit witzigen aber nie albernen Chrakteren die das Spielgeschehen um eine weitere Komponente bereichern.

Grafik, Sound und Fazit

Die Grafik ist sicherlich kein Augenschmaus mehr. Niedrige Auflösung, nicht zoom oder drehbar und spärliche Animationen der Spielfiguren. Dennoch hat die Grafik selbst heute noch einen gewissen Charme, da die Gebiete sehr abwechslungsreich gestaltet sind und alles zueinander passt. Waffen und Schussgeräusche lassen einen Zusammenzucken wenn aus dem Hinterhalt geschossen wird und die Kugeln knapp an einem Vorbei fliegen. Die Musikuntermalung ist mittelmäßig, wird dafür aber Spielabhängig eingesetzt. Steht man unter Beschuss wird sie z.B. dramatischer. Die Sprecher der Figuren sind wie schon gesagt Erstklassik. Mit vielen Akzenten steigern sie die Atmosphäre und zaubern immer wieder ein Lächeln auf die Lippen. Dieses Spiel ist einfach von vorne bis hinten durchdacht und stimmig aufgebaut. Die offene Welt lädt zum Experimentieren ein, Bonusaufträge und zusätzliche Ausrüstung halten die Motivation hoch. Schwierigkeitsgrad und taktischer Anspruch fordern einen bis zum Schluss. Wer JA2 gespielt hat, wird es wieder spielen. Selbst heute ist das Spiel konkurrenzfähig. Da alle Spielelemente einfach perfekt und fehlerfrei funktionieren. Also wer es irgendwo zu kaufen sieht sollte zuschlagen. Wer weiß wann ein würdiger Nachfolger kommt.


Wertung
Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher schwer

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 100 Stunden



Kommentare(4)

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