Knackiger Taktik-Shooter mit fragwürdiger KI

Rainbow Six: Vegas ist, abgesehen vom allerersten Teil auf dem N64, das erste Rainbow-Spiel, das ich je wirklich ernsthaft gespielt habe. Gerade eben habe ich...

von EchnaTron am: 06.06.2009

Rainbow Six: Vegas ist, abgesehen vom allerersten Teil auf dem N64, das erste Rainbow-Spiel, das ich je wirklich ernsthaft gespielt habe. Gerade eben habe ich die letzte Mission durchgespielt und bin im Großen und Ganzen zufrieden geblieben. Denn die Konzentration auf Action statt auf minutiöse Planung gefiel mir sehr, da es eine Menge Tempo ins Spiel bringt und das 'Hah! Ich hab ihn erledigt'-Gefühl im Minutentakt eintritt.

Aber fangen wir oben an: Grafisch macht Vegas für 2006 natürlich eine Menge her, so lange man in den bunt leuchtenden und blinkenden Casinos unterwegs ist. In den oft eher grau-in-braunen Hinterhöfen und Kellern, sinkt das Niveau dann doch hinab. Die Charaktermodelle widerum sind jedoch sehr detailliert gestaltet. Allerdigs lassen die Gesichtsanimationen etwas zu wünschen übrig, da Emotionen dort eigentlich kaum abzulesen sind.
Die grafisch eher öden Levels werden aber glücklicherweise immer im richtigen Moment wieder von eindrucksvollen Bildern unterbrochen, daher stört es nicht merklich.

Der Sound ist (fast) absolut ohne Fehl und Tadel. Fast deshalb weil auf der positiven Seite die Waffensounds druckvoll aus den Boxen hämmern, Granaten dort Krach machen, wo sie hin fallen und die KI-Kameraden gut passende Meldungen durchgeben. Auf der negativen Seite ist anzukreiden, dass die deutschen Sprecher nicht die besten sind. Bekannte Stimmen sucht man vergebens und die Betonung lässt oft zu wünschen übrig, was an der Atmosphäre kratzt.

Die Bedienung ist Ubisoft hervorragend gelungen, da sie zwar leichte taktische Freiheiten lässt, aber nicht zu viel Tempo aus dem Spiel nimmt. Sicher wird der gestandene Rainbow-Veteran das leise, taktische Vorgehen mit Laufwegen, Go Codes und chirurgischer Präzision vermissen, aber wer sich schon lange eine zackigere und einschlagendere Art des Vorgehens gewünscht hat, der kommt voll auf seine Kosten.
Logan kann hinter Objekten in Deckung gehen und entweder blind oder gezielt - dann allerdings weniger gedeckt - dahinter hervorschießen. Das sieht sehr cool aus und macht eine Menge Spaß, zumal die Deckungsmöglichkeiten immer sehr realistisch und nicht konstruiert wirken. Säulen, umgestürzte Billardtische, Kisten, Autos und vieles mehr scheinen immer dort zu sein, so sie hingehören.
Das befehligen der beiden KI-gesteuerten Kollegen funktioniert schnell und unkompliziert. Mit dem Fadenkreuz wählt man den Punkt, an den sich die Mitstreiter bewegen sollen und mit der Leertaste wird der Marschbefehl gegeben. An Türen stellen sich die beiden auf kontextsensitiven Befehl auf, worauf dem Spieler die Möglichkeiten 'Tür aufsprengen', 'Granate und sichern' oder einfach nur 'Tür auf und sichern'. Außerdem können sich die Kollegen auf Befehl an vorgefertigten Punkten von Dächern oder Ballustraden abseilen.

Zugegeben, mit der Zeit fällt auf, dass die Vorgehensweise aufgrund der kleineren taktischen Freiheit am Ende immer die gleiche ist. Meist gibt es zwei oder drei Eingänge zu einem Raum mit Gegnern, an einer der Türen lässt man das Team sich aufstellen, markiert mit der Snake Cam zwei der Gegner und begibt sich zum zweiten Eingang, um dort die eventuell übrigen Feinde zu erledigen. Das Gefühl der Befriedigung wenn der Vorstoß schnell und erfolgreich über die Bühne geht, ist aber dann immer sehr groß

Die Story des Spiels ist für einen Shooter recht spannend geschrieben, allerdings wenig spannend präsentiert. Terroristen überfallen Las Vegas, stehlen Prototypen einer Bombe, aber später stellt sich heraus, dass mehr dahinter steckt. Sie, in der Rolle des Anführers des Rainbow-Teams Logan Keller werden im Hubschrauber von Einsatz zu Einsatz geflogen und sollen die Feinde aufhalten.
Was nach einer standardisierten Thriller-Story klingt, ist eigentlich wendungsreicher und spannender als man denken mag. Leider hat Ubisoft es aber versäumt, die Geschichte auch packend zu inszenieren. Choreographierte Zwischensequenzen wie in Turok sucht man genauso vergeblich wie cineastische Scriptereignisse wie in Crysis Warhead oder Call of Duty. Dennoch hält einen die Story bei der Stange und motiviert zum Weiterspielen.

Die Waffen stellen sich wie von Rainbow Six gewohnt realistisch und umfangreich dar. Von Pistolen über Maschinenpistolen, Sturmgewehre und leichte MGs bis zu verschiedenen Granaten. Die Waffen haben zwar verschiedene Werte in Durchschlagskraft, Genauigkeit und Reichweite, allerdings unterscheiden sie sich meiner Erfahrung nach in der Praxis nicht sehr voneinander. Die Ausrüstung für eine jede Mission lässt sich vorher im Helikopter frei wählen und immer wieder findet man in den Missionen Ausrüstungskisten, an denen man aufmunitionieren oder sich auch komplett neu bewaffnen kann.

Nun kommen wir zum einzigen wirklich gravierenden Kritikpunkt von Vegas: Der Gegner-KI. Das wird alte Rainbow-Spieler zunächst nicht sonderlich wundern, da die Reihe seit jeher für bodenlos dumme Gegner bekannt ist. Hier aber wurde gesagt, dass gerade die KI der Gegner viel besser sei als in den Vorgängern und die Feinde klug vorgehen würden. Aus meiner Erfahrung muss ich allerdings sagen, dass das nicht stimmt. Die Gegner sind immer noch äußerst einfältig, suchen zwar meistens recht clever Deckung, laufen aber auch gern sehenden Auges an den Rainbows vorbei um sich von hinten erschießen zu lassen, schießen auf wenige Meter vorbei und bemerken die Rainbows mindestens 3 Sekunden zu spät. Gern kommen sie auch auf recht doofe und ziellose Weise aus der Deckung gelaufen.
Zwar habe ich nur den niedrigen Schwierigkeitsgrad gespielt, da es aber nur zwei davon gibt, glaube ich kaum, dass auf dem höheren dort so große Unterschiede bestehen können und größtenteils muss man dort einfach von offensichtlichen Aussetzern reden.

Zwar zieht das ab und an die Atmosphäre etwas nach unten, es macht das Spiel aber nicht schlecht. Rainbw Six: Vegas ist ein spaßiger, geradliniger Taktikshooter, den ich gerne durchgespielt habe. Es bietet für diejenigen, die unkomplizierte Action mit der Genugtuung die Gegner ausgetrickst zu haben, suchen, genau das Richtige und nach dem grottigen Lockdown ein mehr als würdiges Comeback der Rainbow Six Reihe.

Grafik: 9
Sound: 9
Balance: 8
Atmosphäre: 9
Bedienung: 10
Umfang: 9
Leveldesign: 10
KI: 6
Waffen/Extras: 10
Handlung: 9

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Wertung
Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher leicht

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 10, weniger als 20 Stunden



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